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E-Book, Deutsch, 184 Seiten
Penn Das Licht, in dem wir glänzen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-7125-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 184 Seiten
ISBN: 978-3-7578-7125-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Phillippa Penn lebt mit ihrem Mann in einem Blockhaus, umgeben von einem bunt blühenden Garten. Wenn sie nicht gerade einen ausgedehnten Spaziergang macht, kann man sie mit einer dampfenden Tasse Kaffee am Schreibtisch erwischen. Zwei Jugendromane und zwei Romanzen für Erwachsene hat sie dort schon verfasst. Mit "Das Licht, in dem wir glänzen" legt sie ihr viertes Buch vor. Erfahre hier mehr über Phillippa: instagram.com/phillippapenn phillippapenn.de
Autoren/Hrsg.
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2 – Gäste und Betten
Ich befülle gerade das zwölfte Gläschen, als mich das Quietschen der Wohnungstür aus meiner gekrümmten Haltung über dem Küchentisch hochschrecken lässt.
„Ha ha ha, schhhhhh!”, dringt Ginas Stimme aus dem Gang. Sie ist offensichtlich bemüht, leise zu sprechen, doch ihr beschwipstes Getuschel ist mehr als deutlich zu hören. Mit klackernden Absätzen tappst sie über die Holzdielen im Flur, während sie diejenigen, die ihr mit deutlich schwereren Schritten folgen, anweist: „Macht die Tür leise zu, okay?”
Daraufhin fällt die Eingangstür mit lautem Krachen ins Schloss.
„Ey!”, schimpft Gina. „Ihr weckt noch die Nachbarn!”
„Sorry”, entschuldigt sich eine raue Männerstimme.
„Die Nachbarn?”, fragt eine zweite, tiefe Stimme amüsiert. „Die werden heute Nacht noch was zu hören kriegen, das verspreche ich dir, Babe!”
Gina kichert. „Du bist unmöglich, Paul!”
Schlüssel werden fallen gelassen, Schuhe zur Seite getreten und Garderobenhaken knapp verfehlt – den Geräuschen nach zu urteilen.
„Wo ist dein Zimmer, Babe?”, will der, den Gina gerade Paul genannt hat, wissen.
„Gleich da vorne”, antwortet sie. „Und, Sam, du kannst auf Hannis Ausziehbett schlafen. Ich habe schon mit ihr gesprochen.”
Ich glaube, mich verhört zu haben. Wer wird auf meinem Ausziehbett schlafen?
Die Küchentür wird hinter mir geöffnet. Ich wirbele herum.
Ein Typ mit strubbeligem, blondiertem Haar, Bikerjacke und passender schwarzer Lederhose stolpert in den Raum. Dicht gefolgt von meiner Mitbewohnerin und einem zweiten Kerl, von dem ich gerade nur einen dunklen Haarschopf ausmachen kann.
„Hey, hey, hey!” Der Blonde grinst, als er mich am Esstisch entdeckt. „Du …” Sein Blick wandert an meinen nackten Beinen hinauf und mustert dann das ausgeleierte T-Shirt, das ich anstelle eines Nachthemds trage. „Du musst Hanni sein!” Er hebt eine gepiercte Augenbraue.
„Boah, ey, Paul, reiß dich zusammen”, zischt Gina hinter ihm und drängt sich an dem Blonden vorbei. „Hey, Hanni, sorry, ich wusste nicht, dass du …” Ihr Blick wandert über das Chaos aus Gläsern und Glitzerpulver. „Was machst du da?”
„Basteln. Für morgen”, gebe ich knapp als Antwort und versuche unauffällig, alles, was zerbrechlich ist, aus der Reichweite des leicht schwankenden Pauls zu entfernen.
„Okay …” Gina fährt sich durch ihre zerzauste, rote Mähne. „Ähm, kannst du schon mal für Sam den Schlafplatz richten?” Sie deutet auf den Dunkelhaarigen hinter ihr. „Die Jungs hatten einen langen Tag und ich habe versprochen, dass sie hier crashen können.” Sie setzt ihr niedlichstes Lächeln auf.
Ich rücke meine Brille zurecht und mustere sie aus zusammengekniffenen Augen. „Also, was das angeht: Wann genau hast du mich bitte gefragt, ob …“
„Wow! Ist das ein Hund?“ Ehe irgendjemand etwas dagegen tun kann, hat Paul sich Doris geschnappt und die Hündin an sich gedrückt. „Du bist ja süß! Ja, hallo! Hallo, Hündchen! Oh, bist du flauschig!“
Ich bin so verblüfft, dass Doris, anstatt Paul zu zerfleischen, mit dem Schwanz wedelt und sein Gesicht ableckt, dass ich verpasse, wie Gina den Mann namens Sam in mein Schlafzimmer führt.
Als ich den beiden hinterherhechte, stehen sie schon mitten in meinem Chaos und schieben den falschen Flokati beiseite, um die zweite Matratze aus meinem Bettkasten zu ziehen.
„Hey! Stopp!“ Ich stemme mich mit beiden Händen in den Türrahmen. „Ich habe das nicht erlaubt!“
Gina schaut erschrocken zu mir hoch. „Aber ich hab dich doch vorhin angerufen!“ Sie guckt, als würde sie die Welt nicht mehr verstehen.
Ich frage mich kurz, ob sie ihre Verblüffung nur vorgibt. Zutrauen würde ich es ihr. Gina wickelt jeden um den Finger – oder versucht es zumindest.
Ich persönlich bleibe bei den Fakten: „Ich habe kaum die Hälfte von dem, was du mir am Telefon gesagt hast, verstanden!“
„Aber du warst trotzdem einverstanden!“, behauptet Gina und zieht einen Schmollmund.
„War ich nicht!“, protestiere ich.
„Okay …“ Sam richtet sich auf und sieht ziemlich verlegen aus. „Also ich will hier echt nicht …“ Er sieht mich aus seinen grauen Augen an. „Hanni war der Name, richtig?“
Ich nicke.
Er wendet sich an Gina. „Ich will hier nicht einfach in Hannis Privatsphäre …“
„Papperlapapp!“ Sie macht eine wegwerfende Handbewegung und kommt an meine Seite. „Komm schon, Hanni“, wispert sie in mein Ohr. „Er braucht nur einen Platz zum Pennen.“
„Aber nicht neben mir! Ich kenne den Typen doch gar nicht!“, zische ich zurück. „Was, wenn er …“
„Sam hat keinen Schluck getrunken und er ist kein Grapscher.“ Gina legt einen Arm um mich. „Er ist ein wirklich guter Freund von mir. Ich vertraue ihm.“
„Wenn er so ein guter Freund ist, warum nimmst du ihn dann nicht mit in Zimmer?“, keife ich sie an.
Gina lächelt. „Weil Paul und ich Sachen machen wollen, bei denen wir keine Zuschauer brauchen.“ Sie wackelt mit den Augenbrauen. „Wenn du verstehst …“
Ich verstehe. Und ich verdrehe die Augen und wende mich von ihrem lasziven Grinsen ab. Sam steht noch immer mitten in meinem WG-Zimmer und nicht zum ersten Mal verfluche ich die Tatsache, dass es in unserem Zwei-Raum-Apartment kein Wohnzimmer oder auch nur ein Sofa gibt. Normalerweise ist es zwar kein Problem, wenn Übernachtungsbesuch neben mir auf der zweiten Matratze schläft. Aber normalerweise kenne ich auch meinen Gast.
„Kann er nicht auf deiner Yogamatte schlafen?“, knurre ich. „Oder auf der Eckbank?“
„Auf der Eckbank?“ Gina sieht mich fassungslos an. „Auf dem blanken Holz? Neben deinem Höllenhund?“
„Es ist nicht Höllenhund.“ Ich schnalze mit der Zunge. „Und, hey, Doris scheint diesen Paul zu mögen, also warum nicht …“
„Hanni!“ Nun klingt Gina ernsthaft empört. „Seit zwei Wochen dulde ich den Köter deines Bruders in unserer Wohnung und führe das Fellknäuel sogar aus. Da kannst du ja wohl ein einziges Mal einem guten Freund von mir einen Schlafplatz anbieten!“
„Es sind erst zehn Tage“, korrigiere ich.
„Glaub mir!“ Gina schnaubt. „Es fühlt sich länger an, wenn man jeden Tag die Kacke dieses Tiers im Park aufliest!“
Wir starren uns an. Wütende, kleine Flammen lodern hinter Ginas braunen Augen. Flammen, die nur noch größer werden. Ich gebe nach.
„Na gut, eine Nacht!“, lenke ich ein. „Aber wehe, der versucht was!“
Gina schüttelt ihre Mähne. „Sam?“
Der Dunkelhaarige schaut von seinen Füßen auf.
„Hast du vor, dich meiner charmanten Mitbewohnerin in irgendeiner Weise unkeusch zu nähern?“, fragt sie ihn.
„Was?“ Sam schaut verwirrt zwischen mir und Gina hin und her. „Ähm … Nein?“
„Sehr gut!“ Meine Mitbewohnerin schenkt mir einen triumphierenden Blick. „Dann wäre das ja geklärt! Gute Naha-cht!“ Sie verabschiedet sich mit einem Winken und geht zurück in die Küche. Zweifelsohne, um ihr Date zu holen.
Ich bleibe einen Moment unschlüssig in meinem Türrahmen stehen und betrachte meinen neuen Zimmergenossen.
Sam ist schlank und hochgewachsen. Sein Outfit ist im Vergleich zu Pauls Lederaufzug ein Understatement. Er trägt klassische, dunkelblaue Jeans und ein weißes T-Shirt. Nur sein etwas zerzaustes, welliges Haar und ein Tattoo am Unterarm, brechen mit dem braven Look. Kurz bleibt meine Aufmerksamkeit an dem verzierten Fleckchen Haut hängen, aber ich kann das filigrane Motiv nicht genau erkennen. Als ich den Blick wieder hebe, begegnen sich unsere Augen.
„Sorry, ich wollte nicht starren“, sage ich und spüre, wie mir die Röte den Hals hinauf kriecht.
„Alles gut.“ Er steckt die Hände in die Hosentaschen. „Ich schätze, ich muss mich entschuldigen.“ Er räuspert sich. „Für den Überfall.“
Ich wiege den Kopf hin und her. „So wie ich das sehe, ist das eher auf Ginas Mist gewachsen …“ Unsicher schaue ich zu meinem Bett und der halb hervorgezogenen Matratze. „Okay, also du kannst jetzt die Matratze ganz herausziehen. Ich suche in der Zwischenzeit das Bettzeug zusammen.“
Ich laufe zu meinem Kleiderschrank und bemühe mich, meine Reflexion in der Spiegeltür, die mich glitzerübersät, mit einem unordentlichen, braunen Zopf und mehr als fragwürdig gekleidet zeigt, zu ignorieren. Nun hat mich Sam sowieso schon in meinem labbrigen Shirt...




