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Paver | Gods and Warriors - Im Bann der Feuergöttin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Gods and Warriors

Paver Gods and Warriors - Im Bann der Feuergöttin

Band 2
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-13698-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Gods and Warriors

ISBN: 978-3-641-13698-7
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn der Zorn der Götter erwacht

Auf der Suche nach seiner entführten Schwester gerät Hylas in die Gewalt brutaler Sklavenhändler. Er wird gezwungen, unter Tage in einem Kupferbergwerk zu schuften. Aus der Mine zu entkommen, scheint unmöglich zu sein. Doch Hylas muss fliehen, bevor seine Todfeinde, die Krähenkrieger, seinen Aufenthaltsort herausfinden.

Pirra, die Tochter der Hohepriesterin, eilt ihm zu Hilfe – und mit ihr ein verwaister junger Löwe. Eine Jagd voller Gefahren beginnt. Aber Hylas weiß, dass er seinem Schicksal nicht entgehen kann. Denn der Zorn der Götter ist erwacht!

1960 im heutigen Malawi geboren, wächst Michelle Paver in England auf und lebt heute in Wimbledon bei London. Ihren Beruf als Patentanwältin in einer großen Londoner Kanzlei gab sie auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Schon als Kind war sie begeistert von Mythen und Geschichten aus der vorgeschichtlichen Zeit. Nachdem sie zunächst historische Romane für Erwachsene veröffentlicht hatte, beschäftigte sie sich erneut mit der Geschichte eines Jungen und eines Wolfs, die sie zwanzig Jahre zuvor begonnen hatte. Die Geburtstunde von Torak war gekommen.Für ihre Recherchen zur 'Chronik der dunklen Wälder' unternahm sie ausgedehnte Reisen in die Wildnis Lapplands.

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Verschwinde«, rief Hylas.

Das Wildschwein warf ihm einen leicht gereizten Blick zu und wälzte sich unbeeindruckt im Schlamm. Die Bache ließ es sich mit ihren Frischlingen an der Quelle gut gehen und war keineswegs bereit, den Platz für einen mageren, durstigen Jungen zu räumen.

Ein kühler Ostwind blies über die Hügelflanke, schüttelte die Disteln und bohrte sich in Hylas’ zerlöcherte Tunika. Er war erschöpft, seine wunden Füße schmerzten und in seinem Trinkschlauch befand sich seit gestern Abend kein Tropfen mehr. Er musste unbedingt an diese Quelle und trinken.

Hylas legte einen Kieselstein in seine Schleuder und traf das Wildschwein am Rücken. Das Tier schien es nicht einmal zu bemerken. Er atmete tief aus. Was sollte er jetzt tun?

Mit einem Mal stemmte sich das Wildschwein aus dem Liegen auf, stellte den Schwanz in die Höhe und preschte davon, dicht gefolgt von den Frischlingen.

Hylas kauerte sich hinter einen Dornenbusch. Was hatte die Tiere in die Flucht getrieben?

Kurz darauf trat völlige Windstille ein und die Nackenhaare des Jungen richteten sich auf. Die Ruhe war beängstigend und seltsam.

Der Löwe tauchte wie aus dem Nichts auf.

Er kam mit langen Schritten den Hang herab und blieb dicht neben dem Versteck des Jungen stehen.

Hylas hielt den Atem an. Der Löwe war ihm so nahe, dass er den Moschusgeruch des Felles roch und hörte, wie der Staub, den die mächtigen Pfoten aufgewirbelt hatten, leise zu Boden fiel. Die gelbbraune Mähne wogte sanft. Stumm bat Hylas das Tier, sein Leben zu schonen.

Der Löwe wandte das Haupt und blickte ihn an. Seine goldfarbenen Augen strahlten heller als die Sonne – und Hylas spürte, dass das Tier ihn erkannte. Es konnte seinen Geist sehen wie einen Kieselstein auf dem Grund eines tiefen, klaren Teiches. Der Löwe wollte, dass er etwas Bestimmtes tat. Hylas wusste zwar nicht, was, spürte den Befehl jedoch ganz deutlich.

Der Löwe hob erneut das Haupt und witterte. Dann setzte er mit langen Sprüngen den Hang hinab, schnellte geräuschlos auf einen hohen Felsen, und war im nächsten Augenblick im Dickicht verschwunden. Nur der Moschusgeruch und die Abdrücke seiner Pfoten blieben von ihm zurück.

Der Wind frischte auf und blies Hylas Staub in die Augen. Der Junge erhob sich zitternd.

Die tiefen Spuren, die der Löwe an der Quelle hinterlassen hatte, füllten sich langsam mit Wasser. Hylas kniete neben einem Abdruck nieder, der so groß wie sein Kopf war. Wasser im Pfotenabdruck eines Löwen verlieh besondere Stärke. Er beugte sich vor und trank.

Plötzlich erwischte ihn ein heftiger Schlag am Kopf und streckte ihn zu Boden.

»Vielleicht hätte dich der Trunk stärker gemacht«, ertönte eine Stimme. »Aber Glück hat er dir nicht gebracht.«

»Wohin bringen sie uns?«, wimmerte der Junge neben Hylas.

Niemand gab Antwort. Niemand wusste es.

Das Schiff war dicht beladen: Jeweils zehn Sklaven waren auf jeder Seite an die Ruder gefesselt und zwanzig weitere drängten sich dicht nebeneinander an Deck. Acht bullige Aufseher schwangen Peitschen mit kupfernen Spitzen.

Hylas saß eingezwängt an der Bordkante des knarrenden Schiffes, das von den Wellen wie eine Nussschale hin- und her geworfen wurde. Seine Handgelenke schmerzten, das Lederhalsband scheuerte an seinem Hals, und der Kopf tat ihm weh. Vor zwei Tagen hatte ihm einer der Sklavenfänger das helle Haar rabiat abgeschnitten.

»Woher kommst du?«, hatte der Mann gebellt, während er Hylas die Kleidung vom Leib riss und ihn ebenso brutal wie fachmännisch fesselte.

»Der ist auf der Flucht«, grummelte sein Kumpan, und schob Hylas die Lippen hoch, um seine Zähne zu überprüfen. »Das sieht man sofort.«

»Stimmt das, Junge? Warum fehlt dir ein Stück vom Ohrläppchen? Ist das die Strafe für Diebe, da, wo du herkommst?«

Hylas hatte sich in trotziges Schweigen gehüllt. Mit Pirras restlichem Gold hatte er einen Viehhirten dafür bezahlt, ihm den unteren Teil seines Ohrläppchens abzuschneiden. Die Narbe dort hätte ihn sonst überall als Fremdling verraten.

»Jedenfalls hat er uns verstanden«, stellte der kleinere der beiden Wächter fest. »Also muss er Achäer sein. Woher kommst du? Aus Arkadien? Messenien? Lykonien?«

»Ist doch egal«, knurrte der andere. »Der ist so kräftig, dass er zur Spinne taugt.«

Was bedeutet das?, dachte Hylas benommen.

Wer waren diese Männer? Sie trugen Tuniken aus grober Wolle und Umhänge aus speckigem Schafsleder. Sie glichen eher Bauern als Krähenkriegern, aber vielleicht arbeiteten sie für die Krähen. Sie durften auf keinen Fall herausbekommen, wer er war.

Eine Welle schwappte Hylas ins Gesicht und holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Der Junge neben ihm stöhnte laut auf und übergab sich dann in seinen Schoß.

»Besten Dank«, murmelte Hylas.

Der Junge fauchte schwach zurück.

Angewidert drehte sich Hylas weg und blickte aufs Meer. Das Schiff lag tief im Wasser, und er hielt schon seit einer Weile nach Delfinen Ausschau, bisher leider erfolglos. Er dachte an Filos, den Delfin, mit dem er im letzten Sommer Freundschaft geschlossen hatte. Zumindest war Filos wieder glücklich mit seiner Schar vereint. An diesen aufmunternden Gedanken klammerte sich Hylas.

Vielleicht war inzwischen auch Pirra im weit entfernten Keftiu die Flucht geglückt. Pirra war die Tochter der Hohepriesterin und unvorstellbar reich. Sie hatte ihm jedoch einmal gesagt, dass sie alles dafür geben würde, frei zu sein. Damals hatte er sie für verrückt gehalten. Inzwischen wusste er es besser.

Beunruhigend dicht neben seinem Platz durchschnitt eine Flosse das Wasser. Der Hai fixierte ihn mit seinen leeren schwarzen Augen und tauchte dann wieder ab. Deswegen gibt es hier keine Delfine, dachte Hylas. Hier sind zu viele Haie.

»Das ist schon der siebte Hai, seit wir abgelegt haben«, sagte der Mann an der anderen Seite des seekranken Jungen. Seine gebrochene Nase war schief zusammengewachsen, und er blickte müde in die Welt, als habe er schon zu viel Schlimmes gesehen.

»Warum folgen uns die Haie?«, murmelte der seekranke Junge.

Der Mann zuckte die Achseln. »Tote Sklaven werden einfach über Bord geworfen. Das ist leichte Beute für sie.«

Ein knallender Peitschenhieb traf ihn an der Wange. »Maul halten!«, brüllte ein Aufseher mit besonders dickem Wanst.

Obwohl Blut in den Bart des Mannes troff, zuckte er mit keiner Wimper. In seinem starren Blick konnte Hylas jedoch lesen, dass er sich gerade vorstellte, wie er dem Aufseher ein Messer in den haarigen Bauch rammte.

Dem Stand der Sonne nach zu urteilen, fuhren sie seit Tagesanbruch in südöstliche Richtung und entfernten sich damit stetig von Achäa. Hylas ärgerte sich über seine eigene Dummheit. Ein unachtsamer Augenblick hatte alle seine Anstrengungen zunichte gemacht.

Stumm bat er seine kleine Schwester Issi um Verzeihung.

Seine Schuldgefühle machten ihm schwer zu schaffen. Er hatte nur eine einzige Erinnerung an seine Mutter: Sie hatte ihn darum gebeten, seine kleine Schwester zu beschützen, und ausgerechnet dabei hatte er versagt. Als die Krähen damals ihr Lager angegriffen hatten, war es ihm zwar gelungen, die Krieger wegzulocken, aber anschließend hatte er Issi nicht mehr finden können. Wusste sie, dass er den Lockvogel gespielt hatte, um sie zu retten? Oder glaubte sie vielmehr, er hätte sie im Stich gelassen, um seine eigene Haut zu retten?

Seither war ein Jahr vergangen. Das Einzige, was er bisher in Erfahrung gebracht hatte, war, dass Issi sich möglicherweise in Messenien befand, im Westen Achäas. Im Sommer hatte er sich eine Schiffspassage dorthin gekauft, doch das Schiff war nur von Insel zu Insel geschippert und schließlich in Mazedonien vor Anker gegangen, viel zu weit nördlich.

Acht Monate hatte er sich allein durch ein unbekanntes Land voller feindseliger Bauern und bissiger Hunde schlagen müssen, von einem Versteck zum nächsten. Allmählich verblasste die Erinnerung an seine temperamentvolle, redselige Schwester. Am schlimmsten war, dass er sich inzwischen kaum noch an ihr Gesicht erinnern konnte.

Anscheinend war er kurz eingenickt, denn das aufgeregte Murmeln der Sklaven weckte ihn. Nicht weit entfernt war Land in Sicht.

Im rot glühenden Sonnenuntergang ragte ein breiter schwarzer Berg mit von Wolken umlagertem Gipfel aus den Wellen empor. Der Gipfel war seltsam abgeflacht, als hätte ihn ein erzürnter Gott mit einem mächtigen Hieb gekappt.

Am Fuß des Berges zeichnete sich eine Bucht mit kohlefarbenem Sand ab. Sie war von zwei Landzungen eingefasst, die sich wie ein aufgerissenes Maul krümmten. Während das Schiff langsam in die Bucht glitt, hörte er das Kreischen der Seevögel und laute Hammerschläge. Ein eigentümlicher Geruch nach verdorbenen Eiern stieg ihm in die Nase.

Mit gerecktem Hals spähte er zur westlichen Landzunge hinüber. Hoch oben auf einem Felskamm stiegen aus großen Feuern dichte Rauchwolken auf. Auf der gegenüberliegenden Landzunge erhob sich auf einem steilen Hügel eine mächtige steinerne Mauer, die eine herrschaftliche Festung umschloss. Die Fackeln auf der Mauerkrone glichen wachsamen Augen. Von dort oben konnte man die gesamte Insel überblicken. Von dort oben entging einem nichts.

»Wo sind wir hier?«, wimmerte der kranke Junge....


Reinhardus, Sabine
Sabine Reinhardus, Jahrgang 1958, studierte Modedesign an der UdK in Berlin und Literarisches Übersetzen in München. Sie übersetzt seit vielen Jahren Kinder- und Jugendbücher, aber auch Sachbücher aus dem Englischen, Französischen und Niederländischen. Sie lebt in Genf.

Paver, Michelle
1960 im heutigen Malawi geboren, wächst Michelle Paver in England auf und lebt heute in Wimbledon bei London. Ihren Beruf als Patentanwältin in einer großen Londoner Kanzlei gab sie auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Schon als Kind war sie begeistert von Mythen und Geschichten aus der vorgeschichtlichen Zeit. Nachdem sie zunächst historische Romane für Erwachsene veröffentlicht hatte, beschäftigte sie sich erneut mit der Geschichte eines Jungen und eines Wolfs, die sie zwanzig Jahre zuvor begonnen hatte. Die Geburtstunde von Torak war gekommen.Für ihre Recherchen zur 'Chronik der dunklen Wälder' unternahm sie ausgedehnte Reisen in die Wildnis Lapplands.

Jung, Gerald
Gerald Jung studierte Germanistik, Amerikanistik und Anglistik, und übersetzt seit vielen Jahren Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zum seinem Übersetzungswerk gehören u.a. AutorInnen wie Joyce Carol Oates, Jeffery Deaver, Ray Bradbury, Terry Pratchett, Mary E. Pearson und Jonathan Stroud. Seit einigen Jahren übernimmt er auch Übersetzungen im Bereich Kino- und TV-Filme. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Literatur, Kino, Musik, Geschichte und Motorradfahren.



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