Peinkofer | SchneeFall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten

Reihe: Ein Winter-Krimi mit Peter Fall

Peinkofer SchneeFall

Kriminalroman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1756-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten

Reihe: Ein Winter-Krimi mit Peter Fall

ISBN: 978-3-7517-1756-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nichts ist, wie es zu sein scheint - der erste Fall für Krimiautor Peter Fall!

Der Schriftsteller Peter Fall befindet sich in einer Krise, sowohl privat als auch beruflich. Auf Anraten seines Verlegers nimmt er sich eine Auszeit und beschließt, in die Alpen zu fahren - obwohl er Lederhosen und Berge hasst. Hier, in einem stillen Bergdorf, soll er seinen nächsten Roman schreiben. Kaum angekommen, wird das Kaff durch einen heftigen Schneefall von der Außenwelt abgeschnitten - und ein Mord lässt auch nicht lange auf sich warten. Die recht merkwürdigen Dörfler bitten den Schriftsteller um Hilfe. Der lässt sich darauf ein und macht eine erschreckende Entdeckung: Der Mörder geht genau nach seinen Romanen vor. Selbst nach denen, die noch gar nicht geschrieben sind ...

Welche Rätsel das geheimnisvolle Dorf noch für Peter Fall bereithält, verrät MordFall - der zweite Teil des spannenden Kriminalromans.

'Peinkofer und ein Bergler-Krimi? Ja, auch das kann er, noch dazu spannend und unterhaltsam zugleich!' Frankfurter Stadtkurier

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.



Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor, Filmjournalist und Übersetzer. Unter diversen Pseudonymen hat er bereits zahlreiche Romane verschiedener Genres verfasst. Bekannt wurde er durch den Bestseller Die Bruderschaft der Runen und der Abenteuerreihe um Sarah Kincaid, deren abschließender vierter Band mit Das Licht von Shambala vorliegt. Michael Peinkofer lebt mit seiner Familie im Allgäu.

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1.


Sein Herzschlag raste, sein Atem ging stoßweise.

Im Laufschritt nahm Nick Stahl die Stufen der Treppe, die wie ein riesiges Gewächs aus Stahl und Rost an dem alten Lagerhaus emporwucherte und unter jedem seiner Schritte erbebte. Seine rechte Hand umklammerte den Griff der Dienstwaffe, der Finger lag am Abzug.

Eisige Kälte hielt Berlin an diesem Morgen in den Klauen. Nick fror erbärmlich, die Kälte schien bis in sein Herz zu reichen. Nicht nur, weil Harvey gestorben war und die Herta wieder verloren hatte. Nein, just an diesem Morgen war auch noch der Reißverschluss seiner Lieblingslederjacke kaputtgegangen, sodass er sie nun offen tragen musste.

Als er die oberste Stufe erreichte, übernahm der routinierte Ermittler in ihm die Kontrolle. Ein heiseres »Polizei!«, dann ein Tritt gegen die rostige Stahltür, die sofort aus den Angeln brach. Im nächsten Augenblick stand Nick bereits in der Dachkammer des Lagerhauses, und sowohl der Geruch, der ihm in die Nase stieg – eine Mischung aus Pizza und Currywurst mit Fritten –, als auch der umherliegende Unrat machten ihm klar, dass der Tipp richtig gewesen sein musste.

Bifteki war hier!

»Gonzo!«, rief Nick laut, während er jeden Quadratmeter der Kammer genau taxierte, die Pistole beidhändig im Anschlag. In schmalen Schäften fiel Tageslicht durch das verbarrikadierte Fenster. Eine alte Holzkiste und ein ramponiertes Sofa bildeten die einzige Einrichtung.

»Gonzo Bifteki!«, wiederholte Nick noch einmal. Über knarrende Dielen trat er auf die Kiste zu, die gerade groß genug war, einen erwachsenen Mann aufzunehmen. »Ich zähle bis drei, dann werde ich anfangen, Luftlöcher in die Kiste zu stanzen, verstanden? Eins«, begann er – weiter kam er nicht. Denn in diesem Moment flog der Deckel der Kiste auf, und ein kleinwüchsiger Mann platzte wie ein Schachtelteufel daraus hervor, die Hände abwehrend erhoben.

»Nicht schießen!«, rief er aufgeregt. »Wie hast du mich gefunden?«

»Tut nichts zur Sache«, beschied ihm Nick. »Wichtig ist nur, dass ich hier bin, Gonzo – oder sollte ich dich lieber ›Fragezeichen‹ nennen?«

Biftekis Augen weiteten sich vor Entsetzen. »Damit habe ich nichts zu tun!«, versicherte er.

»Nein? Warum hast du dich dann hier verkrochen?«

»Weil ich allein sein wollte.«

»Natürlich.« Nick spuckte aus. »Was ist passiert, Gonzo? Haben sie deinen Hund überfahren?«

Bifteki stand wie vom Donner gerührt. Das Entsetzen in seinem Gesicht wurde zu Trauer. »Sein Name war Rolf«, flüsterte er. »Und er war der beste Freund, den ich je hatte.«

»Wirklich?« Nick musterte den Deutschgriechen aus schmalen Augen. Bifteki war ein Ganove, keine Frage. Aber in diesem Augenblick fühlte er sich ihm verbunden. »Tut mir leid, Mann«, versicherte er und ließ die Waffe sinken.

»Schon gut.« Bifteki, der noch immer in der Kiste stand, wischte sich die Augen. »Ist nicht deine Schuld.«

»Ich weiß, wie du dich fühlst. Seinen besten Freund zu verlieren, ist die Hölle.«

»Kann man wohl sagen.«

»Mein bester Freund hieß Fred«, bekannte Nick, der plötzlich das Gefühl hatte, den Schmerz nicht länger zu ertragen. »Vor zwei Tagen habe ich ihn ins Klo gespült.«

»Deinen Hund?«, fragte Gonzo sichtlich verwirrt.

»Nein.« Nick schüttelte den Kopf, seine Züge gefroren. »Harvey war mein über alles geliebter Goldfisch …«

»Das ist ohne Frage die größte Scheiße, die ich jemals gelesen habe!«

Das Urteil war ebenso knapp wie vernichtend. Wie die Axt eines Henkers ging es nieder. Peter Fall zuckte zusammen, als hätte es nicht sein neuestes Werk, sondern ihn selbst getroffen. Dennoch beschloss er, sich ahnungslos zu geben. In Anbetracht der Lage schien ihm dies der einzig gangbare Weg.

»Wie bitte?«, fragte er deshalb und sandte dem Mann auf der anderen Seite des riesigen Schreibtischs aus poliertem Palisander einen verwirrten Blick zu.

Anton Burgstein, Mitte fünfzig und Inhaber des nach ihm benannten Verlages, antwortete nicht sofort. In einer leidend wirkenden Geste nahm er die Lesebrille ab, die er an einer dünnen Silberkette um den Nacken hängen hatte, und massierte die Nasenwurzel. Peter kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass dies kein gutes Zeichen war.

»Warum tust du mir das an, Junge?«, begann Burgstein daraufhin zu lamentieren. Trotz der kölschen Sprachfärbung kam er Peter in diesem Moment vor wie ein sizilianischer Pate, der über einen säumigen Schützling zu Gericht saß. »Reicht es nicht, dass unsere Branche von der schwersten Krise seit der Erfindung des Buchdrucks erschüttert wird? Musst du mir jetzt auch noch in den Rücken fallen?« Er griff quer über den Schreibtisch und schenkte sich Wasser aus einer Karaffe ein, in der ein kleiner Kristall schwappte. »Himalayagestein«, erklärte er, nachdem er sein Glas bis auf den Grund geleert hatte. »Es lädt das Wasser mit positiver Energie.«

»Verstehe«, log Peter.

»Also, zurück zu unserem Problem.« Burgstein warf das Manuskript, in dem er stichprobenweise gelesen hatte, mit verletzender Achtlosigkeit von sich. Noch in der Luft löste sich der Papierstapel auf, und die Blätter verteilten sich über den Boden. »Das hier ist Driss!«

»Bitte?«, fragte Peter, der des Kölschen nicht mächtig war.

»Nippes! Stuss! Dreck!«, wurde Burgstein deutlicher.

»Aber es ist doch das, was du wolltest!«, widersprach Peter hilflos, der aus unerfindlichem Grund das Gefühl hatte, dass der Stuhl, auf dem er saß, immer niedriger wurde. »Ich sollte meine Figuren menschlicher erscheinen lassen, sollte ihre verletzliche Seite zeigen …«

»Indem du Nick Stahl, den härtesten Bullen von Berlin, um seinen Goldfisch trauern lässt?« Burgsteins Stimme überschlug sich. »Allein die Beisetzungsszene auf dem Klo zieht sich über zwei Seiten hin!« Er schien einen dramatischen Kräfteschwund zu befürchten und stürzte gleich noch ein Glas energetisch geladenen Wassers herunter. Daraufhin wirkte er tatsächlich etwas ruhiger. Seine Gesichtsfarbe, die zuletzt in besorgniserregendes Rot gewechselt hatte, normalisierte sich.

»Peter«, begann er, nachdem er tief Luft geholt hatte, »wie viele Jahre bist du nun schon bei mir?«

»Zwanzig.«

»Zwanzig.« Burgstein nickte. »Und in dieser Zeit hast du wie viele Bücher verkauft?«

»Ich weiß nicht genau.« Peter rieb sich das Kinn. »Etwas über fünf Millionen?«

Burgstein nickte wieder. »Ich weiß noch, wie du bei uns angefangen hast, als junger Student, der nicht recht wusste, wohin mit dem Talent, das ihm der liebe Gott gegeben hatte. Hier im Büro hast du deinen ersten Autorenvertrag unterzeichnet, weißt du noch? Zuerst hast du noch Krimis über diesen G-man beim New Yorker FBI geschrieben, aber dann hast du schon bald deine eigene Serie entwickelt und dir deinen eigenen Helden ausgedacht: Nick Stahl, den Berliner SoKo-Ermittler, der so knorrig ist wie seine Lederjacke und so hart wie sein Name. Die Leser liebten ihn, und er hat die Bestsellerlisten gestürmt. Der Autor Peter Fall und der Verlag Burgstein, das Haus mit der Zinne – das gehörte fortan zusammen wie Butter und Brot, Bogart und Bacall, Boris und Babs.«

»Schlechtes Beispiel«, merkte Peter an.

»Wie auch immer.« Burgstein stand auf, trat an das große Panoramafenster, das sich hinter dem Schreibtisch erstreckte und eine atemberaubende Aussicht auf die Innenstadt von Köln bot. Jedenfalls an den meisten Tagen. Heute lag dichter Nebel über der Stadt, sodass vom Dom nur die Spitzen der Zwillingstürme zu sehen waren. »Die Zeiten haben sich geändert. Die See ist stürmischer geworden«, fuhr Burgstein fort und wirkte mit im Rücken verschränkten Händen tatsächlich wie ein Kapitän auf der Brücke seines Schiffes. »Heutzutage wollen die Leser mehr. Sie wollen Gefühl, wollen Menschlichkeit. Echte Figuren mit echten Problemen, verstehst du? Keinen Neurotiker, der schwere Jungs verprügelt, weil er um seinen Goldfisch trauert.«

»Dann sollen sie was anderes lesen«, raunzte Peter.

»Das tun sie auch«, versicherte Burgstein und wandte sich wieder zu ihm um. »Machen wir uns nichts vor, Peter: Die Verkäufe deiner Romane gehen drastisch zurück, während andere Autoren Erfolge feiern – ganz besonders solche, deren Hauptfiguren in Lederhosen ermitteln. In Zeiten wachsender Globalisierung ist regionale Nähe gefragt! Folklore ist das Zauberwort! Lederjacken sind out, Lederhosen sind in!«

»Bei einem Berliner Bullen?« Ein wenig lustlos zuckte Peter mit den Schultern. »Wie soll das denn gehen?«

»Ganz einfach!« Burgstein strahlte plötzlich. »Indem du deinen neuen Roman noch einmal gründlich überarbeitest. Die Idee mit dem Fragezeichenkiller ist nicht schlecht, aber sie bedarf einiger Nachbesserung. In der Handlung muss es noch mehr menscheln, verstehst du? Außerdem muss unbedingt Lokalkolorit hinein, also wirst du Nick Stahl einfach zu Anfang der Geschichte in den Zug setzen und ihn einen Fall in den bayerischen Alpen bearbeiten lassen!«

»Ich soll Nick Stahl, den Großstadtbullen, in die Berge schicken? Womöglich in ein winziges Kaff? Und ihn dort den Mord an der Dorfschlampe aufklären lassen? Unterstützt vom Pfarrer, während der intrigante Bürgermeister im Hintergrund die Fäden zieht?«

»So ungefähr.« Burgstein strahlte, sichtlich erleichtert darüber, dass sein Autor so rasch begriffen hatte. »Wie findest du...


Peinkofer, Michael
Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor, Filmjournalist und Übersetzer. Unter diversen Pseudonymen hat er bereits zahlreiche Romane verschiedener Genres verfasst. Bekannt wurde er durch den Bestseller Die Bruderschaft der Runen und der Abenteuerreihe um Sarah Kincaid, deren abschließender vierter Band mit Das Licht von Shambala vorliegt. Michael Peinkofer lebt mit seiner Familie im Allgäu.

Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor, Filmjournalist und Übersetzer. Unter diversen Pseudonymen hat er bereits zahlreiche Romane verschiedener Genres verfasst. Bekannt wurde er durch den Bestseller Die Bruderschaft der Runen und der Abenteuerreihe um Sarah Kincaid, deren abschließender vierter Band mit Das Licht von Shambala vorliegt. Michael Peinkofer lebt mit seiner Familie im Allgäu.



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