E-Book, Deutsch, Band 0018, 144 Seiten
Reihe: Julia
Phillips Nachhilfe in Sachen Flirten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0095-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0018, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0095-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer landet als Erster bei der Eiskönigin? Alice schießt die Schamesröte ins Gesicht, als sie den Zettel entdeckt. Ihre Mitarbeiter schließen Wetten darauf ab, wer sie ins Bett kriegt! Unerwartet steht ihr der als Frauenheld verschriene Harry bei, und bietet kollegial Nachhilfe im Flirten an. Nun ... warum nicht? Wenn sie seine Tricks durchschaut, hilft ihr das vielleicht, einen Mann zu finden, der das genaue Gegenteil ist. Zwei Dates später hat Alice ein Problem: Ihr sexy Studienobjekt ist überraschend zurückhaltend. Oder ist das nur die neueste Masche des berüchtigten Playboys?
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1. KAPITEL
Eigentlich hatte Alice Ford in der Schublade des zusätzlichen Schreibtischs im Büro nur nach einem Stift gesucht, um die Telefonnotiz aufzunehmen, doch sie fand die sprichwörtliche Bombe.
Ihre Laune war ohnehin schon auf hundertachtzig, weil das ganze Team noch immer nicht vom Lunch zurück war. Somit war sie de facto zum Telefondienst abkommandiert, obwohl sie eigentlich genau jetzt ein Meeting leiten sollte, wie man den größten Kunden, den Innova Brand Management je gewonnen hatte, am besten betreute.
Im Gegensatz zu ihrem eigenen Platz, wo Ablagekorb, Stiftbecher, To-do-Liste und Terminkalender für minutiöse Ordnung im Arbeitstag sorgten, war dieser Schreibtisch hier das reinste Chaos. Er wurde von jedem mehr oder weniger als Müllhalde benutzt. Von einem Stift keine Spur … und jetzt hatte sie auch noch Krümel unter den Fingernägeln. Igitt!
Frust brodelte auf, als sie den Notizzettel überflog. Auf den ersten Blick eine harmlos wirkende Tabelle, die Namen der Kollegen, daneben Zahlen. Irritiert erkannte sie, was das sein sollte.
Schon wieder eine Bürowette.
Was war nötig, um in diesem Laden eine anständige Arbeitsmoral zu etablieren? Mit gutem Beispiel voranzugehen reichte offenbar nicht.
Sie überflog die Namen. Lange nicht das gesamte Büro war hier vertreten, aber die üblichen Verdächtigen. Ausschließlich männlich. Die Herren frönten also wieder ihrem Höhlenmenschenerbe.
Vielleicht ging es ja um Roger aus der Buchhaltung. Alice hatte gehört, dass er den nächsten Versuch startete, mit dem Rauchen aufzuhören …
Dann jedoch las sie die Überschrift auf dem Blatt, und das kalte Grausen packte sie. Gleichzeitig jagte das Gefühl von Erniedrigung ihr das Blut in die Wangen.
Wer landet als Erster bei Eiskönigin Ford? Beweis erforderlich. Bei einem Patt wird der Pott zu gleichen Teilen aufgeteilt.
Alice schluckte. Sie presste die Nägel in die Handballen, um die Wuttränen zurückzudrängen.
Zwei Dinge waren sonnenklar: Ihre männlichen Kollegen schlossen Wetten über den erbärmlichen Zustand ihres Liebeslebens ab. Und: Der Ruf, den sie geglaubt hatte zu haben, war pure Einbildung.
Statt dass man zu ihr als leuchtendem Beispiel aufsah, betrachtete man sie hier nur als vertrockneten Blaustrumpf – so sehr, dass man sogar bereit war, Geld auf sie zu setzen. Beweis erforderlich? Wie sollte der denn aussehen?
Sie hatte gedacht, dass sie die Erniedrigung hinter sich gelassen hatte. Nach drei Jahren selbst auferlegtem Singlestatus war sie überzeugt gewesen, dass sie jede Facette ihres Lebens neu arrangiert und unter Kontrolle hatte. Im Leben einer Karrierefrau tauchte ein Mann auf der Prioritätenliste nicht auf.
Doch es schien, dass ihr die Erniedrigung bis nach London gefolgt war.
Alice Ford war zum Gespött der Allgemeinheit geworden.
Mal wieder.
Harry Stephens sah sich in der Bar um. Soeben hatte er dem gesamten Team eine Runde spendiert. Falsch – fast dem gesamten Team. Trotz der Präsentation, die sie erstellt hatte, um den wirklich beachtlichen Auftrag einzufahren, glänzte Alice Ford wie üblich durch Abwesenheit.
Mit seinem Drink bahnte er sich den Weg durch die volle Bar, nickte dabei den Kollegen lächelnd zu. Dankbarerweise hatte Arabella einen Tisch gleich beim Ausgang gewählt. Perfekt. Denn er hatte vor, sich nach seiner kleinen Ansprache bei der erstbesten Gelegenheit zu verabschieden.
„Harry!“, rief sie erfreut, als er sich dem Tisch näherte – so laut, dass sich Köpfe drehten. Die drei Junior-Assistentinnen, die bei ihr saßen, sahen ihm interessiert entgegen. Der Rotschopf war ein Neuzugang und auf jeden Fall einen zweiten Blick wert. Aber nicht heute. Er würde sie sich jedoch merken, als zukünftige Option.
Arabella drehte eine lange blonde Strähne um ihren Finger und lächelte ihm zu. Dieses offenkundige Anhimmeln war nicht das Einzige, was ihn nervös machte. Sie hatte ihm heute auch schon ein halbes Dutzend Textnachrichten geschickt, die im Licht folgender Fakten zu verstehen waren:
1. Sie war erst um sieben heute Morgen aus seinem Bett gestiegen.
2. Jetzt war es Mittag.
Und 3. Sie arbeiteten im selben Gebäude.
Die immer drängender werdenden Nachrichten und dieses freudige Lächeln sagten ihm alles, was er zu wissen brauchte: Es war höchste Zeit, nach dieser einen Nacht den Schlussstrich zu ziehen.
Schnell und sauber, bevor sie sich noch einredete, es wäre mehr gewesen als Sex. Wenn er das weiterlaufen ließ, würde es nur zu allen möglichen Problemen führen, wie er aus Erfahrung wusste. Das konnte er wirklich nicht gebrauchen.
Am Tisch griff er in seine Jackentasche. „Die hattest du bei mir liegen lassen.“
Er hielt ihr ihre Ohrringe hin, doch sie nahm sie nicht, zog nur eine Augenbraue in die Höhe.
„Ich hab’s erst bemerkt, als ich schon im Büro war. Ich dachte, ich würde sie beim nächsten Mal, wenn ich bei dir bin, mitnehmen. Vielleicht heute Abend … Hast du meine Nachrichten bekommen?“
Sie blickte ihn erwartungsvoll an, und er konnte genau den Moment erkennen, wann es bei ihr klickte. Sie würde seine Wohnung nicht noch einmal von innen sehen.
Das Lächeln schwand, sie stand auf, zwängte sich an dem Rotschopf vorbei und stellte sich neben ihn, nahe bei der Tür. Er hielt ihr wieder die Ohrringe hin, und dieses Mal nahm sie sie ihm aus der Hand.
Sie versuchte sich an einem souveränen Lächeln, das ihr aber nicht richtig gelang. „Was ist los, Harry?“
„Nichts ist los. Die letzte Nacht war toll, aber ich hatte dir gesagt, dass ich kein Interesse an etwas Festem habe. Ich halte es für besser, wenn wir es dabei belassen. Wir sind Arbeitskollegen.“ Er machte eine Pause. „Lass uns Freunde bleiben.“
Mit dem „Freunde“ verlangte er wohl zu viel von ihr, das war deutlich an ihrer Miene abzulesen.
„Du gibst mir den Laufpass? Nach einer Nacht?“
Das Beben in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Oh ja, er hatte genau richtig entschieden, besser gleich aus der Sache herauszukommen.
„Wir wussten doch beide, dass es nur ganz locker war.“ Nun, er hatte es gewusst, aber wenn er jetzt ihr Gesicht so sah …
Sie öffnete den Mund, schien diskutieren zu wollen, aber das war keine gute Idee, die Erfahrung hatte er bereits hinter sich. Freundschaftlich drückte er ihren Arm, achtete darauf, dass er ihr dabei nicht zu nahe kam.
„Ich muss wieder ins Büro. Danke für eine schöne Nacht.“
Er sah zu, dass er davonkam, auch wenn er sich nichts vorzuwerfen hatte. Schließlich war er von Anfang an ehrlich gewesen. Dass Arabella sich mehr erhofft hatte, dafür war er nicht verantwortlich.
Die Telefone klingelten sich heiß, aber Alice hörte den Lärm gar nicht. Ihr Blick glitt zum Ende der Seite. Seite 1. Da gab es also noch mehr?
Sie drehte das Blatt um. Nichts, leer. Im nächsten Moment kramte sie hektisch in der Schublade, förderte verklebte Bonbonpapierchen zu Tage, mehrere Schokoriegelverpackungen und ein altes Sandwich. Angewidert ließ sie alles auf den Boden fallen. Wenn es eine zweite Seite gab, auf der noch mehr Teilnehmer standen, wollte sie es verdammt noch mal wissen!
Schweißperlen traten ihr auf Stirn und Oberlippe. Atemlos stemmte sie die Hände in die Hüften und trat von dem Schreibtisch zurück.
Nichts.
Aber das reichte auch.
Sie las die Namen auf der Liste noch einmal. Die Welle der Übelkeit, die sie bisher unter Kontrolle gehalten hatte, schwoll zu voller Größe an. Diese Namen … das waren alles Leute, mit denen sie tagtäglich zusammenarbeitete. Leute, die sie für vertrauenswürdige kollegiale Mitarbeiter gehalten hatte. Leute, von denen sie gedacht hatte, sie würden sie mögen und respektieren. Sie war den ganzen weiten Weg gegangen, hatte sich zusammengerauft und ein neues Leben für sich aufgebaut, nur damit man sich wieder über sie lustig machte.
Die bittere Galle, die ihr in den Mund stieg, schmeckte genauso wie damals. Damals waren es Fotos gewesen, die sogenannte Freunde ins Internet gestellt hatten. Heute war sie zum Objekt einer Wette geworden. Unterm Strich kam das Gleiche heraus: Die Leute amüsierten sich auf ihre Kosten. Jäh aufsteigende Tränen ließen ihre Sicht verschwimmen, ein erstickter Schluchzer arbeitete sich ihre Kehle hoch.
Am anderen Ende des Großraumbüros war plötzlich das Surren des Aufzugs zu hören.
Ruckartig hob sie den Kopf. Das Team kam zurück! Über dreißig Leute würden jetzt ins Büro strömen und Alice Ford als ein in Tränen aufgelöstes Nervenbündel vorfinden, mit laufender Nase und rot geränderten Augen.
Die Erniedrigung erreichte ungeahnte Höhen.
Sie musste hier raus. Nein, ihre Kollegen sollten nicht Zeuge ihres Zusammenbruchs werden. Sie brauchte eine ruhige Ecke, wo sie sich sammeln konnte …
In Panik sah sie sich um. Es gab nur eine Möglichkeit …
Welch Klischee! Alice Ford, ehrgeizige Karrierefrau, stand davor, auf ein Häufchen Elend in der Damentoilette reduziert zu werden.
Nichtsdestotrotz stolperte sie in ihren eleganten Pumps auf die Tür zu, wand sich zwischen den Schreibtischen hindurch, stieß sich schmerzhaft mehrmals an den scharfen Ecken und warf auf ihrer Flucht auch noch einen Papierkorb scheppernd um. Fast hätte sie die Tür erreicht, als das leise „Ping“ die Ankunft des Lifts ankündigte und die Türen aufglitten.
Wäre sie nur ein, zwei Sekunden schneller gewesen, hätte...




