E-Book, Deutsch, 376 Seiten
Porter Wünschelbräu Premium
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96089-614-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 376 Seiten
ISBN: 978-3-96089-614-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur eine alte Flasche? Angus, Taxifahrer und frischgebackener Erbe eines maroden Herrenhauses, findet in einem Pub in Edinburgh vermeintlich grundlos Gefallen an einer staubigen Flasche und kauft sie kurzerhand. Was er nicht weiß: Damit hat er sich den zugehörigen Flaschengeist Bekir eingehandelt. Da dieser ohne die Nähe zu seiner Flasche nicht überleben kann, bleibt Bekir nichts anderes übrig, als seinem Meister wider Willen in das Herrenhaus in den schottischen Highlands zu folgen. Während Angus und Bekir nach einer Lösung suchen, sich aus ihrer ungewollten Verbindung zu befreien, spricht Angus unbedacht Wünsche aus und macht alles noch schlimmer. Denn Bekir ist zwar an die Flasche gebunden, verfügt aber über keinerlei magische Fähigkeiten. Oder doch? Wie sonst ist es zu erklären, dass er und Angus sich trotz aller Probleme unwiderstehlich zueinander hingezogen fühlen? Für zusätzlichen Ärger sorgen eine beleidigte Wassernymphe und ein rebellisches Wolfswandlerrudel. Und die Zeit läuft: Wenn Bekir nicht innerhalb von drei Tagen die Wünsche erfüllt, ist er dem Tode geweiht ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Schwarzer Daumen
Alles außer Pflanzen.
Das stand dick und fett in Beks Kurierprofil. Was, bei sämtlichen Dämonen der vierten Dimension, war daran so schwer zu verstehen? Warum sollte ausgerechnet er eine Lieferung von einem Blumenladen abholen? In der Hoffnung, es könnte sich um ein Versehen handeln, starrte Bek ein paar Minuten auf das Smartphone und wartete auf die nächste Nachricht, die nur einen Widerruf der ersten darstellen konnte.
Nichts.
Schließlich tippte er eine Antwort. Sie bestand nur aus zwei Worten. Keine. Pflanzen.
Die Rückmeldung ließ nicht lange auf sich warten. »Ausnahme. Danach hast du frei. Küsschen, Ayse.«
Na großartig! Bek hatte sowieso schon Feierabend. Die Nachricht war fünf Minuten nach seiner Schicht eingetrudelt. Kurzerhand rief er in der Zentrale an. Das wurde gar nicht gerne gesehen, aber er sah es auch nicht gerne, wenn die sich einfach über seine wirklich nicht besonders exzentrische Ausnahmeregelung hinwegsetzten. Alles außer Pflanzen war harmlos gegen das, was zum Beispiel Zeke in sein Profil geschrieben hatte: Keine Lebensmittel, keine Tiere, nichts über drei Kilo, nichts weiter als zwei Kilometer von der Packstation, keine Lieferungen an Hexen, Magier, Gargoyles oder an die SAW-Zentrale. Keine Pizza!
Ein Wunder, dass der überhaupt noch Aufträge bekam. Und was hatte er gegen Pizza? Vermutlich befürchtete er, dass er sie unterwegs aufessen könnte.
Ayse meldete sich. »Hallo Süßer«, flötete sie. »Du, sei mir nicht böse wegen des Auftrags. Ich weiß, du hast eigentlich schon Feierabend.«
Bek stellte sich vor, wie Ayse mit zerknirschter Miene hinter ihren Monitoren saß, das Headset wie üblich schief auf den violett gefärbten Locken, und sein Unmut verflüchtigte sich so schnell wie sein letzter Lohn vom Konto. »Es geht nicht um den Feierabend, sondern um das Grünzeug. Alles außer Pflanzen!«
»Sie ist total gut verpackt. Da dringt keine Polle durch. Ich habe es extra dazu gesagt. Bitte, Bekki! Wir sind heute echt unterbesetzt und du bist doch gerade in der Nähe.«
Bek hasste es, Bekki genannt zu werden. Und in der Nähe war ein wenig euphemistisch für eine Entfernung von drei Kilometern. Er kannte den Blumenladen, weil er auf dem Heimweg regelmäßig daran vorbeifuhr. Okay, das wäre natürlich schon praktisch. Nur, dass es leider nicht an einer Allergie lag, warum er keine Pflanzen transportieren konnte ...
»Ist gut«, murrte er. »Aber wirklich nur dieses eine Mal.« Vermutlich würde Ayse das bald selbst einsehen, wenn die Beschwerde des Kunden sie erreichte.
»Danke, Bekki! Bist ein Schatz! Küsschen! Ach ja, kommst du morgen mit zu …«
Was Ayse noch sagen wollte, ging in einem statischen Rauschen unter. Nicht ungewöhnlich, auch nicht im Raum Edinburgh, den ein magischer Schutzschild vor den schlimmsten Auswirkungen der Dimensionslöcher schützte. Trotzdem versagte die Technik im Stadtgebiet regelmäßig und Handyempfang war Glücksache. Daher erhielten die Fahrradkuriere ihre Aufträge auch gesammelt zu Beginn ihrer Schicht in der Zentrale. Solche spontanen Lieferungen wie die des Blumenladens kamen selten vor. Wäre Bek doch nur nicht so vorschnell mit dem Öffnen der Nachricht gewesen, dann hätte er später alles auf interdimensionales Rauschen schieben können, und wäre damit davongekommen. Zu spät. Nun musste er da durch. Der Kunde tat ihm jetzt schon leid. Er verzog das Gesicht und schwang sich auf sein Rad. Vielleicht, wenn er schnell fuhr und der Kunde nicht allzu weit weg wohnte ...
Vor dem Blumenladen drängten sich Töpfe mit Blumen, Zimmerpalmen, Efeu und sonstigen Gewächsen auf Regalen und Bänken. Mit zusammengebissenen Zähnen hielt Bek so viel Abstand wie möglich und winkte vom Rand des Bordsteins aus. Hinter dem Schaufenster bewegte sich etwas, kurz darauf trat eine junge Frau aus dem Laden, in den Händen ein unförmiges Gebilde, das in mehrere Schichten Packpapier gehüllt war.. Wenigstens war die Pflanze nicht groß. Und hoffentlich nicht wertvoll.
»Hallo, das ging ja schnell!« Die Frau strahlte und überreichte Bek das Paket. »Dieses Schätzchen soll in die Grüne Gans. Weißt du, wo das ist?«
Verblüfft ließ Bek beinahe sein Transportgut fallen. Natürlich wusste er, wo das war. Er arbeitete und wohnte in dem Pub. »Und zu wem genau?«, fragte er.
»Zu einer Maggie Carpenter. Ist wohl die Besitzerin. Bitte schön, das hier ist für dich und gute Fahrt heute noch!«
Automatisch nahm Bek das Trinkgeld, einen Fünf-Pfund-Schein, den die Frau ihm gab. Die Pflanze steckte er zusätzlich in eine Plastiktüte und verstaute sie rasch in der Kuriertasche am Gepäckträger. Möglich, dass die wasserfeste Umhüllung auch Schutz vor anderen Widrigkeiten bot. Zum Beispiel vor ihm.
Auf dem Weg zum Pub überlegte er, warum Maggie sich Grünzeug bestellte. Das Ding wollte sie doch wohl nicht in der Schankstube aufstellen? Oder sollte das ein blöder Witz sein, um ihn zu ärgern?
Zügiger als sonst trug Bek sein Rad in den Keller des alten Gebäudes aus grauem Stein, in dessen Erdgeschoss sich der Pub befand. Seine Lieferung am ausgestreckten Arm tragend, lief er die Treppe wieder hoch. Über dem Eingang quietschte das Blechschild mit der verblassten grünen Gans, die eher einer seekranken Ente glich, melancholisch im Abendwind. Bek stieß die Tür auf und musste nur einen Blick in den Schankraum werfen, um das Rätsel um die mysteriöse Bestellung zu lösen.
Am Ecktisch unter dem Fenster saß Emily, ihre füllige Figur in einem Nadelstreifenkostüm zur Geltung gebracht, die perfekt manikürten Finger um ein Halfpint Cider gelegt, das sie zum Mund führte, es aber hastig abstellte, als sie Bek entdeckte. Ein freudiges Lächeln breitete sich auf ihrem dezent geschminkten Gesicht aus und sie hob eine Hand, um ihm zuzuwinken.
Bek seufzte. Er grüßte zurück und ging weiter zur Theke, die Maggie mit einem pinkfarbenen Tuch polierte. Jedenfalls gab sie das vor. In Wahrheit huschte ihr Blick wie bei einem Tennismatch von ihm zu Emily und zurück. »Hey, Bek. Du hast Besuch.«
»Schon gesehen. Tja, schlechter Zeitpunkt, da meine Schicht jetzt anfängt.«
Maggie hob die Brauen. »Ach ja? Hier ist niemand außer uns oder hab ich wieder ein paar Magier übersehen, die sich an Unsichtbarkeitszaubern versuchen? Ich würde sagen, den Andrang schaffe ich so eben noch allein. Was trinkst du?«
»Einen Kaffee bitte. Schwarz.«
So schwarz, wie das bedauernswerte Gewächs bald sein würde. Bek seufzte erneut. Wochenlang war es ihm gelungen, Emily und die anderen abzuwimmeln. War ja klar, dass sie ihm irgendwann hier auflauern würden.
»Du hast eine Pflanze bestellt?« Er stellte das verpackte Gebilde auf die Theke.
»Ich? Nicht, dass ich wüsste.« Maggie zupfte an dem Papier. »Bestimmt ein Irrtum.«
»Die Frau vom Blumenladen hat deinen Namen genannt.«
»Hmm, könnte von einem meiner zahlreichen Verehrer sein.« Maggies Ton ergab auf der Sarkasmus-Skala eine glatte Zehn von zehn. »Mal sehen.« Mit einer Schere rückte sie der Verpackung zu Leibe und enthüllte …
… ein vertrocknetes Ding, das vermutlich mal eine Grünlilie gewesen war. Nun befand sich etwas in dem Topf, das der Mumie eines Tentakeldämons ähnelte.
Zu zweit betrachteten sie das Elend eine Weile. Bek wusste, dass Maggie wusste, wer an dem Zustand des armen Dings schuld war. Und sie wusste, dass er wusste, dass sie es wusste. Dazu gab es nichts zu sagen. Also hob Maggie nur die Schultern und beförderte alles in den Biomüll.
Bek nahm seinen Kaffeebecher mit zu dem Ecktisch, an dem Emily ihn mit strahlenden Augen erwartete. Er freute sich tatsächlich auch, sie zu sehen. Gleichzeitig packte ihn die Sehnsucht nach den Unternehmungen mit seinen Freunden. Na ja, Ex-Freunden.
Nach dem Gefrotzel und den ernsten Gesprächen über alles, worüber er sonst mit niemandem reden konnte. Nach den Pen and Paper Abenden und den angeblichen Lerngruppen, die sie meistens auch verquatscht hatten. All das fehlte ihm und es war so schon schwer genug zu verdrängen, auch ohne, dass Emily wie ein Geist aus seiner Vergangenheit auftauchte und ihn umarmte wie einen verschollenen und plötzlich wieder aufgetauchten Bruder.
Bek drückte sie trotzdem kurz an sich. Der zarte Duft ihres Parfums verstärkte die Erinnerung an die gemeinsamen Zeiten noch, daher trat er rasch zurück und setzte sich auf die Bank. Er kam gleich zur Sache: »Warst du das mit der Pflanzenbestellung?«
»Ist ja nicht so leicht, dich zu einem Treffen zu bewegen.« Emily lächelte ihn unschuldig an. »Gut siehst du aus!«
»Du hättest einfach so herkommen können, da du offenbar herausgefunden hast, wo ich arbeite. Der Lieferauftrag war unnötig.«
»Sorry!«, rief jemand hinter Bek und rutschte im nächsten Moment neben ihn. Stone schenkte ihm ein schiefes, schuldbewusstes Grinsen. »Das war meine Idee. Nicht meine beste, wie mir scheint.«
»Ja, das scheint mir auch so. Die Pflanze ist jedenfalls tot. Was habt ihr denn erwartet? Dass ich den Fluch plötzlich wieder losgeworden bin wie eine Grippe?« Bek spähte an Stone vorbei zum Eingang. Ihn beschlich eine Ahnung, dass sie diesen Abend nicht zu dritt verbringen würden. Tatsächlich schwang die Tür wieder auf und Penny marschierte nach einem kurzen Orientierungsblick auf ihren Tisch zu. Sie warf die langen, roten Locken zurück und ließ sich mit angriffslustiger Miene auf einem Stuhl nieder. Ihre schwarzen Lederklamotten knirschten. »Hallo Leute«, sagte sie forsch. »Wir haben heute hier zusammengefunden,...




