Pedersen | Die Wikingerbrüder - Arnulf | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 291 Seiten

Pedersen Die Wikingerbrüder - Arnulf

Historischer Roman | Band 1
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-259-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman | Band 1

E-Book, Deutsch, 291 Seiten

ISBN: 978-3-98952-259-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Wikingerzeit - eine Zeit, in der Familienbande alles bedeuten und fürs Überleben bitter gekämpft werden muss ... Adler und Wolf: Der junge Wikinger Arnulf ist so wild und unerschrocken wie seine beiden Totemtiere. Voller Tatendrang blickt er den Abenteuern und Heldentaten entgegen, die auf See auf ihn warten. Doch als das blutbefleckte Schiff seines Bruders Helge in den Hafen einläuft, werden seine Träume jäh zerschmettert. Blind vor Trauer begeht Arnulf ein folgenschweres Verbrechen, das den Lauf seines Lebens für immer verändern wird - und Arnulf zur überstürzten Flucht aus Dänemark zwingt. Auf seiner gefährlichen Reise trifft er schließlich auf die Wikinger aus Jomsborg, denen ein tödlicher Ruf vorauseilt. Arnulf will sich den rauen und abgehärteten Kriegern anschließen, doch dafür muss er sich erst Anerkennung verschaffen. Jedes Zeichen von Schwäche könnte sein Ende bedeuten ... Der erste Band der epischen »Wikingerbrüder«-Saga über Ehre, Treue und Blutsbande; für Fans von Bjørn Andreas Bull-Hansen, Bernhard Cornwell und »Vikings Valhalla«

S. C. Pedersen (geb. 1967) ist eine dänische Schriftstellerin und Musikerin. In ihrer mitreißenden Reihe um den mutigen Krieger Arnulf erweckt sie die Wikingerzeit wieder zum Leben - die fiktionalen Ereignisse und Figuren in ihren Romanen basieren auf gründlicher Recherche und historischen Begebenheiten. Die Website der Autorin: scpedersen.dk/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die historischen Romane »Die Wikingerbrüder - Arnulf« und »Die Wikingerbrüder - Veulf«.
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Kapitel 3


Erst als die letzten Tränen ihn verlassen hatten und seine Augen sich wie ausgebrannt anfühlten, hob er den Kopf. Der Mond spiegelte sich noch immer im Wasser. Spiegelte sich in Helges Grab! Arnulf setzte sich auf. Er fühlte sich demütig und elend, aber die Wut war noch nicht erloschen. Das Blut in seinen Adern zischte wie das Wasser, wenn der Schmied sein rot glühendes Eisen hineintauchte. Der Tatendrang seines Körpers zerriss sein Gemüt, das Herz schien ihm aus der Brust springen zu wollen. Bei Thor, warum nur hatte Halfred Helge bereits gerächt? Wäre er doch einfach nur heimgesegelt, dann hätte Stridbjørn sich nun eine Truppe zusammenstellen können, um in Haraldsfjord Blutrache zu nehmen. Arnulf hätte eine Axt geschärft und ein Schwert in seinen Gürtel gesteckt, anstatt hier wie eine Heulsuse herumzuflennen!

Langsam stand er auf. Seine Hose war nass von Tau und Meerwasser, und er fühlte sich schwindlig. Dort, wo Halfred und die anderen Wikinger an Land gegangen waren, brannten Fackeln. Nicht weit davon stand Helges neues Schiff wie bestellt und nicht abgeholt. Vollendet, bereit zum Stapellauf. Der rot bemalte Drachenkopf prangte am Steven. Mit seinen elegant geschwungenen Formen zeichnete es sich schwarz vor dem mondhellen Himmel ab. Niemand hatte Aslak widersprochen, als der behauptet hatte, in seinem ganzen Leben noch kein besseres Schiff gebaut zu haben. All sein Können hatte er in dieses Schiff gesteckt, nicht das kleinste Detail war ihm misslungen. Jetzt sollte es Helge trotzdem nicht tragen, nicht unter seinem Kommando über die Wellen fegen, nicht seine Flügel entfalten und den Wind die dicht gewebte Wolle ergreifen lassen. Sein Schicksal war besiegelt, ein Traum gestorben.

Arnulf wankte am Ufer entlang, dem Schiff entgegen. Seine Kehle schnürte sich zu, er bekam nur schwer Luft. Alles außer dem Schiff verschwamm vor seinem Blick, es schien zu wachsen, wurde größer als der Nachthimmel und schwärzer als der Tod selbst.

Niemandem außer Helge stand dieses Schiff zu. Es gehörte ihm, und jeder andere würde bloß die gehobelten Planken besudeln, wenn er an Bord ging. Es wegzugeben wäre Hohn. Helge würde vom Meeresgrund auf den Kiel starren, wohlwissend, dass man ihn bestohlen hatte.

Arnulf begann wieder zu rennen. Nein, niemand durfte Helges Schiff auch nur anrühren, dafür würde er schon sorgen. Wenn er es nicht schaffte, es ins Wasser zu stoßen, sodass die Strömung es davontrug, würde er ihm eine tödliche Wunde zufügen, eine Wunde, die nicht einmal Aslak heilen konnte. Atemlos erreichte er den Bauplatz. Der Boden war dicht bedeckt mit Spänen und Holzsplittern. Die große Fällaxt lehnte am Kiel, den Aslak und seine Gesellen in den letzten Tagen zurechtgehackt hatten. Arnulf ergriff den Schaft mit beiden Händen. Mit einem Schrei schwang er seine Waffe und versenkte den geschliffenen Kopf mit einer solchen Kraft tief in den Seitenplanken, dass er das Eisen vollkommen durchdrang. Er zerrte sie wieder heraus und schlug erneut mit aller Kraft zu, hackte, bis die Splitter flogen und der Rumpf nachgab. Die dünnen Planken hielten seiner Raserei nicht stand, das Holz ächzte und zerbrach, die Nägel lösten sich. Das klaffende Loch über der Wasserlinie wurde immer größer. Ein glühender Strom aus Verzweiflung führte Arnulfs Arme und verdoppelte seine Stärke. Immer wieder attackierte er das Holz, als wollte er sich den Weg bis nach Asgard bahnen und Helge zurückholen. Der strömende Schweiß linderte den Schmerz in der Brust. Er stürzte sich blind auf die Schiffsflanke und verlieh seinem unerträglichen Verlust brüllend Ausdruck. Die Axt schlug die sorgfältig zusammengefügten Planken entzwei, schändete die Reling, riss am Kiel und trachtete dem roten Drachenkopf nach dem Leben.

»Bei den Göttern und Riesen! Hast du völlig den Verstand verloren, du Sklave?«

Ein lähmender Schlag auf den Arm gebot der Axt Einhalt. Eine eiserne Hand hatte Arnulfs Ellbogen ergriffen. Zwischen lauter Schweißtropfen tauchte Aslaks bärtiges Gesicht in seinem Blickfeld auf. Der Schiffsbauer war rot vor Wut. Brüllend riss er Arnulf die Axt aus den Händen und schleuderte sie mit weit aufgerissenen Augen davon. Im nächsten Augenblick schüttelte er Arnulf, sodass dessen Zähne klapperten.

»Verfluchtes Balg! Was hast du getan? Ich sollte dir die Hände abhacken! Wenn du nicht Stridbjørns Sohn wärst, dann …«

Aslak war so rasend vor Wut, dass die Drohungen den Weg zum Mund nicht fanden. Arnulf wollte sich aus dem schmerzhaften Griff befreien, doch Aslak war nicht gerade klein und seine Arme stark von der lebenslangen Arbeit mit Planken und Äxten.

»Das Schiff gehört Helge«, rechtfertige Arnulf sich zähneklappernd. »Niemand sonst darf damit fahren. Ich gebe Helge nur, was ihm zusteht!«

Aslak verdrehte ihm den Arm auf dem Rücken, sodass Arnulf fürchtete, er würde brechen. Die Finger des Schiffsbauers klammerten sich mit lebensbedrohlicher Kraft um seinen Hals.

»So ist das also! Du elender Welpe! Du bist eine Schande für uns alle! Löcher in ein Schiff schlagen, was hast du dir nur gedacht! Und was kommt als Nächstes? Willst du die Siedlung abfackeln? Denkst du, Helge wäre dir auch nur im Geringsten dankbar dafür, dass du sein Schiff zerstört hast? Ich würde mich nicht wundern, wenn Stridbjørn und Trud nur so bitterlich weinen, weil der falsche Sohn tot ist! Was hast du ihnen je gebracht außer Ärger und Unglück?«

Die Worte trafen Arnulf wie ein Faustschlag in die Magengrube, und er vergaß ganz, Widerstand zu leisten. Kurz darauf schubste Aslak ihn von dem beschädigten Schiff weg, sodass Arnulf ins Straucheln geriet. Die Worte dröhnten in seinem Kopf, sein Arm tat schrecklich weh. Stimmte es, was Aslak sagte? Dachten seine Eltern so von ihm? All die Kraft, die in ihm getobt hatte, war mit einem Schlag verebbt, und tiefes Elend schwächte seine Glieder. Aslak war verrückt, aber seine Worte mochten dennoch der Wahrheit entsprechen. Die Verzweiflung schien nun größer als die Trauer. Wenn sein Tod Helge zurückbringen könnte, würde er sich sofort ein Messer in den Leib jagen und den Platz mit ihm tauschen!

Nachgiebig ließ er sich zur Siedlung schleppen, ohne Aslaks Flüchen zuzuhören, doch noch ehe sie das größte Langhaus erreicht hatten, brach der Trotz wieder hervor. Ganz gleich, was der Schiffsbauer und Stridbjørn von ihm dachten – das Schiff gehörte immer noch Helge und musste seinen Bruder auf seiner letzten Reise begleiten.

Zwischen den Häusern war es menschenleer, weil bis auf Halfred und die Wikinger, deren Höfe weiter abseits lagen, alle zurück an den eigenen Herd gekehrt waren. Die Wikinger würden sich für einige Tage bei Stridbjørn und Trud ausruhen, und der Gedanke, vor den Augen solch mutiger Männer erniedrigt zu werden, gefiel Arnulf ganz und gar nicht. Vor der Tür spannte er die Muskeln an und wehrte sich, aber Aslak wollte hinein und verfestigte seinen Griff. Der Schmerz wurde unerträglich, und da Arnulf nicht wieder schreien wollte, sah er keinen anderen Ausweg, als die Tür zu öffnen.

Stridbjørns Haus war so groß, dass neben den Schlafplätzen an den Wänden und der offenen Feuerstelle in der Mitte Platz für einen langen Tisch aus Eichenholz mit zugehörigen Bänken war. Für gewöhnlich stand er weit am Rand, da es gemütlich war, auf den Schlafpodesten und nah an der warmen Glut zu essen, nun aber hatte man ihn hervorgezogen und gedeckt. Die Bänke waren mit weichen Fellen bezogen. Truds Webstuhl hatte seinen Platz neben der Tür, damit man ihn bei gutem Wetter schnell nach draußen tragen konnte, und an den Wänden prangten Schilde und Felle, sowohl zum Schmuck als auch zum Schutz gegen die Zugluft. Unter dem Dach hingen geräuchertes Fleisch und getrocknete Kräuter. Bögen, Äxte und Schwerter wurden in einer angemessenen Höhe zur Schau gestellt, sodass neugierige kleine Bengel nicht herankamen.

Als Arnulf und Aslak eintraten, saßen die Männer mit Methörnern am Tisch, während die Frauen und Sklaven kochten und brieten. Stridbjørn saß neben Halfred am Kopf des Tisches, Schlangenzahn lag mit den großen bronzebeschlagenen Hörnern vor ihnen. Trud schluchzte immer noch, schien die vielen Gäste aber nicht enttäuschen zu wollen und stand am Bratspieß. In den Ecken hatten die Kinder tuschelnd die Köpfe zusammengesteckt.

Arnulf hatte die Tür so laut geöffnet, dass sich alle Blicke nun erstaunt auf ihn richteten. Aslak schubste ihn nach vorn. Arnulf fiel hin, war aber sofort wieder auf den Beinen. Vor Wut zitternd zeigte Aslak auf ihn und wandte sich direkt an Stridbjørn: »Ich bringe nur ungern noch mehr Sorgen in dieses Haus, doch so groß die Fußstapfen deines ältesten Sohnes sind, so gedankenlos ist das Verhalten deines jüngsten. Arnulf hat Helges neues Schiff so gründlich zerhackt, dass es vorläufig wohl kaum wieder seetüchtig gemacht werden kann, wenn überhaupt!«

Stridbjørn schaute zunächst nur verblüfft drein, dann aber lief sein Gesicht vor Wut rot an, und mehrere Männer stießen zornige Rufe aus. Arnulf starrte seinem Vater offen in die Augen, als dieser sich langsam erhob und Luft holte. Er ähnelte einem verletzten Wildtier, das angreifen wollte, doch kurz bevor er losbrüllte, kam Arnulf ihm zuvor und rief erregt: »Hättest du das Schiff nicht selbst für Helges Feuerfahrt gewählt? Wenn Halfred Helges Körper nicht im Meer hätte versinken lassen, wärst du doch der Erste gewesen, der ihn aufs Deck gelegt und die Fackel geworfen hätte!«

Stridbjørn öffnete den Mund, um zu antworten, da sprang Halfred auf und schlug dabei so heftig auf den Tisch, dass Schlangenzahn klirrend gegen die Bronzehörner stieß. »Wie kannst du es wagen! Wenn du mein Bengel wärst, würde ich dir auf der Stelle die Zunge aus dem...



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