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Peinkofer / Ravensburger Verlag GmbH Gryphony, Band 2 - Der Bund der Drachen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-473-47677-0
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 224 Seiten
Reihe: Gryphony
ISBN: 978-3-473-47677-0
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Peinkofer wurde 1969 geboren. Er liebt es, sich fantastische Geschichten auszudenken, und hat bereits über 100 Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben, darunter die 'Sternenritter'-Abenteuer, die 'Orks'-Saga und die 'Gryphony'-Reihe. Mit einer Gesamtauflage von über 3,5 Mio. Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren Deutschlands. Michael Peinkofer lebt mit seiner Frau und seiner Tochter im Allgäu.
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In der Schule war alles beim Alten geblieben.
Na ja, fast alles.
Ashley McLusky und ihre Zicken-Clique behandelten Melody zwar immer noch wie einen Menschen zweiter Klasse, aber wenigstens hatten sie ihr schon eine ganze Weile lang keine Streiche mehr gespielt. Seit ihr rosafarbener Toy-Pudel Pom Pom spurlos verschwunden war, warf Ashley Melody zuweilen verstohlene, manchmal sogar ängstliche Blicke zu. Sie ahnte wohl, dass Melody wusste, was mit ihrem Schoßtierchen geschehen war. Aber natürlich biss sie sich eher die Zunge ab, als Melody danach zu fragen.
Ashley und Melody mieden einander und das war vermutlich auch besser so. Zumal es Ashleys Vater, einem auf der Insel bekannten und ziemlich mächtigen Baulöwen, nicht gelungen war, sich Grannys Stone Inn unter den Nagel zu reißen. Er hatte es abreißen und an seiner Stelle ein Luxushotel mit allem Schnickschnack errichten wollen. Der Fund des Greifenschatzes, der Granny wieder mit Geld versorgt hatte, hatte dies in allerletzter Sekunde verhindert.
Schon bald nach dem großen Abenteuer, das Melody gemeinsam mit Agravain und Roddy bestanden hatte, war wieder der Alltag eingekehrt. An den Wochenenden und an den schulfreien Nachmittagen half Melody Granny Fay in der Pension. Und wenn am frühen Montagmorgen der Wecker rappelte, begann wieder alles von vorn: Schule und Arbeit. Granny Fay, die immer schon früh auf den Beinen war, um das Frühstück für die Gäste zuzubereiten, buk für Melody einen frischen Pfannkuchen. Dann ging es auch schon raus aufs Rad und zur Schule.
An diesem Morgen wartete Roddy an der Kreuzung auf Melody. Sein dunkles Haar sah eigentlich immer so aus, als hätte es noch nie einen Kamm aus der Nähe gesehen. An diesem Morgen jedoch stand es besonders wirr in alle Richtungen ab und seine Brillengläser waren beschlagen.
„Ja, sag mal, wie siehst du denn aus?“, erkundigte sich Melody verwundert.
„Hab verschlafen“, erklärte Roddy nur. Seine Eltern betrieben in Brodick eine Zoohandlung und waren ziemlich beschäftigt, sodass er sich morgens um sich selbst kümmern musste. „Hatte kaum noch Zeit fürs Frühstück.“
„Hast du dir deswegen was davon mitgenommen?“, fragte Melody und deutete auf die frischen Flecken auf seinem Schulpullover.
„Sehr witzig.“
Sie traten in die Pedale und nahmen den Küstenweg nach Lamlash, wo sie beide die Arran Highschool besuchten. Über dem Meer war die Sonne bereits aufgegangen. Ein warmer Sommertag kündigte sich an, wie geschaffen für ein paar Stunden am Strand. Aber daraus würde wohl nichts werden, denn am Nachmittag musste Melody wie immer in der Pension mithelfen.
Am frühen Morgen kam Melody der Schulhof immer vor wie ein Waschbecken voller Wasser, aus dem man den Stöpsel gezogen hatte: Von überall her strömten die Schüler herbei, nur um murmelnd und gurgelnd in den Haupteingang gesogen zu werden. Auf den Gängen herrschte aufgeregtes Geschnatter; die Jungen neckten sich, die Mädchen tauschten den neuesten Tratsch aus – und ein Gerücht machte in Windeseile die Runde.
„Habt ihr’s schon gehört?“, rief Troy Gardner ihnen entgegen. „Ein Neuer ist an der Schule – und er kommt in unsere Klasse!“
„Oje, der arme Kerl!“, raunte Roddy Melody zu. „Dann muss er sich erst mal Ashleys Mode-Check stellen. Und wehe, er fällt durch.“
Dieser Einschätzung konnte Melody nur zustimmen.
Ashley war die unumstrittene Königin nicht nur ihrer Klasse, sondern der gesamten Schule. Und das nicht nur, weil ihrem Vater, dem Bauunternehmer Buford McLusky, die halbe Insel gehörte. Sondern auch, weil sie mit Abstand das hübscheste Mädchen der Schule war, mit langem blondem Haar und Beinen bis zum Hals. Die meisten anderen Mädchen wollten so sein wie sie. Die Jungen flatterten um sie herum wie Motten um das Licht, auch wenn sie sonst behaupteten, dass sie Mädchen total doof fänden.
Ashley hatte auch schon einen Freund: Maxwell Fraser, ein wahrer Schrank von einem Jungen. Er war zwei Jahre älter als Ashley und der gefeierte Stürmer der Fußballmannschaft der Arran High. Egal, was Ashley und Maxwell sagten, es war sozusagen Gesetz an der Schule. Und man tat gut daran, sich danach zu richten. Schüler, die das nicht taten, wurden bestenfalls wie Luft behandelt. Schlimmstenfalls wurden sie übel gemobbt, so wie früher Melody. Ashley und ihre Zicken-Clique hatten sie regelrecht terrorisiert und ihr alle möglichen bösen Streiche gespielt – bis Agravain aufgetaucht war … Wahrscheinlich würde es dem Neuen auch so gehen. Doch sobald dieser in Begleitung von Rektor McIntosh das Klassenzimmer betrat, wusste Melody sofort, dass diese Gefahr nicht bestand.
Der Junge war gut einen Kopf größer als Melody, dabei sportlich und gut aussehend, mit braun gebrannter Haut und glattem schwarzem Haar, von dem ihm eine lose Tolle in das fein geschnittene Gesicht fiel. Seine blauen Augen waren schmal und ein hübsches Funkeln lag darin.
„Kinder, ich darf um Ruhe bitten!“, verschaffte sich Mr McIntosh Gehör. „Ich möchte euch euren neuen Mitschüler Colin Lefay vorstellen. Er kommt aus Frankreich, aber er spricht unsere Sprache sehr gut, wie ihr feststellen werdet. Also nehmt ihn gut auf und sorgt dafür, dass er sich bei uns wohlfühlt.“
Da schoss auf einmal Ashleys rechte Hand in die Höhe, dass ihre goldenen Armreife nur so klirrten.
„Ja, Ashley?“, rief Mr McIntosh sie auf.
Ashley stand auf. Ihr geschminktes Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. „Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage: Herzlich willkommen, Connor.“
„Colin“, verbesserte der Rektor.
„Connor oder Colin – ist doch egal.“ Ihr Mund verzog sich zu einem derart süßlichen Lächeln, dass sie davon eigentlich hätte Zahnschmerzen kriegen müssen. „Hauptsache, er kommt bei uns gut zurecht, nicht wahr?“
Wenn der Neue von dieser Begrüßung beeindruckt war, ließ er es sich nicht anmerken. Rektor McIntosh verwies ihn auf den freien Platz in der letzten Reihe. Dann kam auch schon Mr Freefiddle, der Biologielehrer, und der Unterricht begann.
Es war einer jener Vormittage, die sich besonders zäh dahinschleppten. Obwohl es kurz vor den großen Ferien war, zogen die Lehrer das volle Programm durch. Mr Walsh, der Mathelehrer, ließ es besonders krachen. Er brummte der Klasse Berge von Hausaufgaben auf. Alle waren froh, als der Unterricht zu Ende war. Müde schlurften Melody und Roddy zu ihren Fahrrädern.
„So eine Gemeinheit, aber echt“, wetterte er. „Wo ich doch heute Nachmittag den nächsten Level von Hack und Cash erreichen wollte! Aber bei den vielen Hausaufgaben wird wohl nix draus.“
„Na ja“, meinte Melody, „jedenfalls hat unser neuer Mitschüler gleich den richtigen Eindruck von unserer Schule bekommen. Wie findest du ihn eigentlich?“
„Den Franzosen?“
„Colin“, verbesserte Melody und nickte.
Roddy zuckte mit den Schultern, während er das Zahlenschloss seines Fahrrads öffnete. „Irgendwie komisch, der Typ“, sagte er dann. „Hat den ganzen Tag über kaum was gesagt.“
„Du würdest auch kein Wort rausbringen, wenn du ganz allein in einer neuen Klasse wärst“, erwiderte Melody. Aus irgendeinem Grund hatte sie das Gefühl, den fremden Jungen verteidigen zu müssen. „Ich fand ihn eigentlich ganz nett.“
„Geschmackssache“, knurrte Roddy und wuchtete sein Fahrrad aus dem Ständer.
„Kommst du noch mit?“, fragte Melody.
„Wohin?“
„Zu Mr Clues Laden.“
Roddy seufzte. „Du meinst, wie gestern? Und vorgestern? Und an all den andern Tagen zuvor?“
„Ich will nur nachsehen“, beharrte Melody. „Irgendwann muss er doch mal wieder zurückkommen. Schließlich hat er versprochen, sich mit uns zu treffen, weißt du noch? Und jetzt ist er schon so lange verschwunden!“
„Drei Monate.“ Roddy nickte und gab sich geschlagen. „Also schön.“
Sie stiegen auf ihre Räder und fuhren die Zufahrt zur Schule hinab.
Zu Clues Kuriositätenladen war es nicht weit; nur ein paar Straßenzüge trennten die Schule von dem Antiquitätengeschäft, in dem Melody immer für ihr Leben gern gestöbert hatte. Die meisten Menschen sahen in den alten Sachen, die Cassander Clue verkaufte, nur wertlosen Trödel. Für Melody waren es wahre Schätze, denn alte Dinge und Geschichten interessierten sie. In seinem Laden hatte sie auch den Ring gefunden, der sie zu Agravains Ei geführt hatte. Oder vielleicht war es ja auch umgekehrt gewesen: Vielleicht hatte der Ring sie gefunden …
Als sie um die Hausecke bogen, hielt Melody gespannt den Atem an. Doch sie musste feststellen, dass der Laden noch immer geschlossen und die Schaufenster von innen zugeklebt waren. Und hinter der gläsernen Eingangstür hing noch immer das Schild mit der Aufschrift
AUF UNBESTIMMTE
ZEIT VERREIST
„Na?“, fragte Roddy, der sein Fahrrad ruckartig zum Stehen brachte. „Bist du jetzt zufrieden?“
Melody nickte, enttäuscht und traurig zugleich. „Ich frage mich nur, wohin er so plötzlich verschwunden ist. Und warum verreist er ausgerechnet an dem Abend, an dem er uns mehr über Greifen erzählen wollte?“
„So seltsam ist das nun auch wieder nicht.“ Roddy zuckte die Achseln. „Er war doch immer schon ein komischer Typ. Und wir haben mehrmals bei der Polizei nachgefragt – jedes Mal ohne Ergebnis.“
Melody nickte:...




