Peinkofer | Kampf der Könige | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Die Könige

Peinkofer Kampf der Könige

Roman
14001. Auflage 2014
ISBN: 978-3-492-96787-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Die Könige

ISBN: 978-3-492-96787-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit »Die Könige« führte Michael Peinkofer seine Leser in die düstere Ära der Geschichte des Kontinents Erdwelt. Nun kehren die Helden um den Krieger Dag und seine Gefährtin Aryanwen zurück, um die nächste Schlacht zu schlagen: Das Reich ist zersplittert. Alchemisten betreiben dunkle Magie, und die Stadt Tirgas Winmar erzittert unter der Schreckensherrschaft des Dunklen Königs. Dag und Aryanwen ziehen durch das Land auf der Suche nach ihrem Kind, das sie einst den Orks Balbok und Rammar anvertrauten. Doch vor ihnen liegt nicht nur ein gefahrvoller Weg, sondern auch das finsterste Geheimnis Erdwelts ...

Michael Peinkofer, 1969 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Redakteur bei der Filmzeitschrift »Moviestar«. Mit seiner Serie um die »Orks« avancierte er zu einem der erfolgreichsten Fantasyautoren Deutschlands. Seine Romane um »Die Zauberer« wurden ebenso zu Bestsellern wie seine Trilogie um »Die Könige«. Mit »Die Legenden von Astray« führt Michael Peinkofer alle Fantasy-Fans in eine neue Welt.
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1

Zwei Monde zuvor

Schattendrachen!«

Der Warnruf scholl über das flache Grasland.

Die vier Männer und die Frau, die sich im Gänsemarsch durch das wogende Meer der gelbgrünen Halme bewegt hatten, warfen sich augenblicklich zu Boden – doch die beiden grässlichen Kreaturen, die unvermittelt am grauen Himmel aufgetaucht waren, hatten sie bereits erspäht.

Unter markerschütterndem Geschrei, die weiten Schwingen ausgebreitet, stießen sie herab, bereit, sich mit ihren mörderischen Klauen auf alles zu stürzen, was sich am Boden bewegte – doch die Wanderer waren nicht so wehrlos, wie es den Anschein haben mochte.

»Wartet«, zischte der alte Mann mit dem verwilderten schwarzgrauen Haar, das ihm bis über die Schultern hing. Der Blick seiner dunklen Augen war zum Himmel gerichtet, seine knochige Rechte umfasste den Wanderstab aus Lindenholz wie eine Waffe. »Wartet ab«, schärfte er seinen Gefährten ein, die sich neben ihm im hohen Gras duckten. »Bis ich das Kommando gebe!«

Die Kreaturen näherten sich.

Wer sie aus der Ferne sah, hätte sie für schwarzen Rauch halten mögen, dem eine Laune der Natur zufällig Form und Kontur gegeben hatte, doch sie waren ungleich mehr als das. Denn mit jedem Schrei, den sie ausstießen, und mit jedem Flügelschlag wuchs ihre körperliche Präsenz.

Die Aura des Todes, die ihnen vorauseilte, stülpte sich über die Wanderer wie ein dunkler Sack. Sie verfinsterte die fahle Scheibe der Sonne, machte den Tag zur Nacht und ließ das Gras verfaulen. Maden und Würmer wanden sich auf dem Boden, der Odem von Fäulnis und Verwesung breitete sich aus, Furcht griff mit klammer Hand nach den Herzen der Wanderer.

»Jetzt!«, schrie der Alte.

Die Pfeile schnellten von den Sehnen.

Steil stiegen sie in den Himmel und fanden ihr Ziel, durchbohrten schwarze Reptilienhaut, doch für die Ungetüme schienen es nur Nadelstiche zu sein. Einen Lidschlag später waren die Bestien heran und hätten die Wanderer mit ihren Klauen zerfetzt, hätte sich ihnen nicht etwas in den Weg gestellt.

Die Erkenntnis, dass die Pfeile nur der Ablenkung gedient hatten, dass sie nur dazu da gewesen waren, den Zorn der Schattendrachen auf sich zu ziehen, kam den grässlichen Kreaturen vermutlich nie – sie waren nur tumbe Diener, vom bösen Willen eines anderen gelenkt. Der Schlag, der sie traf, war so gewaltig, dass er einen von ihnen auf der Stelle zerschmetterte.

Der Kampfschrei des Schattendrachen endete jäh, als sein Angriff nur wenige Mannslängen über dem Boden abgefangen wurde. Die Kreatur schlug mit den Flügeln, als versuchte sie, einer unsichtbaren Fessel zu entfliehen, dann schien etwas sie zu packen und in der Luft zusammenzupressen. Ihre Flügel wurden gebrochen, ihr schlanker Körper zerquetscht. Dann jagte ein Lichtblitz zum Himmel, der die Kreatur einhüllte und verzehrte.

Auch der andere Schattendrache wurde von der unsichtbaren Faust getroffen, dem Blitz jedoch entging er knapp. Er schlug zu Boden, nur um sich sogleich wieder zu erheben und sich mit weit aufgerissenem, stinkendem Schlund auf die Wanderer zu stürzen. Erneut flogen Pfeile, dann wurden die Klingen aus ihren Scheiden gerissen.

Fauchend griff die Bestie an, ihr mörderischer, zackenbewehrter Schwanz wischte heran. Einer der Männer wurde getroffen und von den Beinen gerissen. Rücklings landete er auf dem Boden, die Augen vor Entsetzen aufgerissen, während der Schattendrache über ihm emporwuchs, bereit, ihn zu zermalmen. Doch schon waren die Gefährten des Verwundeten zur Stelle, allen voran ein junger Mann, der die Augen verbunden hatte – blind war er dennoch nicht. Er hatte gelernt, auf andere Weise zu sehen, durch Bilder, die sein Gehör und sein Geruchssinn ihm offenbarten, aber auch durch ein Empfinden, das weit jenseits gewöhnlicher Sinneseindrücke lag.

Sein Schwert beidhändig umklammernd, stürzte er sich auf die Kreatur, um sie von dem wehrlosen Kameraden abzulenken. Mit blitzschnellen Bewegungen brachte er ihr zwei Schnittwunden bei, ehe das grässliche, zackenbewehrte Haupt mit den glutrot leuchtenden Augen zurückpendelte und nach ihm schnappte. Gleichzeitig war ein heiseres Zischen zu hören, als das Schattenwesen die kalte Luft einsog, um Tod und Verderben aus seinem Pestrachen zu speien – doch dazu kam es nicht.

Ein weiterer, gleißender Blitz zuckte heran und fuhr in den Schlund der Kreatur, die heiser aufschrie.

»Jetzt!«, brüllten die Gefährten und stürzten sich gleichzeitig auf die riesenhafte Bestie, stießen ihre Klingen bis zum Heft in ihren Leib.

Schwarzer Lebenssaft quoll hervor, wo die Klingen wieder herausgerissen wurden. Der Schattendrache bäumte sich auf, schlug mit den Flügeln, als könnte er so seinem Schicksal entgehen – aber es war zu spät. Ein mächtiger Axthieb zertrümmerte seinen linken Flügel, dann schwirrte eine Schwertklinge heran und durchtrennte seinen Hals. Das Haupt fiel auf den von Fäulnis durchdrungenen Boden, wo es kullernd liegen blieb. Das Leuchten in den Augen erlosch – und schließlich starb, was schon seit Äonen hätte tot sein sollen.

»Verdammt, Druide«, rief einer der Männer, ein ergrauter Hüne mit fast kahlem Haupt und dafür umso üppigerem Bart, »Ihr habt Euch Zeit gelassen!«

»Nicht alles liegt in meiner Macht, mein guter Henquist«, versicherte der Alte, der so entkräftet war, dass er sich auf seinen Stab stützen musste. »Diesen Kreaturen standzuhalten, wird von Tag zu Tag schwerer. Einst waren sie nichts als Schatten, die sich nur des Nachts fortbewegen konnten – nun sind sie im hellen Tageslicht unterwegs, und ihre Stärke wächst beständig. Nur einen konnte ich sogleich vernichten, für den anderen haben meine Kräfte nicht mehr ausgereicht.«

»Aye, Druide, grämt Euch nicht«, knurrte ein anderer, der die derbe Kleidung und lederne Rüstung eines Hochländers trug. Sein ergrautes Haar war schulterlang und zum Zopf gebunden, sein Blick klar und direkt, beinahe stechend. »Wir sind auch so mit dem Vieh fertiggeworden.« Wie um seine Worte zu bestätigen, ließ er seine Axt noch einmal niedergehen und senkte sie in den Kadaver.

»Das darf uns kein rechter Trost sein, tapferer Ferghas.« Der Alte schüttelte den Kopf. »In den vergangenen Wochen sind wir mehr von diesen Kreaturen begegnet als all den Monden zuvor. Ihre Macht wächst.«

»Dann sollten wir zusehen, dass wir weiterkommen«, drängte Daghan von Ansun, der Mann mit der Augenbinde. Er hatte sich von dem Kadaver abgewandt, der bereits begann, zu zerfallen, und war zu der Frau getreten, die die Gruppe begleitete. Wie Daghan und der Druide trug sie grüne Waldläuferkleidung, die sie den Blicken neugieriger Beobachter entziehen sollte. Und wie die Männer hatte auch sie ihr Schwert gezogen, bereit, ihr Leben teuer zu verkaufen. Sie war von ruhiger Schönheit, mit grünen, an ihr elfisches Erbe gemahnenden Augen und langem schwarzem Haar, das sie zu einem Zopf geflochten hatte. Ihre einstmals vornehm blassen Züge waren sonnengebräunt und von anhaltender Strapaze gezeichnet. Dennoch stand eiserne Entschlossenheit darin zu lesen.

Ihr Name war Aryanwen, und sie war die rechtmäßige Erbin des Throns von Tirgaslan. Doch in diesen Tagen spielte das keine Rolle. Die Machtverhältnisse in Erdwelt hatten sich geändert – und mit ihnen auch die Dinge, die wichtig waren.

»Alles in Ordnung?«, erkundigte sich Dag und drehte den Kopf in ihre Richtung.

»Ja«, versicherte sie, aber dem Beben in ihrer Stimme war zu entnehmen, dass das nur die halbe Wahrheit war. Nur mit Mühe konnte sie die Tränen zurückhalten.

»Die Biester sind tot«, versicherte Dag. »Sie können uns nichts mehr anhaben.«

»Das ist es nicht, und das weißt du auch«, widersprach sie. »An die ständige Bedrohung durch die Schattendrachen habe ich mich gewöhnt. Aber jedes Mal, wenn sie uns angreifen, habe ich schreckliche Angst, dass … dass …« Sie unterbrach sich, wollte die Worte nicht aussprechen.

»Dass wir unsere Suche womöglich nie zu Ende bringen werden«, fügte Dag hinzu.

Er konnte nicht sehen, wie sie nickte, aber sie kannten einander so lange und gut, dass das auch nicht nötig war.

Schon damals, als der Krieg zwischen den Menschenreichen Tirgaslan und Ansun getobt hatte, war es ihre Liebe gewesen, die alle Gegensätze überbrückt und die einstigen Feinde zusammengeführt hatte, damit sie sich gemeinsam der Bedrohung durch die Zwerge entgegenstellten. Und als die Menschen den Krieg verloren hatten und der Zwergenkönig Winmar durch Verrat und dunklen Zauber triumphierte, hatte ihnen dieser unlösbare Bund Mut und Hoffnung gegeben. Nie hatte ihre Liebe in Zweifel gestanden, selbst dann nicht, als Aryanwen nach dem Tod ihres Vaters Tandelor dem Marionettenkönig Lavan zur Frau gegeben worden war, und als Dag, der einzige Sohn Herzog Osberts von Ansun, nicht nur seines Titels und Besitzes, sondern auch seines Augenlichts beraubt worden war und sich in den östlichen Wäldern verkrochen hatte, in Selbstmitleid und Verzweiflung versunken. Dort hatte Dwethan ihn schließlich gefunden, der alte Druide, und ihm die Augen für die Wahrheit geöffnet.[1]

Doch das lag lange zurück.

Zwei Sommer und zwei Winter waren seither vergangen, in denen Dag und Aryanwen alles darangesetzt hatten, das Kostbare wiederzufinden, das ihnen genommen worden war. Nur für kurze Zeit war es Aryanwen vergönnt gewesen, ihr neugeborenes Kind in den Armen zu halten, jenes winzig kleine und doch so lebendige Wesen, dem vom ersten Atemzug an ihre ganze Liebe gehört hatte.

Ihre gemeinsame Tochter … Alannah.

Vor die Wahl gestellt, ihr Kind in tödliche Gefahr zu bringen oder sich von ihm zu trennen,...



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