E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten
Reihe: Magnolia Falls
Pavlov Magnolia Falls 1: Loving Romeo
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-94006-0
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Good Girl trifft Bad Boy in dieser gefühlvollen Small-Town-Romance
E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten
Reihe: Magnolia Falls
ISBN: 978-3-646-94006-0
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Laura Pavlov schreibt romantische und moderne Liebesromane, die ihre Leser*innen sowohl zum Lachen, als auch zum Weinen bringen. Sie ist glücklich verheiratet mit ihrer College-Liebe, Mutter zweier großartiger, fast erwachsener Kinder und Hundeflüsterin für einen temperamentvollen Yorkie und einen wilden Bernedoodle. Laura wohnt in Las Vegas, wo sie sie ihr eigenes Happy-End lebt.
Weitere Infos & Material
1
ROMEO
Rülpsen.
Furzen.
Verarschen.
Das waren unsere Stärken.
Die Jungs und ich saßen auf denselben Plätzen wie jede Woche, das hatte seit einer gefühlten Ewigkeit Tradition. Es war die Macht der Gewohnheit oder des Aberglaubens – oder vielleicht ein bisschen von beidem. Boxer sind in diesem Punkt anders als Rennfahrer. Es gibt keine stinkenden Socken, die ein Typ ein ganzes Jahr lang trägt, aber wir haben unsere eigenen Rituale, die manch einem vielleicht seltsam vorkommen, daher auch die feste Sitzordnung. Wir trafen uns im Knockout, dem Boxclub, der jetzt mir gehörte und in den wir seit unserer Kindheit gingen. In diesen vier Wänden war ich praktisch aufgewachsen. Verdammt, im Grunde traf das auf uns alle zu.
»Heute gibt’s viel zu besprechen.« River sah Kingston und Nash mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er ließ sich von keinem was gefallen und war der Erste, der einen zur Rede stellte, wenn er mit irgendwas ein Problem hatte.
»Jammern wir immer noch wegen dem Scheiß-Coffeeshop rum?« Kingston stöhnte. Er und River waren die einzigen biologischen Brüder in der Gruppe, aber im Geiste waren wir das auf unsere Art alle. Auf die Art, die am meisten zählte.
Nash stieß ein bellendes Lachen aus. Ihm und Kingston gehörte die Baufirma ROD Construction, was für Ride or Die stand, die Worte, die wir uns alle vor Jahren auf die Haut tätowiert hatten. »Mann, es war doch bloß ein Job. Was hätten wir denn tun sollen? Den Auftrag ablehnen? Wir hätten wie Trottel ausgesehen. In den letzten vier Jahren haben wir jede Renovierung in der Stadt angenommen.«
»Überraschung! Ihr seht trotzdem wie Trottel aus. Das hat nichts mit den Jobs zu tun, die ihr annehmt.« River lachte leise. »Aber wahrscheinlich habt ihr einfach nur Schiss, es euch mit den Crawfords zu verscherzen.«
Der Familie Crawford gehörten fast alle Immobilien in Magnolia Falls, der Kleinstadt, in der wir aufgewachsen waren. Crawfords Name zierte das Schild der Hauptgeschäftsstraße, die Schulen der Stadt und die Bibliothek … die Liste war endlos. Sie waren stinkreich, und wir hatten unsere Gründe, sie zu hassen.
Doch ich hatte für Nash und Kingston Partei ergriffen, als Demi Crawford sich nach Jahren fernab an der Uni entschieden hatte, einen Coffeeshop direkt neben meinem Boxclub zu eröffnen. Die Bezahlung war gut, und meine persönlichen Differenzen sollten ROD Construction auf keinen Fall im Weg stehen. Die Jungs hatten ja nicht privat mit ihr abgehangen, sondern waren nur dort gewesen, um ihren Job zu erledigen. River sah das jedoch anders.
»Ich hab dir doch erklärt, dass Saylor sich an der Uni mit ihr angefreundet hat, und laut dem Sonnenschein, mit dem ich irgendwie dieselbe DNA teile, ist Demi cool. Ihre Worte, nicht meine. Ganz offensichtlich.« Hayes verdrehte die Augen bei der Erwähnung seiner jüngeren Schwester, die er abgöttisch liebte und die ein viel freundlicheres Gemüt als ihr grüblerischer großer Bruder hatte. »Die Crawfords sind ganz sicher keine Freunde von mir, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht manchmal mit einem von ihnen zusammenarbeiten müssen. Immerhin leben wir in derselben beschissenen Kleinstadt wie sie. Letztes Jahr musste ich das Feuer in ihrem Gästehaus löschen, und ihr habt mir nicht die Hölle heißgemacht, weil ich es nicht einfach hab abbrennen lassen.«
»Scheiß drauf. Das Projekt ist endlich abgeschlossen.« River nippte an seinem Kaffee und lehnte sich auf der Ledercouch im Hinterzimmer zurück, wo unsere Treffen immer stattfanden. »Jetzt können wir also aufhören, dem Teufel in den Arsch zu kriechen?«
»Korrekt. Aber ich muss euch sagen – sie ist nicht die reiche Zicke, für die ihr sie haltet«, erklärte Kingston und hob abwehrend die Hände hoch, damit River ihm nicht gleich an die Kehle ging. »Ich meine ja bloß. Sie hat auch noch die Wohnung über dem Laden renovieren lassen und wird dort einziehen. Nicht ganz der Elfenbeinturm, den ihr euch anscheinend vorstellt. Meine Meinung.«
»Oh, lass mich raten. Du willst jetzt eine Scheiß-Crawford daten?«, zischte River.
»Schalt mal einen Gang runter, Schwachkopf. King war gestern Abend mit mir was trinken, und ich kann dir versichern, dass er nicht auf der Suche nach nur einem Date ist«, sagte Hayes über das Gelächter hinweg. »Er will jede daten.«
»Bei dir klinge ich wie ein Arschloch. Ich halte mir nur gern ein paar Optionen offen. Und nein, ich will Demi Crawford nicht daten. Sie ist viel zu süß für meinen Geschmack.« Kingston hob die Augenbrauen. Er wusste, dass dieses Thema seinem Bruder unter die Haut ging.
Die Abneigung gegen die Crawfords war in uns allen tief verwurzelt. Und das zu Recht. Doch Demi war im Grunde nicht in die Sache involviert gewesen, und keiner von uns kannte sie besonders gut, weil sie die schicke Privatschule besucht hatte, während wir auf die öffentliche Highschool gegangen waren. Zumindest an den Tagen, an denen wir tatsächlich dort aufgekreuzt waren. Keiner von uns hatte sonderlich gute Noten geschrieben, aber wir hatten alle einen Abschluss geschafft.
River und ich hatten nach den Monaten im Jugendknast eine schwere Zeit durchgemacht, aber wir hatten beide hart gearbeitet, um unser Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Wenn man erst mal seinen Ruf weghat, ist es schwer, das Ruder herumzureißen. Menschen lieben es, über andere zu urteilen – und das Urteil über uns war klar.
»Den Crawfords liegt das Böse im Blut. Aber wir haben genug Zeit damit verschwendet, über sie zu reden. Lasst uns zum Elefanten im Raum übergehen, nicht wahr, Golden Boy?« River richtete seine Aufmerksamkeit auf mich.
Die Jungs hatten mir diesen Spitznamen gegeben, der sich auch in meiner Boxkarriere durchgesetzt hatte. Ich war der Jüngste in der Gruppe, und wir hatten viel zusammen durchgestanden. Wir hatten uns angefreundet, als wir noch Kinder gewesen und sie zufällig in der Gasse hinter dem Club auf mich gestoßen waren, wo ich gegen drei Typen gekämpft hatte, die alle mehrere Jahre älter waren als ich. Sie hatten mir aus der Patsche geholfen. Seitdem waren wir beste Freunde.
»Wen zum Teufel müssen wir wegen dem Bullshit vermöbeln, den dieses Arschgesicht da schon wieder abzieht?« Hayes beugte sich vor, die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt. Er war Feuerwehrmann und sah dementsprechend aus: groß und tough, einfach ein knallharter Typ.
»Er will doch nur Aufmerksamkeit.« Übertrieben lässig zuckte ich mit den Schultern und versuchte, cool zu wirken, obwohl mir die Sache an die Substanz ging.
Leo »The Flamethrower« Burns war Profiboxer. Sie nannten ihn The Flamethrower, weil er behauptete, sein rechter Haken wäre der Kuss des Todes.
Vor einiger Zeit hatte er den Meisterschaftsgürtel an Gunner Waverly verloren. Es war die einzige Niederlage in seiner gesamten Karriere, und seit Monaten heulte er sich bei jedem aus, der ihm zuhörte. Er wollte eine Revanche. Behauptete, es sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen und Gunner habe nur Riesenglück gehabt.
In der Branche war Leo ein großer Name. Er hatte eine riesige Fangemeinde auf Social Media, und die Presse liebte ihn, weil er völlig durchgeknallt und unberechenbar war. Einmal hatte er einen Stuhl durch das Fenster eines Restaurants geworfen, weil die Bedienung ihn nicht erkannt und sich erdreistet hatte, ihn zu bitten, auf einen freien Tisch zu warten.
Der Kerl war ein echtes Arschloch. Und aus irgendeinem abgefuckten Grund hatte er jetzt mich auf dem Schirm. Interessanterweise war nämlich der Kampf, der mir vor ein paar Jahren den Profistatus eingebracht hatte, gegen Gunner Waverly gewesen. Damals war der selbst gerade erst Profi geworden. Mein Vater hatte seine Beziehungen spielen lassen, und Gunner hatte eingewilligt, gegen mich anzutreten. Damals war er noch kein großer Name gewesen, und es hatte kein großes Aufsehen erregt, als ich gegen ihn gewann. Kurz darauf hatte ich der Boxwelt den Rücken gekehrt. Gunner hingegen hatte anschließend eine steile Karriere hingelegt. In einem spektakulären Kampf hatte er Leo den Gürtel abgenommen, und Leo hatte auf jedem Nachrichtensender eine Revanche gefordert. Wir spulen ein paar Wochen vor: Nach einem Verkehrsunfall musste Gunner ein Fuß amputiert werden. Diesen Scheiß kann man sich nicht ausdenken. Gunner hatte sich offiziell aus der Boxwelt zurückgezogen und seitdem Leo nicht aufgehört, wie ein bockiges Kleinkind zu toben, dem man das Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Der Mann hatte verdammt noch mal einen Fuß verloren, und Leo beschwerte sich jammernd, dass er jetzt seine Revanche nicht mehr bekommen würde.
Und genau zu dem Zeitpunkt wurde ich in diesen Mist reingezogen.
Wie es das Schicksal so wollte, war ich zufälligerweise der Letzte, gegen den Gunner Waverly jemals verloren hatte. Aus diesem Grund schoss Leo sich jetzt darauf ein, seinen Namen zu rehabilitieren, indem er gegen mich boxte. Da Leo der Letzte war, der vor Gunner den Meisterschaftsgürtel getragen hatte, meinte er gegen mich kämpfen zu müssen, um den Gürtel zurückzubekommen. Und allen zu beweisen, dass er besagten Titel verdiente. Obwohl niemand wusste, wer zum Teufel ich war. Und für mich war dieser Mangel an Berühmtheit auch völlig in Ordnung.
»Er ist ein echter Mistkerl. Aber wenn du gegen dieses Arschloch antrittst, dann stehen wir hinter dir«, sagte Kingston kopfschüttelnd. Meine Jungs hatten mich bei jedem einzelnen Kampf begleitet, seit ich in der Highschool mit Boxen angefangen hatte. So waren wir nun mal. Wir...




