Peretti | Die Finsternis dieser Welt | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Peretti Die Finsternis dieser Welt

Roman.
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96122-388-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

ISBN: 978-3-96122-388-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der kleinen College-Stadt Ashton geschieht Unheimliches. Ein findiger Journalist und ein Pastor suchen Antworten auf Phänomene, die sie sich nicht erklären können. Dabei dringen sie in eine Welt des Übernatürlichen ein - in den geistlichen Kampf zwischen Leben und Tod, zwischen Engeln und Dämonen, zwischen den Mächten der Finsternis und des Lichts. Eine Welt, die viel realer ist, als die meisten von uns ahnen ... Die Neuauflage des Bestsellers, der bereits unzählige Leser gefunden hat und bis heute fasziniert.

Frank E. Peretti ist in den USA einer der bekanntesten christlichen Romanautoren. 'Die Finsternis dieser Welt' schrieb er, während er in einer Ski-Fabrik arbeitete und in einem Wohnwagen wohnte. Das Buch wurde zunächst in den USA nur sehr zögerlich aufgenommen, doch als einige bekannte christliche Künstler den Roman 'entdeckten', schossen die Verkaufszahlen plötzlich in die Höhe.
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2

Marshall stürmte in die Zentrale der Polizeistation und wünschte sich augenblicklich, er könnte seine Nase und seine Ohren abnehmen. Hinter dem schwer verriegelten Gitter des Zellenblocks unterschieden sich Geruch und Lärm der völlig überfüllten Zellen kaum vom Volksfest der letzten Nacht. Auf seinem Weg hierher hatte er bemerkt, wie ruhig die Straßen an diesem Morgen waren. Kein Wunder – der ganze Lärm hatte sich in diese sechs Zellen verlagert, und der kalte Beton verstärkte noch den Schall. Hier waren all die Rauschgiftsüchtigen, Raufbolde, Betrunkenen und Störenfriede, die die Polizei in der Stadt auflesen konnte – sie waren alle hier versammelt wie in einem überfüllten Zoo. Einige machten eine Party daraus, pokerten mit schmierigen Karten um Zigaretten und versuchten, sich gegenseitig mit Erzählungen über ihre kriminellen Großtaten zu übertrumpfen. Am Ende der Zellenreihe machte eine Gruppe von Halbstarken obszöne Bemerkungen in Richtung eines Käfigs voller Prostituierter, für die man keinen besseren Platz gefunden hatte. Andere kauerten in Ecken, betrunken, deprimiert – oder beides zugleich. Die Leute starrten Marshall wütend durch die Gitterstäbe an, machten abfällige Bemerkungen, bettelten um Erdnüsse. Er war froh, dass er Kate draußen gelassen hatte.

Jimmy Dunlop, der neue Stellvertreter des Polizeichefs, saß treu an seinem Wachtisch, füllte Formulare aus und trank starken Kaffee.

„Hallo, Mr Hogan“, sagte er. „Sie sind gleich hierhergekommen.“

„Ich konnte nicht warten … und ich wollte nicht warten!“, schnauzte Marshall. Er fühlte sich nicht gut. Dies war sein erstes Sommerfest – und das war schlimm genug –, aber er hätte nicht im Traum daran gedacht, dass das Ende des Ganzen so aussehen würde. Er beugte sich über den Schreibtisch, seine große Gestalt verlagerte sich nach vorne und betonte seine Ungeduld. „Nun?“, forderte er.

„Hmmm?“

„Ich bin hier, um meine Reporterin aus dem Knast zu holen.“

„Sicher, ich weiß das. Haben Sie einen Freilassungsbescheid?“

„Hören Sie. Ich habe bei den Kameraden oben bezahlt. Die sollten Sie hier anrufen.“

„Nun … ich habe nichts davon gehört, und ich muss eine offizielle Anweisung haben.“

„Jimmy …“

„Ja?“

„Ihr Telefon ist ausgehängt.“

„Oh …“

Marshall stellte das Telefon mit einer solchen Wucht genau vor ihn hin, dass es vor Schmerzen zu klingeln begann.

„Rufen Sie sie an.“

Marshall richtete sich auf und beobachtete, wie Jimmy sich verwählte, noch mal wählte und versuchte durchzukommen. Er passt gut zum Rest der Stadt, dachte Marshall, während er sich nervös mit seinen Fingern durch seine langsam ergrauenden roten Haare fuhr. Es war eine nette Stadt, sicher. Niedlich, vielleicht ein bisschen stoffelig, wie ein ungeschicktes Kind, das immer wieder ins Fettnäpfchen tritt. In der Großstadt sind die Dinge in Wirklichkeit auch nicht besser, versuchte er sich klarzumachen.

„Oh, Mr Hogan“, fragte Jimmy, während er seine Hand über der Sprechmuschel hielt, „mit wem haben Sie gesprochen?“

„Kinney.“

„Sergeant Kinney, bitte.“

Marshall war ungeduldig. „Geben Sie mir den Schlüssel für die Tür. Ich will ihr sagen, dass ich hier bin.“

Jimmy gab ihm den Schlüssel. Er hatte bereits erlebt, wie eine Auseinandersetzung mit Marshall Hogan ausgehen würde.

Höhnische Willkommensgrüße schallten Marshall entgegen – zusammen mit herausgeschnippten Zigarettenkippen und gepfiffenen Marschtönen –, als er an den Zellen vorbeiging.

Er verlor keine Zeit, um die Zelle zu finden, die er suchte.

„In Ordnung, Krueger, ich weiß, du bist da drinnen.“

„Komm und hol mich raus, Hogan“, kam die Antwort einer verzweifelten und irgendwie empört klingenden Frauenstimme vom Ende der Zelle.

„Gut, hebe deinen Arm, winke oder mach dich irgendwie anders bemerkbar!“

Eine Hand zwängte sich durch die Körper und Gitterstäbe hindurch und winkte verzweifelt. Er ging hin, gab der Handfläche einen Klaps und stand Bernice Krueger gegenüber, seiner preisgekrönten Kolumnistin und Reporterin. Sie war eine junge, attraktive Frau in ihren Mittzwanzigern, hatte zerzauste braune Haare und trug eine große Brille mit Drahtgestell, die jetzt schmutzig war. Sie hatte offensichtlich eine harte Nacht hinter sich und befand sich jetzt in Gesellschaft von mindestens einem Dutzend Frauen – einige davon älter, einige erschreckend jünger, die meisten Prostituierte. Marshall wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.

„Offen gesagt – du siehst furchtbar aus“, sagte er.

„Nur wegen meiner neuen Beschäftigung. Ich bin jetzt eine Nutte.“

„Ja, genau, eine von uns“, kreischte ein untersetztes Mädchen. Marshall verzog sein Gesicht und schüttelte den Kopf. „Was für Fragen hast du bloß dort draußen gestellt?“

„Im Moment finde ich nichts witzig. Nichts von den Ereignissen der letzten Nacht ist lustig. Ich lache nicht, ich koche vor Wut. Der Auftrag war eine Beleidigung erster Klasse.“

„Schau, irgendwer musste doch über das Volksfest berichten.“

„Aber wir hatten ganz recht mit unserer Vermutung; es gab nichts Neues unter der Sonne noch unter dem Mond, der da schien.“

„Du wurdest immerhin verhaftet“, bot Marshall an.

„Damit die Leser mit einer skandalösen Titelgeschichte gepackt werden. Was gäbe es sonst noch darüber zu schreiben?“

„Lies es mir vor.“

Ein spanisches Mädchen aus dem Hintergrund der Zelle schlug vor: „Sie versuchte, ein Geschäft zu machen – und erwischte den Falschen“, worauf der ganze Zellenblock schallend zu lachen und zu grölen begann. „Ich verlange, freigelassen zu werden“, fauchte Bernice. „Und bist du zur Salzsäule erstarrt? Tu gefälligst was!“

„Jimmy telefoniert gerade mit Kinney. Ich habe deine Kaution bezahlt. Wir werden dich hier herausholen.“

Bernice brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen, und berichtete dann: „Um deine Frage zu beantworten, ich habe kurze Interviews gemacht, ich habe versucht, einige gute Bilder zu bekommen, gute Zitate, irgendwas Gutes. Ich vermute, dass Nancy und Rosie hier“, sie schaute hinüber zu zwei jungen Damen, die Zwillinge sein könnten, und die beiden lächelten Marshall an, „sich wunderten, was ich da machte, indem ich ständig das Volksfest umkreiste und verwirrt aussah. Sie führten ein Gespräch mit mir, das uns wirklich nichts Neues brachte, aber wir kamen in Schwierigkeiten, als Nancy einen Polizisten in Zivil anmachte und wir alle eingesperrt wurden.“

„Ich dachte, sie würde es bringen“, spöttelte Nancy, und Rosie gab ihr einen freundschaftlichen Stoß.

Marshall fragte: „Und du hast ihm nicht deinen Presseausweis gezeigt?“

„Er gab mir keine Gelegenheit! Ich sagte ihm, wer ich war.“

„Gut, hörte er dich an?“ Marshall fragte die Mädchen: „Hörte er sie an?“

Sie zuckten nur mit den Achseln, aber Bernice erhob ihre Stimme und schrie: „Ist diese Stimme laut genug für dich? Ich setzte sie letzte Nacht ein, während er mir Handschellen anlegte!“

„Willkommen in Ashton.“

„Ich werde mir seine Dienstnummer besorgen!“

„Das wird nicht viel bringen.“ Hogan hielt seine Hand hoch, um einen weiteren Ausbruch zu stoppen. „Hör zu, es ist den Ärger nicht wert …“

„Da bin ich ganz anderer Meinung!“

„Bernie …“

„Ich würde da liebend gerne etwas drucken, vier Spalten lang, alles über diesen Superpolizisten und Nichtsnutz von einem Polizeichef! Wo ist er überhaupt?“

„Wer, meinst du Brummel?“

„Er hat sich unsichtbar gemacht, weißt du. Er weiß, wer ich bin. Wo ist er?“

„Ich weiß nicht. Ich konnte ihn heute morgen nicht erreichen.“

„Und er ist letzte Nacht abgehauen!“

„Worüber redest du?“

Plötzlich verstummte sie, aber Marshall las klar in ihrem Gesicht: Denk daran, dass du mich später fragst.

Gerade da öffnete sich die große Tür, und Jimmy Dunlop kam herein.

„Wir besprechen das später“, sagte Marshall. „Alles klar, Jimmy?“

Die Schreie, Forderungen, Pfiffe und Sticheleien, die aus den Zellen kamen, beschäftigten Jimmy so sehr, dass er keine Antwort geben konnte. Aber er hatte den Zellenschlüssel in der Hand, und das sagte genug.

„Treten Sie bitte von der Tür zurück“, befahl er.

„Hey, wann kommst du endlich aus dem Stimmbruch raus?“, schrie ihm jemand entgegen. Die Zelleninsassen entfernten sich von der Tür. Jimmy schloss auf, Bernice trat schnell hinaus, und er schlug die Tür gleich wieder hinter ihr zu.

„Okay“, sagte er, „Sie sind frei gegen Kaution. Sie werden wegen Ihres Vernehmungstermines benachrichtigt.“

„Geben Sie mir sofort meine Handtasche, meinen Presseausweis, mein Notizbuch und meine Kamera!“, zischte Bernice und steuerte auf den Ausgang zu.

Kate Hogan, eine schlanke, elegante, rothaarige Frau, hatte versucht, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, während sie oben in der Eingangshalle des Gerichtsgebäudes wartete. Hier gab es, nachdem das Fest zu Ende war, viel zu beobachten, auch wenn es nicht gerade angenehm war: einige jämmerliche Seelen wurden hereingeschleppt, wobei sie den ganzen Weg gegen ihre Handschellen...


Frank E. Peretti ist in den USA einer der bekanntesten christlichen Romanautoren. "Die Finsternis dieser Welt" schrieb er, während er in einer Ski-Fabrik arbeitete und in einem Wohnwagen wohnte. Das Buch wurde zunächst in den USA nur sehr zögerlich aufgenommen, doch als einige bekannte christliche Künstler den Roman "entdeckten", schossen die Verkaufszahlen plötzlich in die Höhe.



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