E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Peters Leben und Wirken des Samuel Brüllhenne
2. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7386-6127-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
ISBN: 978-3-7386-6127-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jan Peters, geb. 1947 in Goslar am Harz. Seit 1988 wohnhaft in der deutschsprachigen Schweiz. Bisher erschienene Bücher: Tief im Norden 1995, Frankfurt 1997, Sebastian 2000, Skandal! Skandal! 2002, Es sieht bös aus! 2004, Der Spiesshof zu Basel 2009. Regelmäßige Satiren seit 2003 im Schweizer Nebelspalter, dem 1875 gegründeten ältesten Satiremagazin der Welt.
Autoren/Hrsg.
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«Unternehmen Barbarossa – reloaded!!!»
Vorgeschichte:
Samuel Brüllhenne – ein Mann, der nichts dem Zufall überlässt – möchte im Kontext seiner Sekundärsozialisation, die ihrem offiziellen Anspruch gemäss zum Ziel hat, ihn in Richtung eines voll entwickelten, gesellschaftsfähigen Menschen führen zu wollen, endlich mehr über die jüngere deutsche Vergangenheit erfahren.
Da seine Eltern bei diesem Thema regelmässig mauern, konstruiert er sich eine Zeitmaschine – eine komplizierte Apparatur mit zahlreichen Einstellrädern und Anzeigeinstrumenten – und unternimmt einen Ausflug ins zauberhafte Berchtesgadener Land zum «Berghof» des Jahres 1944.
Abgesehen von den enormen technischen Schwierigkeiten, die der Bau einer Zeitmaschine naturgemäss verursacht – ein solch aussergewöhnliches Gerät muss ja, um wirkungsvoll werden zu können, irgendwann und irgendwie auch mit der einigermassen vertrackten Matrix des Einsteinschen Raum-Zeit-Kontinuums in Kollision geraten – berührt diese Apparatur auch Philosophisches einer hoch spekulativen Ebene:
«Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie würden mittels einer solchen Maschine in die Vergangenheit reisen und als Feuerleitoffizier einer Batterie des britischen Royal Regiment of Artillery dafür sorgen, dass Ihr Vater – den Sie immer schon dafür gehasst haben, dass er eine Tochter und keinen Sohn haben wollte – zwei Wochen vor einem Heimaturlaub, in dem er Ihre Mutter kennengelernt hätte, auf den flandrischen Schlachtfeldern 1914/18 im Inferno einer fünf Meter neben ihm einschlagenden Kartätsche umkommt:
- Gäbe es Sie dann?
- Oder gäbe es Sie dann nicht (mehr)?
- Und wie hätten Sie denn wohl in die Vergangenheit reisen können, da Sie doch Ihren Vater vor Ihrer eigenen Zeugung eigenhängig beseitigt haben, wie wir Ihnen soeben unwiderlegbar nachgewiesen haben?
*
Ich nehme diese Frage, die Sie jetzt sicher ziemlich beunruhigt hat, umgehend zurück, denn nach kurzer Reflexion dürfte zweifelsfrei feststehen:
- Sie wurden nie geboren, existieren gar nicht – ich kann Ihnen also auch keinerlei Fragen stellen.
- Sie sind ein reines Hirngespinst, eine meiner ungezählten abstrusen Erfindungen!»
*
Ort der Handlung:
Der Berghof auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Das Frühstücksstüberl «Heimskringla», die Mittagbrothalle «Sigurðarkviða» sowie diverse andere Räumlichkeiten unter-schiedlicher Behaglichkeit auf dem Obersalzberg sowie im «Kehlsteinhaus»47, das oberhalb des Berghofes liegt.
- Die handelnden bzw. behandlungsbedürftigen Personen:48
- Der Hausherr des Berghofes, Pg.49 Adi-Dölf Schicklgruber, alias «Adolf Hitler»; von seinen Fähigkeiten und Neigungen her ursprünglich Eckensteher, Landstreicher und Postkartenkopist. Wegen eklatanten Versagens und anhaltender Erfolglosigkeit in diesen anspruchsvollen Tätigkeiten musste er sich beruflich umorientieren, und es blieb ihm später nichts anderes übrig, als die eher gering angesehene Laufbahn eines Führers, Reichskanzlers und GröFaZ einzuschlagen.
- Frl. Parteigenossin Eva Braun, Verlobte des Erstgenannten; eng liiert mit «Blondi», dem hündisch unterwürfigen Vertrauten des Dölf Schicklgruber.
- Pg. Dr. Josef «Jupp» Göbbels/Jöbbels/Joebbels, Propagandaminister und Gauleiter von Gross-Berlin; enthusiastischer Liebhaber des «totalen Kriegs».
- Pg. und Reichsfeldmarschall Hermann «Meatloaf» Göring/Goering, einer der Leithammel der «Alten Kämpfer»; ehemaliger Jagdflieger, hochgradiger Morphinist und, wie die gesamte Entourage des GröFaZ: zu nichts zu gebrauchen – aber zu allem imstande!
- George «Machine Gun» Kelly Barnes jr., Sonderbeauftragter der Deutschen Wehrmacht für Infanterie-, Wunder- und Geheimwaffen; von der deutschen Abwehr wegen seiner Englischkenntnisse beim britischen Geheimdienst MI5 eingeschleust, in Wirklichkeit, je nach eigener und der Finanzlage seiner diversen Auftraggeber: Doppel- bis Dreifachagent.50
- Pg. Julius Streicher, Gauleiter von Oberfranken und Herausgeber des «Stürmers», Kampfblatt der Bewegung unter dem Geleitwort: «Psychopathen aller Länder, vereinigt Euch!!!!»; beim Marsch auf die Feldherrnhalle im Laufe des Hitler-Ludendorff-Putsches 1923 steckte er sich mit BSE, dem Rinderwahnsinn, in seiner aggressivsten Form an. Dies fiel in der Hitler-Bewegung aber nicht sonderlich negativ auf, sondern wurde, ganz im Gegenteil, als ein vorbildlich vaterländisches Phänomen angesehen und hoch geschätzt.
- Pg. Dr. Roland Freisler, Präsident des Volksgerichtshofes; beim Lesen von Schicklgrubers haarsträubendem Traktat «Mein Kampf, Bd. I» infizierte er sich unheilbar mit Tollwut, die erst dann ausklang, als ihm infolge eines alliierten Bombardements ein relativ hartes Stück seines Volksgerichtshofes auf die verquaste Juristenbirne fiel. Und der Herr Zebaoth donnerte aus seinen Himmeln: «Zum Henker mit dir, Freisler, du Abschaum des Hades, jetzt ist mal Schluss mit deiner verheerenden Juristerei!»
- Generalleutnant Stettner Ritter von Grabenhofen, Gebirgsjägerkommandeur und gnadenloser Bewunderer der innenarchitektonischen Höchstleistungen DES FÜHRERS.
- Diverse NSDAP-Mitglieder, die nach 1945 geschlossen in die CDU/CSU eintraten und von dort en bloc in den Öffentlichen Dienst der Bundesrepublik Deutschland übernommen wurden. «Wir haben ja keine anderen», hiess es. Der ist gut, «wir haben ja keine anderen».
- Der Chor der oberschlesischen Fernmelde- und Flakhelferinnen.
- Vier Deutschordensritter, die im Zuge der Alpenhilfe auf dem Berchtesgadener Berghof bei Garten- und anderen einfachen Tätigkeiten eingesetzt wurden. Nach Beginn des «Unternehmens Barbarossa» wurden sie auf die Marienburg/Ostpreussen strafversetzt, um dort fliessbandmässig Gewürzgurken nach polnischer Art für die Wehrmacht einzuwecken. Mit dem Vorrücken der Roten Armee mussten sie überstürzt in Richtung Westen abreisen und die Gurkenvorräte zurücklassen; der Verbleib dieser in Fachkreisen sehr geschätzten Gurken ist ebenso unklar wie derjenige des Bernsteinzimmers. Die Ordensritter selbst schifften sich dann in Gotenhafen auf die «MS Wilhelm Gustloff» ein, was sich, wie so vieles im 2. Weltkrieg, als grober Fehler herausstellen sollte.
- Diverse Angehörige der «Leibstandarte SS Adolf Hitler», die nach 1945 geschlossen in die CDU/CSU eintraten und von dort en bloc in den Öffentlichen Dienst der Bundesrepublik Deutschland übernommen wurden. «Wir haben ja keine anderen», hiess es. Der ist gut, «wir haben ja keine anderen».
- Diverse hohe Offiziere aus dem Oberkommando der Wehrmacht, dem Generalstab und ähnlichen Kommandoeinheiten und Dienststellen; diverse Soldaten des Heeres, Männer der Marine und Herren der Luftwaffe verschiedener Dienstgrade, die allesamt, soweit sie nicht auf dem Felde der Ehre verblieben, ab 1955 die Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland aufbauten. «Wir haben ja keine anderen!», hiess es. Der ist gut, «wir haben ja keine anderen».
- Keine aktiven Widerstandskämpfer, die in der Lage gewesen wären, den Herrn Reichskanzler und NSDAP-Führer nachhaltig aus dem Verkehr zu ziehen; jahrelang wurde in allen Gauen des Reichs händeringend nach solchen gesucht, es konnten aber keine aufgetrieben werden. Hätte man welche angetroffen, so wären diese nach 1945 weder von der CDU/CSU aufge- noch vom Öffentlichen Dienst der Bundesrepublik übernommen worden. Garantiert NICHT!
Zeit der Handlung: April 1944.
*
Erster Aufzug
Alle auftretenden bzw. -sitzenden Personen befinden sich in Heimskringla, dem vom FÜHRER persönlich entworfenen Frühstücksstüberl des Berghofes. Mit einer Grundfläche von 8000m2 und einer maximalen Höhe von 160 Metern war Heimskringla, abgesehen von den Gesindestuben, einer der intimeren Räume auf dem Berghof.
Nicht zuletzt das Licht seiner in Form von deutschen Kampf-U-Booten gestalteten neun Kronleuchter mit einem jeweiligen Bruttogewicht von knapp 980 Tonnen – inklusive Treibstoff und Torpedos mit scharfen Knallköppen51 – verliehen dem Raum eine bezaubernde, spielerische Leichtigkeit, die insbesondere DER FÜHRER sehr schätzte. Hier schrieb er auch die meisten seiner immer wieder gern gelesenen Reden und Weisungen für die Kriegsführung.52
Albert Speer äusserte einmal verzückt: «MEIN FÜHRER, bei Ihnen dahoam ist’s so gemütlich als wie in den schönsten bayerischen Tropfsteinhöhlen.»
«Brav, mein treuer Speer», erwiderte darauf der von Rührung nahezu übermannte FÜHRER und tätschelte Speer das Hinterteil.
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Parteigenossin Eva Braun, in KdF-Strapsen, kugelsicherem BDM-Korsett und mit Lockenwicklern aus Kruppstahl am Tisch sitzend. Sie rührt unaufhörlich ihren lauwarmen Kathreiner’s Malzkaffee53 um und blättert gelangweilt in einem FKK-Magazin der Aktion «Lebensborn e. V.» und des Amtes für...




