E-Book, Deutsch, 286 Seiten
Pioch / Windmüller Start-up Skills
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-593-44505-2
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Guide für Entrepreneure und Querdenker
E-Book, Deutsch, 286 Seiten
ISBN: 978-3-593-44505-2
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Prof. Dr. Sebastian Pioch lehrt Digital Entrepreneurship an der Hochschule Fresenius in Hamburg, hat bereits mehrere Fachpublikationen verfasst und ist Gründer eines Start-ups der Digitalwirtschaft (www.proofler.com).
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Erfolg durch Teamwork: Erstklassige Mitstreiter finden und aufbauen
»Ein Unternehmen zu gründen
bedeutet, gemeinsam durch dick
und dünn zu gehen –
ähnlich wie bei einer Ehe.«
Gründerweisheit
Das Team ist die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Fehlt ihm der Tatendrang oder das notwendige Know-how, können selbst vielversprechende Ideen zum Scheitern verurteilt sein. Umgekehrt kann ein starkes Team auch mittelmäßige Ideen zum Erfolg bringen. Deshalb beurteilen Investoren ein Unternehmen häufig mit Blick auf das Gründerteam, statt sich auf die Eigendynamik einer guten Geschäftsidee zu verlassen. Doch was macht überzeugende Teams aus? Gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept?
Die Frage nach eindeutigen Erfolgsfaktoren ist inzwischen sogar Gegenstand theoretischer Forschung. Die Entrepreneurship-Expertin Liv Jacobsen zum Beispiel hat untersucht, welche Eigenschaften erfolgreiche Unternehmer gemeinsam haben – leider mit eher mäßiger Bilanz. Zu komplex, zu wenig greifbar ist offenbar das Forschungsthema, um belastbare Aussagen machen zu können. Gleichzeitig herrscht in der Wissenschaft ebenso wie in der Praxis ein gewisser Konsens darüber, dass Kriterien wie Durchhaltevermögen, Neugier und Entschlussfreudigkeit eine essentielle Rolle spielen. Unsere wichtigste Erkenntnis jedoch ist so simpel wie einleuchtend: Ohne Leidenschaft geht es nicht. Alle Gründerinnen und Gründer, die wir kennen, brennen für ihre Idee und sind Meister darin, den glühenden Funken auf jeden noch so hartnäckigen Skeptiker zu übertragen.
Im Idealfall geht diese Begeisterungsfähigkeit nach der Gründung vom gesamten Team aus. Denn Start-ups punkten selten mit hohen Gehältern, sondern eher mit ihrer offenen Unternehmenskultur. Warum sonst schlagen sich engagierte Mitarbeiter für ihren Arbeitgeber die Nächte um die Ohren, arbeiten für weniger Lohn als in etablierten Konzernen und lassen sich auch ohne die Sicherheit eines unbefristeten Arbeitsvertrages anstellen? Nur: Wo und wie findet man diese ehrgeizigen Menschen, die ihre Fähigkeiten und ihre Arbeitsfreude freiwillig in den Aufbau eines jungen Unternehmens investieren und deshalb für das Gründerteam so wertvoll sind? Wie erkennt man die Qualitäten eines Bewerbers? Und wie gelingt es, gemeinsam auch Krisen zu überstehen?
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Wodurch zeichnen sich gute (Mit-)Gründer aus?
Prof. Sebastian Pioch: Die Frage danach, wen ich für mein Gründerteam überhaupt brauche und welche Persönlichkeitstypen meinen eigenen Charakter am besten ergänzen, ist ganz essentiell. Dafür ist es hilfreich, sich mal damit auseinanderzusetzen, welche Eigenschaften viele erfolgreiche Gründerpersönlichkeiten ausmachen. In der Forschung unterscheidet man drei Aspekte: Persönlichkeit, Motivation und Kompetenz. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass es natürlich auch erfolgreiche Gründerinnen und Gründer gibt, die nicht in dieses Muster passen. Trotzdem referenziert die Literatur gern auf eine Vielzahl von Charakteristika, die eine Tätigkeit als Gründer begünstigen. Am häufigsten begegnet man den folgenden:
Top-Skills erfolgreicher Gründer
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Leistungsmotivstärke: Der Wille, eine Leistung zu erbringen.
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Kontrollüberzeugung: Der Glaube, die Ergebnisse für sein eigenes Schicksal aktiv beeinflussen zu können.
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Unabhängigkeitsstreben: Der Drang, sich von Autoritäten unabhängig zu machen.
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Problemorientierung: Eine klare Fokussierung und Umgang mit Nicht-Routine-Aufgaben.
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Risikoneigung: Eine gesunde Resilienz (Widerstandsfähigkeit), mit durch Risiko erzeugtem Stress umzugehen.
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Ungewissheitstoleranz: Die Fähigkeit, auch bei unklaren kurzfristigen Zukunftsprognosen die gesetzten Ziele zu verfolgen.
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Belastbarkeit: Die Fähigkeit, viele Dinge parallel zu erledigen und zum Teil mit hohem Arbeitspensum umzugehen.
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Emotionale Stabilität: Die Anlage, Frustrationen schneller zu verarbeiten.
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Durchsetzungsbereitschaft: Die Fähigkeit, für eigene Überzeugungen gegebenenfalls auch gegen den Widerstand Dritter einzustehen.
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Soziale Anpassungsfähigkeit: Die Fähigkeit, emphatisch zu agieren und gegebenenfalls die Argumentation (zum Beispiel den Duktus) an das Gegenüber anzupassen.
Infobox 2.1: Top-Skills erfolgreicher Gründer
Diese Aspekte bilden freilich nur einen Teil der Merkmale ab, die vielen erfolgreichen Gründern gemein sind. Einige können vielleicht vernachlässigt, andere verstärkt werden, wenn sie woanders im Team existieren oder fehlen.
Die Gründungsmotivation kann aus zwei Richtungen erfolgen: Personen, die zum Beispiel durch eine drohende Arbeitslosigkeit zur Gründung »gezwungen« werden, unterliegen dem sogenannten Push-Motiv. Umgekehrt spricht die Forschung vom Pull-Motiv, wenn Menschen eine unternehmerische Gelegenheit nutzen oder den Wunsch nach Unabhängigkeit umsetzen wollen.
Bei den Kompetenzen wird zwischen harten und weichen Merkmalen unterschieden. Zu den harten Kompetenzen zählen insbesondere der Ausbildungsgrad (Fach- und Spezialwissen) und die Branchenerfahrung (wichtig, um Trends und Märkte adäquat einzuschätzen und um mit Markteintrittsbarrieren zielführend umgehen zu können). Zu den weichen Kompetenzen zählen Kriterien wie Zeitmanagement, die Fähigkeit, Nein sagen zu können, Konfliktmanagement, Umgangstoleranz mit Fehlern, Stressmanagement, Mitarbeiterführung und kommunikative sowie strategische Kompetenzen.
Ein weiterer spannender Aspekt ist das Alter. Es dürfte ziemlich einleuchtend sein, dass ein Gründer mit Ende 30 über mehr Erfahrung und Branchenkenntnisse verfügt als jemand in seinen frühen 20ern. Umgekehrt werden mit dem Alter Aspekte wie finanzielle Verpflichtungen wichtiger, die auch erfahrene Gründer vor ganz neue Herausforderungen stellen. Dieses Phänomen wird als Periode der Wahlfreiheit bezeichnet.
Übrigens: Das beste Alter, ein Unternehmen zu gründen, liegt Forschungsergebnissen zufolge zwischen 27 und 37 Jahren. Das passt in etwa auch zur Statistik: Dem zufolge sind deutsche Gründer im Schnitt 35,3 Jahre alt.
Hauke, wie siehst Du das: Gibt es Kriterien, nach denen man potenzielle Mitgründer bewerten kann? Wie war das bei Familonet?
Hauke Windmüller: Ein Unternehmen zu gründen bedeutet, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen – ähnlich wie bei einer Ehe. Man ist aneinander gebunden, vor allem auch rechtlich, und verbringt manchmal sogar mehr Zeit mit seinen Mitgründern als mit der Freundin oder dem Freund. Ob jemand ähnliche Überzeugungen hat, lässt sich allerdings nur schwer beurteilen, wenn man sich erst kennenlernt oder die Marschrichtung noch nicht klar ist. Passende Mitgründer zu finden ist deshalb eine extrem schwierige Aufgabe, gleichzeitig aber auch die allerwichtigste.
Als wir Familonet gründeten, kannte ich meinen ersten Mitgründer Michael eher flüchtig aus der Uni. Die Idee zu Familonet war dort im Rahmen eines Seminars entstanden. Zwischenmenschlich haben wir uns gleich super verstanden. Und obwohl wir beide BWL studiert hatten, konnten wir uns...




