E-Book, Deutsch, 248 Seiten
Pharo Sektion 3|Hanseapolis / Sektion 3|Hanseapolis - Schattenspiele
Originalausgabe 2010
ISBN: 978-3-941404-42-7
Verlag: Acabus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 248 Seiten
ISBN: 978-3-941404-42-7
Verlag: Acabus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Miriam Pharo, Jahrgang 1966, studierte in Mainz und Heidelberg Slawistik, Romanistik und Politikwissenschaften. Seit 1993 arbeitet sie als Werbetexterin für diverse Agenturen und Unternehmen. Die französischstämmige Autorin lebt mit ihrem Mann südlich von München, wo an einem milden Frühlingstag die Idee zu Sektion 3 Hanseapolis entstand.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Aus Kapitel 7, Dritte Episode: Im leeren Stollen klang das Knurren überlaut. Sahils Magen krampfte sich vor Hunger schmerzhaft zusammen. Seit Tagen irrte er im stinkenden Gedärm des Hamburger Viertels umher. Bei dem Versuch, den Weg zurückzukriechen, den er vor einer gefühlten Ewigkeit eingeschlagen hatte, war er zusammengebrochen. Stundenlang hatte er sich im Fieberwahn gewälzt, die Augen weit aufgerissen, verzweifelt bemüht, das erbarmungslose Schwarz zu durchdringen. Irgendwann war er aufgewacht, geschwächt und orientierungslos. Zu allem Überfluss war sein S3-Implantat unauf-findbar geblieben. Er musste darauf vertrauen, dass er es losge-worden war. Alles andere würde ihn um den Verstand bringen. Zumindest hatte seine Schulter aufgehört zu bluten; auf der Wunde bildete sich bereits Schorf. Jetzt, da er wieder einen halbwegs kla-ren Kopf hatte, meldete sich sein Hunger mit unverminderter Här-te zurück. Plötzlich vernahm er leise, trippelnde Geräusche. Direkt auf Bo-denhöhe. Er horchte. Sein Gesicht verzerrte sich zu einem lautlosen Lachen. Zeit zu frühstücken! Das Trippeln kam immer nä-her, da fing Sahils Magen in freudiger Erwartung wieder an zu knurren. Das Trippeln brach ab. Sahil fluchte still vor sich hin und zog den Bauch ein. Wieder lauschte er. Um ihn herum herrschte vollkommene Stille. Sogar die fernen Geräusche über ihm schienen kurzzeitig verstummt zu sein. Sahil wartete mit angehaltenem Atem. Eins, zwei, drei, vier ... Regungslosigkeit ... fünf, sechs, sie-ben ... und wurde belohnt. Das Trippeln setzte wieder ein und be-wegte sich erst zögerlich, dann immer schneller in seine Richtung. Sahils blutige Faust schloss sich fest um die rostige Klinge. Aus Kapitel 6, Vierte Episode: Juma ließ sich Zeit. Elias aber konnte keine Minute länger warten. Das Blut strömte ihm bereits aus Mund und Nase, während seine Gliedmaßen unkontrolliert zuckten. Sein schweißüberströmtes Gesicht fühlte sich unangenehm klebrig an. Vor Schmerz gekrümmt legte er sich auf das schäbige Bett seines noch schäbige-ren Hotelzimmers und verteilte mit zitternden Händen blutreini-gendes Gel auf beide Pulsadern. Die signaturfreie Laserwaffe, die er sich in Hanseapolis besorgt hatte, legte er vorsorglich neben sich. Während er darauf wartete, dass die rettende Katharsis einsetzen und seinen Körper für Stunden lähmen würde, ließ er den Blick schweifen. Die grauen Wände zierten tiefe Risse, der alte Holzfuß-boden war mit dunklen Flecken übersät. Einziges Möbelstück war das Bett mit integrierter Stellfläche und Ausziehkommode, das wahrscheinlich noch aus der Zeit vor dem Krieg stammte. Ein ver-gilbtes Shoji, eine japanische Schiebewand aus Papier, trennte den Raum von der Toilette. Das Zimmer hatte kein Fenster. Von we-gen freier Blick auf den Pazifik! Der perfekte Aufent-haltsort, um unbemerkt zu bleiben. In den Docks von Osaka war alles gerade noch gut gegangen. In buchstäblich letzter Sekunde hatte ihn Juma aus dem Dura-Liquid gezogen. Vollkommen hysterisch war er gewesen, hatte sich wie ein Verrückter aufgeführt und seinen angefressenen Schutzanzug vom Körper gerissen. Dann war er vornüber auf die Knie gefallen und hatte zum Dank Jumas Hosenbeine mit einem Schwall Erbrochenem bedacht. Um den Weg von Kyushu 6 zum Hotel durchzustehen, hatte sich Elias eine Ampulle Tracetamin injiziert, eine synthetische Aufputschdroge. Mit wild pochendem Herzen und Tosen in den Ohren war er ins erstbeste Lufttaxi gestiegen. Bezahlt hatte er mit einer Prepaid-Geldkarte. [...]




