Pfeiffer | Die Weltportale (Band 1) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 624 Seiten

Reihe: Die Weltportale

Pfeiffer Die Weltportale (Band 1)


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-906829-91-3
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 624 Seiten

Reihe: Die Weltportale

ISBN: 978-3-906829-91-3
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Du musst dich nicht vor den Schatten fürchten. Ein Schatten bedeutet nur, dass hinter dir ein Licht brennt.' Eleonora lebt in einer Welt, die einst durch magische Portale mit anderen Welten verbunden war. Als Tochter eines Magiers und einer Elfe vereint sie zwei unterschiedliche Kräfte, ist mächtig und gehört doch zu keinem Volk. Mit der Aufnahme auf die Akademie der Magie erhofft sie sich nicht nur, ihre Kräfte unter Kontrolle zu bekommen, sondern auch, endlich akzeptiert zu werden. Als sie jedoch von einem mysteriösen Schatten angegriffen wird und hinter ein lange gehütetes Familiengeheimnis kommt, ist die anfängliche Ablehnung ihrer Mitschüler ihr geringstes Problem. Wird es ihr gelingen, ihre Welt vor der Dunkelheit zu bewahren?

Bettina Pfeiffer wurde 1984 in Graz geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Baden bei Wien. Seit ihrer Kindheit liebt sie es, sich Geschichten auszudenken. Besonders als Ausgleich zu ihrem zahlenorientierten Hauptjob taucht sie gern in magische Welten ab und begann schließlich, diese aufzuschreiben. So entstand recht schnell die Idee für die ?Weltportale? und andere magische Geschichten im Genre Fantasy/Romantasy. Inspiration findet sie dafür immer wieder durch ihre Kinder, mit denen sie gern auf abenteuerliche Entdeckungsreisen geht.
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Kapitel 1


Niemals hätte sie gedacht, dass sie irgendwann auf diesem Platz sitzen würde. Mit einem beklommenen Gefühl blickte Eleonora auf die magische Uhr an der Wand. Es war ein Stundenglas, gefüllt mit glänzendem Sand, wie es an der Akademie der Magie verwendet wurde, um den Tag in Stunden zu unterteilen.

Je näher das Ende einer Stunde kam, desto dunkler färbte sich der Sand im oberen Teil der Uhr. War eine Stunde zu Ende, so blieb eine Farbschicht am unteren Teil des Stundenglases zurück und der obere Teil füllte sich von Zauberhand mit hellem Sand auf. Je mehr Schichten sich unten befanden, umso mehr Stunden waren an diesem Tag vergangen.

Diese Zeiteinteilung war eigens für die Akademie entwickelt worden, da es ansonsten unmöglich gewesen wäre, den Unterricht passend zu bemessen. Überall auf dem Gelände der Akademie sowie in den Wohnhäusern der Schüler befanden sich solch magische Stundengläser. Dennoch wirkte es ungewohnt für sie, da sie sich bisher immer nur am Tageslicht orientiert hatte.

Eleonora zählte die Schichten nun schon zum fünften Mal: sieben. Der verbliebene Sand im oberen Teil wirkte sehr dunkel. Bald würde die neunte Stunde beginnen. Sie hatte zugeschaut, wie der Sand sich bereits einmal erneuert hatte. Elfen waren gern pünktlich und da Eleonora nicht gewusst hatte, wie lange sie zum Büro der Direktorin brauchen würde, war sie viel zu früh hier gewesen.

Sie rutschte ein wenig nervös auf der Lederbank umher, die im Gang vor einer imposanten Tür stand. Was sie wohl hier erwarten würde? Ob sich ihre Hoffnungen erfüllen würden? Aber was glaubte sie wirklich, hier zu finden?

In Gedanken versunken, zog sie das Amulett unter ihrem Kleid hervor und fuhr sanft mit den Fingern über das Schmuckstück. Es handelte sich um einen runden silbernen Anhänger, der die Phasen des Mondes darstellte – vom Neumond bis zum Vollmond und wieder zurück. Außerdem zierten fünf Sterne eine Hälfte ihres Amuletts. Kunstvoll waren die Details ausgearbeitet und mit kostbaren kleinen Edelsteinen verziert.

Den Elfen war der Mond heilig, denn sie lebten mit ihm, ähnlich wie es die Lunara, das Mondvolk, einst getan hatten. Bei ihrem Anhänger handelte es sich um ein Geschenk zu ihrer Geburt und sie hatte die Kette seitdem stets als Talisman bei sich getragen. Das Amulett gab ihr Ruhe und Mut, so fern von der Heimat, und ein Stück Geborgenheit in diesen ungewissen Momenten.

Endlich war der ganze Sand durchgelaufen und noch ehe der obere Teil wieder wie von Geisterhand aufgefüllt wurde, öffnete sich die schwere Tür und eine finster dreinblickende ältere Frau trat heraus.

»Wie gut, Sie sind pünktlich«, murmelte sie als Begrüßung und verschwand wieder im Raum, ohne die Tür zu schließen.

Eleonora erhob sich. Sie nahm an, dass dies ihre Art war, ihr zu sagen, dass sie eintreten durfte. Sie folgte ihr, schloss lautlos die Tür hinter sich und sah sich im Raum um: ein großes Büro mit dunkelroten Tapeten, schweren Vertäfelungen und Samtvorhängen, einer Verbindungstür an der Wand links und einem massiven Schreibtisch aus dunklem Holz rechts. An dem Schreibtisch saß die Frau und wirkte ungeduldig.

»Setzen Sie sich endlich«, herrschte sie Eleonora mürrisch an und öffnete eine Akte.

Schweigend trat das Mädchen an einen der Stühle heran und nahm so anmutig wie möglich Platz. Sie hätte gern die kunstvollen Schnitzereien und den weichen Samt eingehender betrachtet, doch sie traute sich nicht, die Frau noch weiter zu verärgern.

Diese musterte sie voller Missgunst, ehe sie einen Stift aufnahm und sich unfreundlich vorstellte. »Ich bin Madame Graie, die Assistentin der Direktorin. Sie dürfen mich mit Madame oder Lady ansprechen.«

»Ja, Madame«, antwortete Eleonora kleinlaut. Sie wusste instinktiv, mit dieser Frau sollte sie sich nicht anlegen.

»Gut«, meinte die Lady und blickte wieder auf die Akte vor sich, was Eleonora die Möglichkeit gab, die Frau eingehender zu mustern.

Sie war, wie ihre Mutter gesagt hätte, eine aus dem alten Volk. Wenn ihre Mutter das sagte, musste es etwas bedeuten. Schließlich war sie eine Elfe, und die Elfen wurden von den Menschen oft als altes Volk bezeichnet. Aber Lady Graie schien keine Elfe, sondern eine Aurone zu sein. Ihre Haut schimmerte leicht golden, ebenso wie ihr Haar, und auf ihrer Stirn war ein Zeichen, das vermutlich nur wenige Menschen sehen konnten: eine strahlende Sonne, die ähnlich golden schimmerte wie ihre Haut.

Wäre sie ein Mensch, wäre sie nach ihrem Äußeren zu schließen vermutlich um die siebzig Jahre alt gewesen. Doch Auronen waren unsterblich.

Daher nahm Eleonora an, dass sie um die zehntausend Erdenjahre alt sein musste.

Nach einer gefühlten Ewigkeit blickte Lady Graie wieder auf. »Haben Sie Ihre magischen Begabungen erst jetzt entdeckt, Miss Etoille?«

»Nein, Madame. Sie waren schon bei meiner Geburt zu erkennen.«

»Ich hätte auch nichts anderes von der Tochter einer Elfe und eines Magiers erwartet«, murmelte die Aurone ungeduldig und fuhr lauter fort: »Weswegen kommen Sie dann erst jetzt, wo wir Ihnen seit rund zehn Jahren Einladungen schicken?«

Der Tonfall der Lady gefiel Eleonora nicht. Sie senkte den Blick und überlegte, welche Antwort sie ihr geben sollte.

Sie war vor drei Monden sechzehn Erdenjahre alt geworden und vermutlich schon zu alt, um an der Akademie für Magie zu beginnen.

Doch es war nicht ihre Entscheidung gewesen, so lange nicht auf die Einladungen der Schule zu reagieren. Ihr Vater, Lordor der Gerechte, hatte sofort freudig zugestimmt, als vor rund zehn Jahren der erste Brief der Akademie eingetroffen war. Die Akademie bildete seit Generationen Magier, Elfen, Menschen und früher auch Lunara und Auronen aus und lehrte das Wissen aller Völker, die einst auf der Erde zusammengefunden hatten.

»Es ist eine großartige Schule mit hervorragenden Lehrkräften«, hatte er betont und Eleonora hatte den Stolz in seinem Blick erkennen können.

Doch ihre Mutter war dagegen gewesen, sie auf die Akademie zu schicken. Sie hatte keinen Grund genannt, die Einladung stumm zerrissen und kein Wort mehr darüber verloren, bis im Jahr darauf die nächste Einladung gekommen war.

Doch in diesem Jahr war es anders gewesen. Eleonora war anders gewesen.

Lady Graie räusperte sich und riss Eleonora aus ihren Überlegungen. »Haben Sie keinen guten Grund, Miss Etoille?«, fragte sie gereizt.

»Nun, zumindest keinen, von dem ich glaube, dass er Sie zufriedenstellen könnte, Lady«, antwortete Eleonora mutig und staunte selbst über ihre kühne Aussage.

Die Aurone verzog keine Miene und notierte etwas in der Akte, ehe sie aufstand und zu der Verbindungstür ging. Bevor sie klopfte, drehte sie sich zu Eleonora um. »Wenn Sie dann mitkommen würden«, schnaubte sie unfreundlich.

Eleonora erhob sich und wartete geduldig hinter der Lady, bis diese anklopfte und die Tür öffnete, ohne auf eine Antwort zu warten.

»Ah, Lady Graie. Und Eleonora aus dem Haus Etoille, nehme ich an?«

Eine Frau stand neben einem Bücherregal und lächelte freundlich.

Das Zimmer sah ganz anders aus als das Büro der Assistentin. Die Fenster wirkten deutlich größer und die Wand war hell gestrichen. Bei der Vertäfelung handelte es sich jedoch um eine ähnliche wie im Zimmer der Lady. Überall standen Bücherregale und Zauberutensilien wie magische Atlanten, die vermutlich leuchteten, wenn man sie berührte. Schwere Aktenschränke vervollständigten das Bild. Die gesamte Einrichtung wirkte einladend und doch Respekt gebietend.

Eleonora konnte den Blick nicht von der Frau abwenden, die vor ihr stand. Sie war groß und schlank, ihr Haar feuerrot und ihre Augen wirkten fast purpurfarben. Es war nicht zu übersehen, dass die Direktorin aus dem Volk der Magier entstammte. Sie lächelte gewinnend und wirkte dadurch jünger, als sie vermutlich war.

Aus ihrer Haltung schloss Eleonora, dass sie es gewohnt war, Anweisungen zu erteilen, und selbstsicher durchs Leben schritt. Einer solchen Frau brachte man Respekt entgegen, ohne dass sie ihn einfordern musste. Trotz alledem wirkte sie gütig und freundlich.

Wieder war es Lady Graie, die durch ihr Räuspern Eleonoras Gedanken unterbrach. »Ja, so ist es, Madame Valeria. Hier ist ihre Akte.« Sie überließ die Unterlagen und Eleonora der Obhut der Direktorin und ging grußlos in ihr Büro zurück.

Die Magierin lächelte Eleonora aufmunternd zu und bedeutete ihr, auf einem der Stühle neben dem Bücherregal Platz zu nehmen.

Als Eleonora saß, setzte sich auch Direktorin Valeria, die Akte studierend. Es schien der jungen Frau, als würden endlose Stunden vergehen, ehe die Direktorin aufsah und fragte: »Ich sehe, du hast Lady Graie den Grund nicht genannt, warum du bisher keiner unserer Einladungen gefolgt bist.« Sie schloss die Akte. »Würdest du ihn mir verraten?«

Die Direktorin wirkte so entspannt, dass Eleonora ermutigt wurde, dieser Frau ihre Geschichte anzuvertrauen. Nervös zog sie ihr Amulett heraus, wie sie es immer tat, wenn sie nach den richtigen Worten suchte. »Nun, Sie wissen ja, dass meine Mutter eine Elfe ist und mein Vater Magier.«

»Das ist mir wohl bekannt. Deswegen war es uns auch wichtig, dich in unserem Kreis aufzunehmen. Es kam in der Geschichte dieser Welt nicht oft vor, dass ein Magier und eine Elfe sich finden und ein Kind aus der Beziehung hervorgeht. Aus irgendeinem Grund haben sich diese beiden Völker nie wirklich verstanden.«

Das Mädchen nickte zaghaft.

»Aber bitte fahr fort«, ermutigte Valeria sie.

»Ja, Madame. Ich weiß...



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