E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten
Reihe: Snow und Winter
Poe Das Geheimnis von Nevermore
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96089-483-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Snow und Winter Buch 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten
Reihe: Snow und Winter
ISBN: 978-3-96089-483-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es ist Weihnachten in New York City und der Antiquar Sebastian Snow hat nur zwei Wünsche: sein Geschäft erfolgreich zu führen und seine Beziehung zu dem ungeouteten CSU Detective Neil Millett zu retten. Doch als in Snows Antiquarisches Imperium eingebrochen und ein Herz unter den Fußbodendielen gefunden wird, kann Sebastian nicht anders, als dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Schon bald besteht sein Alltag aus Mordermittlungen, die mit den makaberen Geschichten von Edgar Allen Poe zusammenhängen, und seine Verstrickung in den Fall droht seiner Beziehung zu Neil den Garaus zu machen. Als wäre das nicht kompliziert genug, fängt Sebastian auch noch an, Gefühle für den leitenden Detective der Mordkomission, Calvin Winter, zu entwickeln. Sebastian und Calvin müssen zusammenarbeiten, um das Geheimnis der literarischen Morde aufzudecken, und zwar bevor Sebastian zum nächsten Opfer wird. Während die Gefahr immer größer scheint, und die sexuelle Anziehung zu Calvin immer intensiver, hat Sebastian auf einmal zwei neue Wünsche: lebendig aus diesem Schlamassel herauszukommen und mit Calvin glücklich zu werden. Band 1 der Snow und Winter Reihe
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Kapitel Eins
Da war etwas faul. Und das nicht im übertragenen Sinne. Etwas stank, als würde es verrotten.
»Scheiße«, murmelte ich leise vor mich hin. Ich stand in der Tür meines Antiquariats und hielt mir die Nase zu. Tupperware. Es musste ein altes Mittagessen sein.
Es war ein winterlicher, trüber Dienstag in New York City und wir waren nur zwei Wochen von Weihnachten entfernt. Durch heftige Schneefälle war die ganze Stadt schon um 7 Uhr morgens weiß bedeckt, was einen eher unheimlichen und dämpfenden Effekt hatte. Ich war extra früh in meinen Laden, Snows Antiquarisches Imperium, in Downtown Manhattan gekommen, weil ich mich um neu erworbene Ware kümmern wollte. Stattdessen tropfte nun geschmolzener Schnee von meinem Mantel auf die Fußmatte und ich versuchte, herauszufinden, woher dieser wahnsinnig furchtbare Gestank kam.
Ich hängte schnell meine Jacke und meinen Hut auf, schlüpfte aus meinen Stiefeln und in meine schon etwas abgenutzten Loafer. Dann fuhr ich mir mit den Fingern durch meine widerspenstigen Haare und strich ein paar Falten an meinem Pullover glatt, während ich durch die kleinen, vollgestopften Gänge wanderte. Hier und da hielt ich kurz an, um eine alte Lampe anzumachen, bevor ich wieder dem Geruch folgte. Das Leuchten der Lampen war gedämpft, was den Laden wie eine kleine Höhle erscheinen ließ.
Als ich beim Tresen angekommen war, auf dem eine alte Kasse aus Messing stand, stieg ich ein paar Stufen hinauf auf die erhöhte Verkaufsfläche und ließ meinen Blick durch das Geschäft schweifen. Hier roch es sogar noch schlimmer. Ich griff in meine Pullovertasche und tauschte meine Sonnenbrille gegen eine Lesebrille mit schwarzen Rändern aus. Als ich die Schreibtischlampe neben mir anschaltete, zuckte ich kurz zusammen und sah schnell zur Seite. Grübelnd starrte ich die Tür zu meiner Rechten an, die etwas offen stand. Es war eine winzig kleine Kammer, die als Büro diente. Es gab einen Computer, einen Tisch und einen Minikühlschrank für alle Fälle. Stank vergessenes Thai-Essen wirklich so schlimm?
Ich trat ein, öffnete den Kühlschrank und roch zögerlich an ein paar Menüboxen. Okay, ich sollte dringend sauber machen, aber nicht mal der halb aufgegessene Burrito war die Ursache des Geruchs.
Auf dem Weg zurück zur Kasse stöhnte ich laut auf, als ich mich umsah. Etwas musste gestorben sein. Vielleicht eine Ratte? Ich zuckte bei dem Gedanken zusammen, womöglich ein Nagetier aus New York City in meinem Laden zu finden, ging aber trotzdem in die Hocke und fing an, Boxen und Tüten beiseitezuschieben, um nach der vermeintlichen Ratte zu suchen.
Ein sanftes Klingeln wies mich darauf hin, dass die Tür geöffnet wurde. »Guten Mor… Was ist das für ein Geruch?« Mein Assistent Max rief nach mir. »Sebastian?«
»Hier drüben«, murrte ich.
Max Ridley war ein lieber Kerl. Er hatte gerade sein Kunststudium abgeschlossen und relativ schnell gemerkt, dass das seine Miete nicht zahlen würde. Er war klug und kannte sich gut mit Geschichte aus. Also hatte ich ihm einen Job an dem Tag angeboten, an dem er in den Laden gekommen war, um einen Bewerbungsbogen auszufüllen. Max war groß und hatte breite Schultern. Er war ein gut aussehender junger Mann, der vermutlich bisexuell war, oder vielleicht wollte er einfach mal alles ausprobieren. Ich hatte schon genug Geschichten bei unserem morgendlichen Kaffee, beim Lesen der Post und bei der Preisetikettierung der Ware gehört, um zu wissen, dass jeder Max’ Typ zu sein schien. Vielleicht war ich altmodisch, aber ich war eher der Beziehungstyp.
»Gott, das Wetter ist furchtbar. Meinst du, wir werden heute viel zu tun haben?« Max kam langsam durch den Laden auf mich zu.
»Normalerweise ja«, antwortete ich und sah ihn über den Tresen hinweg an.
»Was hast du über Nacht stehen lassen?«
»Nichts. Ich glaube, eine Ratte ist gestorben oder so was.«
»Kann ich das Licht anschalten? Das würde das Suchen einfacher machen.«
»Ich habe jetzt schon Kopfschmerzen«, widersprach ich und duckte mich, um weiterhin Gegenstände unter dem Tresen hervorzuräumen.
Ich wurde mit Achromatopsie, also völliger Farbenblindheit, geboren. Das bedeutete, dass ich absolut keine Farben sehen konnte. Menschen haben zwei Arten von Licht reflektierenden Zellen in den Augen, die sogenannten Zapfen und Stäbchen. Die Zapfen nehmen Farbe bei ausreichend Licht wahr, Stäbchen Schwarz-weiß bei schwachem Licht. Meine Zapfen funktionierten nicht. Überhaupt nicht. Die Welt existierte für mich nur in verschiedenen Grautönen und ich hatte Schwierigkeiten, bei hellem Licht überhaupt zu sehen, weil Stäbchen nicht für Tageslicht gemacht waren. Normalerweise trug ich eine Sonnenbrille oder meine speziellen, rot getönten Kontaktlinsen als Extraschutz.
»Ich habe meine Kontaktlinsen vergessen und der Schnee war zu hell.«
»Auch mit Sonnenbrille?«
»Ja. Verdammt, wo kommt dieser Geruch her?« Ich richtete mich wieder auf und sah mich um.
Max deutete auf die Kasse. »Hier stinkt es am meisten.«
»Stimmt.« Ich ging zurück zu den Stufen und rutschte direkt aus, als sich ein Dielenbrett unter mir lockerte.
Max reagierte sofort und fing mich auf, bevor ich auf dem Boden aufkam. Er hielt mich fest und mein Gesicht wurde gegen seine Achsel gedrückt. »Hattest du gestern wieder Streit mit Neil?«
»Wieso?« Ich wartete auf seine Erklärung und versuchte, mich aus seinem haltenden Griff zu befreien.
»Du ziehst heute schlechtes Karma an.«
»Es war kein Streit. Es war … Weißt du was? Ich werde nicht darüber reden, während der Geruch von Verwesung meinen Laden durchzieht.« Ich drehte mich um und beugte mich hinunter, um das lose Brett zu begutachten. Eine schlechte Idee. Der beißende Geruch von Verwesung stieg in meine Nase und ich musste den Drang zu würgen unterdrücken.
»Ich glaube, du hast es gefunden«, raunte Max und blickte über meine Schulter auf den Fußboden. »Ich hole eine Tüte.«
Ich nickte still, hielt meine Nase zu und starrte in das Loch im Boden. Es, das Ding, war nicht dunkel wie eine tote Ratte. Es machte mir nicht den Anschein, als hätte es Fell, aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich einen guten Blick für Details hatte. »Max? Komm mal her.«
»Was?« Seine Stimme drang aus dem kleinen Büro, aus dem er kurze Zeit später mit einer Mülltüte bewaffnet zurückkehrte. »Was gibt’s?«
»Sieh dir das mal an.«
»Oh komm schon, dafür zahlst du mir nicht genug.«
»Nein, ich denke nur nicht, dass es eine Ratte ist.«
Max kniete sich hin und warf einen kurzen Blick in das Loch, bevor er sich schnell zurücksinken ließ. »Was zum Teufel?«
Ich starrte den Boden an. »›Reißt die Dielen auf! Hier! Hier! Es ist das grauenhafte Klopfen seines Herzens!‹«
»Was?«
»Poe«, antwortete ich.
»Gott, du bist so seltsam, Seb«, murmelte Max.
»Was soll ich sonst sagen?« Ich deutete auf das verrottende Fleisch. »Es ist ein Herz.«
»Wen hast du umgebracht?«
»Ich rufe die Polizei.«
Dem Beamten am Telefon erklären zu müssen, dass ich die Polizei nicht wegen einer Leiche rief, sondern weil es irgendwo eine Leiche gab, der ein wichtiger Teil fehlte, war mit Sicherheit das Seltsamste, das ich je getan hatte. Zugegebenermaßen hatte die Situation mein Interesse geweckt, allerdings gab es 101 andere Dinge in meinem Leben, für die ich keinerlei Motivation verspürte; und jemandes verwesendes Herz unter meinem Fußboden zu finden, schoss direkt an die Spitze dieser Liste.
Max versprühte fast eine ganze Dose Lufterfrischer, während wir auf die Polizei warteten. »Riecht nach frisch gewaschener Kleidung«, bemerkte er und fing an die Schrift auf der Dose zu lesen.
»Oh, sehr gut«, sagte ich.
»Frische Wäsche und Tod«, korrigierte Max sich nach einer Pause. »Manchmal möchte ich auch lieber sterben, als meine Schmutzwäsche zum Waschsalon bringen zu müssen.«
»Max«, seufzte ich.
»Sorry.«
Ich verschränkte meine Arme, blickte in den hinteren Bereich des Ladens und sah den Berg an Kartons, den ich dort hatte stehen lassen. Wenn neue Ware bei uns ankam, mussten wir die Gegenstände gewissenhaft prüfen, mit einem Preis versehen und im Laden platzieren. Wenn etwas zu wertvoll war, um es einfach im Laden auszustellen, legten wir es für Auktionen beiseite. Die Kartons, und ein paar weitere, die ich in meiner Wohnung gelagert hatte, waren schon dabei, einzustauben. So viel zu meinem Vorhaben, mich endlich darum zu kümmern.
Jemand klopfte an unsere Tür und ich stand auf, um sie aufzuschließen. »Guten Morgen.«
»Guten Morgen«, begann einer der uniformierten Polizisten. »Wir haben einen Anruf erhalten.«
»Es befindet sich ein Körperteil unter meinem Fußboden«, antwortete ich schnell und führte sie rasch durch die Gänge in Richtung Kasse. Ich war mir ziemlich sicher, dass der Polizist am Telefon gedacht hatte, ich wäre verwirrt oder hätte eine Panikattacke. Diese Beamten waren offensichtlich hier, um mich zu beruhigen, aber sie folgten mir widerstandslos. Der Polizist nahm seine Mütze ab, als er vor dem Loch im Boden in die Hocke ging. Er blickte nur schnell hinein, bevor er den Kopf schüttelte und sich wieder aufrichtete.
»Brigg!« Er drehte sich zu seiner Partnerin um und sie kam ein bisschen näher.
Ich beobachtete die beiden, als sie kurz miteinander sprachen, bevor die Beamtin ihr Funkgerät in die Hand nahm. »Also«, sagte ich, »müssen wir den Katastrophenschutz holen oder so was?«
»Sagen Sie mir Ihren...




