E-Book, Deutsch, Band 2, 296 Seiten
Reihe: Snow und Winter
Poe Das Geheimnis der Kuriositäten
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96089-612-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Snow und Winter 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 296 Seiten
Reihe: Snow und Winter
ISBN: 978-3-96089-612-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Leben meint es gerade gut mit Sebastian Snow. Das 'Imperium' läuft besser denn je und seine Beziehung zum NYPD-Mordkommissar Calvin Winter ist schöner, als er sich je hätte wünschen können. Der Valentinstag naht und alles, woran Sebastian denken kann, ist, wohin er Calvin ausführen soll. Doch diese Pläne werden erst einmal auf Eis gelegt, als ein Unbekannter das Fenster des 'Imperium' einschmeißt und eine seltsame Nachricht hinterlässt. In Windeseile lässt sich Sebastian in eine Reihe furchtbarer, aber augenscheinlich unzusammenhängender Morde verwickeln. Das Einzige, das die schrecklichen Taten verbindet, sind Kuriositäten aus dem verschollenen Museum von P. T. Barnum. Trotz Calvins Versuchen, Sebastian von den Ermittlungen fernzuhalten, wird schnell klar, dass jemand diese Rätsel hinterlässt, damit Sebastian die Mordfälle löst. Doch mit jedem Hinweis, der ihn dem Mörder näherbringt, verstrickt er sich immer mehr in Calvins Cold Cases. Auf einmal sind es nicht nur Sebastians Arbeit und Beziehung, die in Gefahr sind, sondern sein Leben.
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Kapitel 2
»Du hättest mich den Wecker stellen lassen sollen.«
»Ich kann nicht glauben, dass ich verschlafen habe.«
»Dein Anzug ist im Schrank.«
»Max ruft bei dir an.«
»Scheiße.« Ich schnappte mir mein Handy und ging aus dem Schlafzimmer. »Bist du schon im Laden?«
»Schon? Es ist neun. Wo bist du, Chef?«
»Tut mir so leid, ich habe verschlafen«, sagte ich und klemmte das Handy zwischen meinem Ohr und meiner Schulter ein, damit ich mir meine Schuhe anziehen konnte.
»Oha, das ist ja noch nie passiert.«
»Weiß ich. Ich bin auf dem Weg.«
»Dann geh ich erst mal Kaffee holen.«
»Gerne.« Wir verabschiedeten uns und legten auf. Mein Handy stopfte ich in die Hosentasche und stieß mit Calvin zusammen, als er gerade aus dem Schlafzimmer kam. »Frühstück?«, fragte ich hastig und schnappte mir meinen Pullover vom Bett.
»Keine Zeit«, erwiderte er, während er sich seine Krawatte band.
Als ich wieder aus dem Schlafzimmer rauskam, stand Calvin bereits an der Eingangstür und knöpfte seinen Mantel zu. Schnell zog ich mir meine Jacke an, schlang mir meinen Schal um und griff nach meiner Tasche. Ich hatte gerade noch genug Zeit, meine Sonnenbrille aufzusetzen, da folgte ich ihm schon nach draußen. Die Tür fiel ins Schloss und ich sperrte zu, bevor wir uns beeilten, die knarzenden Treppen zur Eingangstür runterzulaufen. Gerade als wir das Gebäude verließen, fing es an, zu regnen. Nicht stark, aber genug, um einen kalten Tag zu erwarten.
Calvin überraschte mich, als er mein Gesicht in die Hand nahm, meinen Kopf hob und mich sanft küsste. »Hab einen schönen Tag.«
»Du auch.«
Er lächelte und holte dann seine Autoschlüssel aus der Hosentasche, bevor er den Gehweg runterlief.
Schnell wühlte ich aus meiner Tasche einem Regenschirm, spannte ihn auf und ging dann in die entgegengesetzte Richtung. Ich hatte das Glück, dass das Imperium nur einen kurzen Spaziergang von mir entfernt war, daher musste ich mich nicht auf Taxis oder die U-Bahn verlassen, worüber ich wirklich froh war. Immerhin hatte die Verkehrsgesellschaft schon wieder ihre Preise erhöht. Wer konnte es sich denn da noch leisten, zu pendeln? Und was Taxis anging … Gab es überhaupt einen Menschen auf der Welt, der davon ausging, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, wenn er mit einem Taxi im Berufsverkehr unterwegs war? Um Menschen herumzulaufen, die gelassen spazieren gingen oder am Handy spielten, war das geringere Übel.
An einer Straßenecke, kurz vor dem Imperium stand ein Mann namens Henry, der unter einem großen Regenschirm stand und kostenlose Zeitungen an Passanten verteilte. In den drei Jahren, die ich nun hier arbeitete, hatte er noch keinen schlechten Tag gehabt. Er war immer gut drauf und hatte für jeden ein Lächeln übrig. Außerdem redete er viel und gerne; daran merkte man, dass er ein wahrer New Yorker war.
»Mr. Snow«, sagte er mit einem breiten Grinsen. »Sie sind zu spät!«
»Leider«, lachte ich und nahm die Zeitung an, die er mir hinhielt.
»Haben Sie heute Ihren Partner nicht dabei?« Henry hatte Calvin ein einziges Mal getroffen und seitdem fragte er jeden Tag nach ihm. Man könnte fast meinen, dass er ein bisschen mehr in ihn verliebt war als ich.
»Er ist auch zu spät«, erklärte ich und begann, mich von ihm zu entfernen.
Henry machte ein schnalzendes Geräusch mit seiner Zunge und schüttelte den Kopf. »Arbeiten Sie nicht zu viel.«
»Sie auch nicht«, rief ich ihm zu und winkte ihm mit der Zeitung, bevor ich weiter in Richtung Imperium eilte. Vor dem Schaufenster blieb ich stehen, schloss meinen Regenschirm und erstarrte. Direkt vor der Tür lag ein Ziegelstein. Genau der gleiche wie der, der gestern durch das Fenster geworfen worden war.
»Na endlich«, rief Max mir zu.
Ich drehte mich um und sah ihn mit zwei Kaffeebechern in der Hand über die Straße auf mich zulaufen. Als er vor mir stand, setzte er seine Kapuze ab.
»Morgen«, sagte ich abwesend.
»Dir auch einen guten Morgen. Du musst ja eine Wahnsinnsnacht gehabt haben.«
»Was?« Ich schaute auf und sah ihn an.
Er grinste schief und hatte ein freches Funkeln in den Augen. »Kann es sein, dass ein gewisser, rothaariger Detective bei dir war?«
Mein Blick fiel wieder auf den Boden.
»Alles okay?«
Mit einer Hand zeigte ich auf den Ziegelstein. »War der schon hier, als du angekommen bist?«
Max folgte meinem Blick. »Ähm … ich denke, nicht, nein.«
»Nein?«
»Ich kann mich nicht erinnern, ihn gesehen zu haben.«
Nervös ging ich in die Hocke. Um mich herum prasselte der Regen auf den Bordstein. Ich hob den Ziegelstein auf und stellte fest, dass die Unterseite komplett trocken war.
»Wann hat es angefangen, zu regnen?«, fragte ich Max und sah auf.
»Vor fünfzehn Minuten vielleicht.«
»Aber noch nicht, als du heute Morgen zum ersten Mal hier warst?«
»Nein«, sagte er. Er verlagerte sein Gewicht von einem Bein aufs andere und schien beunruhigt. »Bist du dir sicher, dass hier nichts Unheimliches im Gange ist?«
»Sicher«, log ich und stand auf. Den Stein hatte ich immer noch in der Hand. Ich hielt ihn Max hin, der ihn mir abnahm und ihn ansah, als würde er ihn gleich beißen. Daher beeilte ich mich, die Tür aufzuschließen.
Also, jemand hatte diesen Stein hier zwischen dem Anruf, den ich von Max erhalten hatte, und dem Zeitpunkt abgelegt, in dem wir beide wieder hier waren.
Mit einer Hand wollte ich die Tür aufdrücken, stellte aber schnell fest, dass mich ein Widerstand von Innen davon abhielt. Kurz darauf erklang das Geräusch unserer Alarmanlage und ich fluchte leise. Ich hatte nur ein paar Sekunden Zeit, sie auszuschalten, bevor sie wirklich laut wurde. Mit aller Kraft stemmte ich mich gegen die Tür und konnte das Geräusch von Steinen hören, die aneinanderschlugen. Nachdem ich einen Spalt geschaffen hatte, durch den ich mich zwängen konnte, stolperte ich fast. War der Boden heute höher als gestern? Das war seltsam.
Ich hielt mich an der Wand fest, lehnte mich über die Alarmanlage, tippte den richtigen Code ein und wartete auf das Blinken der hellgrauen Leuchte, bei der man mir gesagt hatte, dass sie grün wäre, bevor ich einen tiefen Seufzer ausstieß.
»Was zum Teufel ist hier los?«, fragte Max.
»Keine Ahnung«, gab ich zu und glitt wieder durch den Spalt nach draußen. Mit Schwung schaffte ich es, die Tür ganz aufzustoßen. Es ertönte ein lautes Kratzen auf meinem schönen, antiken Parkett. Es war Zeit, das so selten benutzte Licht im Laden anzuschalten. Ich zuckte kurz, als es um mich herum hell wurde, und kniff die Augen zusammen.
Max murmelte neben mir: »Das ist so krank.«
Ich zwang mich, ein Auge zu öffnen, und sah mich um. Nachdem ich meine Sonnenbrille aufhatte, war es mir möglich, die Ziegelsteine zu sehen. Sie waren überall. »Was zur Hölle?«, flüsterte ich.
Langsam beugte sich Max runter und legte den Stein in seiner Hand auf den Boden. Als er wieder aufstand, konnte ich ihn schlucken hören. Dann lachte er nervös. »Wenn sie doch nur gelb wären.«
»Was?«
»Folge dem gelben Ziegelsteinweg.«
»Und wo führt der graue Weg hin?«, fragte ich, bevor ich den Laden betrat.
»Seb, warte. Vielleicht sollten wir die Polizei rufen.«
Die Steine wackelten unter meinen Füßen, als ich vorsichtig drüberlief. Vor dem ersten Schaufenster blieb ich stehen und sah mich einmal zu beiden Seiten um. Die Ziegelsteine reichten bis zum Ende des Raumes, wo die Hintertür und unsere Karten waren. Mein Weg führte mich in den Gang rechts von mir und Richtung Kassentresen. Die Ziegelsteine führten sogar über die Stufen und verliefen auch über den erhobenen Teil des Ladens.
»Seb?«, rief Max, der immer noch vor der Tür stand.
»Ja? Warte kurz.« Vorsichtig tänzelte ich über die Steine zum Tresen. Ein Ziegel lag neben unserer großen Kasse mit einem Gummiband drum. Ich hob ihn hoch, drehte ihn um und zog das Papier raus, das unter dem Band befestigt war. Mein Herz raste, als ich es entfaltete. Es sah aus wie ganz normales Papier aus einem Notizblock. Nichts Spannendes oder Ausgefallenes. In der Mitte des Zettels stand ein Wort: Neugierig?
»Und es wird immer kurioser«, murmelte ich zustimmend.
»Du bist so ein Technikfeind, Seb«, murmelte Max, als er sich über mich beugte, um an den Computer in meinem Büro zu kommen.
»Calvin hat das alles eingerichtet. Ich hätte nie gedacht, dass ich wirklich mal das Material einer Überwachungskamera durchforsten muss, um einen verrückten Bodenleger zu schnappen.«
Nachdem letzten Dezember bekannt geworden war, dass Duncan Andrews es irgendwie geschafft hatte, an meine Schlüssel zu kommen und sich Kopien anfertigen zu lassen, um unbemerkt in das Imperium und meine Wohnung einzubrechen, hatte Calvin darauf bestanden, dass mein Überwachungssystem auf den neusten Stand gebracht werden sollte. Es nahm automatisch alles auf und lud es auf einen Server hoch, damit ich es mir jederzeit ansehen konnte. Ich hatte zwei Kameras installiert: Eine hinter der Kasse und eine über der Eingangstür, damit auch ein paar der teureren Produkte zu sehen waren.
Max jagte durch das Material von letzter Nacht und unsere Augen waren gebannt auf den Bildschirm gerichtet. Wir warteten darauf, herauszufinden, wer eingebrochen war. Kurz nach vier Uhr nachts ging eine Kamera aus und wir sahen nur noch Schwarz. Dann folgte die zweite.
»Warte, was …?« Ich wedelte wild mit der Hand. »Was ist passiert?«
»Ich weiß es...




