E-Book, Deutsch, 417 Seiten
Paulus Gedichte
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3316-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 417 Seiten
ISBN: 978-3-8496-3316-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eduard von Paulus d. J. war ein deutscher Kunsthistoriker und Prähistorischer Archäologe. Daneben betätigte er sich als Schriftsteller. Dieser Sammelband beinhaltet seine besten lyrischen Schöpfungen.
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O wie rinnt in meine Glieder
Eine stille Seligkeit,
Sonntag, Sonntag ist es wieder,
Abgelegt das Werktagskleid.
O wie machst du jede Plage,
Alles wieder schön und gut,
Nachgeschmack von jenem Tage,
Da der Herr der Welt geruht.
Rufst in unserer gescheiten,
Fleiß'gen Welt oft wunderbar
Mir zurück die seligen Zeiten,
Als es immer Sonntag war.
Für die nächste Schöpfungsfrage
Mach' ich, Herr, den Vorschlag nun:
Ruhen mögst du sechs der Tage
Und am siebten gar nichts thun.
Mein Herz ist gut.
Mein Herz ist gut, mein Ruf ist schlecht,
Ich führ' ein Heidenleben,
Und lache mit dem bunten Specht
Und weine mit den Reben.
Im Thale weiß ich jeden Baum
Und eine jede Blüte,
Den allergrünsten Waldessaum
Führ' ich mir zu Gemüte.
Weiß, wo die schönste Quelle blitzt
Durchs finstre Felsgesteine,
Die seligste der Drosseln sitzt
Im Abendsonnenscheine.
Auch jedes gute Menschenherz
Weiß ich geschickt zu grüßen,
Mit meinem kinderleichten Scherz
Sein Leben zu versüßen.
So liebt mich alles weit und breit,
So hallt durch meine Lieder
Der teuren Heimat Herrlichkeit
In hoher Wonne wieder.
Und wenn ich durch des Todes Joch
Einging zum ew'gen Leben,
Wird sanft von mir ein Odem noch
Mein Heimatthal umschweben.
Sonderbar.
Sonderbar, ein solcher Abend
Ist nicht übertrieben labend,
Trotz der honigsüßen Torten
Und des Weins von allen Sorten.
Trotz der liebenswürd'gen Damen,
Welche hier zusammen kamen;
Jede ist für sich allein
Süßer noch als Tort' und Wein.
Aber sind es gar so viele,
Greift man zum Gesellschaftsspiele,
Wieder mit Verwegenheit
Spielen sie Verlegenheit.
Und der Mann in seinem Grame
Wendet sich von seiner Dame,
Wird dem Becher wieder hold
Und tritt ab als Trunkenbold.
Poesie.
O Zaubrin Poesie,
Du hast mich stets benebelt,
Und hast mir Hand und Knie
Von Jugend auf geknebelt.
Mein Vater sandte mich
Nach vieler Herren Ländern,
Da draußen sollte sich
Des Sohnes Sinn verändern.
Sein Wesen wurde zwar
Beweglicher und freier,
Doch als er heimkam, war
Mit ihm die alte Leier.
Ernst, der Gymnsilke.
1.
Ach jeden Morgen knappe
Ich schwer mit meiner Mappe
In das Gymnasium;
O wie viel besser triebe
Ich mich mit meiner Liebe
Am Lindenplatz herum.
Die Herren Professoren
Zerreißen mir die Ohren
Mit ihrem Redefluß;
Ich weiß nicht, was sie wollen,
Und meine Thränen rollen
Auf meinen Livius.
2.
Immer doch auf der Altane
Bin ich so alleine,
Forsch' in meinem finstern Wahne
Starr in ihrem Stundenplane,
Zittere und weine.
Sie indes im Haus der Fibel
Wird die allerletzte,
Weil sie, denkend an's Geliebel,
Im Französischen "terribel"
Mit "ernst" übersetzte.
Und zu Hause, wehe, wehe.
Wohnt sie unter Drachen,
Die, wenn ich vorübergehe
Und nach der Geliebten sehe,
Zu den Laden machen.
Die Geliebte.
Mein Vater ist ein Fiedelmann,
Der wunderherrlich geigen kann,
Wie geiget er so schöne,
Er geiget fis und geiget cis,
Das giebt ins Herz mir einen Riß,
Die vielen, vielen Töne.
Meine Mutter ist eine große Dam',
Die sitzt so da als wie im Gram,
Und thuet nichts als schweigen,
Der Vater auch macht nicht viel Wort,
Und geht gleich nach dem Essen fort,
Zu fischen und zu geigen.
Mein Liebster ist ein Gymnasist,
Was eigentlich noch gar nichts ist,
Doch ist er gar so holde,
Und käme selbst ein Lieutenant
In silberstrotzendem Gewand,
Ich keinen andern wollte.
Die Eltern nicht verliebt mehr sind,
Ich bin das allereinz'ge Kind
Und sitze so alleine,
Und wenn die schöne Mutter schweigt,
Und wenn der gute Vater geigt,
Ich oft im stillen weine.
Die Geliebte vor dem Pfarrer.
Das arme Kind, der Pfarrer mußt'
Das Schreckliche erfahren,
Sie steht vor ihm sich kaum bewußt
Mit ihren goldnen Haaren.
Der Pfarrer denkt in seinem Sinn:
Noch eine süße Speise,
Der feine Mund, das weiche Kinn,
Die Stirn, die blendend weiße.
Gewöhnlich ruft uns unsre Pflicht
Zu vorgerücktern Damen,
Zu solchen Jungfraun, welche nicht
Sich mehr verbräutigamen.
Sie aber ist nicht fünfzehn Jahr
Und schon so ausgebildet,
Und ihre Augen sind fürwahr
Von Liebe schon durchmildet.
Und eine Wehmut überschleicht
Den alten Seelenhirten,
Dann aber spricht er: Kind, wie leicht
Zählt man zu den Verirrten.
Mit einem Jüngling stehst du schon
In zärtlicher Bekanntschaft,
Mir sagt es mit gerechtem Hohn
Die sämtliche Verwandtschaft. –
Wie wurde wie das Blut so rot
Das Kind, das heilig holde,
Und wieder blaß als wie der Tod,
Als ob sie sterben sollte.
Dann aber ist ein Thränenstrahl
Aus ihr hervorgebrochen, –
Ich habe nur ein einzigmal
Mit ihm ein Wort gesprochen.
Der Mantel.
Wär' die Welt nur bloß gemein,
Doch sie stört auch unsern Wandel,
Hülle mich noch fester ein,
Alter Philosophenmantel.
Alter Freund und Havelock,
Du mein einzig Hausgeräte,
Aber wie des Heilands Rock,
Stark gewirkt und ohne Nähte.
Was dir zwar nichts Neues war,
Eine Liebe sahst du sterben,
Und so ließ ich dieses Jahr
Dunkelmumienbraun dich färben.
Halbägyptisch eingesargt.
Geh' ich um in diesem Tuche,
Geh' ich durch des Lebens Markt,
Wie zu flüchtigem Besuche.
Meine Straße.
Königsstraße, meine Wonne,
O was wär' ich ohne dich,
Auf dein Pflaster scheint die Sonne,
Wenn es noch so winterlich.
Schon seit zwanzig Jahren schreite
Ich an deiner Sommerseite,
Wurde niemals deiner satt,
Hauptpulsaderstrom der Stadt.
Sehe hier mit schnellen Schritten
Treffliche Israeliten,
Welche an des Volkes Heil
Unablässig nehmen teil.
Auch erscheinen, freilich minder
Häufig, unsre schönen Kinder,
Mädchenjugend, hoch entblüht,
Kinder nur noch im Gemüt.
Ferner Dichter, groß von Namen,
Denen kolossale Dramen,
Während sie vorüber gehn,
Sich im Eingeweide drehn.
Redakteure dann der Blätter,
Jene mager, diese fetter,
Diese rosig, jene fahl,
Je nach Abonnentenzahl.
Und am Ende wie ein Kläger
Mir der eigene Verleger,
Drei Kritiken in der Faust,
Trüben Augs hinunter saust.
In dem Café hat sein Ziel er,
Wo die Schau- bis Trauerspieler,
Götzenartig wunderbar,
Mit gebranntem Lockenhaar.
Nur im Fluge dort verweil' ich,
Wieder auf die Straße eil' ich,
Und schon auf dem vierten Stein
Stellt ein lieber Freund sich ein.
Wenn ich einst im Grabe ruhe,
Wird man geistweis meine Schuhe,
Einwärts, wie sie jetzt schon gehn,
Diese Straße wandeln sehn.
Vor der Stadt.
Mußtet mich schon wieder locken,
Ihr geliebten Pflastersteine,
Bei dem ersten Sonnenscheine
Werdet ihr schon wieder trocken.
Neben eurem reinen Kandel,
Drin Schneewasser niederschäumen,
Geh' ich gar so gern in Träumen
Mit gedanken-schwerem Wandel.
Nur von ferne hör' ich tosen
Hier den Wogenschlag der Menge,
Wie sie in der Gassen Enge
Ewig aufeinander stoßen.
Aber hier ist Friede, Friede,
Hier die letzten Häuser stehen,
Zwischen Gärten darf ich gehen,
Bei der Vögel frohem Liede.
Bis zum freien Walde draußen
Wächst hier Baum an Baum hinüber,
Selig bis zu mir herüber
Bricht der Frühlings-Stürme Sausen.




