Penner | Zwischen Mehl und Zauber | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 270 Seiten

Reihe: Adenashire

Penner Zwischen Mehl und Zauber


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69051-017-2
Verlag: VAJOSH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 270 Seiten

Reihe: Adenashire

ISBN: 978-3-69051-017-2
Verlag: VAJOSH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Mensch, ein Zwerg und eine Elfe nehmen an einem Backduell teil ... In Adenashire, wo Magie und Köstlichkeiten regieren, perfektioniert die menschliche Konditorin Arleta Starstone ihre kunstvollen Kreationen aus Backwerk und heilenden Kräutern. Als ein Orknachbar sie heimlich für das prestigeträchtige Elfische Backduell anmeldet, steht Arleta vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Ohne Magie muss sie mehr als Talent beweisen, um sich gegen ihre magischen Konkurrenten zu behaupten. Auf ihrer Reise durch den Wettbewerb entdeckt Arleta nicht nur die Kunst des Backens neu, sondern auch Freundschaft, Liebe und die wahre Bedeutung von Erfolg.

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Ein Thymian-Himbeer-Törtchen fiel von Arleta Starstone klapprigem alten Wagen, als hätte es Flügel bekommen und sich entschieden, von ihr wegzufliegen. Das Gebäck knallte auf den Boden, die süßen roten Früchte explodierten durch die dünne Schale und spritzten ihren klebrigen Saft mit einem furchtbaren Platschen auf die Erde.

Verloren.

»Oh, Sterne im Himmel«, murmelte die junge Frau leise vor sich hin, ihr gewelltes Haar klebte in ihrem verschwitzten Nacken und machte die ganze Situation noch schlimmer.

Arleta rümpfte die Nase über den fruchtigen Geruch der verlorenen Torte, der sich mit modriger Erde vermischte, und steuerte den Wagen an den Rand des steinigen Feldwegs von Adenashire. Schnell sicherte sie ihre anderen Gebäckstücke, damit nicht noch herunterfallen konnten.

Seufzend wanderte ihr Blick hinauf zu den Eichen, die sich über ihr erstreckten. Eine Gruppe von Krähen mit ebenholzfarbenen Federn hüpfte krächzend von Ast zu Ast. Hungrig beäugten sie ihr Frühstück, das es in Kürze geben würde. Arleta hatte keine Zeit, die Sauerei aufzuräumen, die sie draußen auf der Hauptstraße angerichtet hatte.

Sie war spät dran.

Die Uhr in ihrer Tasche hatte es ihr verraten, noch bevor sie ihre Hütte verlassen hatte.

Arleta blickte sich schnell um, um zu sehen, ob jemand ihr Missgeschick bemerkt hatte.

Außer den Krähen schien es niemandem aufgefallen zu sein.

Arleta wünschte sich, sie hätte ihr langes kastanienbraunes Haar besser zusammengebunden, bevor sie ihre Hütte verlassen hatte, und strich sich die losen Strähnen aus dem Gesicht. Zielstrebig riss sie am Metallgriff ihres überladenen Wagens und setzte sich in Bewegung. Ihr Herzschlag beschleunigte sich bei der Anstrengung. Sie überprüfte die holprige Straße vor ihr und überlegte im Geiste, was der beste Weg über das Durcheinander von Steinen wäre. An diesem Morgen sollte es keine verlorenen Backwaren mehr geben.

Die ganze Zeit über wehte der Duft von frischem Brot und süßem Gebäck aus dem hinteren Teil des Wagens zu ihr herüber. Ihr Magen knurrte aus Protest und erinnerte sie daran, dass sie vergessen hatte, zu essen, bevor sie ihre Hütte verlassen hatte.

Verdreth und Ervash, das allzu freundliche Ork-Paar, das nebenan wohnte, würden sie sicher maßregeln, wenn sie merkten, dass sie nicht genug aß. Sie versuchten immer, sich wie ihre Eltern aufzuspielen, aber sie war kein Kind mehr. Das war sie schon lange nicht mehr.

Zeit. Sie brauchte einfach mehr Zeit am Tag.

Aber es gab genug Zeit.

Alle Stände würden reserviert sein, wenn sie nicht bis halb zwölf auf dem Markt eintraf, also brauchte sie alle Abkürzungen, die sie nehmen konnte. Tonix Figlet, der Marktstandvermieter, hatte nie einen Platz für sie. So wie er aussah, mit seinem runden, pelzigen Gesicht und seinem niedlichen Gesichtsausdruck, könnte man meinen, dass die Quokkas ein freundliches Volk waren, doch man erzählte sich, dass sie eine ziemlich erbärmliche Vergangenheit in den Nördlichen Landen hatten, aber wer wusste schon, was stimmte und was nicht. Dieser hier schien die Gerüchte über ihren Ruf zu bestätigen. Tonix, der ewig mürrische, hätte die Stände lieber an Händler vermietet – Elfen, Zwerge, sogar an den einen oder anderen Oger, der gute Waren zu verkaufen hatte.

Magielose Menschen wie Arleta standen ganz unten auf seiner Liste, ebenso wie alle anderen, die keine Magie besaßen.

Keine Magie, kein Respekt.

Selbst wenn sie es rechtzeitig auf den Markt schaffte, würde Tonix sie sicherlich nach hinten verweisen, wo sie ihre Köstlichkeiten zu einem Bruchteil des Preises derjenigen Verkäufer verkaufen müsste, die die besten Plätze ergattert hatten.

»Obwohl alle immer wieder betonen, wie die Kardamomriegel sind«, murmelte sie vor sich hin.

Als sie um eine Ecke in das eigentliche Dorf einbog, klapperten Arletas Wagenräder auf den unebenen Pflastersteinen von Adenashire und das Geräusch hallte durch die enge Gasse. Arleta rümpfte über den penetranten Geruch von Abfall und verrottendem Gemüse die Nase. Er war so stark, dass er die verlockenden Aromen ihres Wagens völlig überdeckte.

Schnell näherte sie sich dem Eingang der Gasse und die Geräusche des Marktes drangen an ihr Ohr. Tonix Figlet stand in seiner ganzen Pracht in dem Gewühl, seine pelzigen taupefarbenen Pfoten fest an seine Taille gepresst. Seine Kleidung, eine maßgeschneiderte Wollhose und eine Jacke über einem frisch gebügelten Baumwollhemd, war einfach, aber gut verarbeitet und von hoher Qualität. Sie deutete darauf hin, dass er als Besitzer des Marktes ein gutes Auskommen hatte. Die nussbraunen Augen des Beuteltiers blickten zu ihr hinüber und einen Moment lang blitzte Erkennen in ihnen auf.

Dann setzte er ein honigsüßes Lächeln auf, machte auf dem Absatz kehrt und ging in die entgegengesetzte Richtung zu den Stoffverkäufern.

Arleta fluchte mehr als die Sterne.

Sie biss die Zähne zusammen und zog ihren Wagen vorwärts, fest entschlossen, einen Platz zu finden, um ihr Gebäck zu verkaufen, egal was der Quokka von ihr hielt. Arleta wusste, dass sie sich bei ihm ordentlich einschmeicheln musste, aber mit so viel Inventar zurück nach Hause zu gehen, kam nicht infrage. Nicht an diesem Morgen. Denn sie hatte den größten Teil ihres Wochenbudgets für den Kauf und die Herstellung der Waren im Wagen ausgegeben. Sie musste es an diesem Tag verkaufen, sonst würde alles trocken werden.

»Mr. Figlet!«, rief sie ihm nach. Der Griff des Wagens war schweißnass und ihre Arme zitterten unter der Anstrengung, die schwere Last vorwärtszuziehen. Ihre Stimme schallte durch den Marktlärm und mehr als ein Verkäufer schaute in ihre Richtung.

»Mr. Figlet«, rief sie erneut.

Die abgenutzten Lederstiefel des Quokkas schlurften über das raue Kopfsteinpflaster, als er abrupt zum Stehen kam. Arleta würde ihm einfach weiterhin ein Stachel im Fleisch sein, wenn er nicht mit ihr sprechen würde, ihre Hartnäckigkeit war kein Geheimnis, also drehte er sich um.

»Ja, Miss Starstone.« Sobald die Worte seinen Mund verließen, schürzte er seine Beuteltierlippen und biss die Zähne zusammen. Aus seiner Tasche holte er eine goldene Uhr hervor, schaute sie an und hielt sie ihr hin. »Wissen Sie, wie spät es ist?«

Verachtung stand ihm ins Gesicht geschrieben, aber Arleta ließ sich davon nicht beirren. Stattdessen straffte sie die Schultern und war bereit, alles zu tun, um einen Platz zu bekommen.

Bitten. Flehen. Tonix Figlet kostenloses Gebäck auf Lebenszeit anzubieten.

Sie kam zum Stehen, der Wagen hinter ihr ruckte, sodass fast noch mehr Himbeertörtchen herausfielen. Während der Quokka darauf wartete, dass sie sprach, und dabei mit dem Fuß wippte, räusperte sich Arleta. Sie warf einen Blick über seine Schulter und sah auf die Stände. Sicherlich war der hinterste Platz noch frei und die Kunden begannen gerade erst, hereinzuströmen.

Es war noch Zeit, um alles vorzubereiten.

»Ja, Mr. Figlet. Aber ich bin nur zu spät.« Mit einem kleinen entschuldigenden Achselzucken hielt Arleta ihren Daumen und den Zeigefinger nur wenige Millimeter voneinander entfernt.

»Mädchen, bist zu spät. Bis Punkt acht können die Verkäufer einen Stand mieten. Es ist jetzt zehn nach. Es tut mir leid, Miss Starstone«, sagte er mit falscher Sympathie in der Stimme und setzte einen vorwurfsvollen Gesichtsausdruck auf, von dem sie glaubte, dass er nur den Schaulustigen sein falsches Mitgefühl zeigen sollte.

Arleta zuckte zusammen. »Ja, ich weiß.« Der Quokka hatte natürlich recht. Sie war immer zu spät, kämpfte immer damit, den Anforderungen des Lebens gerecht zu werden, und sie hatte ihm schon zu viele Ausreden genannt.

Sie war allein mit ihrer Arbeit.

Sie hatte keine Magie, die ihr hätte helfen können.

Sie hatte die Zeit vergessen, als sie versuchte, ein neues Rezept zu perfektionieren.

Das Gebäck musste irgendwo verkauft werden, aber Arleta konnte sich weder einen Imbisswagen noch die dazugehörige Lizenz leisten. Sie hatte auch nicht genug Gold, um eine in der Stadt zu kaufen. Der Markt war ihre einzige Möglichkeit, ihre Waren feilzubieten.

Aber Tonix Figlet schien das alles egal zu sein. Wenn ein einheimischer in Not geraten wäre, hätte er ihm vielleicht eine kleine Gefälligkeit erwiesen, aber was Tonix interessierte, war der Ruf seines Marktes. Jeder wusste das.

Und diejenigen, die keine Magie hatten, schadeten diesem Ruf.

»Ich fürchte, für heute gibt es keine Plätze mehr«, sagte der Quokka und begann sich umzudrehen. »Vielleicht solltest du es nächste Woche noch einmal versuchen.«

Arleta war sich dieses Tanzes zwischen ihr und Tonix sehr bewusst.

»Ich habe Silbermünzen«, sagte Arleta und kramte schnell in ihrer Tasche, um die Münzen herauszuholen.

Auf das Klirren des Metalls hin drehte sich Tonix wieder um, seine Haltung änderte sich zu Arletas Gunsten, wenn auch nur ein wenig.

Arleta sah es als etwas Gutes.

»Ihr habt noch einen freien Stand und ich kann Euch … Münzen dafür bieten.« Der Stand befand sich im hinteren Teil war durch eine Stange leicht versperrt, sodass er kaum die üblichen vier Münzen wert war, aber wenn sie ihm mehr bot, machte ihm das üblicherweise die an sie zu vermieten, erträglicher.

Ein Knoten bildete sich in Arletas Magen, als sie ihm die Münzen hinstreckte. Das Gewicht war schwer in ihrer Handfläche, eine vertraute, greifbare Erinnerung an das Opfer, das sie...



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