Preischl | Nicht von dieser Welt | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Preischl Nicht von dieser Welt

Die Rückkehr
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-6474-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Rückkehr

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7412-6474-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Markus Troyer, amisch von Geburt, hat außerhalb seiner Gemeinschaft Karriere gemacht. Von einem Stalker bedroht, sucht er Zuflucht in seiner alten Heimat. Dort begegnet er Lena, einer jungen Deutschen, die ihr ganz eigenes Problem mit nach Pennsylvania County gebracht hat. Markus unterstützt sie bei ihrer Suche nach Verwandten, die sie unter den Amisch vermutet. Die beiden kommen sich näher. Aber dann holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Ruland Becker, der gefährliche Stalker, hat ihn aufgespürt. Wie werden seine amischen Nachbarn, die ihm ablehnend gegenüber stehen, reagieren?

Lydia Preischl lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Dorf im Oberpfälzer Wald. Sie hat zwei erwachsene Töchter. Seit sie denken - und schreiben - kann, widmet sie sich dem Erfinden von Geschichten. Diese sind so unterschiedlich, dass es nicht gelingt, sie auf ein Genre festzulegen. Gerade eben hat sie ihren ersten humorvollen Oberpfalz-Krimi in Zusammenarbeit mit dem Spielberg-Verlag veröffentlicht. Ihre romantischen und dramatischen Liebesgeschichten erfreuen immer mehr Leserinnen und Leser und sind längst keine Geheimtipps mehr.
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Kapitel 1

Markus Troyer fuhr langsam hinter dem mit dem großen roten Dreieck gekennzeichneten Pferdebuggy her. Noch gut erinnerte er sich an die Zeit, in der er selbst in so einem Gefährt saß. Zu Beginn, als er noch ein Kind war, dachte er über die Autofahrer nach, die hinter dem Buggy seines Vaters herschleichen mussten und ungeduldig immer wieder zum Überholen ansetzten. Später jedoch machte er sich keinerlei Gedanken mehr über die Leute, die sich in ihrem Leben abhetzten, nur um an der nächsten Kurve wieder aufgehalten zu werden. Nun war er der Gehetzte, der einzig und allein der Zeit unterworfen war und niemals alles erledigen konnte, was erledigt werden sollte. Er überholte nicht, selbst, als auf der geraden schmalen Straße kein entgegenkommendes Fahrzeug zu sehen war. Hinter ihm hupte jemand. Er scherte sich nicht darum. Stattdessen legte er beide Arme über das Lenkrad und genoss es, durch den Buggy Gelegenheit zu haben, nach links und rechts zu schauen und zu erkennen, dass sich kaum etwas verändert hatte. Der Drängler hinter ihm rauschte vorbei und tippte an seine Stirn. Markus grinste. Wieder wanderte sein Blick über die Landschaft. Er war bereits geraume Zeit von der Interstate abgefahren und in das ländliche Gebiet von Lancaster County eingetaucht. Wunderschöne, gepflegte Farmen säumten den Horizont. Hier, am Straßenrand, standen in größeren Abständen aus grauem Stein erbaute schmucke Häuser, zu denen elektrische Leitungen führten. Sie gehörten Mennoniten oder zugewanderten Englischen, wie die Amisch die übrigen Amerikaner nannten. Diese Leute nutzten Strom und alle Annehmlichkeiten der modernen Welt, während die Mitglieder seines Heimatbezirkes jegliche Technik ablehnten. Nun lebten seine Eltern bei seiner Schwester, die nach Ohio geheiratet hatte. Mit ihnen war er in guter Verbindung geblieben. Hierher, in die Gegend zwischen Intercourse, Paradise und Bird-In-Hand, hatte er keinerlei Verbindungen mehr gepflegt, obwohl einige seiner Geschwister hier lebten und sich sein Elternhaus hier befand, das ihm sein Vater überlassen hatte.

Der Buggy und Markus fuhren am Ortsschild von Intercourse vorbei hinein in den malerischen Ort, der gewachsen war, seit seinem letzten Besuch. Er musste aufpassen, um die Abfahrt in die Queen Road nicht zu versäumen, blinkte dann links und fuhr ab. Kurz darauf bog er in den Harvest Drive ein. In der Ferne näherte sich ein Güterzug, der endlos zu sein schien. Markus hielt an, um den Zug zu beobachten und um sich zu wappnen. Er hatte keinen Schlüssel für sein Haus. Das hieß, er musste bei Daniel Fisher vorbeifahren, um ihn abzuholen. Die Fishers hatten sich um das Haus gekümmert und sicherlich dafür gesorgt, dass es für ihre Nachbarn gut erhalten blieb. Sie hatten auch die Wiesen und Felder mit bewirtschaftet, die seit dem Wegzug der Troyers brach lagen. Daniel Fisher war – wie wohl alle in ihrem Distrikt – der Meinung, dass die Troyers zurückkommen könnten. Doch Markus wusste, dass dies nicht passieren würde. Deshalb hatte er das Haus auch übernommen. Was er damit anstellen würde, wusste er noch nicht. Wohl aber wusste er, dass er sich hier erst einmal erholen wollte, so gut man sich in einem amischen Haus ohne Elektrizität, Heizung und warmem Wasser erholen konnte. Aber vielleicht war es genau das, was er gerade jetzt benötigte.

Er fühlte eine Erschöpfung, die er nie vorher wahrgenommen hatte. Nicht so sehr körperlich – er hielt sich fit, was in seinem Beruf unumgänglich war. Es war die seelische Erschöpfung, all die furchtbaren Dinge, die bis vor wenigen Wochen passiert waren und die er nicht mehr verarbeiten konnte. Markus hatte nie begriffen, warum so viele in der englischen Welt einen Psychiater brauchten. Nun verstand er es. Er hoffte inständig, dass ihn die Flucht hierher zur Ruhe kommen lassen würde, dass er seine Gedanken und Gefühle sortiert bekam und letztendlich wissen würde, wie seine Zukunft aussehen könnte.

******

Ab jenem Moment, an dem er vor dem Haus der Fishers anhielt, schwirrten die Gedanken in seinem Kopf. Er bekam weiche Knie und ein flaues Gefühl im Magen. Rasch und unpersönlich beendete er das kurze Gespräch mit Maria, die nur mit ihrem jüngsten Sohn zu Hause war. Sie stellte ihm Esra vor, der mit ihr auf die Veranda gekommen war, aber er eilte sich, wieder in den Schutz seines Autos zu kommen.

Warum nur nahm ihn die Begegnung mit seiner Vergangenheit so mit? Markus wusste keine Antwort darauf. Nun, da er sich entschieden hatte, ausgerechnet hierher zu kommen, musste er sich dem auch stellen. Noch in Jacksonville sah er die Rückkehr in seine amische Heimat als einzig gangbaren Weg in all dem verfahrenen Elend, in dem er sich unversehens befand. Nun fühlte er die Erleichterung, die er bei seiner Abreise vor einigen Tagen allein durch die Tatsache empfand, dass er den Ort verlassen konnte, nicht mehr. Tatsächlich blieb ihm das flaue, ängstliche Gefühl, das sich seit seiner Begegnung mit Maria Fisher breitgemacht hatte, erhalten.

Er versuchte, seine Gedanken zu bündeln und sich auf die Rückkehr in sein Haus zu konzentrieren. Markus bog in den schmalen, mit tiefen Schlaglöchern versehenen Weg ein, der zu seinem Haus führte. Hinter drei hohen Eichen, die als Vorboten des nahen Waldes einsam auf einem Feldrain thronten, tauchte es auf, halb verdeckt von der mächtigen Scheune. Je näher er kam, desto mehr Mängel fielen ihm auf. Es benötigte einen neuen Anstrich, der Garten, den seine Mutter so gehütet hatte, war vollkommen verwildert und über und über mit Gestrüpp bedeckt. Auch die Farbe an der Scheune war zu einem großen Teil abgeblättert und vom Hühnerstall, der sich gleich daneben befand und weniger stabil gebaut war, als die anderen Gebäude, hatten sich einige Bretter gelöst. Der Rasen vor dem Haus glich einem Feld. Zahlreiche Maulwürfe hatten ihre Hügel hineingesetzt und Gras und Moos überwucherte den einst so feinen, weichen Grund. Um den kleinen Weiher, der sich etwa 20 Meter neben dem Haus befand und mit einem Zaun zum Schutz der kleinen Kinder umgeben war, hatten sich Bäume angesiedelt, deren Same wohl schon vor langer Zeit aus dem nahen Wäldchen angeflogen war.

Daniel Fisher hatte sich gut um die Felder, die rings um das Haus lagen, gekümmert, um die unmittelbare Hofstelle allerdings weniger. Das war überraschend und unüblich. Vielleicht lag es daran, dass ihm das Haus gehörte, nicht mehr seinen Eltern.

Markus kämpfte mit sich. Was sollte er hier? Am besten, er fuhr sofort wieder weg und schickte den Schlüssel per Post zurück an die Fishers. Doch plötzlich tauchte vor seinem inneren Auge seine Mutter an der Eingangstür auf. Sie verabschiedete seine vier kleineren Geschwister in die Schule, während er selber noch im Stall mit Melken beschäftigt war. Er war fast erwachsen und kein Schuljunge mehr. War in den Jahren seiner Orientierung – oder Rumschpringa – wie die Amisch es nannten. Sein Vater war froh, endlich eine vollständige Arbeitskraft zu haben, auch wenn seine Söhne ihm seit geraumer Zeit bereits kräftig halfen - vor allem in der langen Ferienzeit, die in Amischland mit der Erntezeit zusammenfiel. Drei seiner älteren Geschwister waren bereits verheiratet und mussten sich um ihren eigenen Hausstand kümmern.

Ein Zug pfiff und holte ihn aus seinen Gedanken. Endlich stieg er aus und ging langsam auf das Haus zu. Die Tür quietschte, als er sie öffnete, doch im Inneren war alles so, als wäre niemals jemand weg gewesen. Neben der Tür gab es einen kleinen Windfang, gerade groß genug, um die Jacken, Schuhe und Umhänge der großen Familie aufzunehmen. Nur einen Schritt weiter öffnete sich der große Raum, in dem die Familie sich zu den Mahlzeiten und in der spärlichen Freizeit aufhielt. Die Küchenmöbel standen an der einen Frontseite rechts von ihm, eine Kommode und ein Regal im rechten Winkel daneben. Dieser Bereich war durch einen angedeuteten Durchgang vom Wohnbereich optisch getrennt. Die Mitte des Wohnraumes war vollkommen eingenommen von einem großen, massiven Eichenholztisch, der von zehn Stühlen umstanden war. Weitere Stühle standen an der Wand und boten vielen Besuchern Platz, falls es notwendig sein sollte. Der große Holzherd wurde den ganzen Winter über geheizt, um das Zimmer zu erwärmen, im Sommer nur, wenn gekocht wurde. Schmunzelnd erinnerte sich Markus daran, dass dies eigentlich auch immer der Fall war, denn kaum endete das Brotbacken am Morgen, wurde Gemüse und Fleisch für das Mittag- oder Abendessen aufgesetzt. Dazwischen wurde eingekocht, Kuchen gebacken oder Tee gekocht. Er wischte gedankenverloren etwas von der dicken Staubschicht von der Kommode, als er an dem Möbel vorbei auf die rückwärtige Tür zuhielt, die von den früheren Bewohnern mehr frequentiert worden war als die Vordertür. Hier gab es die Möglichkeit, schmutzige Schuhe abzustellen und saubere anzuziehen, um den eben geschrubbten Wohnraum nicht wieder zu verschmutzen. Gleich daneben führte eine Tür in den Waschraum, wo eine pressluftbetriebene Waschmaschine stand, aber auch eine einfache Blechbadewanne und der holzbeheizte Badeofen, in dem das Badewasser erwärmt wurde. Markus schaute nur kurz hinein und schloss die Tür dann wieder. Im geräumigen Vorraum, in dem er sich befand, führte eine weitere Tür hinüber in das Großvaterhaus, einem kleinen Gebäudeflügel, der für die Eltern seines Vaters angebaut worden war. Inzwischen waren sie verstorben und der Anbau stand so leer wie das übrige Haus. Gegenüber dem hinteren Eingang schließlich konnte man über eine schmale Treppe hinauf in das Obergeschoss steigen. Dort befanden sich die Schlafräume der Familie, das größere Schlafzimmer der Eltern und die drei kleineren Schlafräume für ihn und seine Geschwister.

Er öffnete das...



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