E-Book, Deutsch, Band 1158, 100 Seiten
Reihe: Chefarzt Dr. Norden
Perkins Nicht nur wegen Valerie
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7409-6080-3
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chefarzt Dr. Norden 1158 - Arztroman
E-Book, Deutsch, Band 1158, 100 Seiten
Reihe: Chefarzt Dr. Norden
ISBN: 978-3-7409-6080-3
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Helen Perkins - dieser Name steht für eine große neue Romanreihe, die Spannung pur und romantisch aufregende Liebe garantiert. Die Erfolgsschriftstellerin Helen Perkins schildert an den unterschiedlichsten Schauplätzen der Erde historische Abenteuer und Romanzen, wie sie in dieser Form noch nicht dokumentiert wurden. Die große weite Welt eröffnet sich den Leserinnen und Lesern, epochale geschichtliche Ereignisse werden dermaßen hautnah und prickelnd beschrieben, daß sich die historischen Handlungsträger quasi ins Leben zurückmelden. Die Perspektive begehrter, schöner, edler Frauen, die das Geschehen aktiv prägen und gestalten und dabei in schlimme Gefahren geraten, liegt der bestechenden Romanidee von Helen Perkins zugrunde. Die Leserin, die für Geschichten voller Liebe und Abenteuer schwärmt, wird über die Vorbildfunktion ihrer bedrohten Romanheldin ideal erreicht und für die historischen Romane von Helen Perkins begeistert.
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»Bist du zufrieden?« Susanne Bergmann betrachtete ihren Kollegen Bernd Lindner aufmerksam. Der junge Anwalt erwiderte ihren Blick nicht, selbstvergessen ruhten seine Augen auf dem geheimnisvollen Glitzern, das ungezählte Lichter an diesem Abend Mitte Januar auf die Kowloon Bay streuten. Weiter draußen lagen zwei Kreuzfahrtschiffe vor Anker wie träge Riesen aus Stahl und Licht. Hong Kong, die Megacity an der Mündung des Perlflusses, schien keine Dunkelheit zu kennen. Bernd hatte kurz das Gefühl, als balle die sich in seinem Herzen zusammen, um seine unmittelbare Umgebung gleichsam mit einem grauen Schleier zu überziehen. Wo waren die Farben geblieben? Gabrieles strahlend grüne Augen, so grün wie eine Wiese im April, Valeries goldblonde Locken im Sommerlicht, ihr Garten in München in einem Meer aus Herbstfarben. All das war so weit weg.
Hier, in der flirrenden, glitzernden Enklave, die nie schlief und nur aus Geschäftsleuten, Hochglanzfassaden und Erfolg zu bestehen schien, sah für Bernd alles grau aus. Sogar Susannes Lächeln, das ihn vor gar nicht allzu langer Zeit bezaubert hatte, wirkte staubgrau auf ihn.
Unwillig schob er diese seltsamen Regungen beiseite. Was war nur in ihn gefahren? Er hatte an diesem Tag für die renommierte Münchner Kanzlei von Roden einen Millionenvergleich geschlossen. Als Spezialist für internationales Wirtschaftsrecht spielten sich seine Fälle in der Hochfinanz ab. Er war gut, gewieft und ausgekocht, was in seinem Job durchaus als Empfehlung zu verstehen war. Als er vor zehn Jahren bei Professor Lutz von Roden angefangen hatte, hätte er nie zu hoffen gewagt, dass er eine dermaßen steile Karriere hinlegen würde.
Innerhalb weniger Jahre hatte er sich auf seinem Gebiet einen Namen gemacht. Mit zunehmendem Erfolg waren seine Honorare in schwindelerregende Höhen geklettert. Die Heirat mit Gabriele von Roden schien sein Glück perfekt zu machen. Die bildschöne Kollegin war seine große Liebe. Auch heute noch, nach sechs Jahren Ehe und einer Affäre mit Susanne Bergmann.
Gabriele war sanft und verständnisvoll. Sie arbeitete ebenfalls in der Kanzlei ihres Vaters, doch für sie hatte ihr Privatleben stets Priorität gehabt. Vor allem nach Valeries Geburt. Wie war es nur dazu gekommen, dass sie sich so schleichend auseinander gelebt hatten? Lag es daran, dass Gabriele ihn nicht auf seinen zahlreichen Geschäftsreisen begleiten wollte, weil Valerie zumindest einen Elternteil brauchte? Oder lag es an Susanne, der jungen, ehrgeizigen Kollegin, die sich nahm, was sie wollte, ohne Skrupel, ohne Rücksicht? Bernd wusste nicht mal mehr, wie diese Affäre überhaupt angefangen hatte. Und warum. Er hatte nur vom ersten Moment an das Gefühl gehabt, dass es falsch war. Und doch war er zu träge, zu schwach, um reinen Tisch zu machen, klare Entscheidungen zu treffen. Er ließ sich treiben, Vergleiche bestimmten sein Leben auf jeder Ebene.
»Bernd, stimmt was nicht?« Susanne legte ihre manikürte Hand auf seine Rechte. Ihr Blick war sezierend. Der warme Schleier darüber konnte diese Tatsache nur unvollständig verdecken. War sie so berechnend, so kalt? Er fröstelte und zog seine Hand zurück. Warum hatte er sie nur mitgekommen nach Hong Kong? Warum hatte er sich überhaupt je auf sie eingelassen? Er wusste, das konnte ihn seine Ehe kosten. Doch er wollte nicht darüber nachdenken. Er würde es schon in Ordnung bringen. Irgendwie und irgendwann.
»Gehen wir noch auf einen Sprung ins Sevva«, raffte er sich schließlich auf vorzuschlagen. »Aber nur ein Absacker.«
»Ich bin dabei.« Susannes aufgesetzte Munterkeit zerrte an seinen Nerven. War sie schon immer so gewesen, so voller Energie und Elan? In der Kanzlei machte sie die meisten Überstunden. Sie gewann ihre Fälle nicht immer, aber sie war gut darin, Vergleiche auszuarbeiten, mit denen beide Parteien leben konnten. Es fiel ihr leicht, sich in andere hinein zu denken. Sie war eine gute Beobachterin und stets bereit, jeden Vorteil zu nutzen, der sich ihr bot.
Sie verließen das East Hotel in Tai Koo und fuhren mit einem Taxi zu der angesagten Bar mit dem legendären Rundblick über den Vicoria-Hafen und die höchsten Gebäude der Stadt. Susanne betrachtete die Umgebung mit wachen Augen und war bester Laune, obwohl schon ein langer Tag hinter ihnen lag. Und noch weitere vor ihnen, bis alle Details ausgearbeitet waren.
»Wollen wir nicht tanzen?«, fragte sie Bernd, als sie im Sevva bei einschmeichelnder Musik saßen, umgeben von jungen Pärchen in Feierlaune. Bernd fühlte sich plötzlich mit Mitte Dreißig ziemlich alt. Er dachte an die Ruhe zu Hause, er sehnte sich nach einem Spaziergang im Englischen Garten, er sehnte sich …
»Sei mir nicht böse, Susa, ich bin zu müde. Aber tu dir nur keinen Zwang an«, sagte Bernd gespielt lässig und ließ seinen Blick über die interessierten Männer schweifen, die nur darauf warteten, Susanne aufzufordern. Dass er einen Fehler gemacht hatte, wurde ihm bewusst, als er die kleine, steile Unmutsfalte zwischen ihren schön geschwungenen Brauen bemerkte. Wenn sie sich missachtet oder schlecht behandelt fühlte, konnte Susanne sehr unangenehm werden.
»Na schön, wie du meinst«, versetzte sie mit einem maliziösen Lächeln und nickte einem blonden Sportstyp zu, der postwendend auf der Matte stand. Bernd blieb ruhig, nicht nur äußerlich.
Während Susanne sich große Mühe gab, ihn eifersüchtig zu machen, sah er nur eine große, elegante Blondine in den Armen eines anderen und hatte dabei das Gefühl, dass ihn das eigentlich gar nichts anging.
Susanne flirtete hingebungsvoll, sicher, Bernd an seinem männlichen Stolz gepackt zu haben. Doch als sie zu ihrem Tisch zurückkehrte, war ihr Begleiter fort. Ihr himbeerrot geschminkter Mund verzog sich böse nach unten. Aber sie schluckte Wut und Enttäuschung herunter und machte sich mit einem kühlen Lächeln auf den Rückweg ins East Hotel.
Na warte, dachte sie im Taxi. Das zahle ich dir heim …
Susanne Bergmann war tatsächlich ein Verstandesmensch, sie entsprach recht genau dem Bild, das Bernd sich von ihr gemacht hatte. Es war nicht ihre Art auszuflippen. Gefühlausbrüche, melodramatische Auftritte waren ihr zuwider. Sie hatte sich Bernd ausgesucht, weil er sehr viel zu bieten hatte. Er war ein überaus erfolgreicher Anwalt, attraktiv, klug und durch Heirat und Fleiß in der Zwischenzeit vermögend. Ein Mann wie dieser war ihr zum ersten Mal in der Kanzlei von Roden begegnet.
Susanne stammte aus einfachen Verhältnissen. Ihre Eltern, eine Putzfrau und ein Busfahrer, lebten in einer kleinen Altbauwohnung in Haidhausen. Ihre Schwestern hatten Handwerker beziehungsweise kleine Angestellte geheiratet. Nichts hatte sich geändert von einer Generation zur nächsten. Die Bergmanns waren kleine Leute ohne Ehrgeiz. Susanne schien aus der Art geschlagen zu sein. Sie war schon als Mädchen strebsam gewesen, hatte sich ihr Jurastudium selbst finanziert und sich ihren Weg nach oben verbissen gebahnt.
Aber ein gut bezahlter Job, ein schickes Appartment und teure Kleider genügten ihr nicht. Sie wollte alles. Und dieser Wunsch schien sich mit dem smarten Kollegen endlich erfüllen zu lassen. Dass Bernd verheiratet und Vater einer kleinen Tochter war, kümmerte Susanne nicht. Sie legte es darauf an, dass er sich scheiden ließ, um für sie frei zu sein.
Gabriele konnte leicht wieder einen Mann finden. Sie stammte aus gutem Hause, da war immer Geld gewesen. Susanne meinte, dass Bernds Frau so sehr vom Schicksal begünstigt war, dass sie einen kleinen Verlust ruhig mal hinnehmen konnte. Hauptsache, es ging ihr selbst gut und sie bekam, was sie wollte. Um Gabrieles Gefühle scherte sie sich nicht. Die waren ihrer Meinung nach nur Nebensache. Schließlich liebte sie Bernd nicht. Sie wollte ihn, weil er all das war, was ihr zum Glück noch fehlte. Und sie war fest entschlossen, auch diesmal ihr Ziel zu erreichen.
Dass Bernd auf getrennten Zimmern bestanden hatte, fand Susanne zwar überflüssig, doch es entbehrte auch nicht eines gewissen Reizes. Als sie allerdings wenig später ihrem Zimmernachbarn durch die Verbindungstür einen Besuch abstatten wollte, fand sie diese verschlossen.
Ärgerlich legte sie sich in ihr Bett und dachte nach. Etwas stimmte nicht. Sie meinte, sich Bernds Gefühlen nicht mehr wirklich sicher sein zu können. Bereute er ihre Beziehung schon? War er sie leid? Oder plagte ihn nur das schlechte Gewissen?
Susanne hatte sich von diesem Trip nach Hong Kong viel versprochen. Sollte es nun doch nur eine Geschäftsreise werden? Dagegen hatte sie entschieden etwas. Es wurde wohl Zeit, Bernd wieder den Kopf zu verdrehen. Und zwar so sehr, dass er seine Familie und alles andere vergaß und nur noch an sie dachte. Susanne lächelte schmal. Das sollte kein Problem sein …
*
Katja Baumann knipste ihre Schreibtischlampe aus und erhob sich. Die hübsche Brünette machte allerdings nie Feierabend, ohne sich bei ihrem Chef abzumelden. Dazu war sie einfach zu gewissenhaft. Sie klopfte einmal gegen die halb geöffnete Tür zum Nebenzimmer und fragte: »Kann ich noch was für Sie tun, Chef? Brauchen Sie mich noch?«
Dr. Daniel Norden, Chefarzt und Leiter der Münchner Behnisch-Klinik, blickte von einigen Befunden auf, die er gerade studiert hatte, und schüttelte den Kopf. »Gehen Sie nur heim, Katja, es ist ja schon nach sechs. Einen schönen Feierabend.«
»Danke, den wünsche ich Ihnen auch, dann bis morgen!«
Wenig später hatte Katja die Klinik verlassen und war auf dem Weg nach Grünwald. Sie wollte dort eine gute Freundin besuchen, die sie am Morgen angerufen und um Hilfe gebeten hatte.
Gabriele Lindner war im gleichen Alter wie Katja. Vor ein paar Jahren hatte sie in der Kanzlei von Roden gearbeitet und mit...




