Peter | Die Rosenheim-Cops | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Die Rosenheim-Cops

Peter Die Rosenheim-Cops


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-475-54978-6
Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Die Rosenheim-Cops

ISBN: 978-3-475-54978-6
Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rosenheim - ländliche Voralpenidylle am Chiemsee; Touristen aus aller Welt lieben diese Landschaft, Einheimische sind stolz auf Ihre schöne Stadt. Doch es gibt auch hier wie überall auf der Welt schlechte Menschen, die vor Verbrechen nicht zurückschrecken, und es gibt Polizisten, die diese Verbrechen aufklären. Indes ist die Art der Aufklärung unter weißblauem Himmel ein bisschen anders - weniger hektisch und verbissen. Hier kennt man sich. Unsere Kommissare könnten unterschiedlicher nicht sein: Korbinian hat im Nebenberuf eine kleine Landwirtschaft, lebt dort mit seiner Schwester und ist ein urbayerischer Typ, der seine Fälle am liebsten auf dem Traktor löst. Ulrich ist aus der Schickimicki-Metropole München in die Provinz strafversetzt worden. Er ist es gewohnt, bei seinen Ermittlungen die Möglichkeiten der modernen Technik voll auszuschöpfen, ist ein lebhaftes Redetalent und denkt über seine Schlussfolgerungen stets laut nach. Was sie jedoch vereint, ist die Liebe zu ihrem Beruf, zu den Frauen und zum hiesigen Weißbier...

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Geheimnis vom Chiemsee


Jeder Tag war Basteltag - wenn man ein so altes Auto fuhr wie Korbinian Hofer. Und bei seinem betagten Opel war manchmal nicht weniger detektivischer Spürsinn gefragt als in seinem Job als Kriminalhauptkom- missar. Irgendeine Ursache mussten die ständigen Zündaussetzer ja haben, mit denen ihm das Vehikel in den letzten Tagen das Leben schwer machte.

An zu großer Feuchtigkeit in der Zündanlage konnte es jedenfalls nicht liegen. Seit Tagen war das Wetter trocken, der Himmel war blau, und jetzt um kurz nach acht hatte es bereits knappe zwanzig Grad. Ideales Arbeitswetter, wenn man denn etwas zu tun hatte.

Missmutig wanderte Korbinians Blick hinüber zum kleinen Austraghäusl neben dem Hauptgebäude. Er hatte das Schmuckkästchen seit einer Weile an seinen neuen Kollegen Ulrich Satori vermietet; oder besser, seine Schwester Marie hatte das getan. Und der Herr schien gerade erst aulgestanden zu sein, den soeben beiseite gezogenen Gardinen nach zu schließen. Aus dein Küchenfenster, das jetzt einen Spall breit geöffnet war, kroch der Duft von frischem Espresso verführerisch über den Hof direkt in Korbinians Riechorgan.

Er gähnte und beugte sich wieder über den Motor. Seit fünf Uhr in der Früh war er auf, hatte die Kühe gemolken und auf die Weide hinter der Scheune getrieben, die Melkmaschine gereinigt und desinfiziert, Brennholz geschnitten, den Stall gesäubert, und dann - nach einem Frühstück mit vier Semmeln nebst einer halben Kanne Kaffee - hatte er sich über den Wagen hergemacht. So etwas nannte sich freier Tag! Der Kollege Satori hatte auch einen, schien ihn aber besser nutzen zu wollen. Oder jedenfalls anders.

Gerade hatte Korbinian Schließwinkel und Zündzeitpunkt gemessen und für gut befunden, als aus dem Häusl ein lauter Schrei an seine Ohren drang.

»Ja, Kruzitürken!« Das war zweifellos Ulrich Satoris Stimme, und sie hörte sich irgendwie unwirsch an. Zumindest hatte Korbi den Eindruck.

»So ein G’lump! Das gibt’s ja nicht!«

Korbinian drehte sich um und musste unwillkürlich schmunzeln. Sein Kollege kam aus der Haustür gestürzt, angetan mit einem hellrosa Bademantel mit Rüschen, der ihm anscheinend zwei oder drei Nummern zu klein war.

»Herr Hofer!« Ulrich baute sich drohend vor ihm auf. »Dieser … dieser Boiler! Die ganze Woche haben Sie dran herumgebastelt, ein paar Mal ist’s jetzt gut gegangen, aber heut hab ich schon wieder nur kaltes Wasser! Eiskaltes Wasser!«

Korbi nickte ernsthaft. »Ah! Sie sind scheint’s ein Warmduscher?« Dann kicherte er boshaft. »Richtig goldig schauen S’ aus in Ihrem Mäntelchen. Dass Sie fei’ meine Schwester nicht sieht, die kriegt sonst Komplexe!«

»Was reden Sie für einen Sch…!« Er schaute an sich hinunter und lief rot an. »Mist! Jetzt hab ich den Bademantel von der Jeannine erwischt!«

»Die tät wahrscheinlich besser hineinpassen«, sagte der Hofer trocken. »Also kommen S’, ich schau mir den Boiler einmal an.«

»Anschauen«, knurrte Ulrich und stapfte ihm hinterdrein bis ins Badezimmer. »Ein neuer muss her, da hilft gar nix!«

Korbinian seufzte, während er durch das Fenster nach draußen zur Straße spähte. »Das geht mir grad noch ab!«

»Das geht mir grad noch ab«, äffte Ulrich ihn nach. »Und ich, ich zieh derweil zu einer - äh -Bekannten, während Sie hier werkeln! Aber das kürze ich an der Miete, damit wir uns recht verstehen!«

»Die hat mir noch gefehlt!« Korbi wiegte den Kopf. »Die Tante Rita aus Berlin!«

»Was faseln Sie da eigentlich?«

Ulrich trat neben ihn und sah die dunkle Limousine, die gerade vor dem Haus hielt. Eine ältere, sehr elegant gekleidete Dame war ausgestiegen und rief: »Huhu! Korbinian, Marie und Vincent! Schaut, wer da ist! Eure liebe Tante Rita! Ich bin seit Stunden unterwegs, will mich denn niemand begrüßen?«

»Tante Rita?« Ulrich warf einen fragenden Blick auf Korbinian. haben eine Tante? Aus Berlin?«

»Ich kann ja nix dafür«, erwiderte Korbinian. »Sie ist sogar eine Erbtante. Sehr reich, sehr gebildet, sehr intelligent.«

»Also genau das Gegenteil von Ihnen«, grinste Ulrich frech. »Sind Sie sicher, dass so eine mit Ihnen verwandt ist?«

»Sehr witzig.« Korbi lächelte gequält. »Machen Sie mich nur fertig. Auf der ganzen Welt ist nie ein Erbe härter verdient worden als das von Tante Rita. Die ist eine echte Nervensäge!«

»Ja, nachher glaub ich’s Ihnen doch, dass Sie mit ihr verwandt sind!« Ulrich grinste spöttisch. »Also - viel Vergnügen mit Tante Rita, werter Herr Kollege. Ich pack mir eine Reisetasche und verschwinde für ein paar Tage. Und wenn ich wiederkomme, dann hätt ich gern heißes Wasser!«

Korbi war schon auf dem Weg zur Tür. »Ist schon Recht«, nickte er. »Und bevor Sie gehen, ziehen S’ den rosa Bademantel aus. Wenn Sie einer so sieht, dann meint der, Sie brauchen fürs warme Wasser gar keinen Boiler!«

Dann trat er nach draußen und lief Tante Rita direkt in die Arme.

Nicht weit vom Simssee entfernt lag der BaumgartnerHof im hellen Licht der Morgensonne. Er war eines jener typischen, schmucken Anwesen, die für das Bild dieser Gegend so prägend sind. Das stattliche Wohnhaus fiel jedem gleich ins Auge, der hier vorbeifuhr. Seine weiß gekalkten Mauern wurden im Obergeschoss von einer Fassade aus dunklem, gebeiztem Holz abgelöst. Ein Balkon erstreckte sich über die ganze Breite, hübsch geschmückt mit Blumenkästen, in denen Geranien und Tagetes in voller Blüte standen.

Dahinter schlossen sich die Stallungen an, die aber jetzt leer waren, weil d e Kühe sich seit der Früh am frischen Gras der Wiesen gütlich tun durften.

Eine Kaffeemaschine brodelte zischend vor sich hin und stieß kleine Dampfwolken aus wie eine alte Lokomotive, die einen Berg hinauffahren muss. Britta Eck- meier wartete geduldig. Sie hatte das Tablett schon mit den übrigen Sachen fürs Frühstück beladen, fehlte nur noch der Kaffee, dann konnte sie es hinaus auf die kleine Terrasse seitlich neben dem Haus bringen, wo diese … diese Person ihre Morgenmahlzeit einzunehmen pflegte.

Britta warf einen Blick zum Baumgartner-Michael hinüber, dem Jungbauern, der am Tisch saß und den Sportteil der Tageszeitung durchblätterte. Da war er wieder, dieser Stich in ihrem Herz, und der Stich wurde zum wahren Stakkato einer Nähmaschine, als hereinkam. Und wie die wieder ausschaute! Kam man denn im Urlaub im superkurzen Nachthemd herunter und stellte seine Beine bis zum Hintern zur Schau? Machte man das in Nordrhein-Westfalen so, wo diese Schnepfe herkam?

»Wunderschönen guten Morgen!« Eva Windeck nickte Britta kühl zu und warf dem Michael ein strahlendes Lächeln hin. »Was für ein herrlicher Tag, nicht wahr?«

»Guten Morgen.« Michael winkte ihr freundlich zu. »Ja, so richtig nett zum Schwimmen, gell?«

, dachte Britta wütend.

Sie rauschte aus der Küche und wäre fast mit dem Altbauern zusammengestoßen.

Simon Baumgartner runzelte die Stirn. »Was ist mit der los? Rennt mich fast über den Haufen …«

Eva schmunzelte.

»Nun, so ist sie immer, wenn ich in die Nähe vom Michael komme.« Sie zuckte die Achseln. »Womöglich ist sie eifersüchtig?«

Michael faltete die Zeitung zusammen.

»Ach, die dürfen S’ nicht ernst nehmen. Die ist grad eine Praktikantin, sonst nix. Ich werd einmal ein Wörterl mit ihr reden, damit sie sich ein bisserl besser benimmt.« Er stand auf und folgte Britta nach draußen auf dem Hof. »He, wart einmal! Wo gehst du denn hin?«

Britta wandte sich um. »Ich fahr in die Schule, wie jeden Mittwoch. Das weißt doch!«

Sie ließ ihn stehen, und im ersten Moment schaute es so aus, als wollte der Jungbauer aufbrausen. Dann jedoch zuckte er die Schultern und ging hinüber in den Stall, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Drinnen im Haus wollte Eva Windeck nach dem Tablett greifen, aber der alte Baumgartner war ihr zuvorgekommen. »Geh nur voraus«, sagte er mit rauer Stimme. »Ich bring dir dein Frühstück schon.«

»Nett von dir.« Eva musterte ihn kühl. »Was ist, hast du’s ihm schon gesagt?«

»Nein.« Baumgartner schüttelte den Kopf. »Ich mein’,...



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