E-Book, Deutsch, Band 2864, 144 Seiten
Reihe: Beck'sche Reihe
Piketty Ökonomie der Ungleichheit
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-406-69847-7
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Einführung
E-Book, Deutsch, Band 2864, 144 Seiten
Reihe: Beck'sche Reihe
ISBN: 978-3-406-69847-7
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dank Thomas Piketty und seinem Weltbestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" ist das Thema Ungleichheit aus der aktuellen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Seine in Frankreich in vielen Auflagen erschienene "Ökonomie der Ungleichheit" führt in die wirtschaftlichen Zusammenhänge hinter dem Phänomen der ungleichen Einkommensverteilung ein. Kurz und prägnant erklärt er, wie Ungleichheit entsteht, wie Ökonomen sie messen, in welchem Missverhältnis Arbeitseinkommen und Kapitalerträge zueinander stehen und was zu der ungleichen Verteilung der Arbeitseinkommen führt. Dabei geht es ihm insbesondere um die Frage, welche Möglichkeiten die Politik hat, der Ungleichheit durch Umverteilung zu begegnen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung zu behindern und Arbeitsplätze zu gefährden.
Thomas Piketty, geb. 1971, ist Professor an der Pariser École d’Économie. Bei C.H.Beck liegen von ihm vor: Die Schlacht um den Euro (2015) und Das Kapital im 21. Jahrhundert (2014).
Fachgebiete
- Sozialwissenschaften Politikwissenschaft Politikwissenschaft Allgemein Politik: Sachbuch, Politikerveröffentlichungen
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Spezielle Soziologie Soziale Ungleichheit, Armut, Rassismus
- Sozialwissenschaften Politikwissenschaft Regierungspolitik Wirtschafts- und Finanzpolitik
- Wirtschaftswissenschaften Volkswirtschaftslehre Wirtschaftssysteme, Wirtschaftsstrukturen
- Wirtschaftswissenschaften Volkswirtschaftslehre Volkswirtschaftslehre Allgemein Wirtschaftstheorie, Wirtschaftsphilosophie
- Wirtschaftswissenschaften Volkswirtschaftslehre Wirtschaftspolitik, politische Ökonomie
Weitere Infos & Material
1;Cover;1
2;Titel;3
3;Zum Buch;2
4;Über den Autor;2
5;Impressum;4
6;Inhaltsverzeichnis;5
7;Vorbemerkung;7
8;Einleitung;7
9;1. Ausmaß und Entwicklung der Ungleichheit;11
9.1;Verschiedene Einkommensarten;11
9.2;Lohnungleichheit;14
9.2.1;Internationale Vergleiche;16
9.3;Einkommensungleichheit;17
9.3.1;Internationale Vergleiche;19
9.4;Ungleichheiten im historischen und geografischen Vergleich;21
9.5;Die historische Entwicklung von Ungleichheit;22
9.5.1;Von den großen historischen Gesetzmäßigkeiten zu den Ungewissheiten;25
9.5.2;Von den Löhnen zu den Einkommen;27
9.5.3;Ungleichverteilung von Arbeit;28
10;2. Ungleichheit von Kapital und Arbeit;31
10.1;Der Anteil des Kapitals am Gesamteinkommen;32
10.1.1;Zur Frage der Substituierbarkeit von Kapital und Arbeit;33
10.1.2;Ein Kompromiss zwischen Theorien kurzfristiger und langfristiger Entwicklungen?;47
10.2;Kasten: Den Anteil des Kapitals messen;50
10.3;Die Dynamik der Kapitalverteilung;63
10.3.1;Zur Theorie des vollkommenen Kreditmarkts und der Konvergenz;64
10.3.2;Das Problem der Unvollkommenheit des Kapitalmarktes;69
11;3. Ungleichheit der Arbeitseinkommen;75
11.1;Lohnungleichheit und Ungleichverteilung von Humankapital;76
11.1.1;Das Erklärungspotenzial der Theorie des Humankapitals;77
11.1.2;Wie lassen sich Arbeitseinkommen umverteilen?;85
11.1.3;Woher rührt die Ungleichverteilung des Humankapitals?;89
11.2;Soziale Erzeugung von Lohnungleichheit;101
11.2.1;Der Einfluss der Gewerkschaften auf die Lohnentwicklung;101
11.2.2;Die Monopsonmacht der Arbeitgeber;106
11.2.3;Effizienzlöhne und gerechte Löhne;110
12;4. Instrumente der Umverteilung;114
12.1;Reine Umverteilung;114
12.1.1;Durchschnitts- und Grenzabgabensätze der Umverteilung;114
12.1.2;Gerechte fiskalische Umverteilung;119
12.2;Effiziente Umverteilung;129
12.2.1;Umverteilung und Sozialversicherungen;130
12.2.2;Umverteilung und Nachfrage;136
13;Bibliografie;139
14;Der Niedergang der Rentiers und die Stabilität der Lohnhierarchie in Frankreich, 1913–2005;145
15;Effektive Durchschnitts- und Grenzabgabensätze in Frankreich, 1996;146
1. Ausmaß und Entwicklung der Ungleichheit
In welchen Größenordnungen bewegt sich die gegenwärtige Ungleichheit? Verdienen die Reichen in einer bestimmten Gesellschaft zweimal mehr als die Armen? Zehnmal mehr? Hundertmal mehr? Und wie verhält sich dieses Einkommensgefälle zu dem in anderen Ländern und zu anderen Zeiten? War es im Jahr 1950 ebenso groß wie um 1900 oder um 1800? Ist die Arbeitslosigkeit in den westlichen Ländern der 1990er-Jahre die vorherrschende Gestalt der Ungleichheit?
Verschiedene Einkommensarten
Was sind die verschiedenen Einkommensquellen der Haushalte? Tabelle 1 schlüsselt die Einkünfte von etwa 24 Millionen französischen Haushalten im Jahr 2000 nach verschiedenen Kategorien auf: Löhne und Gehälter, Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (Bauern, Einzelhändler, Rechtsanwälte …), Altersrenten, andere Transfereinkommen (Arbeitslosengeld, Familienbeihilfe) und Vermögenseinkünfte (Zinsen, Dividenden, Mieten etc.).
Was lernen wir aus Tabelle 1? Zunächst, dass 58,8 % des Gesamteinkommens der Haushalte aus Löhnen und Gehältern und weitere 5,8 % aus selbstständigen Einkünften, also insgesamt beinahe zwei Drittel aus Arbeitseinkommen bestehen. Weiterhin machen Sozialeinkommen mehr als 30 % der Haushaltseinkommen aus, von denen wiederum zwei Drittel auf Altersrenten entfallen. Und nur etwa 5 % des Gesamteinkommens der Haushalte sind Kapitaleinkommen. Es ist freilich kein Geheimnis, dass Kapitaleinkommen von Haushalten in Einkommenserhebungen nicht korrekt angegeben werden. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen kommen anhand der Zahlen, die Unternehmen und Banken über ausgeschüttete Zinsen und Dividenden vorlegen, zu einer höheren Schätzung des Anteils der Kapitaleinkommen am Gesamteinkommen der Haushalte von etwa 10 % [INSEE, 1996b, S. 26–29]. Aber alle Quellen sind sich gleichwohl darin einig, dass die Arbeitseinkommen der Haushalte mindestens das Sechs- bis Siebenfache ihrer Kapitaleinkommen ausmachen. Dabei handelt es sich um ein allgemeines Kennzeichen der Einkommensverteilung in den westlichen Ländern [Atkinson et al., 1995, S. 101]. Mit dieser Schätzung ihres Anteils auf 5 % oder 10 % wird allerdings die Bedeutung der Kapitaleinkommen für Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt zu niedrig veranschlagt, da ein erheblicher Teil der Kapitaleinkommen von Unternehmen nicht an ihre Besitzer, die Haushalte, ausgeschüttet wird (siehe Kapitel 2).
Tabelle 1: Verschiedene Arten von Haushaltseinkommen
| Löhne | Selbstständigen-einkommen | Renten | Transfer- leistungen | Vermögens- einkommen |
| Durchschnittslohn | 58,8 | 5,8 | 21,3 | 9,5 | 4,6 |
| D1 | 17,9 | 1,7 | 43,2 | 34,2 | 3,1 |
| D2 | 30,0 | 2,3 | 44,6 | 20,7 | 2,4 |
| D3 | 38,3 | 2,9 | 40,8 | 15,1 | 2,9 |
| D4 | 44,3 | 2,7 | 35,7 | 14,3 | 3,1 |
| D5 | 50,6 | 2,6 | 28,9 | 14,6 | 3,4 |
| D6 | 58,4 | 3,6 | 22,0 | 12,4 | 3,6 |
| D7 | 63,3 | 3,4 | 19,8 | 10,4 | 3,2 |
| D8 | 66,5 | 3,3 | 18,7 | 7,6 ... |




