E-Book, Deutsch, Band 7, 518 Seiten
Reihe: Amelia Peabody
Peters Der Ring der Pharaonin
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-294-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Ägypten-Krimi. Amelia Peabody 7
E-Book, Deutsch, Band 7, 518 Seiten
Reihe: Amelia Peabody
ISBN: 978-3-98952-294-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elizabeth Peters (1927 - 2013) ist das Pseudonym von Barbara G. Mertz, einer amerikanischen Autorin und Ägyptologin. Sie promovierte am berühmten Orient-Institut in Chicago und wurde für ihre Romane und Sachbücher mit vielen Preisen ausgezeichnet. Einer dieser Preise, der »Amelia Award«, wurde sogar nach ihrer beliebten Romanfigur benannt, der bahnbrechenden Amelia Peabody. Besonders ehrte sie jedoch, dass viele ÄgyptologInnen ihre Bücher als Inspirationsquelle anführen. Die »Amelia Peabody«-Reihe von Elizabeth Peters bei dotbooks umfasst: »Das Rätsel der Mumie« »Der Fluch des Pharaonengrabes« »Im Tal der Squinx« »Der Sarkophag« »Verloren in der Wüstenstadt« »Schatten über dem Nil« »Der Ring der Pharaonin« Die »Vicky Bliss«-Reihe von Elizabeth Peters bei dotbooks umfasst: »Vicky Bliss und der geheimnisvolle Schrein« »Vicky Bliss und die Straße der fünf Monde« »Vicky Bliss und der blutrote Schatten« »Vicky Bliss und der versunkene Schatz« »Vicky Bliss und die Hand des Pharaos« Auch bei dotbooks erscheint ihre Krimireihe um Jacqueline Kirby: »Der siebte Sünder - Der erste Fall für Jacqueline Kirby« »Der letzte Maskenball - Der zweite Fall für Jacqueline Kirby« »Ein preisgekrönter Mord - Der dritte Fall für Jacqueline Kirby« »Ein todsicherer Bestseller - Der vierte Fall für Jacqueline Kirby« Unter Barbara Michaels veröffentlichte bei dotbooks ihre Romantic-Suspense-Romane: »Der Mond über Georgetown« »Das Geheimnis von Marshall Manor« »Die Villa der Schatten« »Das Geheimnis der Juwelenvilla« »Die Frauen von Maidenwood« »Das dunkle Herz der Villa« »Das Haus des Schweigens« »Das Geheimnis von Tregella Castle« »Die Töchter von King's Island« Sowie ihre historischen Liebesromane: »Abbey Manor - Gefangene der Liebe« »Wilde Manor - Im Sturm der Zeit« »Villa Tarconti - Lied der Leidenschaft« »Grayhaven Manor - Das Leuchten der Sehnsucht«
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Kapitel 2
Was kann eine Dame dafür, wenn ein Meisterverbrecher sein Herz für sie entdeckt?
»Jetzt sei nicht ungerecht, Peabody«, sagte Emerson. »Kein Wunder, daß der arme Mensch geglaubt hat, du seist hysterisch. Es war eine ziemlich dumme Frage.«
Ich rieb mir die Wange. Sie brannte immer noch.
»Die Formulierung war mißverständlich«, gab ich zu. »Allerdings kann mir niemand verdenken, daß ich außer mir war. Bist du sicher ...«
»Du bist meine Frau«, entgegnete Emerson. Er nahm die Pfeife aus dem Mund und benutzte den Stiel als Zeigestab. »Das hier ist unser Sohn Ramses. Dies ist unsere Tochter Nefret. Das Tier, das momentan auf ihrem Schoß sitzt, ist Bastet, die Katze. Und bei der etwas größeren vierbeinigen Kreatur handelt es sich ebenfalls um eine Katze namens Anubis. Den Gegenstand auf meinem Kopf, den man trotz meines erbitterten Widerstands dort angebracht hat, nennt man Pflaster. Selbiges bedeckt – ziemlich überflüssigerweise – eine kleine Beule und eine unbedeutende Schnittwunde.«
»Ich wünschte, du würdest dir deinen Sarkasmus sparen, Emerson. Er zerrt an meinen Nerven.«
»Ich versuche ja, das Thema zu wechseln.«
Dieser Hinweis war gerechtfertigt. Die beiden Kinder wußten nichts von den schrecklichen Ereignissen des vergangenen Winters – damals hatte Emerson durch einen Schlag auf den Kopf das Gedächtnis verloren und sogar vergessen, wer ich war.
Zwar war es mir nicht gelungen, Ramses die Amnesie seines Vaters zu verheimlichen, aber er hatte keine Ahnung von unserer jüngsten Begegnung mit unserem gefährlichen Gegner, dem Meisterverbrecher. Es wäre unmöglich gewesen, die Vorfälle zu erklären, ohne hinzuzufügen, daß Sethos’ unheilvolle Leidenschaft für meine bescheidene Person Grund einiger seiner Handlungen gewesen war.
Das hieß allerdings nicht, daß ich mir etwas vorzuwerfen hatte. Was kann eine Dame dafür, wenn ein Meisterverbrecher sein Herz für sie entdeckt? Dennoch war es nicht unbedingt ein Thema, das ich mit meinem Sohn erörtern wollte.
Ich hoffte, daß Ramses ahnungslos war, konnte mich aber nicht darauf verlassen, da Ramses seine eigenen Methoden hatte, Dinge herauszufinden. Unsere Arbeiter und auch andere Menschen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen, hielten Ramses für eine Art allgegenwärtigen Geist – doch in Wirklichkeit war er nur ein außerordentlich begabter Schnüffler. Als kleines Kind hatte er die Angewohnheit gehabt, die eingeholten Informationen unverzüglich hinauszuposaunen. In letzter Zeit jedoch war er verschwiegener geworden. Ich wußte nicht, was schlimmer war. Mit seiner Redseligkeit hatte Ramses mich schon oft in peinliche Situationen gebracht – die Frage, was jetzt in seinem Kopf vorgehen mochte, zerrte allerdings noch mehr an meinen Nerven.
Der Ball war noch immer in vollem Gang, und Gelächter drang durch die offenen Fenster. Wie immer in Ägypten, wenn die Sonne untergegangen ist, war es rasch kühl geworden. Ein kalter Windhauch bauschte die Vorhänge und ließ die zarten Chiffonrüschen am Kragen meines Morgenrocks erzittern.
Nachdem der junge Arzt mich (laut Emerson mit den besten Absichten) geohrfeigt und sich vergewissert hatte, daß mein Mann seiner Pflege nicht bedurfte, hatte er sich empfohlen. Natürlich hielt er meinen Hinweis auf eine Vergiftung für ein Zeichen weiblicher Hysterie. Unter gewöhnlichen Umständen hätte ich ihm den Kopf zurechtgerückt, doch wie die Dinge lagen, ließ ich ihn lieber in diesem Irrglauben.
Wir vier – sechs, wenn man die Katzen mitzählte – hatten uns im Salon versammelt und stärkten uns mit ein paar Tassen Tee. Ich hatte ein bequemes weißseidenes Nachtgewand mit Rüschen angezogen. Auch Emerson hatte sich umgekleidet, nicht weil sein Abendanzug ein wenig Schaden genommen hatte (das meiste Blut war auf mir gelandet, als ich ihn an meinen Busen drückte), sondern weil er am liebsten so wenig wie möglich trägt. Außer seinen Lackschuhen hatte er auch Sakko, Weste, Krawatte und Hemd abgelegt. Nun trug er ein Arbeitshemd mit offenem Kragen und hochgekrempelten Ärmeln. Er rauchte Pfeife und streichelte den Kater, der es sich auf seinem Schoß bequem gemacht hatte.
Anubis war, wie seine Freundin Bastet, ein getigerter ägyptischer Kater und wilder als seine europäischen Artgenossen. Er war Emersons Katze. Besser gesagt, er hatte beschlossen, Emerson gnädigerweise den Großteil seiner Aufmerksamkeit zu schenken – denn schließlich lassen sich Katzen von niemandem besitzen. Bastet, die schon länger zur Familie gehörte, bevorzugte Ramses, und zwar derart, daß abergläubige Menschen sie für sein Alter ego in Katzengestalt hielten, das über magische Kräfte verfügte. Ganz offensichtlich war sie in meinen Sohn vernarrt (obwohl sie sich in jüngster Zeit auch mit Nefret angefreundet hatte), und die beiden waren unzertrennlich. Wir hatten Anubis mitgenommen, da unsere Hausangestellten in Kent sich weigerten, mit ihm allein zu bleiben. Wie ich zugeben muß, fühlte auch ich mich ein wenig unwohl in Anubis’ Nähe. Er war größer und dunkler als Bastet und verfügte nicht über ihr freundliches Wesen. Bei ihrer ersten Begegnung hatte er sich Bastet ein wenig stürmisch angenähert und dafür eine ordentliche Abreibung bezogen. Seitdem konnte man ihr Verhältnis bestenfalls als Waffenstillstand beschreiben.
Bastet lag zusammengerollt auf Nefrets Schoß und schnurrte heiser, während das Mädchen ihr den Kopf kraulte. Nefret hatte sich nicht umgezogen. Mit funkelnden Augen verlangte sie zu erfahren, was vorgefallen war.
»Es sei denn«, so fügte sie, an Emerson gewandt, hinzu, »du gehörst zu der Sorte Männer, die glauben, daß Frauen in Unwissenheit gehalten und vor allen Gefahren geschützt werden sollten.«
»Laß deine Spielchen, junges Fräulein«, erwiderte Emerson schmunzelnd. »Selbst wenn ich dieser Ansicht wäre, weiß ich inzwischen aufgrund leidvoller Erfahrungen, wie vergeblich es wäre, darauf zu beharren.« Nun wieder ernst, fuhr er fort: »Ich hatte ohnehin vor, dir und Ramses alles zu erzählen, denn ich habe eine seltsame Vorahnung ... äh ... damit will ich sagen, daß der Vorfall des heutigen Abends auf kommende Gefahren hinweist.«
Mit diesen Worten begann er seinen Bericht, der zwar ein wenig ausführlich, jedoch gut gegliedert war, weshalb ich ihn nicht unterbrach.
Das galt allerdings nicht für Ramses. »Hm«, brummte er, »sehr interessant. Darf ich fragen, ob Mr. Saleh seinen Anfall vielleicht nur simuliert hat? Hat er dich geschlagen, oder war es eine dritte Person? Wo hat ...«
»Keine Ahnung«, entgegnete Emerson sehr laut. »Wenn du mich jetzt bitte fortfahren läßt, Ramses ...«
»Entschuldige, Vater. Ich dachte, daß du schon fertig wärst. Sonst hätte ich nie ...«
»Hmpf«, knurrte Emerson. »Tatsache ist, daß die Krämpfe dieses Burschen aufhörten – ganz gleich, ob sie echt oder gespielt waren –, und zwar kurz nachdem du fort warst, Peabody. Er wurde schlaff und rührte sich nicht. Also ging ich zur Anrichte, um ihm ein Glas Brandy einzuschenken. Mehr weiß ich nicht. Wahrscheinlich hat Saleh selbst mich auf den Kopf geschlagen, denn ich hatte mich nur für ein paar Sekunden umgedreht und hätte sicherlich gehört, wenn die Tür aufgegangen wäre.«
»Nicht, wenn sich bereits eine dritte Person im Raum befand«, warf ich ein, um Ramses zuvorzukommen. »Versteckt hinter den Vorhängen oder auf dem Balkon.«
»Lächerlich«, widersprach Emerson, denn er ahnte, worauf ich hinaus wollte. »Wie hätte diese dritte Person ins Zimmer gelangen sollen? Der Zimmerkellner ...«
»... könnte bestechlich sein. Ich schlage vor, daß wir ihn sofort verhören.«
»Das kommt nicht in Frage, Peabody, denn es ist eine bloße Vermutung.«
»Nehmen wir einmal an«, mischte sich Ramses ein, »da es keinen Hinweis auf die Anwesenheit einer dritten Person gibt und da gewisse logistische Schwierigkeiten bestehen, beispielsweise, wie er, beladen mit einem bewußtlosen Menschen, am Suffragi hätte vorbeikommen sollen ...«
»Mein Gott, Ramses«, zischte ich. »Laß doch auch einmal die anderen zu Wort kommen. Nefret versucht schon seit fünf Minuten, etwas zu sagen. Deine Einwände haben etwas für sich, obwohl mein Vorschlag, der Suffragi könnte bestochen oder für kurze Zeit nicht auf seinem Posten gewesen sein, eine Erklärung für diese scheinbaren Ungereimtheiten wäre. Weiterhin begreife ich nicht, weshalb Mr. Saleh mit dem erklärten Ziel, uns eine Information zukommen zu lassen, hierherkommt, um dann seine Meinung zu ändern und unter Zuhilfenahme körperlicher Gewalt zu fliehen. Denn wenn er seine Meinung tatsächlich geändert hätte, hätte er es doch nur zu sagen brauchen; ganz sicher gab es keinen Grund ...«
Mir ging die Luft aus. Diesmal kam Nefret als erste zum Zug.
»Ganz richtig, Tante Amelia, genau das meine ich auch. Viel wahrscheinlicher ist es, daß eine zweite, uns unbekannte Partei ein Interesse daran hatte, Mr. Saleh zum Schweigen zu bringen, bevor er das Geheimnis verriet. Und das heißt ... Verstehst du, was das heißt, Tante Amelia?!«
»Du meine Güte«, stöhnte Emerson. »Nefret, ermuntere sie nicht auch noch. Betrachte das als Befehl.«
»Er scherzt nur«, wandte ich mich an Nefret.
»Verdammt!« brüllte Emerson und knallte seine Pfeife in den Aschenbecher.
»Emerson, deine Ausdrucksweise!« mahnte ich.
»Du provozierst mich dazu«, sagte Emerson.
»Aber Nefret hat recht, Emerson. Die Symptome des Fremden wiesen auf eine Strychninvergiftung hin, und ich habe deutlich Bittermandeln gerochen.«
»Entschuldige, Mutter«, widersprach Ramses – denn sein Vater war puterrot angelaufen und im Augenblick...




