Penn | Die Nähe, die wir suchen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 172 Seiten

Penn Die Nähe, die wir suchen


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-0130-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 172 Seiten

ISBN: 978-3-7597-0130-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Du kannst so lange bleiben, wie du willst. Das weißt du, oder?" "Danke." Ich blinzele. Ich bin so gern bei ihm. Auch wenn es mich manchmal regelrecht zerreißt, ihm so nah, aber nie nah genug sein zu können. Romantik ist ihr Job: Woche um Woche fotografiert die 25-jährige Fiona Brautpaare. Privat sieht es weniger rosig aus: Nach einer Trennung ist sie nicht nur ihren Partner, sondern auch ihre Wohnung los. Sie strandet auf dem Sofa ihres besten Freundes Tomme. Er ist Florist und hilft ihr, heil durch die Hochzeitssaison zu kommen. Tomme ist für sie da und er lässt ihr geschundenes Herz höherschlagen. Aber das darf er nicht wissen! Für Tomme ist sie nur eine gute Freundin. Und vielleicht ist das besser so, denn gerade jetzt ergeben sich für Fiona spannende Chancen: Sie soll eine Fotostrecke für eine Fashion-Kampagne umsetzen. Das könnte ihr Ticket raus aus der Familienfotografie und raus aus der Kleinstadt sein. Zufällig ist da auch noch ein charmanter Werbemanager, der ihren Ehrgeiz versteht und ihre Ambitionen teilt. Fionas Neuanfang ist zum Greifen nah. Und sicher wäre es auch Tomme recht, wenn sie weiterzieht ... Oder?

Phillippa Penn lebt mit ihrem Mann in einem Blockhaus, umgeben von einem bunt blühenden Garten. Wenn sie nicht gerade einen ausgedehnten Spaziergang macht, kann man sie mit einer dampfenden Tasse Kaffee am Schreibtisch erwischen. Zwei Jugendromane und vier Romanzen für Erwachsene hat sie dort schon verfasst. Mit "Die Nähe, die wir suchen" legt sie ihr sechstes Buch vor. Erfahre hier mehr über Phillippa: instagram.com/phillippapenn phillippapenn.de Website: https://www.phillippapenn.de
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1 – Hier zu Hause

„Wer kauft so viele Rosen?“

Die Frage stelle ich mehr mir selbst als meinem besten Freund, aber Tomme antwortet trotzdem.

„Verliebte“, kommt es von der Werkbank, an der er gerade einen Strauß bindet.

Ich mustere die Eimer, die den Raum säumen und vor üppigen Blüten überquellen. „Kitschig“, murre ich und schnaube. Ich puste meinen Kaugummi zu einer kleinen, pinken Blase auf und lasse sie platzen.

„Dieser Kitsch zahlt meine Rechnungen, Fio.“ Tomme schüttelt den Kopf und umwickelt die Blumenstiele in seiner Faust fest mit Bindedraht. „Und deine auch, übrigens.“

„Nicht mehr lange.“ Ich stelle meine Tasche auf dem Boden ab und massiere mir die Schulter, die den halben Tag vom Tragegurt eingeschnitten wurde. Unter dem dünnen Stoff meines T-Shirts fühlt sich die Haut ganz wund an.

„Ich fotografiere keine Hochzeiten mehr.“ Ächzend lasse ich mich auf einen herumstehenden Hocker fallen. „Nach dieser Saison nur noch Beerdigungen!“

Tommes Mundwinkel zucken, aber er schweigt. Er legt die Drahtrolle beiseite und schiebt die Ärmel seines Leinenhemds zurück.

Mit einer Gartenschere kürzt er sein Gebinde auf eine einheitliche Länge, dann greift er zu einem kurzen, scharfen Messer. Routiniert setzt er zum schrägen Schnitt an.

Tausende Male habe ich ihn das schon tun sehen und es sollte mich längst nicht mehr so faszinieren. Doch mein Blick folgt aufmerksam jeder Bewegung seiner langen, geschickten Finger. Die Muskeln in seinen Unterarmen arbeiten, während er sich einen Stiel nach dem anderen vornimmt und die Enden kappt.

„Wie viele …“ Ich räuspere mich und löse den ausgeleierten Scrunchie von meinem Handgelenk. „Wie viele Sträuße sind es noch?“

„So ungeduldig?“ Er sieht von seiner Arbeit auf und wirft mir diesen ganz bestimmten Blick zu.

Ich nenne ihn seinen Herzensbrecher-Blick.

Insgeheim.

Natürlich.

„Keine Sorge, das ist der letzte für heute.“ Tomme grinst. „Wir können gleich nach Hause.“

Nach Hause.

Ich fasse mein Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen und ignoriere dabei den kleinen Satz, den mein Herz macht.

Nach Hause.

Für dieses dumme Ding in meiner Brust klingt es wie ein Versprechen. Als wüsste es nicht, dass ich nicht wirklich bei Tomme wohne. Als hätte es vergessen, dass ich nur auf seinem Sofa crashe, weil mich mein Ex aus unserer Wohnung geschmissen hat.

Mist.

Warum denke ich jetzt wieder an diesen ganzen Schlamassel?

Seufzend bücke ich mich nach meiner Kameratasche.

Mein Handy steckt in einem Seitenfach des Monstrums, in dem ich heute zwei Fotoapparate, drei Wechselobjektive, einen aufsteckbaren Blitz, eine tragbare Softbox und ein kleines Stativ herumgeschleppt habe. Ich hoffe, dass mein Smartphone irgendeine Benachrichtigung bereithält, die mich auf andere Gedanken bringt.

Zu meiner Enttäuschung ist das Display völlig blank. Keine Mails, keine Anrufe, nicht einmal ein Pop-up aus irgendeiner App.

„Hat sich dieser Adam endlich gemeldet?“, will Tomme wissen.

Seine Frage trifft mich unvorbereitet. „Wer?“

„Na, dieser …“ Er runzelt die Stirn, während er seine rosarote Kreation in einer bereitstehenden Vase arrangiert. „Der Typ von dieser Marketingagentur. Wollte der dich nicht für irgendein Werbe-Shooting engagieren?“

„Ach so … Du meinst Adrian.“ Ich schüttele den Kopf. „Nein. Hat sich nicht mehr gemeldet.“

Wieder muss ich seufzen.

Tatsächlich wäre dieser Auftrag die Chance gewesen, mal einen Schritt aus der Familienfotografie herauszuwagen. Aber ich schätze, nachdem ich schon seit vier Wochen warte, kann man diesen Deal wohl als offiziell geplatzt betrachten.

„Hey …“ Tomme geht ein paar Schritte nach hinten und stellt die Blumen in eine Vitrine. „Der meldet sich schon noch!“ Er schaut über seine Schulter.

„Sicher.“ Ich schnaube und lasse das Handy zurück in die Tasche gleiten.

„Nicht den Kopf hängen lassen!“ Tomme bindet seine Schürze los und streicht sich beiläufig eine Strähne aus der Stirn, dann schultert er seinen Rucksack und kommt mit langen Schritten zu mir zurück.

„Also? Bereit für den Feierabend?“

Ich lächele. „Sowas von bereit.“

Er hilft mir vom Hocker hoch und greift anschließend nach meiner Tasche.

„Fuck, sind da Backsteine drin?“, flucht er.

Mein Grinsen wird breiter. „Nein, nur meine Hoffnungen und Träume“, sage ich in ironischem Tonfall.

Tomme hängt sich die Tasche um und klopft mir freundschaftlich auf die Schulter. „Du solltest nicht so schwer tragen, Fiona.“

„Wem sagst du das?“ Es sollte amüsiert klingen, aber ich erschrecke selbst über die Resignation in meiner Stimme.

Tommes besorgter Blick trifft mich. „Alles okay?“

Er schlägt den Vorhang zum menschenleeren Verkaufsraum zurück. Es ist weit nach Ladenschluss. An einem Samstag wie heute hat sein Blumenladen nur bis 14:00 Uhr geöffnet und Tomme beschäftigt sich bis zum Abend mit Vorbereitungen. Solange bis ich von meinem Foto-Gig komme. Das hat sich in den letzten Wochen bei uns so etabliert.

„Ja! Ja, alles gut.“ Ich bemühe mich um eine sorglose Stimmlage. „Es war nur ein anstrengender Tag.“

Das ist nicht einmal gelogen.

Ich habe heute eine Hochzeit in einer riesigen Parkanlage begleitet. Komplett mit einem Getting Ready, dem First Look vor der Zeremonie, der anderthalbstündigen Trauung, den Gratulationen, dem Sektempfang und dann noch dem eigentlichen Shooting mit Brautpaar und Hochzeitsgesellschaft. Ich habe richtig Strecke gemacht und mich dann breitschlagen lassen, auch noch die Fest-Location in allen Facetten abzulichten, ehe die Feiernden zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen sind. Für die perfekten Schnappschüsse bin ich regelrecht herumgeturnt.

Jetzt spüre ich die Erschöpfung in allen Gliedern.

Tomme muss das klar sein, denn er hakt nicht weiter nach. Schließlich ist er als Florist oft genug selbst im Hochzeitstrubel unterwegs. Statt unser Gespräch fortzuführen, entriegelt er für uns die Ladentür.

Dann – obwohl er wirklich schwer genug bepackt ist – hält er sie auf, bis ich hindurchgeschlüpft bin.

Wir laufen über den aufgeheizten Asphalt. Ich spüre die Wärme durch die dünnen Sohlen meiner Sneaker. Unter den weit geschnittenen Beinen meiner Hose steigt sie bis zu meinen Kniekehlen auf. Tommes Auto ist eines der letzten auf dem Parkplatz der kleinen Einkaufsmeile. Die benachbarten Geschäfte – ein Getränkemarkt, ein Second-Hand-Shop und eine Reinigung – haben auch bereits geschlossen. Um diese Uhrzeit ist in dem Gewerbegebiet am Stadtrand von Buchingen nicht mehr viel los.

Gerade jetzt im Juni, wo die Abende so lang und lau sind, zieht es die Leute in die Innenstadt – in die Cafés, die Restaurants und den Park.

Mit seinen langen Beinen ist Tomme schneller am Fiat als ich. Er schließt den etwas in die Jahre gekommenen Wagen auf und öffnet die Heckklappe.

„Wow.“ Er verzieht das Gesicht, dann grinst er mich an. „Ich hoffe, du hast nichts gegen einen kleinen Saunagang.“

Ich seufze und verdrehe die Augen. „Was soll’s. Ich bin eh schon durchgeschwitzt.“

Der Blick, den er mir zuwirft, fühlt sich für einen kurzen Moment anders an. Spürbar, als würde er mich tatsächlich berühren. Doch im nächsten Augenblick hebt er spöttisch eine Braue und das Gefühl verflüchtigt sich.

„Weil du immer dieses billige Deo kaufst“, zieht Tomme mich auf. „Das kann ja gar nichts bringen, Fio.“

„Halt die Klappe.“ Ich schüttele den Kopf.

Er lacht herzlich.

Natürlich. Was auch immer ich mir gerade eingebildet habe, war genau das: Einbildung. Wunschdenken.

Ein Sonnenstich möglicherweise.

Ich reiße die Tür der Beifahrerseite auf und mache direkt einen Schritt zurück. Die Woge der Hitze, die mir entgegenschlägt, ist wirklich nicht gerade einladend.

Tomme öffnet die Tür an seiner Seite und lässt erst einmal die Luft durchziehen. Er lehnt sich an das Autodach. „Was willst du heute Abend noch machen?“

„Essen“, sage ich ohne Umschweife. „Fernsehen.“

Er lächelt. „Guter Plan. Wir können unsere Serie weiterschauen.“

Unsere Serie ist Bones – Die Knochenjägerin. Als Kinder haben wir die TV-Sendung als eine Art Mutprobe angeschaut. Jetzt da wir Mitte Zwanzig sind, ist es unsere Comfort Show.

„Und was ist mit Essen?“, frage ich, still hoffend, dass Tomme anbieten wird, eines seiner grandiosen Pasta-Gerichte für uns zu kochen.

Er überlegt kurz. „Wollen wir uns was beim...



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