Prolibris Verlag / Lange | Glühwein, Schnee und Harzer Knüppel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 263 Seiten

Prolibris Verlag / Lange Glühwein, Schnee und Harzer Knüppel

Kriminelle Weihnachtsgeschichten aus dem Harz
Originalausgabe 2016
ISBN: 978-3-95475-143-3
Verlag: Prolibris
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminelle Weihnachtsgeschichten aus dem Harz

E-Book, Deutsch, 263 Seiten

ISBN: 978-3-95475-143-3
Verlag: Prolibris
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Dreizehn spannende, kuriose, witzige und besinnliche Weihnachtskrimis von Christian Amling, Hardy Crueger, Wolf S. Dietrich, Helmut Exner, Rüdiger Glässer, Albrecht Gralle, Andrea Illgen, Corina Klengel, Roland Lange, Sabine Prilop, Mick Schulz, Astrid Seehaus.

Herausgeber: Roland Lange, geboren 1954, hat ab 1990 neben seinem Hauptberuf als Vermessungsingenieur mehrere Bücher in unterschiedlichen Genres veröffentlicht. Seit 2014 arbeitet er als Vollzeit-Schriftsteller. In den letzten Jahren schrieb er hauptsächlich Regionalkrimis. Mittlerweile sind sechs Harz Krimis von Roland Lange im Prolibris Verlag erschienen. Mehr Informationen gibt es hier: www.roland-lange-autor.de
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Astrid Seehaus - Und morgen kommt der Weihnachtsmann - Braunlage

Es war ein Fehler, dass er hier war. Er wusste es in dem Moment, als der Lieferwagen von der 242 herunterkam und in den Kegelbahnweg einbog, um hier Pause zu machen, eigentlich alles wie immer. Aber der Wagen hatte das falsche Kennzeichen und der Mann, der ihn fuhr, war nicht Eddi.

Benni und seine Tipps. Wieso hatte er sich überhaupt darauf eingelassen, sich mit Benni zu treffen? Ihm hatte er doch die drei Jahre im Bau zu verdanken. Ihm und seinen sicheren Tipps. Hach! Dass er nicht lachte. Bennis Tipps waren einen Dreck wert.

Klaas hockte in den tropfnassen Blaubeersträuchern hinter einer Tanne und hoffte, dass nicht gerade jetzt eine alte Dame auf die irrsinnige Idee gekommen war, bei dem lausigen Wetter mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Er musste wie ein Exhibitionist wirken, der auf seinen Auftritt wartete. Und zu Hause saß Gabi mit dem Essen.

Es zog wie Hechtsuppe. Er fror, besonders am Kopf, wo sich sein rötlich-blondes Haar lichtete. Die Sturmhaube hatte er vergessen. Und die Ronald Reagan-Maske schloss nicht dicht genug um seine Ohren und würde ihn verdächtig erscheinen lassen. Was für ein lächerlicher Gedanke! Alles an ihm war momentan verdächtig, bis hin zu den neongrünen Turnschuhen, die eventuellen Zeugen sofort ins Auge fallen würden.

Klaas sah sich um, noch schienen er und der Fahrer des Lieferwagens allein auf dem Parkplatz. Der Fahrer machte wie Eddi seine Mittagspause an diesem ruhigen Plätzchen, nachdem er die Lieferungen in Sankt Andreasberg erledigt hatte. Da es nur noch zwei Tage bis Weihnachten und die Liefermengen auf dem Höhepunkt waren, fand Klaas es aber unbegreiflich, dass sich der Fahrer diese Auszeit nahm. Klaas wusste von Eddi, der für diese Lieferfirma arbeitete, dass es vor den Feiertagen überhaupt keine Pause gab, deshalb war es ja so schwierig, die Lieferwagen zu überfallen. Und dabei waren die lukrativsten Raubzüge die vor Weihnachten. Bis auf den vor vier Jahren. Seit elf Monaten erst war er raus aus dem Knast. Benni hatte von einem heißen Tipp geschwafelt. Als Mittelsmann gehörte er zu einer Bande, die Fernseher in den Osten verschob. LED-Bildschirme waren damals der Renner, und Benni hatte gemeint, wenn er, Klaas, mitmachen würde, müsste er für ein Jahr nicht arbeiten und darüber hinaus könnte er seiner Gabi endlich den fetten Verlobungsring kaufen.

Stattdessen war seine Libido im Knast verschrumpelt, und Gabi hatte ihn drei Jahre später ziemlich schlecht gelaunt am Gefängnistor abgeholt. Na ja, ziemlich war recht untertrieben, Klaas wäre am liebsten umgekehrt und hätte beim Vollzugsbeamten um Verlängerung seiner Knastzeit gebeten. Aber nun hatte sie sich beruhigt, war wieder das liebende Frauchen, das er wollte. Ja, er gab es zu. Er brauchte sie. Seit der ersten Klasse, wo er schon den Blick nicht von ihr hatte wenden können, hatte er das Gefühl gehabt, sie wären ein einzig schlagendes Herz.

Natürlich hatte Benni ihn auch dieses Mal zu einem Pokerspiel überreden können. Und dabei war es um Geld gegangen, um was sonst, aber Klaas konnte nun mal nicht gut pokern. Er sollte einfach die Finger davon lassen. Statt des Verlobungsrings hatte er Schulden bei Benni, tausend Kröten. Eine Verlobung unter dem Weihnachtsbaum würde wieder nicht stattfinden. Oder vielleicht doch. Mann, wie würde sie ihn anhimmeln, wenn dieses Ding klappen würde. Mit dem Anhimmeln hatte sie es in letzter Zeit nicht mehr so gehabt. Vielleicht spielten die Jahre eine Rolle, sie waren nun beide über dreißig, und da war die erste heiße Liebe ein wenig abgenutzt, deswegen hatte er ja auch handeln müssen. Sollte die Polizei ihn erwischen, würde Gabi das einfach verstehen müssen.

Der Fahrer hatte es sich nach seiner Stulle bequem gemacht und die Augen geschlossen. Er war jung, das konnte Klaas von seinem Standort aus sehen. Jung und unerfahren, vermutete er, vielleicht ein Aushilfsfahrer, ein Student, der in Clausthal-Zellerfeld zur Uni ging. Davon gab es einige, die sich was dazu verdienten. Das würde ein Klacks werden, dachte Klaas, zog seine Ronald Reagan-Maske über den Schädel und umklammerte die Waffe.

Er schlich sich von der Seite an den Lieferwagen heran, so dass der junge Mann, falls er doch plötzlich die Augen aufschlüge, ihn nicht bemerken würde, und gelangte unentdeckt an die Fahrertür. Er riss die Tür auf.

»Überfall«, schrie er dumpf durch die Maske, die ihn wegen des starken Gummigeruchs zum Husten reizte, und fuchtelte mit der Waffe vor dem Gesicht des jungen Fahrers herum.

Der Junge stierte ihn mit großen Augen an.

»Komm schon! Raus mit dir! Siehst du nicht, dass ich eine Knarre habe?«, krächzte Klaas, steckte dieselbe in die rückseitige Hosentasche und zog mit beiden Händen den Jungen vom Sitz, so dass dieser aus dem Wagen kullerte und zu Boden stürzte.

»Mach keine Mätzchen, das ist nicht mein erster Überfall. Ich kenne mich aus«, tönte Klaas, wobei ihm die Regel, nicht zu viel zu quatschen, in den Sinn kam. Er hatte doch zu lange gesessen. Es schien, er müsse wieder alles von Neuem lernen.

»Also, Kleiner, werd nicht übermütig! Ich will nicht dein Leben, sondern nur das Zeug in deinem Wagen.«

»Äh … was?«, stieß der Fahrer aus.

»Komm schon! Ich brauche die Schlüssel, oder du öffnest selbst.«

»Ja, sicher, ich … aber Sie werden mir nicht wehtun.«

»Habe ich nicht vor, muss dich nur fesseln.«

»Natürlich«, ächzte der Junge und streckte beide Arme vor.

»Doch nicht jetzt, du Depp! Erst einmal sollst du die Tür hinten aufschließen.«

Der blonde Schlacks blinzelte ihn an und fragte: »Wäre es nicht besser, Sie würden gleich den ganzen Wagen mopsen?«

Mopsen? Klaas stutzte. Was war denn das für ein Vokabular. (Den Begriff Vokabular kannte er von Gabi. Sie war Deutschlehrerin, leider nur mit halber Stelle, und unermüdlich in ihrem Bestreben, ihm wenigstens ein bisschen Bildung beizubringen.) Oder sollte das hier wieder eine Finte sein, und Benni hatte ihn erneut reingelegt, um sich bei der Polizei lieb Kind zu machen? Doch für einen Lockvogel wirkte der Junge zu einfältig.

»Lass deine Ideen stecken. Ich will nur das, was du da hinten auf der Ladefläche hast. Du machst auf, ich mache den Rest.«

»In der Zwischenzeit müssen Sie mich aber fesseln, sonst könnte ich ja abhauen und die Polente rufen.«

»Seit wann sagt man Polente? Du meinst die Bullen.«

Der junge Mann nickte eifrig. »Jaja, klar, die Bullen.«

Mann, dieser Junge hatte von nichts eine Ahnung. Schien wirklich ein Student zu sein. Und man wusste ja, so richtig lebenstüchtig waren die nicht.

»Halt einfach den Mund. Du redest zu viel.«

»Entschuldigung, aber das ist mein erster Überfall und ich dachte ...«

»Klappe!«, zischte Klaas, und versuchte, dem anderen seine Nervosität nicht zu zeigen.

Er hatte schon zu viel Zeit verloren. Mit Eddi war das immer eine reibungslose Sache gewesen. Eddi hielt an dem vereinbarten Punkt an, nahm den Kasten Bockbier und besoff sich bis zur Besinnungslosigkeit. Später behauptete er, man habe ihn dazu genötigt. Und so betrunken, wie er war, war er als Zeuge für die Ermittler unbrauchbar. Nachdem Klaas und Eddi dieses Spielchen mehrmals erfolgreich durchgezogen hatten, hatte Benni gemeint, zu oft dieselbe Masche würde Nachahmer verleiten, in seinem Revier zu wildern. Klaas war es recht, er hätte sofort mit den Überfällen aufhören können, aber Benni hatte seine Meinung geändert. Bei einem Pokerspiel hatte er Klaas (verbunden mit ein wenig Gehirnwäsche seitens seiner Schläger) überzeugt, dass es ein weiteres Mal geben sollte, und genau dieses eine Mal war Klaas dann zum Verhängnis geworden. Weil Benni ihn verraten hatte. Klaas hatte drei Jahre Urlaub auf Staatskosten bekommen, Benni war die Spürhunde der Polizei erst einmal losgeworden und hielt derweil Siesta in seiner Luxushütte an der Adria. Klasse!

Wie Klaas das stank, so reingelegt worden zu sein. Er hätte sich nicht wieder auf Benni einlassen sollen.

»Natürlich nicht«, murmelte er, als er den Jungen zur Seite dirigierte und ihn aufforderte, die Tür zu öffnen.

Mit zittrigen Händen schob der Fahrer die Seitentür auf.

»Die war gar nicht abgeschlossen?«, fragte Klaas erstaunt.

Der andere zuckte die Achseln. »Nö, warum auch?«

Klaas runzelte die Stirn. Er sah hinein und leckte sich über die Lippen. Oha, da hatte er ja heute eine echte Glückssträhne. Die Pakete, die wie für ihn ausgebreitet dalagen, sahen gut und teuer aus. Sie rochen regelrecht nach Geld.

»Sehr schön«, meinte Klaas und unterdrückte einen erleichterten Seufzer.

»Und was nun?«, fragte der junge Fahrer.

»Wie viel verträgst du?« Klaas ließ den Blick noch einmal über die Schätze gleiten.

»Ich dachte, Sie wollten mich nicht verprügeln.« Entsetzt hob der junge Mann die Hände.

»Quatsch nicht! Wie viel Bier verträgst du?«

»Was?«

»Du bist vielleicht schwer von Begriff.« Klaas...


Herausgeber: Roland Lange, geboren 1954, hat ab 1990 neben seinem Hauptberuf als Vermessungsingenieur mehrere Bücher in unterschiedlichen Genres veröffentlicht. Seit 2014 arbeitet er als Vollzeit-Schriftsteller. In den letzten Jahren schrieb er hauptsächlich Regionalkrimis. Mittlerweile sind sechs Harz Krimis von Roland Lange im Prolibris Verlag erschienen. Mehr Informationen gibt es hier: www.roland-lange-autor.de



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