Priese | Karow-Süd in den 1950er Jahren | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 108 Seiten

Priese Karow-Süd in den 1950er Jahren

- Geschichte einer Kindheit -
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-8741-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

- Geschichte einer Kindheit -

E-Book, Deutsch, 108 Seiten

ISBN: 978-3-7557-8741-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Buch beinhaltet die Kindheits- und Jugenderinnerungen des Numismatikers Klaus Priese hauptsächlich aus den 1950er Jahren. Aufgewachsen in den nördlichen Berliner Ortsteilen Karow, Blankenburg und Buch, beschreibt er die damaligen Menschen, Gegebenheiten und Erlebnisse aus Familie, Schule und Freizeit. Die ersten zarten Knospen seiner späteren Zeit als Berufsnumismatiker und Auktionator erscheinen in dieser Zeit und geben einen Anhalt, wie Kinder zum Sammeln und zur Numismatik kommen.!

Der Autor, Klaus Priese, Numismatiker, wohnt in Berlin, beschreibt seine Kindheit in den 1950er Jahren und seine ersten Schritte zur Numismatik.
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KAROW UND SEINE AKTEURE INSGESAMT


Karow-Süd habe ich beschrieben, so wie es sich mir in den 1950er Jahren darbot. Dieses Gebiet wurde erst in den 1920/30er Jahren auf Ackerland erschlossen und bebaut. Andere Teile von Karow waren älter, das Dorf bis ins Mittelalter zurückreichend, als der Niederbarnim systematisch durch die brandenburgischen Markgrafen mit Siedlern aus deutschen Altgebieten und der verbliebenen slawischen Restbevölkerung neu strukturiert wurde. Das Dorf Karow ist ein typisches Kolonisten-Straßendorf aus dieser Zeit. Im Dorf selbst gab es in den 1950er Jahren beidseitig meist große Bauerngehöfte. Die Karower Bauern waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den naheliegenden Absatzmarkt Berlin mit ihren Erzeugnissen zu Wohlstand gekommen. Das drückte sich sichtbar in den reich verzierten Fassaden ihrer Vorderhäuser und in den großen, aus roten hartgebrannten Ziegeln erbauten Scheunen und Ställen aus. Es war im Sommer ein schöner Anblick im satten Grün der Dorfkastanien und dem Gras auf der Dorfaue, die Gründerzeithäuser und im Hof die roten Ziegelgebäude mit ihren grüngestrichenen Toren zu sehen. Hinter den Wirtschaftsgebäuden zogen sich tiefe Bauerngärten bis an die Feldflur. Auf jedem Gehöft fand sich ziemlich in der Mitte ein großer Dunghaufen, der durch das ausgemistete Stroh aus den Tierställen einen gelbbraunen Mittelpunkt des Hofes markierte. Auf der Dorfaue und in den Gehöften, deren Tore weit offenstanden, standen die Ackerwagen und sonstige Großgeräte.

In der Mitte und Mittelpunkt des Dorfes befand sich die Kirche samt Friedhof, die Feuerwache und die Alte Schule, bewacht von der alten Kaisereiche. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, war eine alte Tankstelle, die nicht mehr in Betrieb war und dahinter ein Autoschrottplatz, gleichsam das 20. Jahrhundert zur Geltung bringend. An der Ecke Frundsbergstraße, schräg gegenüber der Kirche, war die Gaststätte „Dreimädelhaus”, aber auch sie nicht mehr in Betrieb. Die gegenüberliegende Ecke der Einmündung der Frundsberstraße war nur mit einem winzigen Häuschen bebaut, worin sich bis etwa 1952 ein Schreibwarenladen befand. Er war unser Lieferant für die begehrten Lackbilder. Wiederum gerade gegenüber auf der anderen Straßenseite befand sich weit hinten auf einem Grundstück eine Gärtnerei. Diese Gärtnerei gehörte einer Familie Schwiglewski, zunächst dem Vater Adolf (Die Abkürzung Ad. auf einer Plakette von 1897 löse ich als Adolf auf) sowie seinem Sohn Oscar. Sie betrieben dort vor und nach dem 1. Weltkrieg eine bedeutende Zucht von Dahlien und errangen national und international bis in die USA wichtige Preise. Anfang der 1950er Jahre kauften meine Eltern im Frühjahr in dieser Gärtnerei ihre Tomatenpflanzen, von Dahlien war nie die Rede. Erst durch meine spätere Tätigkeit als Numismatiker kam ich mit der Geschichte dieser Gärtnerei in Berührung.

Hinter der Alten Schule in Richtung Buch war nur noch der Altstoffhandel von Kerkow für mich ein Begriff, bedeutete er doch eine der wenigen Einnahmequellen, die sich einem Schüler erschlossen. Kerkow wachte mit strengen Augen darüber, dass ihm kein angeschlagenes Glas oder nasses Papier untergeschoben wurde. Dahinter, in Richtung Buch, war Karow-Dorf für mich weitgehend unbekanntes Terrain. In der dort gelegenen Stellmacherei auf der rechten Dorfseite war ich nie gewesen. Ebenso kann ich nichts über die Akteure hinter dem Dorf, in der Siedlung sagen. Auch dort existierte eine Holz- und Kohlenhandlung, ein Lebensmittelgeschäft und anderes mehr.

Anders der Dorfteil in Richtung Neue Schule an der Bahnhofstraße. Wo sich nach der Wende für lange Zeit ein Autohaus etablierte, befand sich das Lebensmittelgeschäft von Baltrusch, dass aber außerhalb meines Interesses lag. Wichtig war schräg gegenüber, gleich neben einer Schmiede/Schlosserei, der Frisörladen, der mit der Schmiede sozusagen eine Gebäudesymbiose eingegangen war. Dies war der Frisör, der für sehr wenig Geld, waren es 50 oder 60 Pfennige, meine Haare schnitt, meist zu kurz nach meinem Geschmack. Der Frisör, der für die Kinder zuständig zeichnete, war ein komischer Typ und recht ruppig. Er hatte einen hochgezogenen Kopf, der im Gesicht eingedrückt war und ihm das Aussehen eines Halbmondes verlieh. Von den Kindern konnte er natürlich kein Trinkgeld erwarten und deshalb musste es auch schnell gehen, die Haarschneidemaschine vollendete zügig ihr Werk. Aus heutiger Sicht hat er uns damals hochmoderne Kurzhaarfrisuren verpasst. Gott-sei-Dank war die eigene Eitelkeit noch wenig ausgeprägt. Damals allerdings sprachen wir von Russenhaarschnitten, eingedenk der üblichen Haarschnitte der sowjetischen Soldaten. Aber die Natur ist gnädig und Haare wachsen gerade im Kindesalter schnell nach.

Wieder auf die andere Straßenseite, zur Einmündung der Bahnhofstraße. Dort befand sich im Eckgebäude die Bäckerei Heerde, in der mein Vater bis 1953 arbeitete. Diese Tatsache verschaffte mir gelegentlich Zugang zur Backstube, die in einem Hofgebäude untergebracht war. Dort herrschte während der Arbeitszeit, selbst bei niedrigsten Außentemperaturen, immer Sommer. Dafür war die Arbeit schwer und die maschinelle Ausstattung gering. Den Laden im Vorderhaus betrieb Frau Heerde, die sich dazu auch noch um ihren kleinen Sohn Reinhardt, genannt Reini, kümmern musste. Noch vor der Bäckerei bot die Fleischerei Wenzel ihre Waren an.

Genau gegenüber der Bäckerei Heerde an der Einmündung der Straße 52 lag die Gaststätte, die wir heute als Alt-Karow kennen. Sie war die wichtigste in Karow und hatte im Laufe der Zeit verschiedene Betreiber. Die Gaststätte verfügte über einen großen Saal und anschließend daran über einen Biergarten mit großen alten Bäumen. Zu Pfingsten fanden dort die beliebten Pfingstkonzerte statt, wozu auch manche Pfingstpartie aus Berlin hinzukam. Im Saal wurde nach Kriegsende ein Kino eingerichtet, das bis etwa um 1950 existierte. Die Einrichtung war improvisiert, die Besucher saßen auf normalen ungepolsterten Stühlen, die irgendwie miteinander verschraubt waren. Ich habe dort mehrere Filme, wahrscheinlich sowjetische Kinderfilme, gesehen, habe daran aber keine Erinnerung mehr. Jedenfalls war es proppenvoll zu den Vorstellungen.

An der Gaststätte und gegenüber an der Bäckerei Heerde war das Dorf Karow zu Ende. Zur sich anschließenden Neuen Schule schreibe ich etwas im Kapitel Schulzeit. Gegenüber der Neuen Schule bildete die Blankenburger Chaussee, die in Höhe der Bahnhofstraße ihren Anfang nahm, mit der Straße 52 ein spitzes Dreieck. In diesem Dreieck stand ein kleines Häuschen aus Holz mit einem Schaufenster und einer Eingangstür zur Straßenfront. In diesem Häuschen wurden Tabakwaren und Zeitungen verkauft. Da sich genau vor dem Häuschen die Bushaltestelle Richtung Buch befand und schräg gegenüber die Einmündung der Bahnhofstraße lag, hatte das Häuschen in Karow sozusagen eine 1A-Lage. Zeitungen brauchte jeder und das Rauchen war damals noch sehr weit verbreitet. Interessant war und ich habe das mehrmals beobachtet, dass Zigaretten teilweise noch stückweise verkauft wurden. 3, 4, 5 Stück wurden auf Verlangen in eine kleine Papiertüte eingefüllt und dem Kunden übergeben. Der Groschen, also das 10 Pfennig-Stück, war ein Geldbetrag, mit dem man sparsam umging. Die Zigaretten der Marken Casino, Salem und weitere kosteten pro Stück ca. 10 Pfennig und eine ganze Schachtel mit 20 Stück Inhalt so um die 2 Mark. Das war schon ein merkbarer Betrag. Noch auf dem gleichen Grundstück, im dort stehenden großen Haus, lag ein kleiner Kellerladen, der Papier- und Schreibwaren, Kleinspielzeug und später auch Zeitungen anbot und von einer Frau Matthies betrieben wurde und nicht nur von den Schülern stark frequentiert war. Im sich anschließenden Garten befand sich um 1950 ein kleiner Pavillon, in dem im Sommer Eis angeboten wurde, der aber nur kurze Zeit zum Leidwesen aller Kinder existierte.

Auf der anderen Straßenseite, gleich hinter der Neuen Schule lag die Gärtnerei Guth. Spezialität dieser Gärtnerei waren Pantoffelblumen im Blumentopf, die man dort in den Wintermonaten erhielt. Ansonsten waren Schnittblumen im Winter Mangelware und im Frühjahr, Sommer und Herbst zogen die Leute in ihren Gärten selbst Blumen von der Narzisse bis zur Winteraster.

Ein paar Grundstücke weiter befand sich die Bäckerei Blaschke. Die hatte für uns eine ganze Zeitlang eine wichtige Bedeutung. Irgendwie, warum und weshalb weiß ich nicht mehr, kauften wir dort für wenige Pfennige Bäckerhefe und aßen die auf dem Nachhauseweg pur. Und uns schmeckte das Zeug auch noch. Diese merkwürdige Angewohnheit erstreckte sich über 1, 2 Jahre, dann hatte die Hefe als Heimwegvergnügen ihre Rolle ausgespielt.

Noch ein Stückchen weiter auf der Blankenburger Chaussee, aber auf er anderen Straßenseite, lagen die Reste einer Tankstelle, die aber wegen der Kriegszeit niemals vollendet wurde. Man sah nur noch die beiden Auffahrten von der Chaussee und die Betonbasis für die...



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