E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten
Reihe: Die Weltportale
Pfeiffer Die Weltportale (Band 2)
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-03896-024-9
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten
Reihe: Die Weltportale
ISBN: 978-3-03896-024-9
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bettina Pfeiffer wurde 1984 in Graz geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Baden bei Wien. Seit ihrer Kindheit liebt sie es, sich Geschichten auszudenken. Besonders als Ausgleich zu ihrem zahlenorientierten Hauptjob taucht sie gern in magische Welten ab und begann schließlich, diese aufzuschreiben. So entstand recht schnell die Idee für die ?Weltportale? und andere magische Geschichten im Genre Fantasy/Romantasy. Inspiration findet sie dafür immer wieder durch ihre Kinder, mit denen sie gern auf abenteuerliche Entdeckungsreisen geht.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1 - Sarina
Der Mond stand hoch am Himmel und schien auf den glitzernden Schnee, der sich hell von der Dunkelheit des Waldes abhob. Sarina saß auf einem einsamen Hügel und blickte auf die schneebedeckten Bäume, die still vor ihr lagen und den Weg in das Tal säumten. Sie fuhr sich durch ihr fast weißes Haar, das im blassen Licht silbern glänzte, und dachte nach.
Seit über fünfzig Erdenjahren verbrachte sie ihr Dasein in der Menschenwelt, doch sie hatte sich noch immer nicht an die Jahreszeiten gewöhnt. Den Winter mochte sie am wenigsten, obwohl die Welt, aus welcher ihr Volk stammte, angeblich aus Schnee und Eis bestand. Sie war eine Lunara, eine Nachkommin jenes sagenumwobenen Volkes, das den Menschen einst Prophezeiungen gebracht hatte. Aber ihr Volk schien in Vergessenheit geraten zu sein, so wie sie vergessen hatte, wie man mit dem Winter umging. Er war kalt und unfreundlich. Genau wie viele Menschen es waren. Deswegen hatte ihr Volk vor einigen Menschengenerationen entschieden, sich zurückzuziehen, auf eine verborgene Insel im tiefen Ozean. Nur an speziellen Tagen, an denen Rituale zu Ehren der Mondgöttin vollzogen wurden, kehrten sie an die Oberfläche zurück, und dann nur für kurze Zeit. Und natürlich, wenn sie Wächter des Urschattens wurden. So wie Sarina.
Tag und Nacht bewachte sie den Kristall, in dem das boshafte Wesen eingesperrt war. Die wenige freie Zeit, die ihr blieb, konnte sie im Winter kaum an der frischen Luft verbringen, weil die Kälte ihr trotz der dicken Mäntel fürchterlich zusetzte. Sie hasste den Winter wirklich, obwohl Lunara kaum zu Gefühlen fähig waren. Aber Sarina war schon immer anders gewesen.
Sie seufzte und blickte über das Tal. Im Schnee wirkte alles friedlich und still, als befände sie sich in einer anderen Welt. Ihre Visionen waren in der Kälte so viel stärker und klarer als sonst. Vielleicht verlieh der Winter ihr doch besondere Kraft.
Sarina hatte es in den Wintermonaten immer geschafft, ihre Tochter in ihren Visionen zu sehen. Fünfundvierzig Erdenjahre war es nun her, dass sie ihr Kind zuletzt in ihrer Nähe gefühlt hatte. Geschwächt von der Geburt, hatte sie das kleine Wesen nicht in den Arm nehmen, sondern nur kurz sehen dürfen, bevor es seinem Vater übergeben worden war. Sie war eine Wächterin, die das Kind eines anderen Wächters erwartet hatte. So etwas war noch niemals vorgekommen, denn die Regeln der Wächter erlaubten keine Beziehung untereinander. Sie hatten eine wichtige Aufgabe zu erfüllen und durften sich nicht von Romanzen ablenken lassen.
Aber Sarina hatte sich verliebt. In den jungen Elfenprinzen, der später ein Fürst wurde und vor rund drei Monden im Kampf gegen das Schattenwesen umgekommen war. Sie war in eine seltsame Trauer versunken. Sie hatte sich gewünscht, ihn noch einmal sehen zu dürfen, selbst wenn er nun stark gealtert war, während ihr Körper sich seit ihrer letzten Begegnung kaum verändert hatte.
Wäre es nach ihrem eigenen Volk und dessen Regeln gegangen, hätte sie dieses Kind nie bekommen dürfen. Doch Theodor, ihr Elfenprinz, und Dano, der alte Wächter der Auronen, der den neuen Wächter immer wieder aufsuchte, hatten sich für sie eingesetzt. So war es ihr erlaubt worden, ihre Tochter zu bekommen, jedoch nicht zu behalten.
Theodor war zu seinem Stamm zurückgerufen worden, da sein älterer Bruder unerwartet verstorben war und er seine Aufgabe als Wächter nun nicht mehr ausüben konnte. So durfte er seine Tochter mit zu sich nehmen. Sarina war darüber einerseits froh und andererseits betrübt. Sie wusste, ihre Tochter wäre bei ihm sicher, doch sie litt darunter, sie nicht aufwachsen gesehen zu haben.
Alles, was sie von ihr besaß, war eine winzige dunkle Locke, die Theodor ihr kurz nach der Geburt abgeschnitten hatte und die sie nun in einem Medaillon an ihrem Herzen trug. Die Kleine war so wunderschön gewesen, mit so herrlich dunklen Haaren wie ihr Vater. Sie hätte ihr Kind so gern gehalten. Doch sie wusste, es war besser gewesen, sie nicht in den Armen gehabt zu haben. Sie hätte sie vermutlich nie wieder hergegeben.
Sarina blickte hoch zum Mond. »Ach Athela«, flüsterte sie wehmütig.
Das war der Name, den sie ihrer Tochter gegeben hatte – angelehnt an eine Prinzessin aus einer alten Sage ihres Volkes. Sie war die Tochter des Morgensterns und verliebte sich vor vielen Millionen Monden in einen Mann aus dem Volk der Lunara, das damals noch sterblich war. Durch sie hatten die Lunara die Unsterblichkeit erlangt. Sarina fand den Namen für ihre wunderschöne Tochter passend.
Seufzend nahm sie ihr Medaillon in die Hand und öffnete es vorsichtig. Die kleine dunkle Haarsträhne schimmerte ganz sanft im Licht des vollen Mondes. Ihre Tochter war nun eine erwachsene Frau, vermählt mit einem Halb-Magier, Halb-Auronen und selbst Mutter einer Tochter. Eleonora. Sarina hatte sie und Athela immer wieder in ihren Visionen beobachten können. Sie waren wunderschön und liebten einander von Herzen. Es schmerzte sie, dass ihr eine solche Verbindung mit ihnen untersagt war.
Athela hatte kaum die Fähigkeiten der Lunara von ihr geerbt. Jedenfalls fühlte sie diese Kräfte nie in ihrer Tochter. Doch die kleine Eleonora … sie besaß die Gaben. Sarina hoffte, dass ihr jemand das Ritual der Lunara zeigen würde, damit ihre Kräfte wuchsen und ihr bei ihrer Aufgabe halfen.
Wie jede Lunara-Wächterin hatte Sarina die alten Prophezeiungen studiert. Sie wusste, was Eleonora bestimmt war. Sie wünschte, sie hätte ihr beistehen können, sie lehren können, wie sie ihre Fähigkeiten einsetzte, was sie stärker machte, was sie schwächte. Denn die Zeit drängte und die Dunkelheit nahm stetig zu.
Sarina schloss das Medaillon vorsichtig und schob es zurück unter den Stoff ihrer Kleidung. Die Kälte der Nacht hatte sich in das Metall gebrannt und ließ einen Schauer durch ihren Körper gehen. Aber in letzter Zeit schauderte sie ständig. Denn sie hatte eine düstere Vorahnung.
Vor einigen Monden hatte sich der Kristall, den sie und die anderen Wächter bewachten, verändert. Seine Energie war viel stärker geworden und Sarina wusste, dass dies der Beginn der Prophezeiung war. In ihren Visionen hatte sie Eleonora gesehen, die trotz ihrer Angst und Zweifel dem Splitter des Schattenwesens, der vor so vielen Menschengenerationen aus dem Kristall fliehen konnte, die Stirn geboten und ihn besiegt hatte.
Nachdem die Schlacht geschlagen war, schien der Kristall seine Energie wieder zurückzuziehen. Nur Sarina bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Der Schatten in dem Kristall war lange sehr ruhig gewesen. Doch nun bewegte er sich, prüfte sein Gefängnis und schien hasserfüllter als jemals zuvor.
Allerdings belächelten die anderen Wächter sie und nannten sie zu feinfühlig. Ihnen war zwar nicht entgangen, dass es eine Bedrohung gab, doch anders als Sarina hielten sie nicht viel von der Prophezeiung der Lunara.
Die Wächterin fluchte innerlich, dass sie an diesem Ort festsaß. Sie wusste, dass ihre Tochter und Enkeltochter Hilfe brauchten. Denn ein weiterer Kampf stand kurz bevor. Alles, was ihr blieb, war, darauf zu hoffen, dass Dano, der alte Auronenwächter, sich an das Versprechen, das er ihr vor all den Jahren gegeben hatte, erinnerte. Ihm hatte sie ihre Spieluhr anvertraut, die mit ihrer Musik die verborgenen Kräfte der Lunara erwecken konnte. Ihm hatte sie die Prophezeiung wieder und wieder eingeschärft, damit er ihre Familie beschützen würde. Bisher hatte er seine Verantwortung erfüllt.
Sarina zeichnete einen Kreis in den frischen Schnee und hüllte sich in ihren Mantel und die drei Decken, die sie mitgebracht hatte. Trotzdem war ihr kalt. Doch sie brauchte den Schnee und die Kälte, denn sie wollte eine klare Vision empfangen, in der sie vielleicht sogar in der Lage war, mit Athela und Eleonora zu sprechen.
Anders als die Auronen hatten die Lunara zumeist nur Visionen über Dinge, die einst gewesen waren, oder Schatten der Dinge, die einst sein würden. Sie konnten über die verschiedenen Ebenen hinweg reisen, aber selten mit den Wesen dieser Ebenen sprechen.
Sarina musste lächeln, als sie daran dachte, dass Eleonora genau dies geschafft hatte, ohne jemals in die Fähigkeiten der Lunara unterwiesen worden zu sein. Vermutlich lag es daran, dass sie alle vier erdfremden Völker vereinte. Und daran, dass dieses Mädchen intuitiv die Magie verstand, die es umgab.
So oft hatte Sarina versucht, mit Eleonora oder Athela zu sprechen. Doch niemals hatten sie auch nur bemerkt, dass sie sich bei ihnen befand. Vermutlich würde sie auch dieses Mal keinen Erfolg haben. Aber welche Wahl hatte sie noch? Dano war schon lange nicht mehr bei Eleonora gewesen und die Zeit drängte. Vor allem, da die andere Aurone, Lady Graie, nun nicht mehr an der Seite ihrer Enkeltochter sein konnte. Auch um sie hatte Sarina getrauert, war sie doch eine weise Frau gewesen, die ihre Familie stets beschützt hatte und nun dem Schatten zum Opfer gefallen war.
Sie atmete tief ein, schloss ihre Augen und drehte ihr Gesicht in den Schein des Mondes. Ihre Haare glänzten ein wenig heller und sie fühlte, wie das Licht der Mondgöttin ihre Gaben verstärkte.
Der Schleier zwischen Raum und Zeit hob sich und sie ließ ihr Bewusstsein über die Täler und Berge, die Flüsse und Wälder reisen, bis hin zu einem kleinen Häuschen in der Nähe eines Sees. Dort saß Athela an einem Tisch über viele Zettel gebeugt. Sie war nach dem ersten großen Kampf gegen den Schatten in die Nähe der Akademie gezogen und unterrichtete nun Heilmagie. In ihrem Haus lebte eine Menschenfamilie, eine Mutter mit drei kleinen Kindern, die Sarina nicht kannte.
Die Wächterin blickte sich in dem Raum um, trat neben...




