Phillips Küss mich doch!
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08111-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: The Bachelor Blogs
ISBN: 978-3-641-08111-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Coop gilt als der begehrteste Single in ganz New York, seit er einen Juwelenraub verhindert hat. Plötzlich kann er sich vor Verehrerinnen nicht mehr retten, doch wirklich fasziniert ist er nur von der unkonventionellen Lexie. Die hat allerdings nur eines im Sinn: an den antiken Ring zu kommen, den er vom Juwelier als Belohnung erhalten hat. Denn er birgt ein dunkles Familiengeheimnis. Kann Coop ihr vertrauen?
Carly Phillips, eine New-York-Times- und USA-Today-Bestsellerautorin, hat über 50 prickelnde Liebesromane geschrieben, mit heißen Männern, starken Frauen und den emotional fesselnden Geschichten, die ihre Leser*innen inzwischen erwarten und lieben. Sie ist glücklich verheiratet mit ihrer Collegeliebe, hat zwei fast erwachsene Töchter und drei verrückte Hunde, die auf ihrer Facebook-Fan-Page und ihrer Website zu bewundern sind. Carly Phillips liebt die sozialen Medien und steht in engem Kontakt mit ihren Leser*innen.
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Kapitel 1
Sam Cooper knurrte der Magen, als er die beiden blaugelb gemusterten Sonnenschirme seines Lieblings-Hotdog-Standes an der Ecke 47. Straße und Park Avenue erblickte. Er kam gerade aus einer langweiligen Pressekonferenz, bei der der Bürgermeister und der Polizeichef den lang erwarteten Schlussbericht zu einer Einbruchserie an der Upper West Side präsentiert hatten. Er steckte sein digitales Aufzeichnungsgerät ein und kramte aus der anderen Hosentasche etwas Bargeld hervor.
Das Aroma der besten Hotdogs von ganz New York ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. »Tag, Dom. Wie läuft das Geschäft?«, fragte er den nicht mehr ganz jungen Standbesitzer.
»Tag, Coop. Kann mich nicht beklagen, zu Mittag war die Hölle los. Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden, aber gegen fünf wird es nochmal richtig losgehen.« Dom, der dank seiner Tätigkeit an der frischen Luft stets braungebrannt war, hob den großen Metalldeckel, unter dem sich Sam Coopers verspätetes Mittagessen befand. »Das Übliche?«
Coop nickte. »Mit allem Drum und Dran. Weißt du was, gib mir gleich zwei; ich habe seit dem Frühstück nichts gegessen.«
Er sah auf seine Armbanduhr. Es war kurz vor drei. Ihm blieb also noch genügend Zeit, um in Ruhe zu essen und dann seinen Artikel fertig zu schreiben, ehe er für heute Feierabend machte. Sam Cooper arbeitete tagsüber als Journalist, und in seiner Freizeit betätigte er sich als Krimiautor.
Während Dom die Würste in die Brötchen legte und sie großzügig garnierte, sah sich Coop in seiner Stadt um. An einem heißen Augusttag wie heute waren kaum Leute unterwegs. Wer clever war, verließ New York und suchte Zuflucht in den vornehmen Hamptons oder an der Küste von Jersey. Alle anderen verbarrikadierten sich in ihren klimatisierten Büros oder Behausungen.
Coop ließ wie immer ganz automatisch den Blick über die Geschäfte und Häuserfronten der näheren Umgebung gleiten und verfolgte, wer dort ein und aus ging. Er war mit einer ausgeprägten Beobachtungsgabe gesegnet, die zweifellos mit ein Grund für seine Berufswahl gewesen war.
Wie üblich blieb sein Blick an dem Juwelierladen mit dem antiken Schmuck ganz in der Nähe hängen, dessen Front im Gegensatz zu den Nobelboutiquen in dieser Gegend reichlich schlicht wirkte. Dafür dekorierten die Besitzer das Schaufenster fast täglich neu und stellten dort wie zum Ausgleich lauter besonders extravagante Stücke aus. Natürlich war die Kundschaft überwiegend weiblich. Heute jedoch befand sich zur Abwechslung ein Mann in dem Geschäft. Er trug ein Sweatshirt, dessen Kapuze er sich über den Kopf gezogen hatte.
»Seltsam«, murmelte Sam. Die sengende Sommersonne ließ ihn in seinem Hemd schwitzen, und die Hitze, die vom Bürgersteig aufstieg, machte sich sogar durch die Schuhsohlen hindurch bemerkbar.
»Deine Hotdogs sind fertig«, verkündete Dom just in dem Augenblick, als Coop aus dem Augenwinkel registrierte, dass der Mann mit dem Kapuzenpulli eine Pistole in der Hand hielt.
Die Erkenntnis jagte einen Adrenalinstoß durch seinen Körper. Er überlegte fieberhaft, ohne den Laden aus den Augen zu lassen. Hinter dem Tresen standen zwei Frauen. Wenn er einfach hineinstürmte, würde der Verbrecher womöglich auf eine von ihnen schießen.
Jetzt ließ der Mann die Pistole in seinem Sweatshirt verschwinden und wandte sich zum Gehen.
»Dom, stell bitte keine Fragen, ruf einfach die Polizei«, befahl Coop und schnappte sich den Metalldeckel des Hotdogbehälters.
Er schwenkte zu dem Laden herum, und als die Tür aufging, stellte er dem Mann instinktiv ein Bein, um ihn an der Flucht zu hindern. Der Räuber strauchelte zwar, konnte sich aber noch einmal fangen, also holte Coop tief Luft und zog ihm kurzerhand eins mit dem metallenen Deckel über. Leider schien die Kapuze den Schlag gedämpft zu haben, oder aber der Kerl hatte einen ziemlich hartenSchädel, denn er ging auch diesmal nicht zu Boden. Coop ließ den Deckel ein zweites Mal auf seinen Kopf niedergehen, mit aller Kraft diesmal, worauf der Mann vor Schmerz stöhnend auf den Bürgersteig sank und das Diebesgut aus seinen Taschen kullerte.
Ehe sich der Verbrecher von seinem Schock erholen konnte, hatte sich Coop auch schon dessen Pistole geangelt und hielt ihn damit in Schach, bis die Polizei kam. Sein Herz klopfte zum Zerspringen, in seinen Ohren rauschte das Blut. Es dauerte nicht lange, da vernahm er eine Sirene, und dann waren auch schon zwei Cops zur Stelle. Der eine legte dem Dieb Handschellen an und bugsierte ihn in den Einsatzwagen, der andere nahm unterdessen Sams Zeugenaussage auf.
Während er sich die Ereignisse noch einmal durch den Kopf gehen ließ, war Sam Cooper seinem Schicksal fast dankbar dafür, dass eine irreparable Schulterverletzung seiner Karriere bei der Polizei noch während der Ausbildung ein jähes Ende bereitet hatte. Nach dem Vorfall gerade eben hatte er wieder einmal größten Respekt vor der Arbeit seines Vaters und seines älteren Bruders, die beide eine Musterkarriere als Polizisten vorweisen konnten. Wenn ihnen sein neuestes Husarenstück zu Ohren kam, würden sie bestimmt herzlich lachen und ihn damit aufziehen, dass er versucht hatte, ihre Arbeit zu tun.
»Hast du noch Fragen, Mac, oder sind wir fertig?« Da er seit Jahren als Journalist im Bereich Verbrechensbekämpfung tätig war, stand Sam mit vielen Kriminalbeamten und Polizisten in New York auf Du und Du.
Der Angesprochene nickte. »Wir wissen ja, wo wir dich erreichen, du kannst also ruhig heimgehen und dich ein wenig von diesem Schreck erholen.«
Coop winkte ab. »Es geht mir gut. Ich bin im Büro, falls ihr mich braucht.« Dort konnte er wenigstens höchstpersönlich dafür sorgen, dass bei der Berichterstattung über den Vorfall niemand die Fakten verdrehte.
Er wollte sich gerade auf den Weg machen, als die beiden Juwelierangestellten aus dem Laden eilten. »Halt!«, rief die Ältere. »Wir wollten uns noch bei Ihnen bedanken!«
Coop drehte sich zu der zierlichen brünetten Frau um, die gegen den Räuber zweifellos nicht die geringste Chance gehabt hätte, selbst wenn er unbewaffnet gewesen wäre.
»Ich bin Ihnen unbeschreiblich dankbar. Die Schmuckstücke, die der Dieb eingesteckt hatte, sind ein kleines Vermögen wert.«
Coop trat verlegen von einem Bein auf das andere. Er hätte auf ihre Dankbarkeitsbekundung nur zu gut verzichten können. »Ich war bloß zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«
Die Ladenbesitzerin schüttelte den Kopf. »Nur keine falsche Bescheidenheit! Die meisten Leute hätten einfach weggeschaut. Sonst bin ich ja immer mit meinem Vater im Laden, aber er ist über das Wochenende nach Florida gefahren, deshalb hat heute meine fünfzehnjährige Tochter ausgeholfen. Ich habe einfach getan, was der Räuber von mir verlangt hat, weil ich meine Kleine keiner Gefahr aussetzen wollte. Kommen Sie mit! Ich bestehe darauf, mich für Ihr mutiges Eingreifen erkenntlich zu zeigen. Leider war ich heute bereits bei der Bank und habe kaum mehr Bargeld in der Kasse, also werden Sie stattdessen mit einem Schmuckstück vorliebnehmen müssen.«
»Das ist wirklich nicht nötig«, wehrte Coop ab und schüttelte den Kopf. »Ich will keine Belohnung.«
»Belohnung?« Eine Fernsehreporterin, die er vom Sehen kannte, drängte sich zwischen ihn und die Tochter der Ladenbesitzerin und hielt ihm ein Mikrofon unter die Nase. »Erzählen Sie mir mehr! Ich würde nur zu gern einen Exklusivbericht über die Ereignisse in den Fünf-Uhr-Nachrichten bringen.«
»Sie meinen, Sie würden meinen Laden namentlich erwähnen?«, fragte die Juwelierin mit glänzenden Augen.
Die Reporterin nickte. »Wenn Sie wollen, könnten wir auch in Ihrem Geschäft filmen, während Sie Ihrem Retter die Belohnung überreichen.«
Coop stöhnte auf. Ihm war klar, dass es jetzt kein Zurück mehr gab. Trotzdem versuchte er noch einmal gegenzusteuern. »Ich nehme keine Belohnung an. Wie gesagt, ich war nur zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort.«
Die Reporterin tat, als hätte sie es gar nicht gehört. Sie brachte kurz ihre Frisur in Ordnung, straffte die Schultern und gab ihrer Kamera-Crew ein Zeichen. »Und Action!«
»Ich bin Carolina Martinez, und ich melde mich live vom Tatort eines Raubüberfalls mitten in Manhattan. Neben mir stehen die Besitzerin des betroffenen Geschäfts und Sam Cooper, der Mann, der mit seinem heldenhaften Einsatz eines jener Verbrechen verhindert hat, über die er sonst in seiner Funktion als Journalist so oft selbst berichtet. Die Überfallene wird dem widerstrebenden Helden gleich eine Belohnung für seine Tat überreichen.« Die Reporterin blickte zu ihren Kameraleuten. »Cut!« Dann wandte sie sich zu der verdatterten Besitzerin um. »Okay, jetzt sind Sie dran. Was haben Sie sich denn als Belohnung vorgestellt? «, fragte Carolina.
Ehe Sam wusste, wie ihm geschah, hatten ihn die hartnäckige Reporterin und die Tochter der Ladenbesitzerin auch schon in das Geschäft geschoben. Die Film-Crew folgte ihnen. Er startete einen letzten Versuch, sich aus dem Staub zu machen, doch die Juwelierin, die sich ihm vorhin als Anna Burnett vorgestellt hatte, hielt ihm bereits vor laufender Kamera ein mit Samt überzogenes Tablett mit antiken Schmuckstücken hin. Coop blieb also gar nichts anderes übrig, als dem Drängen der Ladenbesitzerin nachzugeben und einen Blick auf die dargebotene Ware zu werfen.
Er betrachtete die Kleinodien und überlegte fieberhaft, welches davon wohl am wenigsten wertvoll sein mochte, so dass er es ohne schlechtes Gewissen nehmen konnte.
»Wie wäre es damit?« Anna Burnett hielt eine Männerarmbanduhr aus gehämmertem Gold in die Höhe – allerdings vor die Kameralinse und nicht etwa,...




