Pfeiffer | Die Weltportale (Band 5) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 5, 404 Seiten

Reihe: Die Weltportale

Pfeiffer Die Weltportale (Band 5)


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-03896-262-5
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 5, 404 Seiten

Reihe: Die Weltportale

ISBN: 978-3-03896-262-5
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Lage scheint aussichtslos zu sein. Der Schatten wird immer mächtiger und kommt seinem Ziel stetig näher, während die Kräfte des Lichts schwinden. Noch einmal müssen Lucius, Eleonora und ihre Gefährten alles riskieren, um die drohende Dunkelheit abzuwenden. Die letzte Schlacht steht bevor und sie wird gnadenloser als jede vor ihr.

Bettina Pfeiffer wurde 1984 in Graz geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Baden bei Wien. Seit ihrer Kindheit liebt sie es, sich Geschichten auszudenken. Besonders als Ausgleich zu ihrem zahlenorientierten Hauptjob taucht sie gern in magische Welten ab und begann schließlich, diese aufzuschreiben. So entstand recht schnell die Idee für die ?Weltportale? und andere magische Geschichten im Genre Fantasy/Romantasy. Inspiration findet sie dafür immer wieder durch ihre Kinder, mit denen sie gern auf abenteuerliche Entdeckungsreisen geht.
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Kapitel 2 - Lucius


Die Wunde an seiner Seite pochte bei jedem Schritt. Lucius hielt dennoch nicht an. Er war nicht stehen geblieben, als sie über die verkohlte Wiese gelaufen waren, auf der einst die Pigmentera gelebt hatten. Der Ritter hatte sein Tempo auch nicht verlangsamt, nachdem sie auf den schneebedeckten Pfad zurückgekehrt waren. Und genauso wenig hatte er gezögert, die Clavema, die wie eine Eidechse auf zwei Beinen aussah, hochzuheben, als sie zusammengebrochen war.

Doch jetzt … ging auch ihm langsam die Kraft aus. Er trug auch immer noch Ninas leblosen Körper, und er würde ihn nicht hier zurücklassen. Sie mochte Eleonora und alle anderen verraten haben, aber sie verdiente es dennoch nicht, hier, vergessen von jedem, liegen zu bleiben. Und er musste Eleonora retten.

Dazu musste er zu den anderen zurückkehren, koste es, was es wolle.

Der Weg zurück zum Schiff der Auronen wirkte länger als jener hinauf zum Portal in die Welt der Pigmentera. Aber vermutlich war das nur seine eigene Unruhe, die ihm das weismachen wollte.

Er konnte es immer noch nicht glauben. Eleonora war von Raksha und Aestus in die Dunkelheit gestürzt worden. Lucius hatte das niemals für möglich gehalten. Und doch war es geschehen.

Sie hat geglaubt, ich wäre gestorben, dachte er wehmütig. Ich wäre an ihrer Stelle zerbrochen. Raksha muss das von Anfang an geplant haben. Nur so konnte er sie auf seine Seite ziehen.

Lucius biss die Zähne zusammen, als eine neue Welle des Schmerzes seinen Körper flutete. Er stolperte und fiel mit den Knien in den Schnee. Sein Atem bildete gefrierende Wölkchen und seine Hand zitterte. Er betrachtete die Clavema, die mit halb geöffneten Lidern auf Ninas leblosem Körper lag. Ihr Brustkorb hob und senkte sich so schnell wie sein eigener.

»Weiter«, sagte Lucius zu sich selbst und der Clavema und kämpfte sich auf die Beine zurück.

Ein Knirschen erklang, gefolgt von Rufen. Lucius zwang seine Füße, sich schneller zu bewegen, und rannte den Pfad hinab.

Endlich kam das Schiff der Auronen in Sichtweite. Es hing schräg an der Bergwand. Der Mast war gebrochen und die Auronen versuchten mit allen Mitteln, es daran zu hindern, abzustürzen. Sie hatten magische Seile um den Schiffsrumpf geschlungen und befestigten sie an den rauen Felsen. Die Windauronen versuchten inzwischen, den Sturm, der an den Segeln des Einmasters riss, zu kontrollieren und gleichzeitig das Gewicht des Schiffs zu verlagern, damit es nicht in die Tiefe fiel.

Doch sie befanden sich hier auf dem König der Berge. Magie besaß ihre eigenen Regeln an diesem Ort und die Kräfte der Auronen wirkten nicht so, wie sie es sonst taten.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis das Schiff herabstürzen würde, falls sie es nicht auf den Kristallfluss zurückbrachten.

Lucius rannte noch schneller. Er war mit Eleonora allein zum Gipfel des Berges aufgebrochen. Eigentlich hatte er gedacht, die anderen würden ihnen folgen. Aber vermutlich waren sie zu dem Schiff zurückgekehrt, nachdem der Ritter und Eleonora im Reich der Pigmentera verschwunden waren.

Hector, der Lunara und ein Verwandter von Eleonora, entdeckte ihn als Erstes.

»Lucius!«, rief er und rannte dem Ritter entgegen.

Lunara waren nicht fähig, richtige Emotionen zu empfinden. Von Sarina, Eleonoras Großmutter, abgesehen, hatte Lucius bei diesem Volk tatsächlich kaum Gefühlsregungen wahrgenommen. Aber Hector wandelte sich langsam. Erst lächelte er schwach, während er sich Lucius näherte. Dann erst bemerkte er Nina, die Lucius in den Armen hielt. Hector sah sich suchend um und seine Miene wurde finsterer.

Lucius ächzte. Seine Beine gaben unter ihm nach und er fiel erneut auf die Knie. Er konnte den Sturz nicht mit seiner Hand abbremsen, doch Hector fing ihn auf.

»Du bist verletzt.« Der Lunara blickte noch einmal hinter Lucius. »Und wo ist Eleonora. Wieso hast du Nina in den Armen und nicht Eleonora?«

Er hatte sich überlegt, wie er den anderen erzählen sollte, was geschehen war. Doch nichts fühlte sich jetzt richtig an. Wie sollte er erklären, dass Eleonora in die Dunkelheit gestürzt und dem Schatten gefolgt war, ohne es wie Verrat klingen zu lassen?

Lucius schluckte und suchte nach den richtigen Worten. In dem Moment knirschte das Holz des Schiffs. Die magischen Seile, die sich um den Segler geschlungen hatten, rissen. Der Wind brauste auf und zerrte an dem Segel. Im nächsten Moment rutschte das Schiff ab und stürzte den Berg hinunter.

Die Auronen stießen Verwünschungen aus. Lucius’ Brust wurde eng. Sie saßen hier fest. Mitten auf dem Berg, dessen Magie eigenen Gesetzmäßigkeiten folgte, hatten sie die einzige Möglichkeit verloren, schnell zu reisen.

»Lucius«, drang Fyrias Stimme in seine Gedanken.

Er blickte auf in das Gesicht der ehemaligen Obersten des Windelements. Ihre blonden Haare wurden vom Sturm zerzaust, ihre sonst stets strahlende Miene wirkte ungewohnt ernst. Neben ihr erschien Scio, der Oberste des Wasserelements. Er sank vor Lucius in die Knie und hob seine Hände über die Wunde.

Funken stoben hoch, als die Heilmagie des Auronen gegen das Gift in der Wunde kämpfte. Lucius biss die Zähne zusammen und krümmte sich.

»Was ist geschehen?«, fragte Fyria, die mit Tränen in den Augen Nina betrachtete.

»Und wo ist Eleonora?«, hakte Hector erneut nach.

Lucius rang mit einer Übelkeit, die sich jetzt, da Scio ihn heilte, in ihm breitmachte. Sein Herz schlug rasend schnell, während sich die Wunde an seiner Seite schloss und der Schmerz abklang. Nun brodelte ein anderer Schmerz in seinem Inneren hoch.

Seine Augen brannten und er blinzelte heftig gegen die Tränen an. Dann suchte er Fyrias Blick. Ihr konnte er am ehesten erzählen, was passiert war.

»Lapidia … sie hat versucht, Eleonora glauben zu lassen, dass ich sie verrate«, begann er zu berichten. »Sie hat mir gesagt, sie würde Eleonora und mich am Leben lassen, wenn ich ihr das Zepter der Lunara bringe. Es war die einzige Chance, nah genug an sie heranzukommen. Also habe ich es getan.«

Er stockte und verdrängte das Bild von Eleonora, die ihn angefleht hatte, es nicht zu tun. »Vertrau mir«, hatte er ihr zugeraunt. Aber er hatte dennoch gefühlt, wie ihr Herz zerbrochen war. Weil auch seines in dem Moment tiefe Risse bekommen hatte.

»Sie hat das Zepter?«, keuchte Scio.

Lucius schüttelte den Kopf, bis ihm bewusstwurde, dass sie es jetzt vermutlich sehr wohl besaß.

»Ich habe es ihr nicht gegeben. Es musste für sie nur so aussehen, bis ich nah genug bei ihr war, um gegen sie zu kämpfen. Sie hat mich mit einer vergifteten Klinge verletzt und dann über den Rand der Welt geworfen.«

»Was?« Fyrias Stimme war nicht viel mehr als ein heiseres Flüstern. »Aber wie hast du das überlebt?«

»Ich weiß es nicht«, gestand Lucius. »Ich habe das Bewusstsein verloren. Irgendwann bin ich in undurchdringlicher Dunkelheit aufgewacht. Vermutlich hatte ich Glück und bin bei meinem Sturz irgendwie auf einem Felsvorsprung gelandet. Jedenfalls konnte ich die Felswand wieder hochklettern. Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Als ich den Rand erreichte und mich hochgezogen habe … waren Lapidia und Eleonora verschwunden.«

Sein Atem stockte, als er an den Moment dachte, da er in dem strömenden Regen gestanden und versucht hatte, zu begreifen, was geschehen war. Er hatte nur Nina entdeckt, die leblos auf dem Plateau zurückgeblieben war. Ohne die Clavema hätte Lucius nicht gewusst, was sich ereignet hatte.

»Eleonora hat gekämpft«, sagte er heiser. »Aber Lapidia … es ist ihr gelungen, Raksha und Aestus zu befreien. Sie haben ihr den von Nina verunreinigten Mondstein in den Körper geschoben.«

Fyria keuchte, Scio stieß einen Fluch aus und Hector vergrub sein Gesicht in den Händen.

»Sie ist … sie haben sie … in die Dunkelheit geworfen«, stammelte Lucius und schluckte gegen den Kloß in seinem Hals. »Und sie haben sie mitgenommen. Offensichtlich wollen sie mit ihr nach Galene, um sie zu krönen.«

Niemand sagte ein Wort und die Bedeutung dessen, was er den anderen anvertraut hatte, wog unermesslich schwer auf seinen Schultern.

»Wenn du nicht dabei warst, als all das geschah«, durchbrach Scio schließlich das Schweigen. »Woher weißt du, was passiert ist?«

»Ich habe es gesehen«, krächzte die Clavema. Lucius betrachtete das Wesen, das die Augen nur zu schmalen Schlitzen geöffnet hatte. »Ich war dort, aber ich konnte nichts ausrichten, um das Hybridmädchen zu retten. Aber ich habe gehört, was Lapidia und der Schatten über sie und den Ritter gesagt haben.«

»Und was wäre das?«, hakte Fyria nach.

»Wir brauchen erst einen Ort, an dem wir sicher sind, nun, da das Schiff fort ist«, entgegnete die Clavema. »Und die Königin der Auronen sollte das auch hören. Alle sollten das.«

Lucius sah zu den Auronen, die noch an der Absturzstelle standen. Sofern er richtig gesehen hatte, war das Schiff unbemannt vom Abgrund verschluckt worden. Das war...



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