Philipp | Lesekompetenz bei multiplen Texten | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 368 Seiten

Philipp Lesekompetenz bei multiplen Texten

Grundlagen, Prozesse, Didaktik
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8463-4987-8
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Grundlagen, Prozesse, Didaktik

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

ISBN: 978-3-8463-4987-8
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kompetenz beim Erfassen multipler Texte - eine zentrale Fähigkeit für den Bildungserfolg Der Band bietet erstmalig einen Überblick über Anforderungen, Prozesse und Einflussfaktoren des Lesens multipler Texte. Er beschäftigt sich zudem mit der Frage, wie diese Lesekompetenz an Schulen und Hochschulen gezielt gefördert werden kann und stützt sich dabei auf zahlreiche evidenzbasierte Beispiele. Der Band füllt eine Lücke im Bereich der Lesekompetenzforschung und ist unverzichtbare Lektüre für alle, die mit diesem zunehmend bedeutsamen Thema befasst sind.

Maik Philipp, Dr. phil., ist Professor für Deutschdidaktik mit den Schwerpunkten Lese- und Schreibförderung an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
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Autoren/Hrsg.


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1.2 Grundsätzliches zu zentralen Begriffen und zum Aufbau dieses Buches


In diesem Buch ist das Konzept des kompetenten Lesens multipler Texte der Hauptgegenstand. Um dieses Konzept gleich zu Beginn stärker zu schärfen, werden seine zwei Bestandteile – Lesekompetenz zum einen und multiple Texte zum anderen – im Teilkapitel 1.2.1 in aller gebotenen Kürze definiert. Im Anschluss fasst das Teilkapitel 1.2.2 vorgängig zusammen, worum es in den vier Hauptkapiteln des Buches geht.

1.2.1 Etwas Einführendes zu den namensgebenden Begrifflichkeiten des Bandes


Im Namen dieses Bandes sind zwei Begrifflichkeiten miteinander verbunden, die in dieser Kombination bislang noch eher selten anzutreffen sind: „Lesekompetenz“ und „multiple Texte“. Das Zusammenführen beider Begriffe ist daher nicht selbstverständlich und sollte erläutert werden. Das gilt auf der einen Seite, weil multiple Texte als Ausgangspunkt des Lesens noch einen recht neuen Gegenstand der zunehmenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung bilden. Auf der anderen Seite ist das Konzept der Lesekompetenz im Licht der zunehmenden Bildungsforschung sehr prominent geworden und wird als Begriff zudem unterschiedlich verwendet. Deshalb wird an dieser Stelle knapp der kognitive Kern der Lesekompetenz mit dem alles andere als einheitlichen Lesematerial der Texte (bzw. im Weiteren auch Dokumente) verknüpft. Dies erfolgt in zwei Schritten, nämlich zunächst für die Lesekompetenz und dann für die multiplen Texte.

1.2.1.1 Lesekompetenz

Mit dem Aufkommen von großen Schulleistungsstudien und dem dort prominent verankerten und umfassend getesteten Konstrukt Lesekompetenz ist dieser Begriff in breiter, mitunter babylonisch anmutender Verwendung wie der Terminus „Kompetenz“ allgemein (Grabowski, 2014). Lesekompetenz basiert auf dem Leseverständnis, also jener Fähigkeit, aus Texten Inhalte und Bedeutung unter Zuhilfenahme diverser Teilprozesse aktiv zu rekonstruieren. Das Konzept der Lesekompetenz ist inhaltlich breiter: Es umfasst nicht nur das realisierbare Leseverstehen durch kognitive Prozesse, sondern eine unter Zuhilfenahme weiterer Faktoren (wie Motivation) tatsächlich erbrachte Leistung, in diesem Fall bezogen auf das Lesen (Lenhard, 2013).

Wie sich bereits in der Unterscheidung von Leseverständnis und -kompetenz andeutet, gibt es Differenzen in der inhaltlichen Begriffsfüllung. Unstrittig ist der kognitive Kern des Konstrukts: Es sind diverse mentale Aktivitäten, die dazu führen, dass man Texte versteht bzw. auf der Basis des Textverstehens Leistungen erbringt. Im Fall der Lesekompetenz als ohnehin schon weiter gefasstem Konzept geht das unterschiedliche Begriffsverständnis noch weiter, was auch für diesen Band von Belang ist, da in ihm ebenfalls unterschiedliche Perspektiven auf das kompetente Lesen mehrerer Texte eingenommen werden, ohne dass dies immer eigens expliziert wird. Außerdem wirkt vieles, was gegenwärtig in der Wissenschaft zum Kompetenz-Konstrukt in der Domäne Lesen für das kompetente Lesen einzelner Texte diskutiert wird, deutlich anschlussfähig an das, was dem erst allmählich entstehenden Diskurs rund um das Leseverständnis von multiplen Texten innewohnt. Deshalb lohnt sich der Blick auf das Konzept Lesekompetenz mit dem inhärenten Bezugspunkt einzelner Texte (s. Tabelle 1).

Modellierung

differenziell-psychologisch

kognitionspsychologisch

pädagogisch-psychologisch

lesedidaktisch

lesesozialisatorisch

Lesekompetenz als …

messbares Produkt

beschreibbarer Prozess

trainierbare Fähigkeit(en)

beeinflussbares Mehrebenenkonstrukt

Enkulturations-prozess/kulturelle Praxis

Erkenntnisinteresse und Vorgehen

  • Testen von Fähigkeiten in der Domäne Lesen

  • Vergleich von Personen (inkl. Determinanten) bzw. für die Individual-diagnostik

  • Beschreibung und Modellierung von kognitiven Teilprozessen auf diversen Ebenen

  • integrative Betrachtung aller kognitiven Prozesse

  • gezielte Förderung von Leseprozessen auf verschiedenen Ebenen des Lesens

  • (überwiegend differenziell-psychologische) Überprüfung der Effektivität von Interventionen

  • systematische Verortung und Auswahl von Lesefördermaßnahmen auf verschiedenen Ebenen

  • Gestaltung der Erwerbsprozesse im schulischen Kontext

  • Verständnis ko-konstruktiver sozialisatorischer Prozesse

  • Rekonstruktion des Kompetenzerwerbs in diversen sozialen Kontexten

Tabelle 1: Fünf idealtypische Modellierungen von Lesekompetenz (bezogen auf einzelne Texte; Quelle: nach Philipp, 2015a, S. 31)

Besonders wichtig für diesen Band sind die (genauer beschrieben bei Müller & Richter, 2014, und hier paraphrasiert), wobei die pädagogisch-psychologische Modellierung eine deutlich erkennbare Nähe zur (kulturwissenschaftlich und lesesozialisatorisch beeinflussten) lesedidaktischen Modellierung aufweist. Die drei psychologischen Kompetenzmodellierungen definieren Lesekompetenz als

  • messbares Produkt (differenziell-psychologische Modellierung), also als mittels Tests erfassbare Leistungen, die ihrerseits Einflussfaktoren (Determinanten) haben. Solch eine Sichtweise offenbart sich in den großen und kleinen Studien, in denen es darum geht, Lese(verstehens)leistungen empirisch zu erfassen. Diese Modellierung findet sich deutlich in Kapitel 4 wieder, in dem es darum geht, Einflussgrößen auf das Produkt Leseverstehen bei multiplen Texten zu systematisieren (für einen Überblick über interindividuelle Leistungen s. Barzilai & Strømsø, 2018).

  • beschreibbaren Prozess (kognitionspsychologische Modellierung), ein Zugang, welcher die kognitiven Aktivitäten erklärt, differenziert und systematisiert, die ihrerseits erst in ein messbares Produkt münden. Dieser Zugang zur Lesekompetenz ist vergleichsweise nahe am Leseverstehen zu verorten und ergänzt die Produktperspektive. Ihm ist in diesem Buch relativ viel Raum gewidmet, nämlich sowohl im umfassenden Theoriekapitel zu Modellen und Prozessen des Leseverstehens bzw. des verstehenden Umgangs mit multiplen Texten (Kap. 2) als auch im Kapitel 3 mit Ergebnissen der Grundlagenforschung. Angemerkt werden muss an dieser Stelle, dass es dort nicht allein um Leseprozesse, sondern auch um jene des Schreibens geht, weil im Falle des Lesens multipler Texte häufig Aufgaben mit dem Schreiben zum Einsatz gekommen sind.

  • trainierbare Fähigkeiten (pädagogisch-psychologische und mit ihr eine der Lesedidaktik verwandte nahe Modellierung), mithin als ein förderfähiges und förderbares Konstrukt, bei dem es darum geht, durch gezielte Instruktion eine Verbesserung zu erzielen. Dieser Förderbarkeit, die sich auf die zu optimierenden Prozesse bezieht und sich in Produkten niederschlägt, steht ausführlich im Zentrum des Kapitels 5. Wie schon im Kapitel 3 wird zumindest partiell ebenfalls das Schreiben eine gewichtige Rolle spielen.

Der Überblick über die verschiedenen Begriffsfüllungen verdeutlicht, dass es sinnvoll und notwendig ist, sich zu vergegenwärtigen, mit welcher konkreten Bedeutung ein Terminus wie Lesekompetenz verwendet wird. Wichtig für die Begriffsverwendung in diesem Band ist die kognitionspsychologisch grundierte Da die Thematik des kompetenten Lesens multipler Texte wie schon erwähnt noch längst nicht so ausgewiesen ist wie bei dem Konstrukt zur Lesekompetenz einzelner Texte und weil sich die Anforderungen beim Lesen verschiedener Texte anders darstellen (s. Kap. 2), wird in diesem Buch inhaltlich zwar eine Nähe zum Konzept Lesekompetenz aufrechterhalten, aber es wird häufiger vom „verstehenden Umgang“ mit Texten die Rede sein. Dieser Griff zu einer anderen Formulierung soll keineswegs dazu dienen, selbst nolens volens für die zu Beginn dieses Teilkapitels beklagten babylonischen Verhältnisse zu sorgen. Stattdessen soll damit der momentan aus wissenschaftlicher Sicht noch partiell provisorische Charakter dieser Form des Lesens betont werden.

1.2.1.2 Multiple Texte (und Dokumente)

Im Teilkapitel zuvor ging es um das Konzept der Lesekompetenz und die Brauchbarkeit für die Zwecke dieses Bandes, der das Lesen multipler Texte zentral behandelt. Ein hartnäckiges Problem der noch jungen Wissenschaft zum Lesen und Nutzen verschiedener Texte besteht in dem unklaren Sprachgebrauch dessen, was genau denn eigentlich mit dem Lesematerial...



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