E-Book, Deutsch, Band 5, 386 Seiten
Reihe: Vicky Bliss
Peters Vicky Bliss und die Hand des Pharaos - Der fünfte Fall
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96148-228-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, Band 5, 386 Seiten
Reihe: Vicky Bliss
ISBN: 978-3-96148-228-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Elizabeth Peters (1927 - 2013) ist das Pseudonym von Barbara G. Mertz, einer amerikanischen Autorin und Ägyptologin. Sie promovierte am berühmten Orient-Institut in Chicago und wurde für ihre Romane und Sachbücher mit vielen Preisen ausgezeichnet. Einer dieser Preise, der »Amelia Award«, wurde sogar nach ihrer beliebten Romanfigur benannt, der bahnbrechenden Amelia Peabody. Besonders ehrte sie jedoch, dass viele ÄgyptologInnen ihre Bücher als Inspirationsquelle anführen. Die »Amelia Peabody«-Reihe von Elizabeth Peters bei dotbooks umfasst: »Das Rätsel der Mumie« »Der Fluch des Pharaonengrabes« »Im Tal der Squinx« »Der Sarkophag« »Verloren in der Wüstenstadt« »Schatten über dem Nil« »Der Ring der Pharaonin« Die »Vicky Bliss«-Reihe von Elizabeth Peters bei dotbooks umfasst: »Vicky Bliss und der geheimnisvolle Schrein« »Vicky Bliss und die Straße der fünf Monde« »Vicky Bliss und der blutrote Schatten« »Vicky Bliss und der versunkene Schatz« »Vicky Bliss und die Hand des Pharaos« Auch bei dotbooks erscheint ihre Krimireihe um Jacqueline Kirby: »Der siebte Sünder - Der erste Fall für Jacqueline Kirby« »Der letzte Maskenball - Der zweite Fall für Jacqueline Kirby« »Ein preisgekrönter Mord - Der dritte Fall für Jacqueline Kirby« »Ein todsicherer Bestseller - Der vierte Fall für Jacqueline Kirby« Unter Barbara Michaels veröffentlichte bei dotbooks ihre Romantic-Suspense-Romane: »Der Mond über Georgetown« »Das Geheimnis von Marshall Manor« »Die Villa der Schatten« »Das Geheimnis der Juwelenvilla« »Die Frauen von Maidenwood« »Das dunkle Herz der Villa« »Das Haus des Schweigens« »Das Geheimnis von Tregella Castle« »Die Töchter von King's Island« Sowie ihre historischen Liebesromane: »Abbey Manor - Gefangene der Liebe« »Wilde Manor - Im Sturm der Zeit« »Villa Tarconti - Lied der Leidenschaft« »Grayhaven Manor - Das Leuchten der Sehnsucht«
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Kapitel 2
Johns einzige Reaktion bestand in einer hochgezogenen Augenbraue. Er hatte es kommen sehen. Ich hatte das Gefühl, er wünschte, er wäre selbst darauf gekommen, so eine Nummer durchzuziehen.
»Aber wieso?«, fragte ich. »Warum um Himmels willen würde irgendjemand eine ausgeleierte, vertrocknete alte Leiche klauen?«
»Dazu kommen wir später«, sagte John. »Das Wichtigste zuerst. Wer weiß noch davon, Feisal?«
»Du meinst, wer weiß, dass er verschwunden ist? Nur Ali und ich. Wir haben alles wieder in Ordnung gebracht. Genau genommen kann ich nicht einmal sicher sein, ob seine Beine nicht noch da waren, so weit konnte ich nicht unter die Platte greifen, aber ...«
»Igitt«, sagte ich.
»Wir können davon ausgehen, dass sie auch diesen Teil mitgenommen haben, wenn der Rest fehlt«, sagte John. »Sie hatten jede Menge Zeit. Wird Ali den Mund halten?«
Feisal lachte bitter. »Das wird er allerdings. Er würde ganz sicher seinen Job verlieren und wahrscheinlich sogar im Gefängnis landen – in der Zelle neben mir.«
»Jetzt komm schon«, protestierte ich. »Es war nicht deine Schuld. Du warst ja nicht einmal da.«
»Das Supreme Council wird einen Sündenbock benötigen, und es ist in meinem Zuständigkeitsbereich geschehen. Mein Gott, Vicky, Tutanchamun ist ein Symbol, eine Legende, ein einzigartiger historischer Schatz. Die Medien werden durchdrehen. Sie werden in den Late-Night-Shows Witze darüber machen, wir werden von jedem Museum und jeder wissenschaftlichen Abteilung weltweit kritisiert werden. Sie werden alle sagen: Ägypten hat ja Nerven; erst zu fordern, dass wir ihnen ihre Kunstschätze zurückgeben, wenn sie dann ein paar Betrüger mit dem berühmtesten Pharao der Welt einfach auf und davon marschieren lassen!«
»Hmmm.« John rieb sich das Kinn. »Ich fürchte, da hast du recht. Es wäre ganz schön peinlich für die Regierung.«
»Peinlich!« Feisal warf die Hände in die Luft. »Peinlich ist, wenn man der Frau des Botschafters sein Getränk in den Schoß kippt. Das hier ist beschämend, entehrend, Köpfe werden rollen. Aber wenn ich ihn wiederbeschaffen könnte ...« Er wandte sich an John; seine langen, geschmeidigen Hände vollführten eine bittende Geste.
Ihn, nicht sie, dachte ich. Er sprach die ganze Zeit über diese zerkrümelte Mumie, als wäre sie ein lebendiger Mensch. Na ja, immerhin hatte sie – er – gelebt, vor langer Zeit. Er war kein lebloser Gegenstand wie ein Sarg oder eine Statue, sondern ein Mensch gewesen, ein Herrscher, unglaublich gut konserviert, und das für eine unglaublich lange Zeit. Ich begann eine Ahnung davon zu bekommen, warum Feisal solche Panik empfand. Man musste sich nur vorstellen, dass jemand die Gebeine Georg Washingtons stähle – und der war erst seit zweihundert Jahren tot.
»Wir werden dir helfen, wenn wir können«, sagte ich, wobei ich mich fragte, wie wir das anstellen sollten.
»Du hast es nicht verstanden, Vicky«, sagte John. Er lehnte sich zurück und legte die Fußgelenke über Kreuz, ganz gelassen. »Du glaubst, ich stecke dahinter, Feisal. Deswegen bist du hergeeilt, um mich zu bitten, sie ...«
»Ihn.«
»Entschuldigung ... ihn zurückzugeben.«
»Ihn bitte zurückzugeben.«
»Meine Güte, Feisal«, sagte ich. »Das ist doch verrückt.«
»Nicht unbedingt«, sagte John nachdenklich. »Es wäre durchaus etwas, was ich in jüngeren und wilderen Jahren hätte getan haben können, schon allein der Herausforderung wegen. Die Operation war gut geplant. Sie haben einen Zeitpunkt gewählt, zu dem du anderswo warst, sie haben bis spät am Tag gewartet, wenn die Wärter müde sind und nach Hause wollen, sie sind schnell gewesen und mit arroganter Autorität aufgetreten. Dein Freund Ali sah keine Möglichkeit, sie aufzuhalten. Wahrscheinlich war es sogar sein Glück, dass er es nicht versucht hat. Die Sache mit den Typen in den schwarzen Uniformen gefällt mir gar nicht.« John brütete, dachte darüber nach. »Ein Ablauf, den Ali schon von einem anderen Mal kannte, dazu korrekte Unterlagen – sogar ein Schlüssel zum Grab. Eine Kopie davon wäre nicht schwer zu besorgen gewesen. Er konnte es nicht überprüfen, du hattest keinen Handyempfang, selbst wenn du ein Telefon bei dir gehabt hättest, und zum Supreme Council wäre er niemals durchgekommen. Die Ausrüstung war natürlich getürkt. Ali hat den Unterschied nicht bemerkt, genauso wenig wie er mir aufgefallen wäre, wenn alles nur beeindruckend genug aussah. Sie haben sie – äh, ihn – in den Laster gesteckt, ihn von der Sandauflage in irgendeinen anderen Behälter verfrachtet, dann eine halbe Stunde rumgesessen und interessante technische Geräusche produziert – und sich dabei garantiert totgelacht – und dann die leere Bahre wieder hineingetragen. Oder vielleicht ... vielleicht hatten sie sogar eine zweite Bahre vorbereitet. Dann müssten sie die zerbrechlichen Knochen nicht bewegen. Ja, so hätte ich es gemacht. Nur ...« Er beugte sich vor, die Finger ineinander verschränkt, und sah seinen Freund intensiv an. »Nur war ich es nicht, Feisal. Abgesehen von der Tatsache, dass ich eine so miese Nummer nicht mit dir durchziehen würde, war ich in London und kann es sogar beweisen.«
Ein Knoten tief in meiner Brust lockerte sich. Ich hatte es nicht geglaubt – nicht wirklich –, aber ich hatte ihn seit zwei Wochen nicht gesehen, und der Modus Operandi, wie wir Gangsterbräute sagen, erinnerte an einige seiner Aktionen.
»Vielleicht war es deine Gang ...«, begann Feisal, der nicht vollständig überzeugt war.
»Ich habe keine verdammte Gang! Gangs bestehen vor allem aus besonders dummen, verdammt unehrlichen Menschen, die für den jeweils höchsten Bieter arbeiten. Ich habe aus schmerzhafter Erfahrung gelernt, dass ich niemandem trauen kann, außer mir selbst. Deswegen habe ich ...«
»John«, sagte ich scharf.
»Oh ja.« Er sah auf die Uhr. »Ich brauche noch mehr Details darüber, aber wie Vicky mich zu Recht erinnert, läuft uns die Zeit davon. Kannst du ein charmanter und wohlgelaunter Gast sein, während Schmidt und seine Freundin da sind? Er darf keinen Wind von der Sache bekommen.«
»Allah verhüte, dass es so weit käme«, sagte Feisal. Er sah ein wenig mehr ... nun ja, fröhlicher sah er nicht aus. Ein bisschen weniger geplagt. »Ich gehe besser. Schmidt hat stets eine ungute Wirkung auf mein Nervenkostüm, das bereits angeschlagen ist. Ruft mich an, wenn er wieder weg ist.«
»Wo erreichen wir dich?«, fragte ich.
Feisal sah mich mit leerem Blick an. »Ich weiß nicht. Ich bin direkt vom Flughafen hergekommen.«
Von der Straße draußen hörten wir das Quietschen gequälter Reifen. Ich kannte das Geräusch. »Oh mein Gott, das ist Schmidt«, rief ich. »Er ist zu früh. Was machen wir jetzt?«
Entsetzt lief Feisal zur Tür. Caesar folgte ihm und bellte hoffnungsvoll.
»Nach oben«, befahl John. »Zweite Tür rechts.«
Feisal hielt nicht an, sondern wirbelte nur herum und rannte die Treppe hinauf. John griff nach seiner Aktentasche und warf sie ihm hinterher. »Schließ die Tür ab. Wir sagen dir Bescheid, wenn die Luft rein ist. Und keinen Mucks!«
Feisal blieb auf der Treppe stehen. »Und wenn ich mal ...«
»Dann musst du improvisieren«, zischte John zwischen zusammengebissenen Zähnen. Es klingelte an der Tür. Caesar bellte. Feisal stieß einen leisen Schrei aus und floh.
»Tief durchatmen, Vicky«, sagte John. »Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde. Ins Maul des Todes, in der Hölle Schlund ... Oder ist es andersherum? Ich mache ihnen auf. In Ordnung?«
Ich konnte immer noch kein Wort hervorbringen und nickte nur. Es wird schon gut gehen, sagte ich mir. Wir mussten Schmidt einfach nur ein paar Stunden bei Laune halten und ihn in Unwissenheit lassen. Das sollte doch zu schaffen sein.
John riss die Tür auf und setzte zu einem jovialen Gruß an. Doch dann holte er nur scharf Luft, und da sah ich auch schon die Frau neben Schmidt. Seine neue Freundin. Suzi Umphenour.
Das war nicht ihr richtiger Name. Es war der Name, unter dem ich sie kennengelernt hatte, als sie Mitpassagierin auf der unglückseligen Queen of the Nile bei meiner letzten Reise nach Ägypten gewesen war – unserer letzten kriminalistischen Ermittlung, wie Schmidt es nannte. Mein Auftrag hatte darin bestanden, einen berühmt-berüchtigten Dieb ausfindig zu machen, der angeblich das Kairoer Museum bestehlen wollte. Suzi spielte die einfältige Gesellschaftsmatrone aus Tennessee mit einem solchem Schmalz, dass ich darauf hätte kommen können, dass es eine Karikatur war; ich hatte jedoch andere Dinge im Kopf gehabt und nicht bemerkt, hinter wem – oder was – sie wirklich her war, bis die ganze unselige Angelegenheit sich erledigt hatte und ich ihr in einem gewissen Büro in der US-Botschaft in Kairo wiederbegegnete. Von wem genau sie ihre Befehle entgegennahm, war nie klar geworden. Interpol? Irgendwelche schönen Großbuchstabenkombinationen? CIA, NSA, BFAE?
Ich hätte wissen müssen, dass Schmidt ihre Nähe suchen würde. Er hatte sie als »eine wirklich ansehnliche Frau« beschrieben. Das ist das Grundprinzip meines Lebens: Wenn etwas schiefgehen kann, dann tut es das auch. Von allen Menschen auf der Erde war diejenige, die ich an diesem Abend am wenigsten sehen wollte, eine Frau, die für irgendwelche Organisationen arbeitete, die auf Verbrecherjagd waren. FBI, BFE, DAR, AA, PETA?
All das und noch ein wenig mehr wirbelte mir durchs Gehirn, während ich wie erstarrt dastand.
»Überraschung!«, quiekte Schmidt. »Ein Abend voller Überraschungen, nicht wahr? John, mein Freund, wie nett, dich zu sehen! Ihr erinnert euch an Suzi? Sie ist...




