E-Book, Deutsch, 244 Seiten
Pendarves / Eberwein Das Schwarze Kamel
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-5080-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Horror- und Abenteuergeschichten aus dem Orient
E-Book, Deutsch, 244 Seiten
ISBN: 978-3-7543-5080-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
G. G. Pendarves war das Pseudonym von Gladys Gordon Trenery, die am 2. Februar 1885 als Tochter von John Trenery (einem Handelskapitän) und Elizabeth Blaney Trenery (geborene Phillips) in West Derby (Liverpool) geboren wurde. Über ihren Werdegang ist wenig bekannt. In Terence E. Hanleys Blog "Tellers of Weird Tales" heißt es, sie habe um die Weihnachtszeit des Jahres 1907 ihre Prüfung als Klavierlehrerin an der Royal Academy of Music bestanden. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann sie 1924 mit der Veröffentlichung von Erzählungen in "Hutchinson's Mystery Story Magazine", die erste davon, "The Return", unter dem Pseudonym Marjory E. Lambe, das sie allem Anschein nach aber in keinem weiteren Fall verwandte. Einige Jahre verbrachte G. G. Pendarves in den Vereinigten Staaten von Amerika, ohne dass darüber Näheres bekannt wäre, aber von 1926 an erschienen ihre Erzählungen in den amerikanischen Pulp-Zeitschriften "Oriental Stories", "The Magic Carpet Magazine", "Argosy All-Story Weekly" und vor allem "Weird Tales". Unter dem Namen Gladys Gordon arbeitete sie auch an den Drehbüchern für vier Kinofilme mit. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie wieder in England, und zwar in Parkgate auf der Halbinsel Wirral, wo sie als Journalistin für die örtliche Presse tätig war. Sie verstarb dort am 1. August 1938.
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Das schwarze Kamel
1
Der Zug der Linie „L" dröhnte und ratterte die Bleecker Street entlang auf die Innenstadt zu und trug seine Last müder Passagiere noch weiter in die unwirtliche Düsternis voran.
Aber es war nicht das unfreundliche Wetter, das einen Mann dazu veranlasste, mit einem so offensichtlichen Widerstreben an der Bleecker Street auszusteigen. Er hielt sich im Schatten und ließ seine Mitreisenden vor sich durch die klappernden Ausgangsschranken gehen, und mehrmals blickte er besorgt über seine Schulter zurück, um sicherzustellen, dass ihm niemand die Treppe hinunter auf die Straßenebene folgte.
Das Weiß seiner Augen glänzte, als er sich von einem Verkehrsstrom in Richtung Süden aufgehalten sah, und anstatt zu warten, eilte er unter dem „L“ entlang, überquerte die Straße zwei Blocks weiter oben und kehrte zur Bleecker Street auf der anderen Seite zurück. Dann wandte er ihr wieder den Rücken zu und hastete stadteinwärts, drückte sich mehrere Blocks die Wooster Street entlang, um dann nach Osten abzubiegen und schließlich über die Greene Street wieder in die Vorstadt zurückzukehren.
Er schlüpfte und drehte sich durch die Menge – Pendler, die zu den Zügen nach Haus eilten, Botenjungen, Käufer, zusammen mit jener unbestimmten treibenden Masse der Menschheit, die den neutralen Hintergrund von New York bildet. Abel Gissing verschmolz ohne Anstrengung mit diesem Hintergrund, denn in seinem schlanken Körper, seinem schmalen Gesicht und seinen schattigen Augen gab es nichts, was ihn von den Hunderten unterernährter Männer und Frauen unterschied, die wie Unrat, der auf dem Busen der großen Gezeitenwelle treibt, die Straßen hin und her, auf und ab geschwemmt wurden.
Nur der Schein des Schreckens in seinen Augen, die nervöse Spannung seines Körpers, das schnelle Zischen eines eingezogenen Atems, als ein Passant ihn grob schubste, hoben ihn auf jeden Fall von der Masse ab. Hier war etwas Gejagtes, das Zuflucht suchte!
Als Gissing zum dritten Mal in die Bleecker Street kam, schaute er sich heimlich um, zögerte, überquerte die Straße, überquerte sie zurück. Dann endlich fasste er plötzlich einen Entschluss, schob die Tür eines düsteren kleinen Ladens auf, ging hinein, schloss sie schnell hinter sich und starrte sprachlos auf den Mann, der sich erhob, um ihm entgegenzutreten.
Isaak Volk erfasste die Situation mit der Intelligenz eines Menschen, der schon lange von seiner Gewitztheit gelebt hat und daran gewöhnt war, alle möglichen Situationen, egal wie kompliziert sie auch sein mochten, zu seinem eigenen Vorteil zu wenden.
Hier war ein Mann im äußersten Zustand panischer Angst! Offensichtlich hatte er etwas loszuwerden, oder er hätte nicht Zuflucht in einem Pfandhaus gesucht, und offensichtlich wollte er es sofort loswerden und würde sich nicht aufhalten, um lange zu diskutieren oder zu handeln.
Die Augen des Juden verengten sich, jeder Instinkt in ihm wachsam und geschärft. Hier war ein Vogel zur Hand, um ihn zu rupfen, und seine Finger waren begierig auf den Job.
Gefahr? Was sollte ihm die Gefahr! Isaak Volk war umgeben von Risiken aufgewachsen und groß geworden, denn man macht keine Geschäfte mit der Unterwelt und verkehrt nicht mit Giftmischern, Dieben und Mördern ohne Risiko. Gefahr ... Er war dahin gekommen, dass er den Geschmack davon brauchte, wie sich ein Matrose nach dem Hauch des Salzes auf seinen Lippen sehnt oder wie sich ein Wüstenwanderer grenzenlose Horizonte wünscht. Er legte seine schmutzigen, krallenartigen Hände auf den Tresen vor sich, lehnte sich darüber und beobachtete seinen Besucher schweigend.
Gelbe Lichtschimmer einer flackernden Öllampe, die von der niedrigen Balkendecke hing, enthüllten und verdeckten halb die Gesichter der beiden Männer, die dort wie zur Unbeweglichkeit erstarrt standen, und Misstrauen kämpfte mit größter Panik auf Abel Gissings blassen Zügen, während sich Gier, Geschick und unendliche Geduld auf der fahlen, mit Schmutz verschmierten Fratze des Juden abzeichneten.
Plötzlich ging Gissing mit leichten nervösen Schritten schnell zu dem Tresen hinüber und zog ein Päckchen unter seinem Mantel hervor.
„Nehmen Sie es!“, sagte er mit leiser, zittriger Stimme. „Nehmen Sie es! Ich habe von Ihnen gehört ... Ich weiß, dass Sie nichts fürchten – niemanden! Nehmen Sie es, und mögen Sie niemals ...,
Er brach ab, als der Türriegel heftig klapperte, sprang über den niedrigen Tresen, kauerte sich zwischen diesen und die Wand und umklammerte Volks Beine. Eine laute heisere Stimme war von draußen zu hören, verfluchte den Laden und alles darin einschließlich des Besitzers. Gissing erhob sich mit einem hörbaren Seufzer der Erleichterung.
„Ich dachte, es wäre ... er!“, murmelte er.
Volk öffnete inzwischen das Päckchen und nahm keinerlei Notiz von dem Verhalten seines Mandanten oder von den lauten Lästerungen, die vor seiner verschlossenen Tür weitergingen.
Volk entfernte die Öltuchumhüllung und legte so ein quadratisches Kästchen aus Sandelholz mit Elfenbeinintarsien und einem erhaben geschnitzten arabischen Schriftzug frei. Die „Hand der Fatima“ war exquisit dort geschnitzt, wo ein Schlüsselloch hätte erwartet werden können, und als Volk diese mit eifrigen, forschenden Fingern drehte, fand er das Kästchen in seinen Händen offen, und sogar seine harten Augen wurden beim Anblick des Schatzes darin weich.
Er zog ihn geschickt genug heraus, hielt die lange leuchtende Kette hoch ins Licht, und das Blut strömte heiß und schnell in seinen Venen, wie es einem Mann nach einem Schluck seltenen, lange gereiften Weins ergehen mochte.
„Rubine?“
„Nein“, antwortete Gissing flüsternd, „Rosensmaragde! Die Araber nennen sie den Zom Allahs ... den Zorn Allahs! Sie hat eine Geschichte, diese Kette von Steinen ..., zu lang, um Ihnen jetzt alles zu erzählen. Sie kam aus dem Osten, dem Fernen Osten, in der Antike ..., lange bevor sie die Araber zu fassen bekamen.“
„Und Sie ..., wo haben Sie sie her?“, fragte Volk, und seine schwarzen Augen bohrten sich in die ausweichenden Augen seines Besuchers.
„Aus ... Nordafrika ... der Wüste.“
„So!“, antwortete Volk „Und der Verschluss?“
„Ich habe es nie herausgefunden“, sagte Gissing. „Er ist natürlich nicht Teil der ursprünglichen Kette. Ich habe noch nie einen schwarzen Stein wie ihn gesehen, er ist in Form eines Kamels geschnitten, weil die Steine jetzt zu einer Geheimgesellschaft gehören, die Schwarze Kamele genannt wird. Mein Gott!... Die Schwarzen Kamele!“ war Gissings verzweifeltes Flüstern.
Volk zog sich an das Hinterzimmer seiner Höhle zurück und blieb dort eine lange Zeit, untersuchte die Juwelen und prüfte sie, während der andere Mann murmelnd und zitternd am Tresen wartete.
„Sie scheinen echt zu sein“, lautete schließlich Volks Urteil.
„Echt!“ Gissings Stimme brach auf einem hohen hysterischen Ton. „Würde ich für eine Kette von Glasperlen durch die Hölle gehen? Sie sind mehr wert, als Sie oder jeder Mann in dieser Stadt bezahlen kann. Sie sind unbezahlbar! Es gibt nichts wie sie auf der ganzen Welt, sage ich Ihnen! Sie stammen aus der Zeit von Tyros und Sidon und aus der Zeit, als die Phönizier Tarsus bauten und Silberminen in Spanien besaßen. Diese Steine wurden von ihnen aus Syrien gebracht und gingen in ihrem Besitz von König zu König über. Jetzt gehören sie den Schwarzen Kamelen und ihrem Anführer ...“
„Wer ist er?“
„Keine Namen ..., nicht einmal hier! Ich sehe sein Gesicht überall ... Ich höre seine Stimme! Er ist der Herr der Wüste ..., Herr über eine schreckliche Rasse in der Wüste. Ihre Festung ist eine riesige ummauerte Stadt, gebaut aus Salz, und vom Alter schwarz. Diese Edelsteinkette war die Herrlichkeit seines Volkes.“
„Aber was ist sein Volk?“ beharrte der Jude.
„Tuareg-Araber ..., der Abschaum der Wüste ..., Gesetzlose, Mörder, Räuber, Banditen jeder Art, die sich zusammengetan haben und sich die Schwarzen Kamele nennen, weil der Tod immer an ihrer Seite steht. Die Wüstenstadt ist ihr Hauptquartier, aber ihre Anhänger sind überall. Sie sind eine sehr starke, sehr schreckliche Geheimgesellschaft ..., Jünger des Zoroaster ...,Feueranbeter!“
Volk blickte ausdruckslos und ungläubig angesichts dieser fantastischen Geschichte. In dem kleinen staubigen Laden herrschte Stille. Der Besitzer der Stimme draußen war mit einem letzten Fluch zum Abschied gegangen, und der frenetische Verkehr hatte eine Pause eingelegt. Nur das brodelnde Flackern der Lampenflamme über ihren Köpfen war zu hören.
„Dieser Verschluss bedeutet Gefahr ... Er ist ein Symbol des Todes!“, fuhr Gissing im Flüsterton fort. „Tod für jeden, der das Heiligtum der Juwelen schändet! Tod für diejenigen, die den Zorn Allahs mit profanen...




