Prins | Vom Glück | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 161 Seiten

Prins Vom Glück

Wege aus psychischen Krisen
2. Auflage 2004
ISBN: 978-3-88414-347-6
Verlag: Psychiatrie-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Wege aus psychischen Krisen

E-Book, Deutsch, 161 Seiten

ISBN: 978-3-88414-347-6
Verlag: Psychiatrie-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Der Traum Vom Glück - ihn träumen Menschen in psychischen Krisensituationen wohl auf besondere Weise, die einen mit starkem, die anderen vielleicht ganz ohne Glauben an die Erfüllung ihres persönlichen Traums. Sie suchen zuerst einmal nach einen Weg, weitere Klinikaufenthalt zu vermeiden. Authentisch und jeweils ganz persönlich lassen uns die Autorinnen und Autoren an ihrer Geschichte teilhaben und geben uns Einblick in die Entwicklung heraus aus der Krise hin zu etwas, das sie vielleicht Glück nennen würden.
Dabei bietet niemand Patentrezepte oder Allheilmittel an oder versucht, uns von diesem oder jenem Weg zu überzeugen: Der eine sucht nach Struktur in seinem Leben, treibt Sport oder findet Halt bei einer festen Arbeitsstelle, die andere nimmt Medikamente, macht eine Psychotherapie, wird Künstlerin oder engagiert sich in der Selbsthilfe. Fast immer lesen wir von stützenden sozialen und familiären Strukturen, manchmal auch von religiösen Erfahrungen. Jede Geschichte ist eine Welt für sich und schildert doch nur einen der vielen Wege aus der Krise - wo aus unglücklichen Umständen glückliche geworden sind. (Trudi N.)

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhalt;6
2;VORWORT;8
3;Auftakt;13
3.1;Arnhild Köpcke;13
3.1.1;Therapieführer;13
4;Ordnen und sortieren – neue Strukturen finden;17
4.1;Stefan Scharfenberg;17
4.1.1;Zeitenwende – über den neuen Umgang mit Zeit;17
4.2;Bernhard K.;24
4.2.1;Hilfe annehmen können;24
4.3;Thekla Oldenettel;29
4.3.1;Immer im Gespräch bleiben;29
4.4;Dörte Lohse;31
4.4.1;Viele kleine Schritte;31
4.5;Michael Holzer;34
4.5.1;Couragiert zu sich selbst stehen;34
5;Ist Arbeit die beste Medizin?;40
5.1;Jürgen Blume;40
5.1.1;Zukunft war mit Arbeit verknüpft;40
5.2;Markus Broscheid;44
5.2.1;Endlich wieder ›echte‹ Arbeit;44
5.3;Dieter Knostmann;48
5.3.1;Die Balance finden lernen;48
6;Selbstverständlich: Selbsthilfe!;54
6.1;Margret Osterfeld;54
6.1.1;Aktiv mit Erfahrungen umgehen;54
6.2;Rainer Höflacher;61
6.2.1;Dafür kämpfe ich;61
7;Heilung durch Sprache? Psychotherapie;70
7.1;Rosa P.;70
7.1.1;Therapeutischer Sprachzauber;70
7.2;Christiane T.;72
7.2.1;Therapie, Therapie – verlass mich nie?;72
7.3;Susanne Sommer;81
7.3.1;Verantwortung übernehmen;81
8;Wieder in Bewegung kommen – Sportliches;87
8.1;Ludwig Freil;87
8.1.1;Meine Enthospitalisierung mittels Sport;87
8.2;Wolfgang Johann Lechner;94
8.2.1;Geh und schwimm dich frei;94
9;Nicht alles schlucken – Medikamente und Alternativen;96
9.1;Trudi N.;96
9.1.1;Meine Wohnung ist meine Bedarfsmedikation;96
9.2;Therese Winter;104
9.2.1;Manchmal kann auch ein Medikament helfen;104
9.3;Zoé Blanka;107
9.3.1;Psychosenbehandlung mit klassischer Homöopathie;107
10;Die Kunst im Leben – Kreativität;111
10.1;Heike Neuber-Hughan;111
10.1.1;Schreiben als Krücke;111
10.2;Margrit Fillies;116
10.2.1;Was mir gut tut;116
10.3;Armin A. Pangerl;122
10.3.1;Auf dem Weg zu mir;122
11;Mehr als die Schulweisheit – Spiritualität und Religion;127
11.1;Fee Siamro;127
11.1.1;Immer wieder den frischen Augenblick erleben;127
11.2;Klaus Altholz;131
11.2.1;Versöhnung nicht nur mit Gott;131
11.3;Helmut Scharf;138
11.3.1;Krise als Chance;138
12;Schlussakkord;143
12.1;Brigitte Siebrasse;143
12.1.1;Die Souveränität des Scheiterns;143
13;NACHWORT Dorothea Buck;150
14;Autorinnen und Autoren;153


Wieder in Bewegung kommen – Sportliches (S. 86-87)

Meine Enthospitalisierung mittels Sport

Ludwig Freil

Bewegung kann oft an die Stelle der Arzneyen
gesetzt werden; alle möglichen Arzneyen
hingegen können nie an die Stelle der Bewegung treten.
Nach Tissot

Fast drei Jahre war ich stationärer Dauerpatient, davon anderthalb Jahre in einer geschlossenen Station, wobei ich sehr wohl weiß, dass klinische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Begriff »Beschützende Station« benutzen oder hören wollen – wer aber wird vor wem »beschützt«?

Aus meinem Entlassungsbrief: »Seit Juni vermittelt ein Sporttherapeut Herrn Freil durch Bewegungsübungen nach dem Holländer Laban Bewegungsmuster, die ihm helfen, seiner starren roboterhaften Gangart gegenzusteuern ... Im Rahmen dieses intensiven Therapieprogramms kam es trotz aktueller Probleme – Ehescheidung, Hausverkauf und Haushaltsauflösung – zu einer zwar langsam voranschreitenden, aber kontinuierlich zu beobachtenden Verbesserung der gesamten psychischen Situation des Patienten.«

Es ist herrlich zu wissen, dass irgendwann irgendjemand in irgendeiner deutschen psychiatrischen ›Fach‹klinik nach meinen Hobbys von früher gefragt hat, dadurch meine ehemalige Vorliebe für Hobbysport aufkeimen ließ, und nicht nur das! Die junge Assistenzärztin hörte sogar zu, und noch mehr: Sie erkannte wohl mein aufblühendes Innenleben und zog therapeutische Konsequenzen daraus, die nicht so banal lauteten wie: »Versuchen wir es mal mit Psychopharmaka X statt Y«.

Hier ging wirklich jemand auf mich ein, ich erhielt zusätzlich Sporttherapie, ich durfte wieder hoffen. Es stimmt mich traurig, zu erfahren, dass solch ein Glücksumstand erst nach über zweieinhalb Jahren eintraf, nachdem meine Seele und mein Körper gebrochener denn je waren und mein Geist sich irgendwie unter dem hohen Psychopharmakaeinsatz zu orientieren versuchte. Ich bin heute noch gerührt, wenn ich daran denke, wie ich – noch höchst zugepumpt mit Psychopharmaka – nach ca. sechs Wochen Aufbautraining im Hochsommer unter der positiven Anfeuerung und Kontrolle meines Sporttherapeuten erstmals wieder zehn Minuten ohne Pause joggen konnte.

Der Chefarzt wollte mich dann nach »erfolgreicher Hospitalisierung « aus Kostengründen direkt ins Pflegeheim abschieben, weil meine Krankenkasse bereits ein Jahr zuvor die Zahlungen eingestellt hatte und das örtliche Sozialamt die Klinikkosten nicht mehr länger zahlen wollte. Glücklicherweise konnte ich aber wieder in meinem Elternhaus ›notlanden‹. Bei meiner Entlassung ins häusliche Milieu hatte ich endgültig die Bedeutung von Sport als Therapie für mein Leben erkannt. Im Durchschnitt quälte ich mich zweimal pro Woche joggend durch meinen Heimatwald. Anfangs war mein Joggen eher ein Stolpern, unterbrochen durch zahlreiche Pausen, in denen ich Gymnastikübungen versuchte oder einfach nur die Natur genoss.



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