E-Book, Deutsch
Pfeiffer Das letzte Spiel
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-510-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
ISBN: 978-3-98778-510-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dein nächster Zug kann der letzte sein …
Der packende Psychothriller, der dich in Atem halten wird!
Als der erfolgreiche Rechtsanwalt Philipp Wendelstein eines Abends beim Joggen im Wald eine Entdeckung macht, gerät sein bisher so geordnetes Vorzeige-Leben aus den Fugen. Auf einer abgelegenen Lichtung stößt er auf einen verborgenen Schachplatz. Die verwitterten Kunststofffiguren sind auf den moosbewachsenen Steinplatten zu einer unfertigen Partie angeordnet. Aus einem Impuls heraus bewegt Philipp eine der weißen Figuren und lässt sich damit auf ein gefährliches Spiel ein, denn die Schachzüge haben grausige Auswirkungen auf die Realität: In der Kleinstadt treibt ein perfider Serienmörder sein Unwesen. Und wenn Philipp seine Liebsten schützen und selbst überleben will, dann muss er das Spiel gewinnen …
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Das letzte Spiel.
Erste Leser:innenstimmen
„Ein grausames Schachspiel und ein skrupelloser Serienkiller – Spannung pur!“
„Unglaublich fesselnd, kein Punkt, an dem ich nicht wissen wollte, wie es weitergeht“
„Ein sehr cleverer und rasanter Psychothriller mit überraschenden Wendungen.“
„Wie der Protagonist, wird man als Leser in diesem nervenaufreibenden Krimi plötzlich mitgerissen von einem Strudel der Ereignisse.“
Gero Pfeiffer wurde 1976 in Gelnhausen geboren, wo er bis heute zu Hause ist. Hauptberuflich arbeitet er in Frankfurt am Main als Rechtsanwalt und Notar in einer großen Wirtschaftskanzlei. Sein erster Roman Tod im Container erschien 2010 als klassischer 'Whodunit'-Krimi. Seitdem liegt sein Fokus auf dem Gebiet des Psychothrillers und der Suspense-Literatur.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Ungeduldig jagte der silberne Porsche Cayenne über die Autobahn, die sich in einem leicht ansteigenden Band aus Kurven immer weiter von der Stadt entfernte. Vor ein paar Stunden war hier noch die blecherne Schlange der Pendler dem Wochenende entgegen gekrochen; nun herrschte stadtauswärts kaum noch Verkehr.
Philipp, den Fuß fest auf dem Gaspedal, blinzelte mürrisch in die untergehende Abendsonne. Er kannte die Strecke auswendig, zählte unbewusst jeden Kilometer, den er noch zu fahren hatte. – Ein einziges kühles Bier im Garten, bevor es dunkel wurde. Mehr erwartete er nicht.
An einem Freitagabend um diese Zeit nach Hause zu kommen, war keine Seltenheit. Genauer gesagt war es zur Regel geworden. Zu einer deprimierenden Routine, von der Philipp nicht wusste, ob er sie bereits akzeptiert hatte oder noch immer im Stillen bekämpfte. Aber so war es nun mal. Kein Mensch zwang ihn zu dem, was er tat. Die Entscheidung lag ganz bei ihm selbst.
Philipp atmete tief ein und seufzte. Manchmal wünschte er sich mehr Entschlusskraft, mehr Mut. Sich dem Schicksal zu ergeben, mochte kurzfristig die bequemere Alternative sein. Auf lange Sicht aber war sie dem konstanten Lebensglück nicht gerade zuträglich. Und mit Mitte dreißig hätte er sich eine gewisse Konstanz durchaus gewünscht, auch wenn er nicht ernsthaft behaupten konnte, unglücklich zu sein. Doch Glück war bekanntlich Ansichtssache.
Hinter einer Biegung tauchten die ersten Dächer von Bad Grünau auf. Ein Haufen pittoresker Gebäude, die sich terrassenartig am Berghang bis zum Waldrand hinaufzogen. Der hochgeschossene Glockenturm, der zu der romanischen Kirche im Zentrum des Städtchens gehörte, ragte wie ein mahnender Finger aus dem unruhigen Häusermeer empor.
Der Anblick bewirkte bei Philipp eine sofort spürbare Entspannung. Die Bilder waren ihm vertraut, sie gaben ihm ein wohltuendes Gefühl der Geborgenheit, dessen Wurzeln weit zurück in seine Kindheit reichten. Soeben hatte er die Schwelle überschritten, die seine Welt von der Welt der anderen trennte.
Philipp nahm die Ausfahrt und erklomm wenig später die abschüssige Hangstraße, die ihn in das beschauliche Wohngebiet unterhalb des Stadtwalds führte. Zahlreiche Designerbauten, die mit adretten Altbauvillen um die Wette eiferten, verliehen der Gegend eine dezent-exklusive Note. Im sanften Abendlicht muteten die schmucken Fassaden hinter gepflegten Vorgärten in einem fast unwirklichen Ausmaß idyllisch an.
Philipp hielt vor einem der älteren Gebäude am Ende einer Seitenstraße. Tanjas Mini war nirgends zu sehen, was bedeutete, dass sie ausgeflogen war. Die Freitage gehörten ihrer Clique. Leute in ihrem Alter, die einen Abend wie diesen lieber in irgendeinem Club in der Stadt verbrachten. Philipp hatte nie Verlangen verspürt, sich dieser Gesellschaft anzuschließen. Unter Tanjas Freunden galt er als Langweiler; eine Einschätzung, die gemeinhin auf Gegenseitigkeit beruhte. Sein Leben folgte anderen Rhythmen. Sollte sich Tanja doch austoben – so konnte er wenigstens den Feierabend nach seinem Belieben verbringen.
Das Haus, das er nun betrat, war weder groß noch luxuriös, wies aber durch seine schlichte Gradlinigkeit einen eigenen Charme auf. Außerdem besaß es auf der Rückseite einen Garten mit alten Obstbäumen und einigen schönen Rosensträuchern. Philipp hatte es vor ein paar Jahren von seiner Großmutter geerbt und seitdem keine nennenswerten Veränderungen vorgenommen. Natürlich abgesehen von der Einrichtung, die er modernisiert, hauptsächlich aber an Tanjas Geschmack angepasst hatte. Auf diese Weise war eine behagliche Komposition aus Alt und Neu entstanden. Ein Ort, an dem das Damals eine versöhnliche Symbiose mit dem Heute eingegangen war.
Philipp zog Jeans und ein bequemes Poloshirt an, nahm sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und begab sich hinaus auf die Terrasse, auf der sich gerade die letzten Sonnenstrahlen wie ein Teppich aus glänzendem Samt ausbreiteten. Die Erschöpfung kam, kaum dass er sich gesetzt hatte. Mit einem matten Stöhnen ließ er sich im Stuhl zurückfallen und sog die frische Abendluft ein, die hier, in der Nähe des Waldes, besonders klar und mild war.
Schon wieder war eine Woche vergangen. Wieder eine Woche, die ihr Netz aus Pflichten und Zwängen über ihn geworfen hatte. Die Zeit floss unbarmherzig an ihm vorüber und schien dabei sein Leben mitzureißen wie einen steuerlosen Kahn. Doch es war nicht die Zeit, die Philipp zu schaffen machte. Vor allem war es die Einsicht, dass er schon lange nicht mehr über sich selbst bestimmen konnte. Er war zu einem Rädchen mutiert, das sich unaufhörlich drehte, um die große Mühle am Laufen zu halten. Jederzeit auswechselbar und dennoch so unentbehrlich, dass er stets das Gefühl haben musste, jede Stunde seiner Abwesenheit würde unkontrollierbare Folgen haben.
Die Beförderung zum Juniorpartner der Sozietät hatte diesen Zustand noch einmal verschärft. Keine Frage, er verdiente gutes Geld; erheblich mehr als andere Anwälte, die sich in kleineren Kanzleien oder als Einzelkämpfer behaupten mussten. Aber dem großen Geld standen ebenso große Opfer gegenüber. Entbehrungen, die weit in sein Privatleben reichten. Und deren Kompromisslosigkeit ihn zusehends zu erdrücken begann.
Philipp schloss die Augen, während das kalte Bier seine Kehle hinunter lief. Ein friedliches Sommerwochenende lag vor ihm, und er beabsichtigte keineswegs, diese Aussicht mit verdrießlichen Gedanken zu trüben.
In diesem Moment klingelte drinnen sein Mobiltelefon. Widerstrebend stand er auf. Das Gerät lag in der Diele, unterhalb der Garderobe. Als er diese passierte, stolperte er beinahe über die dort abgestellten Joggingschuhe. (Sie sollten ihn an einen jüngst gefassten Vorsatz gemahnen.) Philipp reagierte mit einem Grunzen.
Das Display kündigte seinen Studienfreund Walter an.
Philipp zögerte. Eine plötzliche Unlust hielt ihn davon ab, den Anruf anzunehmen. Er war von dieser Reaktion nicht überrascht, dennoch irritierte sie ihn. Walter Dreyfus war ein langjähriger Weggefährte, mit dem er nicht nur seinen Beruf, sondern auch unzählige private Erinnerungen teilte. Beide kannten sich schon seit der Schulzeit. Trotzdem löste die Vorstellung, gleich Walters Stimme zu hören, bei Philipp eine merkwürdige Beklemmung aus. Natürlich ahnte er, was Walter auf dem Herzen hatte. Das alte Thema – langsam sollte es also wieder ernst werden …
Das Klingeln verstummte. Philipp wartete eine Weile, bis er nach dem Telefon griff und die Mailbox abhörte. Walter wollte sich mit ihm auf einen Drink treffen und bat um Rückruf. Philipp zuckte verdrossen mit den Schultern und kehrte wieder zurück auf die Terrasse.
Inzwischen war die Sonne fast hinter den Bäumen verschwunden, ein unruhiges Zwielicht hatte sich wie ein gesprenkeltes Gitter über den Garten gelegt. Philipp ging langsam über den Rasen in Richtung des großen Kirschbaums. Die Kirschen hatten bereits eine kräftige Farbe angenommen und hingen wie rote Reben in verschwenderischer Zahl von den Zweigen. Er würde sie demnächst pflücken müssen, auch wenn es für diese Ernte vermutlich wieder mal keine Verwendung gab. Tanja hatte eine Abneigung gegen jede Art von Hausarbeit, und so würde am Ende doch wieder nur der Kompost gefüttert werden.
Philipp schüttelte nachsichtig den Kopf. In vielen Aspekten glich Tanja noch immer einem Kind. Ihre ungebrochene Energie (meist konsequent an der falschen Stelle investiert), ihre Traumtänzereien – selbst ihr trotziger Sturkopf: All das übte auch heute noch einen erfrischenden Reiz auf ihn aus. Meistens jedenfalls. Trotzdem gab es Momente, in denen er sich eine Gefährtin mit mehr Einfühlungsvermögen gewünscht hätte. Mit mehr innerer Reife. Tanja war fast zehn Jahre jünger als er, und je älter er wurde, desto größer schien der Unterschied zu werden.
Ein plötzlicher Schauder ließ ihn zusammenfahren. Der Abend hatte seine Kälte ohne Vorwarnung ausgeschüttet. Vom Wald herüberziehend, spürte Philipp einen klammen Luftzug über sein Gesicht streicheln. Mit eiligen Schritten kehrte er dem Garten den Rücken und ging ins Haus.
Dort schnappte er sein Handy und wählte Walters Nummer.
Sie verabredeten sich für halb elf im , einer Bar in der Altstadt von Bad Grünau, die für ihre ausgezeichneten Cocktails bekannt war. Philipp nahm den Wagen, obwohl er die kurze Strecke auch hätte zu Fuß gehen können. Aber so fühlte er sich flexibler. Bereit, jederzeit seinen Standort zu wechseln – oder einfach in sein Nest zurückzukehren, wenn ihm danach war. Er wusste, dass sich Treffen mit Walter in die Länge ziehen konnten, vor allem wenn sein Freund anfing, von alten Zeiten zu plaudern, oder sich im Schmieden gemeinsamer Pläne erging.
Es stellte sich heraus, dass das an diesem Abend gut besucht war. Die Bar befand sich im Keller eines liebevoll restaurierten Fachwerkhauses und vermittelte durch ihre niedrige Gewölbedecke den Eindruck einer wohlberechneten Enge.
Philipps Bedenken, keinen Platz zu bekommen, wurden zerstreut, als er Walter in einer Nische erblickte. An der Wand hatte man farbenfrohe Fotografien aufgehängt. Karibische Impressionen – oder zumindest etwas, das bei Philipp entsprechende Vorstellungen hervorrief.
Sie begrüßten sich herzlich. Philipp sah seinem Gegenüber an, dass ihn etwas beschäftigte, empfand es aber nicht als dringend, das Thema von sich aus zur Sprache zu bringen.
Philipp bestellte seinen Lieblingscocktail, einen Planter’s Punch mit einem Extraschuss Ananassaft. Walter blieb – wie immer, wenn er sich in einer Trainingsphase befand – bei alkoholfreiem Iso-Bier. Während sie auf die Getränke warteten, berichtete...




