Pounder / Ibbotson | Bahnsteig 13 öffnet sich wieder | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Pounder / Ibbotson Bahnsteig 13 öffnet sich wieder

Spannendes Kinderbuch ab 8
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-423-44640-2
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Spannendes Kinderbuch ab 8

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-423-44640-2
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zurück auf Bahnsteig 13 Neun Jahre sind vergangen, seit sich der Gügel unter dem Bahnsteig 13 das letzte Mal geöffnet hat, um den Weg zu einer magischen Insel voller fantastischer Wesen freizugeben. Es ist auch höchste Zeit, denn der Nebel, der die zauberhafte Insel vor der Entdeckung schützt, schwindet mehr und mehr. Warum nur? Hexe Lex macht sich auf in die Menschenwelt, um einen Nebelexperten zu finden. Irrtümlich hält sie das Mädchen Lena für diese Expertin und schleppt sie auf die Insel. Dort spitzt sich die Lage mehr und mehr zu. Wird es den Inselbewohnern mithilfe von Lenas ungewöhnlichen Ideen gelingen, ihre Heimat zu retten?

Sibéal Pounder schrieb zunächst für die >Financial Times<, >Vogue< und >Glamour<, bevor sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann. Sie ist die Autorin von >Witch Wars< und >Bad Mermaids<, >Bahnsteig 13 öffnet sich wieder< ist ihr erster Einzeltitel.
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3. Kapitel


Der Nebling


Während sie sich einen Platz im luxuriösen Café suchten und ihnen riesige Gläser mit Milch serviert wurden, versuchte Lina herauszufinden, für wen Lex sie hielt.

Sie saßen sich schweigend gegenüber, starrten einander an.

»Schicke Stiefel«, sagte Lina schließlich.

Lex riss ihren Mund weit auf. »Manke, mie massen mu meinen Mähnen.«

Lina entdeckte einen hellblauen Zahn im Mund ihres Gegenübers. »Dein Backenzahn ist blau«, rief sie. »Ist das so ein Hexending? Sonst siehst du ja nicht gerade wie eine Hexe aus.«

»Und du siehst nicht gerade aus wie die älteste und einzige Neblingexpertin der Welt.«

»Neblingexpertin?« Lina nutzte die Gelegenheit. »Also, eigentlich … ich glaube, du hast die falsche –«

Aber Lex unterbrach sie. »Lange Zeit wünschte ich mir Beulen und Warzen, die in lustigen Mustern auf meinem Gesicht angeordnet sind, und lange Ohrhaare, die ich hätte flechten können wie meine älteren Schwestern. Das war alles, was ich wollte. Dann wurde ich älter und mir wurde klar, dass ich niemals die perfekte Hexe sein würde, aber was soll’s. All die Zeit, die ich damit verbracht hatte, mir ein anderes Äußeres zu wünschen, verwendete ich irgendwann darauf, lustige Sachen zu tun – zum Beispiel Steinmonsterklettern, mit meiner Freundin Gurkie zu tanzen und leckere Snacks zu essen.« Sie holte ein Notizbuch hervor und strich »Torte in Wien« von der Liste.

Lex’ leckere Snackliste für die perfekte Hexe:

Schoko-Käse-Brocken aus Hans’ Käseladen

Gurkies Möhrenkuchen

Cors verzaubertes Trifle

• Fish and Chips mit Ernie

• Tee und Toast in London

Torte in Wien

Der Kellner kam und stellte ganz vorsichtig – mit der Präzision eines Chirurgen von Weltrang – die Torte auf den Tisch. Lex ließ sich vornüberfallen und tauchte ihr Gesicht darin ein.

Lina bemühte sich, nicht zu lachen, als der Kellner ein Keuchen unterdrückte und davonging. Er zog ein Gesicht wie jemand, der gerade in einen Abwasserkanal getunkt worden war.

»So essen wir auf der Insel«, flüsterte Lex, als sie wieder nach Luft schnappte.

Lina wusste nicht, ob sie Lex glauben sollte oder nicht.

»War ein Witz«, sagte Lex schnaubend. »Ich hatte einfach Lust, mein Gesicht in eine Torte zu tauchen. Und ich empfehle jedem, das gelegentlich zu tun. Es hat eine entspannende Wirkung.«

»Aber nicht in der Öffentlichkeit«, sagte Lina, der die starrenden Menschen unangenehm waren.

»Je mehr Öffentlichkeit, desto besser«, entgegnete Lex mit einem krümeligen Zwinkern. »Ich meine – warum sollte man sein Gesicht in eine Torte tauchen, wenn keine Zuschauer dabei sind?«

Lina schob sich ein Stück Sachertorte in den Mund – ein leckerer schokoladiger Kuchen mit Aprikosenmarmelade – und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Ein großes Klavier stand unbeaufsichtigt in der Ecke, während die Gäste sich ihre Kuchen und Torten schmecken ließen und fröhlich lachten. Sie überlegte, ob ihre Eltern sich wohl Sorgen machten und ob sie nicht vielleicht einen schrecklichen Fehler begangen hatte. Die Hexe schien sie für eine Art Superheldin zu halten, die ihre Insel retten würde. Vielleicht war es aber auch nur einer von Lex’ Witzen gewesen. Ja – vielleicht hatte sie das überhaupt nicht so gemeint. Lina stopfte sich den Rest des Tortenstücks in den Mund und schluckte ihre Sorgen damit hinunter.

»Ich habe ganz vergessen, dich nach deinem Namen zu fragen!«, rief Lex. »Oder bevorzugst du Neblingexpertin? Das würde ich natürlich verstehen, schließlich wäre das viel offizieller.«

»Lina reicht vollkommen«, sagte Lina.

»Und du kannst Lex zu mir sagen. So nennen mich alle außer Ben. Er neigt dazu, mich Gribbs zu rufen.«

Wieder peinliches Schweigen.

»Lina, lebst du gerne in der Anderen Welt?«, fragte Lex.

»Ich mag Wien«, antwortete Lina, was stimmte. »Die Stadt ist wunderschön und voller Musik. Man sagt, in Wien wird jeder mit dem Opernvirus infiziert.« Sie nahm einen großen Schluck Milch.

»Ich habe eine Tante in London«, sagte Lex und spielte mit ihrer Serviette. »Sie ist die Einzige in unserer Familie, die in der Anderen Welt lebt. Sie ist meine Lieblingsverwandte und kann andere ganz hervorragend kahlköpfig werden lassen.«

Lex’ Koffer schob sich vorwärts.

»Was ist da drin?«, fragte Lina nervös und umklammerte die Armlehnen ihres Stuhls.

»Ray«, flüsterte Lex und beugte sich dabei so weit vor, dass ihre Haare in der Milch hingen. Sie blickte sich verstohlen um und öffnete langsam den Koffer. »Ben und ich haben ihn nach jemandem benannt, den wir vor vielen Jahren mal kannten. Ray ist eigentlich Bens Tier, aber mir gefällt der Gedanke, dass wir ihn uns teilen.«

Sie zog ein fluffiges weißes Bündel mit untertellergroßen Augen hervor. Es zitterte.

Lina starrte das kleine Ding ungläubig an. Es sah genau aus wie ihr magisches Wesen am Rucksack, nur kleiner und viel lebendiger.

»Darf ich Ray mal halten?«, fragte sie aufgeregt.

Lex zwinkerte und reichte ihn Lina heimlich unterm Tisch hindurch. Lina spürte sein weiches Fell zwischen ihren Fingern. Ray fühlte sich seidig und zittrig an wie ein Hase, aber sein Bauch war rundlich und fest wie bei einem Vogel.

»Und jetzt der Plan«, sagte Lex.

Lina legte die Tischdecke um die Kreatur, damit sie es schön gemütlich hatte. Der Kleine schien sehr glücklich auf ihrem Schoß zu sein und lugte hervor, um die anderen Cafébesucher zu beobachten.

»Hans bringt Farnsamen, damit wir unentdeckt durch den Gügel reisen können«, erklärte Lex. »Bei all der Aufregung hier brauche ich dir wahrscheinlich nicht sagen, dass deine Reise zur Insel ein Geheimnis bleiben muss.«

»Ähm, wofür brauchst du mich eigentlich genau?«

»Wir wollen natürlich dein Expertenwissen nutzen«, sagte Lex und tätschelte ihren Koffer.

»Und mein Expertenwissen bezieht sich aufs … Taschen machen?«, überlegte Lina laut.

Aus Lex’ Nasenlöchern schoss Milch, während sie sich mit einem Lachanfall in ihrem Stuhl zurückfallen ließ. »Oh, du bist so witzig! Und bescheiden.«

In diesem Moment glitt eine Frau in einem Ballkleid in den Raum und setzte sich unter viel Applaus ans Klavier.

»Bitte nicht«, sagte Lex, nahm Ray von Linas Schoß und versuchte, ihn zurück in den Koffer zu schieben. Aber er schien nicht zu wollen.

Die Pianistin schlug einzelne Töne an, bevor sie ein Stück zu spielen begann, das Lina als Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 ausmachte. Es war eines ihrer Lieblingsstücke.

Lex schloss den Koffer schnell wieder, aber es war zu spät – Nebel drang durch die Nähte und waberte über Lex’ Hände, bis sie und der Großteil des Tisches in eine Wolke gehüllt waren.

»Das kommt durch die Musik«, erklärte Lex panisch. »Auf der Insel hat er keinen Nebel produziert, egal, wie viel Musik wir gemacht haben. Es ist auch viel mehr Nebel als sonst – er muss einen ziemlichen Nachholbedarf haben!«

»Wir sollten jetzt besser gehen«, wisperte Lina eindringlich.

Lex nickte, schnappte sich die Tortenreste vom Teller und stopfte sie in ihre Taschen.

»Ist das Rauch?«, schrie eine Frau vom Nachbartisch. »Rauchen ist hier drinnen verboten.«

»Liebe Dame – ich habe meine Pfeife angezündet, ohne darüber nachzudenken«, sagte Lex mit tiefer Stimme.

»Sie hat gar keine Pfeife«, rief ein Mann. »Sie hat einen qualmenden Koffer!«

Die Leute fingen an zu kreischen.

Lex rannte zur Tür. Lina folgte ihr, stolperte um die Tische herum und konnte kaum Schritt halten. Der Nebel wurde dichter. Die Musik wurde lauter.

»Oh nein«, hörte Lina Lex stöhnen, als ein riesiges Fellding aus dem Koffer platzte und im Foyer zu dem Lied wippte.

»Hab ich dir in meinem Brief nicht geschrieben, dass den Neblingen merkwürdige Dinge widerfahren?«, sagte Lex und deutete auf einen übergroßen Ray. »Ich habe ihn noch nie so gesehen. Er ist ja total riesig!«

»Dieses Wesen ist also ein Nebling«, flüsterte Lina und starrte die Kreatur ehrfürchtig an.

»Ein Bär!«, brüllte jemand.

»Ein Fellmonster«, schrie jemand anders.

»Keine Panik«, sagte Lex und versuchte, Ray zum Aufzug zu schieben. »Wir müssen ihn nach oben kriegen, unentdeckt.«

Dafür ist es ein bisschen zu spät, dachte Lina, während der Nebling weiterwuchs, bis er mehr als doppelt so groß wie sie selbst war.

Sie hatten den Aufzug genau in dem Moment erreicht, als mit einem Knall Magdelena erschien.

»Lex Gribble! Von unserer Hexenheldin erwarte ich alles andere als eine inkompetente Zurschaustellung offensichtlicher Magie!« Dann wandte sich Magdelena an Lina. »Kannst du nicht irgendetwas tun? Du bist die Neblingexpertin oder nicht?«

Lina starrte die kleine Geisterratte verblüfft an und versuchte dabei, die Schreie der Gäste und das Scheppern herunterfallender Teller zu ignorieren. »Ich? Oh nein, ich wollte es Lex gerade erklären –«

»Schnell – was empfiehlst du?«, fragte Magdelena und in ihrer Stimme lag eine Mischung aus Angst und Frust.

»Ähm … die Pianistin zum Aufhören bewegen?«, überlegte Lina. »Die Musik war der Auslöser, Ray schrumpft bestimmt wieder, wenn sie aufhört.«

Magdelena trippelte mit ausgefahrenen Krallen zum Klavier,...


Pounder, Sibéal
Sibéal Pounder schrieb zunächst für die ›Financial Times‹, ›Vogue‹ und ›Glamour‹, bevor sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann. Sie ist die Autorin von ›Witch Wars‹ und ›Bad Mermaids‹, ›Bahnsteig 13 öffnet sich wieder‹ ist ihr erster Einzeltitel.

Frixe, Katja
Katja Frixe studierte Erziehungswissenschaften und arbeitete mehrere Jahre als Lektorin, bis sie sich als Autorin und Übersetzerin selbständig machte. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Braunschweig.

Ibbotson, Eva
Eva Ibbotson wurde 1925 in Wien geboren und emigrierte 1933 nach England, wo sie bis zu ihrem Tod im Herbst 2010 lebte. Sie war eine bekannte Bestsellerautorin in der Erwachsenenliteratur. Ihre Kinderbücher sind weltweit beliebt und äußerst erfolgreich und wurden in Großbritannien mehrfach ausgezeichnet.

Sibéal Pounder schrieb zunächst für die ›Financial Times‹, ›Vogue‹ und ›Glamour‹, bevor sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann. Sie ist die Autorin von ›Witch Wars‹ und ›Bad Mermaids‹, ›Bahnsteig 13 öffnet sich wieder‹ ist ihr erster Einzeltitel.
Eva Ibbotson wurde 1925 in Wien geboren und emigrierte 1933 nach England, wo sie bis zu ihrem Tod im Herbst 2010 lebte. Sie war eine bekannte Bestsellerautorin in der Erwachsenenliteratur. Ihre Kinderbücher sind weltweit beliebt und äußerst erfolgreich und wurden in Großbritannien mehrfach ausgezeichnet.

Sibéal Pounder schrieb zunächst für die ›Financial Times‹, ›Vogue‹ und ›Glamour‹, bevor sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann. Sie ist die Autorin von ›Witch Wars‹ und ›Bad Mermaids‹, ›Bahnsteig 13 öffnet sich wieder‹ ist ihr erster Einzeltitel.
Eva Ibbotson wurde 1925 in Wien geboren und emigrierte 1933 nach England, wo sie bis zu ihrem Tod im Herbst 2010 lebte. Sie war eine bekannte Bestsellerautorin in der Erwachsenenliteratur. Ihre Kinderbücher sind weltweit beliebt und äußerst erfolgreich und wurden in Großbritannien mehrfach ausgezeichnet.



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