E-Book, Deutsch, 292 Seiten
Porter Fleckenteufel und Drachentöter
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-945934-48-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 292 Seiten
ISBN: 978-3-945934-48-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der schüchterne Tristan himmelt Marco an - den jungen Boxer, der mit seinen Freunden regelmäßig in das Bistro seiner Cousine kommt, in dem Tristan kellnert. Marco weiß von seiner Schwärmerei, zieht ihn gutmütig auf, nennt ihn 'Fleckenteufel', wegen eines Feuermals in seinem Gesicht. Doch dann bekommt Tristan die Chance seines Lebens: eine Woche zusammen mit Marco zu verbringen. Als Gegenleistung muss er das vermeintlich gestohlene Auto seines Schwarms zurückholen. Aber der Dieb ist ausgerechnet Lance vom rivalisierenden Boxclub. Ein geheimnisvoller Typ, der Tristan Angst einjagt. Und plötzlich sitzt Tristan zwischen allen Stühlen, denn Lance macht ihm ein unfassbares Angebot.
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Kapitel 1
Tristan konzentrierte sich auf die äußerst anregende Tätigkeit des Gläserpolierens. Immer wieder schweifte sein Blick jedoch von dem fusselfreien Tuch in seiner Hand quer durch den Raum zu dem Ecktisch, an dem wie jeden Donnerstag Marco Hof hielt.
Marco, lebhaft und laut, dominierte die Gruppe junger Leute. Seine Präsenz füllte nicht nur die Szene-Kneipe aus, sondern auch Tristans Herz. Allein Marcos Anwesenheit ließ seinen Puls nach oben schnellen und seinen Atem stocken. Marcos Lachen erklang, unbekümmert und fröhlich. Musik in Tristans Ohren. Er schielte doch kurz zu dem Tisch hinüber.
Marco und fünf Jungs und Mädels aus seinem Fanclub steckten die Köpfe über ihren Apfelschorlen zusammen. Sie amüsierten sich über einen Kommentar, den Marco von sich gegeben hatte. Bestimmt etwas Geistreiches, wirklich Witziges. Marco vermochte sein Publikum mühelos zu fesseln, es hing an seinen Lippen und gierte nach mehr.
So wie Tristan. Aus der Ferne.
Jeden Donnerstag fieberte er dem Moment entgegen, in dem Marco und seine Freunde durch die Tür stürmten, lärmend und fröhlich, sich gegenseitig freundschaftlich anrempelnd, Sporttaschen in der Hand. Jeden Donnerstag konnte er den Blick nicht von Marco wenden. Kein Wunder, dass der es längst gemerkt hatte. Es geschah Tristan Recht, dass er sich über sein schmachtendes Starren lustig machte. Ändern konnte er es trotzdem nicht.
Nur mit äußerster Selbstbeherrschung gelang es ihm, das fertig polierte Glas ins Regal zu stellen und nach dem nächsten zu greifen, ohne zwischendurch Marco anzustarren. Eine erneute Lachsalve ertönte. Tristan gab sich nicht der Illusion hin, dass sie über ihn lachten. Dazu war er zu unbedeutend. Zu Anfang, vor Wochen, als Marco aufgefallen war, dass Tristan ihm sehnsüchtige Blicke zuwarf, hatten Marco und seine Fans sich für eine Weile gemeinsam über den armen kleinen Kellner amüsiert, der allzu offensichtlich verknallt war. Doch der Reiz des Neuen verflog schnell, und schon bei ihrem nächsten Besuch war sein peinliches Benehmen ihnen nur noch ein flüchtiges Schmunzeln wert.
„Hey, Fleckenteufel!“
Tristan ließ fast das Glas fallen. Seine Wangen glühten. Jetzt hatte er einen Grund, Marco anzusehen.
„Flecki, bring mir ein alkoholfreies Weizen, bitte!“
Tristan nahm eine Flasche aus dem Kühlschrank. Mit zitternden Händen füllte er ein Weizenbierglas. Caro drängte sich an ihm vorbei zur Kasse.
„Lass dir von denen nichts gefallen“, flüsterte sie. Tristan lächelte. Es störte ihn nicht, dass sie ihm einen Spitznamen gegeben hatten. Fleckenteufel. Der war natürlich auf Marcos Mist gewachsen. Er meinte es nicht böse. So war er eben. Vermutlich war ihm nicht einmal der Gedanke gekommen, dass Tristan sich verletzt fühlen könnte.
Auf wunderbare Weise gelang es Tristan, das Weizenbier an den Tisch zu bringen, ohne es zu verschütten. Er stellte es vor Marco hin. Dies war einer der wenigen wundervollen Momente, in denen er Marco nahe sein durfte. Unauffällig sog er die Luft durch die Nase. Sie kamen alle vom Sport und waren frisch geduscht. Tristan bildete sich ein, dass er Marcos Duft herausriechen konnte. Völliger Quatsch, natürlich.
„Danke, Flecki.“
Marco schenkte Tristan ein Lächeln, das dessen Knie in Pudding verwandelte. Nur die Routine versetzte ihn in die Lage, den Kugelschreiber zu zücken und den Strich auf Marcos Bierdeckel zu ziehen. So gerne er noch länger an dem Tisch stehengeblieben wäre, er wusste, wo sein Platz war. Ein letztes Mal atmete er tief ein, um eine Prise vom Marco-Duft zu erhaschen.
„Flecki, können wir hier bei euch ein Plakat anbringen?“
Wie, was? Marco sprach zu ihm. Es dauerte, bis der Sinn seiner Worte zu Tristan durchdrang.
„Plakat?“, wiederholte er dumm. Im selben Moment hätte er sich am liebsten geohrfeigt. Jetzt hielt Marco ihn nicht nur für einen Stalker, sondern auch noch für begriffsstutzig. Doch Marco sah ihn nur erwartungsvoll an.
„Ja, ein Plakat, von unserem Verein.“ Ein Mädchen aus der Gruppe mischte sich ein. „Zeig es ihm doch mal!“
Marco beugte sich zur Seite und zog eine der Sporttaschen zu sich heran. Dabei streifte seine Hand unabsichtlich Tristans Bein. Die flüchtige, kaum spürbare Berührung genügte, um Tristan an den Rand eines Herzinfarkts zu bringen. Schwer atmend sah er zu, wie Marco eine Papierrolle aus der Tasche nahm und auseinanderzog. Tristan war nicht in der Lage, zu lesen, was auf dem Plakat stand. Irgendwas mit Party und Wettkampf. Er musste sich darauf konzentrieren, nicht auf der Stelle in Ohnmacht zu fallen. Das war so armselig.
„Ihr könnt das im Gang zu den Toiletten aufhängen.“
Caros Stimme erklang so unvermittelt dicht neben Tristans Ohr, dass er zusammenzuckte. Wo war die denn plötzlich hergekommen?
„Danke.“ Marco belohnte Caro mit seinem unvergleichlichen Lächeln. Verschwendung. Caro nickte lediglich hoheitsvoll. „Schon okay.“
Marco gab nicht so schnell auf. Immer noch lächelte er Caro charmant an.
„Du bekommst natürlich Freikarten für den Wettkampf und die anschließende Feier. Wird eine super Party.“
„Kein Interesse.“
Was? Sprachlos sah Tristan Caro hinterher, die sich bereits abgewandt hatte und zu einem anderen Tisch schlenderte, um dort Bestellungen aufzunehmen. Marco zuckte scheinbar gleichmütig die Achseln.
„Wer nicht will, der hat schon. Du kriegst aber Karten, Flecki.“
Tristan konnte nur stumm nicken.
Erst als Marco und Konsorten verschwunden waren, wagte er es, einen Blick auf das Plakat zu werfen. Es hing in Augenhöhe zwischen einer Konzertankündigung und einem Bild mit Bierdeckeln und informierte Interessierte darüber, dass der Boxclub „Lucky Punch“ seinen jährlichen freundschaftlichen Wettkampf mit dem Boxclub Nord abhielt, gefolgt von einer gemeinsamen Party. Kartenvorverkauf im Boxclub. Tristan betrachtete das Foto eines grimmig dreinschauenden Kerls mit roten Boxhandschuhen. Ob Marco daran dachte, ihm eine Karte zu schenken? Oder hatte er das nur so dahergesagt?
„Der Typ ist ein arroganter Arsch.“
Tristan fuhr das zweite Mal an diesem Abend zusammen.
„Mensch, Caro! Schleich dich doch nicht immer so an!“
„Ich schleiche nicht, du kriegst nur nichts mit, weil du nur Augen und Ohren für Marco hast.“
„Er ist kein Arsch.“
„Aha, also gibst du zu, dass er arrogant ist.“
Tristan schluckte. Na schön, Bescheidenheit gehörte sicher nicht zu Marcos Tugenden.
„Er ist selbstbewusst.“
„Darum hat er es auch nötig, andere runterzumachen.“
Tristan verdrehte die Augen. Er wusste, was jetzt kam. Caro stemmte die Fäuste in die Hüften. „Es ist eine Sauerei, dass er dich Fleckenteufel nennt. Und bescheuert, dass du dir das einfach so gefallen lässt.“
„Mir macht das nichts aus. Lass ihn doch.“
Tristan wiederholte, was er schon gefühlte tausend Mal gesagt hatte. Caro gab ein unwilliges Schnauben von sich. „Ist ja deine Sache. Ich mag den Typ nicht.“
„Ach nein. Wär ich jetzt gar nicht drauf gekommen.“
Tristan grinste. Caro versuchte, genauso grimmig zu gucken wie der Boxer von dem Plakat, schaffte es aber nicht und schmunzelte widerwillig. „Blödi. Mach Feierabend, der letzte Gast ist gerade abgehauen.“
Tristan freute sich besonders auf Donnerstag. Marco würde ihm eine Karte zu der Boxveranstaltung geben, das bedeutete, er würde mit ihm sprechen, ihn ansehen, zumindest für kurze Zeit in seiner Nähe sein. Immer wieder blickte er aufgeregt zu der großen Uhr im Bahnhofstil, die über der Tür hing. Die Zeiger schienen über das Zifferblatt zu kriechen. Meist kamen Marco und seine Freunde gegen halb acht. Tristan vermutete, dass das Training bis sieben Uhr dauerte. An diesem Donnerstag jedoch wurde es halb acht und Viertel vor acht, und kein Marco war zu sehen. Tristan wollte die Hoffnung schon aufgeben, da flog die Tür endlich auf. Wie immer redeten Marco und Co. wild durcheinander, mit dem Unterschied, dass sie sich diesmal eher verärgert als fröhlich anhörten.
Tristans Blick flog sofort zu Marco. Der pfefferte die Sporttasche in die Ecke. Seine eigentlich so verführerisch geschwungenen Lippen hatte er zu einem schmalen Strich zusammengepresst, die dunklen Brauen zusammengezogen.
„Das wird ihm noch leidtun.“
Seine Begleiter beeilten sich, ihm eifrig zuzustimmen.
„Und wie!“
„Der wird sich noch umgucken!“
„Das kann er echt nicht bringen!“
Tristan spitzte die Ohren. Er hatte keine Ahnung, von wem sie redeten. Hörte sich nach Ärger an. Er hasste unbesehen jeden, der es wagte, Marco Schwierigkeiten zu bereiten. Während er auf den Tisch zuging, konnte er weitere Details aufschnappen.
„Kannst du ihn nicht anzeigen? Der ist doch schneller wieder im Bau, als er gucken kann.“
„Weswegen denn? Er wird behaupten, der Wagen gehört ihm. Er hat noch den Fahrzeugbrief und den Schein.“
„Wie, hast du das Auto nicht umgemeldet?“
„Wie denn ohne Papiere?“
„Trotzdem, er hat den Wagen aufgebrochen, das muss man sehen können.“
„Ich wette, er hatte noch einen Schlüssel. Verdammter Mist!“ Marco bemerkte Tristan, der ruhig dastand.
„Belauschst du uns, Fleckenteufel?“ Mit gerunzelter Stirn musterte er ihn. Ja, genau das tat er.
„Was möchtet ihr trinken?“, fragte er automatisch.
Er nahm die Bestellung auf. Zurück zur...




