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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Piper House
Penn Piper House
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9517-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chasing Harmony
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Piper House
ISBN: 978-3-6957-9517-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Phillippa Penn legt mit "Piper House - Chasing Harmony" ihr achtes Buch und den zweiten Band ihrer Romance-Reihe rund um das Ferienhaus auf Nantucket vor. Wenn sie sich nicht gerade auf idyllische Atlantikinseln träumt, verbringt die hauptberufliche Romantikerin ihre Freizeit gern im heimischen Blumengarten. Meistens mit einer Tasse Kaffee und Augenringen von nächtlichen Schreibsessions. Sie liebt es Selfpublisherin zu sein, weil sie ihre Ideen gerne in Eigenregie auslebt. Wer das live miterleben will, kann Phillippa auf diversen Social-Media-Kanälen folgen.
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PROLOG: DER OPENING ACT
Im Backstage-Bereich ist es wie in einem Bienenschwarm. Oder vielleicht eher wie im Innern eines Wespennests. Menschen laufen strammen Schrittes an mir vorbei, werfen mir kurze, gehetzte und manchmal irritierte Blicke zu. Der Boden scheint zu vibrieren. Die Bässe der Anlage und die Bewegungen auf der Tanzfläche übertragen sich bis hier hinten.
Es ist ein gut besuchter Abend im .
Es sind noch zehn Minuten bis zu meinem Auftritt.
Ein junger Kerl, der sich mir schon zweimal vorgestellt hat, aber dessen Namen ich bereits wieder vergessen habe, kommt zum dritten oder vierten Mal an und fummelt an meinem Headset herum. Dann verändert er eine Einstellung an dem Sender, der an meinen Gürtel geklippt ist, und murmelt etwas in sein Walkie-Talkie. Vermutlich eine Info für die anderen Ton- und Bühnentechniker. Er lächelt mich zuversichtlich an und ich bin ihm dankbar für die aufmunternde Geste. Aber ich bin viel zu nervös.
Ich klemme mein Plektron zwischen meine Lippen und streife mir meine schweißnassen Hände an der Jeans ab. Eigentlich ist das meine Lieblingshose. Meine Glückshose. Aber heute scheint sie nicht richtig zu sitzen. Auch das Material fühlt sich nicht gut an. Es liegt wie eine fremdartige Schicht über meiner prickelnden Haut, die ich am liebsten abstreifen würde. Auch bei meinem T-Shirt verhält es sich nicht anders. Ich würde mir die schwarze Baumwolle gerade am liebsten herunterreißen.
Der Tragegurt meiner Gitarre schneidet mir in die Schulter und das Instrument fühlt sich mit einem Mal zu schwer an. Klobig und unförmig, wie ein Fremdkörper, anstatt wie die Erweiterung meiner Arme, als die ich es sonst wahrnehme. Ich schaue auf den grünen Lack meiner Les Paul. Wie oft habe ich davon geträumt, mit diesem Baby die Bühne zu betreten? Wie viele Stunden habe ich in die Saiten geschlagen und geübt, bis meine Fingerkuppen ganz rau waren?
Alles war eine Vorbereitung für diesen Moment. Für diese Chance. Für diesen Auftritt.
„Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht so einen kurzen Rock anziehe!“, höre ich plötzlich eine Stimme rufen. „Das war so nicht abgesprochen!“
Ich schaue den Gang hinunter, sehe den roten Haarschopf und mein Herz, das ohnehin schon wie wild geschlagen hat, scheint plötzlich meinen Hals hinaufzupochen.
Sie ist es.
Willow Rose.
Ich straffe meine Haltung, versuche, meine Nervosität irgendwie in den Griff zu bekommen, bevor sie mich erreicht. Die Sängerin stürmt direkt auf mich zu.
„Kleines, Kleines!“ Ein Mann greift nach ihrem Arm und bremst sie aus. „Ich weiß, okay? Aber wir haben jetzt keinen anderen Look dabei. Du siehst toll aus. Trag es einfach!“
„Trag es einfach?“, wiederholt Willow. „Uriah, ich weiß, dass ich gut darin aussehe. Aber ich weiß auch, dass mir die Kerle in der ersten Reihe unter den Rock filmen werden. Darauf habe ich keine Lust. Besorg mir etwas anderes oder ihr könnt die Show canceln!“
Sie richtet sich zu ihrer vollen Größe auf. Uriah, der ihr gegenübersteht, überragt sie dennoch. Er ist bestimmt zwei Meter groß, mit seinen schlanken, langen Gliedmaßen. Er ist außerdem alt genug, um ihr Vater zu sein. Graue Strähnen zeigen sich an seinen Schläfen, Mimikfalten durchziehen sein Gesicht; dennoch ist er ziemlich gut aussehend. Er ist der Rock-Daddy-Typ in Jeans und Band-T-Shirt. Unter einem seiner Ärmel lugt ein Tattoo hervor, das – wenn mich nicht alles täuscht – ein Motorrad zeigt. Es betont seine Muskeln, die er bestimmt regelmäßig im Fitnessstudio trainiert. Seine Attraktivität ist ihm wichtig, und er ist sich seiner Wirkung auf andere bewusst. Jetzt gerade setzt er seinen ganzen Charme ein, um Willow zu beruhigen.
„Ich sage der Security, sie sollen ein Auge auf die Typen ganz vorn haben, okay? Wir passen schon auf dich auf!“, versichert er ihr und streicht ihre Arme rauf und runter, die in einer mit Glassteinen besetzten Jeansjacke stecken.
Willow lacht kühl. „Wie wollt ihr das anstellen? Es ist das Riff Hub. Die Leute in der Front Row liegen fast auf der Bühne.“
Uriah berührt ihre Wange. Irgendetwas an der Geste kommt mir seltsam vor. Sie wirkt nicht wie etwas, das zwischen einer Künstlerin und ihrem Management passieren sollte.
„Zerbrich dir nicht den Kopf darüber. Konzentriere dich einfach auf deine Musik.“ Er lächelt. „Wenn du singst, denkt niemand mehr an etwas anderes. Du wirst sie alle umhauen, Kleines, und keiner der Kerle wird mehr darüber nachdenken, wie kurz oder lang dein Rock ist.“
Ich verdrehe die Augen.
Aber Willow scheint einigermaßen besänftigt zu sein. Ihr Gesichtsausdruck, der bis eben noch verärgert war, wird etwas weicher.
„Okay.“ Sie holt tief Luft. „Okay, ich … Du hast recht. Ich muss mich konzentrieren.“
„Das ist mein Mädchen“, lobt Uriah sie und etwas an der Art, wie er sie dabei ansieht, gibt mir ein komisches Gefühl.
Aber vielleicht ist es auch meine eigene Nervosität, die mit voller Wucht zurückkehrt, als mir klar wird, dass die beiden mir näherkommen.
„Soll ich dir vielleicht deinen Opening Act vorstellen?“ Uriah legt einen Arm um Willow und führt sie zu mir. „Das ist N…“
„Nicht Chastity!“ Nun sieht sie doch wieder unzufrieden aus. „Was soll das? Ich dachte, Chastity eröffnet für mich! Wo ist sie?“ Ihre braunen Augen verengen sich und mir wird warm unter ihrem Blick.
Da treffe ich endlich eine Musikgröße wie Willow Rose und sie hasst mich ab der ersten Minute.
Uriah scheint zu ahnen, was in mir vorgeht, und schenkt mir ein kurzes, aufmunterndes Lächeln. „Willow …“ Sein Ton ist freundlich und gleichzeitig mahnend. „Das ist Nathan. Er ist ein vielversprechender Newcomer und eröffnet heute für dich die Bühne.“
Willows Brustkorb hebt und senkt sich in einem Versuch, ihre Contenance zurückzugewinnen. „Hi, Nathan“, sagt sie gepresst. „Nichts für ungut, aber ich hatte heute Abend eine andere Kollegin erwartet.“ Ihr Lächeln ist schön, so wie alles an ihr schön ist, aber wirklich warm ist es nicht.
„Hi“, murmele ich und strecke unsicher meinen Arm aus.
Sie ergreift meine Hand nicht.
Stattdessen wendet sie sich an Uriah: „Ist das noch so eine kurzfristige Planänderung von Sydney?“, zischt sie. „Ich hatte den Auftritt Chastity versprochen. Ich hatte ihn ihr versprochen. Warum hat Syd das einfach geändert, ohne mich zu fragen?“
„Ich, ähm …“ Bevor ich weitersprechen kann, trifft mich ein warnender Blick von Uriah.
Ich verstehe.
Er wird das regeln.
Er wird ihr nicht erzählen, wie es wirklich zu der Änderung im Line-up kam.
Wir beide wissen, dass ich nicht hier bin, weil ich diese Chance .
Ich bin hier, weil ich diese Chance
Ein meilenweiter Unterschied und ein Umstand, der meine Ängste vor diesem Auftritt noch weiter schürt.
„Ich verstehe, dass du sauer bist, Willow.“ Wieder fasst er sie an. An ihrer Wange, an ihrer Schulter, an ihrer Hand. „Ich werde Sydney sagen, dass das nicht cool war. Aber Chastity ist informiert, dass sie die nächste Show bekommt. Und Nathan ist jetzt hier, also …“
Er macht eine auffordernde Kopfbewegung in meine Richtung.
Willow schnaubt, dann legt sie ihre Hand in meine, die noch immer zwischen uns in der Luft hängt, und schüttelt sie. „Entschuldige. Ich bin heute ein wenig aufgekratzt.“
„K-Kein Problem“, bringe ich hervor und wünschte mir sofort, ich hätte irgendetwas anderes gesagt. Irgendetwas Cooleres. Irgendetwas, das mehr Rock ’n’ Roll ist.
Gott, ich muss ihr vorkommen wie der letzte Loser.
„Nette Gitarre.“ Sie mustert mein Instrument. „Gibson Slash Les Paul?“
Ich lächle. „Du hast ein gutes Auge.“
Sie lächelt zurück, aber es wirkt nicht wirklich erfreut. „Musik ist mein Job, weißt du.“
„Oh, ähm, na klar“, sage ich schnell. „Entschuldige, ich wollte nicht …“
„Nate!“, ruft mir der Bühnentechniker von irgendwoher zu. „Zwei Minuten!“
„Ja!“, rufe ich zurück.
Mist. Mist. Mist.
„Na ja, viel Glück.“ Willow mustert mich.
Bestimmt fällt ihr die Panik in meinem Blick auf. Bestimmt registriert sie meine Finger, die jetzt wieder zittrig das Plektron halten. Bestimmt sieht sie die Schweißflecken auf meinem Shirt.
„Lass sie nicht spüren, dass du noch grün hinter den Ohren bist, Newcomer.“ Mit diesen Worten macht sie auf dem Absatz...




