Poeck / Schulze | Der Kriminalkutter | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 179 Seiten

Poeck / Schulze Der Kriminalkutter

Eine tolle Seegeschichte
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-011-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine tolle Seegeschichte

E-Book, Deutsch, 179 Seiten

ISBN: 978-3-96281-011-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Da er seinen Vermieter als Karikatur in einem Roman verwendet hat, steht der Autor und Ich-Erzähler der Geschichte auf der Straße. Und zu allem Überfluss droht der Beleidigte auch noch mit einer schwarzen Liste, die unseren Helden von nun an für alle Vermieter zum Paria stempelt. Guter Rat ist teuer. Also schlägt die patente Ehefrau vor, wenn man schon nicht an Land eine Behausung finden könne, müsse halt das Wasser herhalten. Und wenn man, nach ihrer Ansicht, so viel Geld spare mit einem Wohnschiff, dann könne man sich ja nun auch endlich einen Hausdiener leisten. Chaos, Klamotte und Klabautermann! - eine wonnige, kurzweilige Schmunzelnovelle aus dem Hohen Norden. Null Papier Verlag

Wilhelm Poeck (1866-1933) war ein deutscher Schriftsteller, der auch Texte auf Plattdeutsch verfasste. Der Hamburger Sohn eines Dorfschmieds studierte und arbeitete als Zollbeamter, bevor er sich nur noch dem Schreiben widmete. Neben humoristisches Romanen mit meist maritimen und norddeutschen Themen verfasste er auch Sachbücher auf und über das Plattdeutsche.
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Der Entschluss


Ich hatte Audienz bei meinem Hauswirt. Er hieß Krischan Bollmann, sah dementsprechend aus und trug außerdem noch Morgenschuhe aus grünem Plüsch. Er hatte mich in sein »Kontor« herunterbefohlen, und hier spielte sich folgende Unterredung ab.

»Bütte, ’n büschen Platz nöhm. Ich hab da in mein Sseitung gelösen, Sü schreim djawoll Romanens. Hrrruuuppph!«

»Allerdings«, wagte ich zu bemerken. »Und die Kritik sagt –«

»Die Kritik? Das ist djawoll ne Schauspülerin. So ’ne unßüttliche Person, wie sie auch in den Roman vorkomm soll, nech? Dja, die mach das woll gefallen. Aber was die sach, das is mich ganz puttegal. Hier in mein’ Haus hab’ ich allein was ßu sagen. Hrrruuuppph!«

»Ganz entschieden«, pflichtete ich bei. »Dafür sind Sie Hausbesitzer. Ich ja auch nur in Ihrem Hause.«

»Nein, Sü schreiben meinem Hause«, sagte Krischan Bollmann giftig.

»Das ist ja ganz unmöglich, Herr Bollmann«, erwiderte ich erstaunt. »Ich wohne doch nicht auf dem Dach, sondern erst im fünften Stock.«

»Aber nich möhr lange«, fuhr Krischan Bollmann noch giftiger fort. »Hürmit künnige üch Sü.«

Ich sprang auf und war ein einziges Fragezeichen.

»In Ührn dösigen Roman, da kömmp auch’n Hausbesützer in vor. Müt’n dücken Bauch, un ’n Glatz un ’n Gesich as ’n Schusterkugel, un ’n Kömnes (Kümmelnase) un – hrrruuuppph! – Aufstoßen nach djedes drütte Wort, un Morgenschuh aus greunen Plüsch. Da habn Sü dja mein Fotografü mit gölüfert. Un sowas muss ich ßu mein’ Schande in mein’ eigen’ Sseitung lösen.«

Ich lächelte – aber ein Lächeln des Bankerotteurs, der seinen letzten Kellerwechsel einlöst.

»Zeitungen schreiben viel«, sagte ich. »Sie haben den Roman selbst nicht gelesen, Herr Bollmann?«

»Gott soll mür böwahrn!« rief mein Hauswirt. »Hrrruuuppph!«

»Dann wissen Sie natürlich auch nicht, dass der Hauswirt in meinem Roman in Wirklichkeit einen ganz anderen Bauch und Glatze und Gesicht und Nase hat, und ganz anders aufstößt als Sie. Ihre Nase kommt ja doch, das ist stadtkundig, nicht vom Kümmel, sondern vom Bordeauxwein. Und grüne Morgenschuhe – wie viele Hauswirte tragen grüne Morgenschuhe. Das einzige, worin mein Hauswirt mit Ihnen übereinstimmt, ist die dicke goldne Kette zu sechshundert Mark, die er über der Weste trägt.«

»Nu wördn Sü man nich noch unverschämp«, brüllte mich mein Romanmodell an. »Die golle Uhrkette über mein’ Weste, die koß achhunnert Mark. Keine sechshunnert! Das mörken Sü such gefälligs ’n büschen. Hürmit sünd Sü also gekünnich. Un morgen stehen Sü in unse swarze Liste.«

»Schwarze Liste?« murmelte ich entsetzt.

»Ja. Swarze Liste. Das heiß müt annere Worten, dass Sü in düse Stadt keine Wohnung nich wüderkriegen. Denn wer in Romanens und Sseitungen uns Hauswürten auf die Hühneraugen pedd (tritt), der kann sich ’n Wohnung im Mond suchen.«

»Bester Herr Bollmann«, begann ich flehend, denn ich wusste, dass ich für die fahrenden Leute reif war, falls es mir nicht gelang, diesen Entschluss umzustoßen, »würden Sie mir verzeihn, falls ich in Ihrer Zeitung auf meine Kosten eine Ehrenerklärung veröffentliche, dass ich Sie nicht gemeint habe?«

»Is das nicht genug, dass Sü mir in Ihrn dösigen Roman, den ja Gott sei Dank kein Mensch liest, abgemalen haben?« bollerte Krischan Bollmann weiter. »Wolln Sü mir auch noch vor die ganse Welt ßur Uhl machen? Ssum drütten und letzten: Sü sünd gekünnigt. Un hiermit sünd wir ßwei beide mitn anner fertig. Sehn Sü ßu, wo Sü ’n ander Wohnung kriegen. Hier in düse Stadt gewüß nich. Adje, Herr Eck.«

Dieser Abschiedsgruß war eine Ironie. Denn in Wirklichkeit heiße ich gar nicht Eck. Ich hatte nur den bewussten Roman (der mich aus einer wenn auch nur bescheidenen, doch immerhin mit einem Dach versehenen Wohnung sozusagen auf die Landstraße warf) unter diesem Namen veröffentlicht. Da er kurz und Druckpapier zur Zeit teuer ist, will ich ihn für diese Geschichte beibehalten.

Zwischen Landfahrern und Bettlern ist kein großer Unterschied. Ich begann also in der Haltung eines Kohlendampf schiebenden Kunden nochmals: »Hochverehrter Herr Bollmann, die spätere Literaturgeschichte wird gewiss« –

»Sü wolln mür woll uzen?« schnitt mir Bollmann in derselben Tonart das Wort ab. »Was ich gesach hab« – hier klingelte er, und ich griff schleunigst und angsterfüllt nach meinem Besuchszylinder –, »das hab’ ich gesach. Un da is die Tür. – Djohann, der Nächste!«

Mit sehr viel schnelleren Schritten, als ich Herrn Bollmanns Salon betreten hatte, verließ ich ihn wieder. Denn wenn der Hausherr (nach meiner Romanschilderung) Hände hatte wie ein paar Reisetaschen, so hatte der Hausdiener Fäuste wie ein Paar kleine Fässer. Meine Ablösung – der Mieter des dritten Stockwerks – huschte so ängstlich wie der bekannte Mann ohne Schatten an mir vorüber. Johann schlug die Tür hinter ihm zu – er saß wie eine Maus in der Falle.

»Herr Kanßleirat«, grollte drinnen das hauswirtliche Gewitter über den Unglücklichen los, »in unsern Kontrak steht in: das Halten von Türe is nur mit besondre Gönöhmigung des Hauswürts erlaup. Gestern nachmittag, als ich wegen die Klasettinspekschon oben war, hab’ ich bömörk: Ihre Kinder halten weiße Mäuse in ein Bauer. Was haben Sü darauf ßu erwüdern?«

Ich nahm mir vor, künftig gleichfalls weiße Mäuse in einem Bauer zu halten, statt meine Aussichten mit Romanschreiben totzuschlagen. Denn Bollmann war – im Gegensatz zu dem Franzosen, unter dem man bekanntlich, wenn man ihn kratzt, den Russen findet – im Grunde unter dem Bezirk seiner Uhrkette zu achthundert Mark und seines Fetts kein Unmensch. Es war anzunehmen, dass er dem Kanzleirat das Verbrechen der weißen Mäuse schließlich verzeihen und sie vielleicht sogar nachträglich genehmigen würde.

Was bei meinem Roman natürlich gänzlich ausgeschlossen war. (Im Vertrauen: wäre ich ein Hauswirt mit dem Bollmantischen Bauch, Glatze, Schusterkugelgesicht und grünen Plüschschuhen, und Mieter konterfeite mich steckbriefgetreu in einem Roman ab: dem würd’ ich auch nicht verzeihen.)

Doch war die Lage für derartig müßige Erwägungen zu ernst. Ich berief meine Frau zu einer Konferenz, teilte ihr das Schreckliche schonend mit und sagte sorgenvoll: »Was nun?«

Aber auch gespannt. Denn ich hatte bereits mehrfach, in Romanen und psychologischen Plaudereien, den Satz niedergeschrieben: dass die Intelligenz des Weibes eine von der männlichen völlig verschiedene sei; dass die Frau in verzweifelten...



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