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E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Prünte Brücken bauen

Das Geheimnis von Nähe und Distanz in der Partnerschaft
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7495-0432-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Das Geheimnis von Nähe und Distanz in der Partnerschaft

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-7495-0432-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die richtige Balance von Nähe und Distanz Sehnen Sie sich nach mehr Nähe und Zweisamkeit? Oder ist es Ihnen im Gegenteil zu eng in Ihrer Beziehung und Sie hätten gern mehr Freiraum? Wie bedeutsam das Bedürfnis nach menschlicher Nähe und Distanz ist, hat der Lockdown während der Corona-Pandemie gezeigt. Einem Menschen nah sein zu wollen und es nicht zu dürfen, ist schmerzhaft. Der Wunsch nach Distanz meldete sich bei all denen, die auf beengtem Raum mehr Zeit miteinander verbringen mussten, als sie es gewohnt waren. Die richtige Balance von Nähe und Distanz zu finden ist auch - nicht nur in Krisenzeiten - in jeder Partnerschaft eine Herausforderung. Dieses Buch ... - führt die Gründe auf, die die Umsetzung einer guten Balance erschweren, - gibt Anregungen, um die eigene Beziehung und die Beziehung zu sich selbst zu beleuchten und zu verbessern, - stellt Beispielpaare vor, deren Geschichten dabei helfen, bewusster mit Problemen von Nähe und Distanz umzugehen. Reflexionsfragen und Anregungen für einen Austausch mit dem/der Partner:in unterstützen dabei, passende Lösungen zu finden.

Thomas Prünte ist Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. Die gute Distanz


1.1 Nähe und Distanz – Ihre Bestandsaufnahme


Distanz aus der Nähe betrachtet

Ich möchte Ihnen zu Beginn dieses Buchs eine einfache Übung zur Orientierung vorschlagen. Sie hilft Ihnen dabei, ohne Worte eine Bestandsaufnahme des Nähe-Erlebens in Ihrer Beziehung vorzunehmen. So bekommen Sie ein besseres Gespür dafür, welche Aspekte für Sie besonders relevant sein könnten.

Nutzen Sie die Vorlage. Zeichnen Sie darin zwei Kreise. Ein Kreis symbolisiert den Partner, der andere Sie selbst. Bringen Sie durch den Abstand zwischen diesen Kreisen zum Ausdruck, wie nah oder fern Sie sich im Moment Ihrem Partner fühlen. Dann zeichnen Sie in das nächste Feld, wie Sie es gern hätten.

Wenn Sie Kinder haben, platzieren Sie diese ebenfalls in das Feld und verdeutlichen Sie, wie nah oder fern Sie Ihre Kinder zu sich selbst und Ihrem Partner erleben. Im nächsten Feld gestalten Sie dann Ihre Wunschvorstellung.

Bevor Sie loslegen, werfen wir einen Blick auf die Zeichnungen von Evelyn, Christiane und Johannes (Abb. 1.1–1.6).

Ein Kreis für dich und ein Kreis für mich

So nah / distanziert empfinde ich uns im Moment

Abbildung 1.1: Evelyn: Jeder ist im Moment für sich. Wir sind zwei eigenständige Persönlichkeiten, das gefällt mir. Da ist viel Raum zwischen uns. Das ist einerseits ganz angenehm, weil ich viel Freiraum habe, andererseits fehlen mir Nähe und warmer Kontakt.

So wünsche ich es mir

Abbildung 1.2: Evelyn: Ich wünsche mir, dass wir uns näher kommen. Wir müssen nicht unbedingt verschmelzen, denn Abgrenzung ist mir wichtig. Deswegen überschneiden sich die Kreise nicht.

So ist es mit den Kindern und uns

Abbildung 1.3: Christiane: Meine Tochter ist nah bei mir. Unser Sohn sucht eher die Nähe seines Vaters, wobei da durchaus etwas Distanziertheit zu spüren ist. Manchmal denke ich, wir könnten als Paar mehr Zeit für uns haben und uns näherstehen.

So wünsche ich es mir mit uns und den Kindern

Abbildung 1.4: Christiane: In meiner Wunschvorstellung rücken mein Mann und ich näher zusammen. Obwohl ich es in der Zeichnung nicht gut ausdrücken konnte, stelle ich mir vor, dass auch er mehr Kontakt zu unserer Tochter aufbaut und mein Sohn mir etwas näher kommt.
Ganz praktisch gedacht fände ich es schön, wenn mein Mann und ich Hand in Hand spazieren gehen, das haben wir in der letzten Zeit kaum noch gemacht. Die Kinder könnten abwechselnd mal an meiner und an seiner Hand gehen.

So nah / distanziert empfinde ich uns im Moment

Abbildung 1.5: Johannes: Mir ist es zu nah geworden. Wir machen im Moment viel zu viel zusammen. Manchmal bin ich deswegen gereizt und breche einen Streit vom Zaun. Natürlich ist die Nähe vertraut und schön, aber sie kann bei mir Stress erzeugen.

So wünsche ich es mir

Abbildung 1.6: Johannes: Ich wünsche mir mehr Freiraum. Ich brauche Abstand und Luft zum Atmen. Ich möchte mehr Zeit mit Freunden oder mit mir allein verbringen. Ich denke, dann bin ich ausgeglichener und kann mich über die Nähe wieder freuen.

Bestandsaufnahme Nähe und Distanz

Jetzt sind Sie an der Reihe: Am besten ist es, wenn Sie gar nicht lange nachdenken, sondern spontan Ihre Kreise in die Felder einzeichnen. Nutzen Sie dazu einen Bleistift. Sie können dann gegebenenfalls einen Radiergummi benutzen und Korrekturen vornehmen, falls Ihnen der erste Entwurf noch nicht stimmig erscheint.

So nah / distanziert empfinde ich uns im Moment

So wünsche ich es mir

So ist es mit den Kindern und uns

So wünsche ich es mir mit den Kindern und uns

Um sich und dem Partner nah sein zu können, ist es ratsam, zu sich selbst ehrlich zu sein. Diese radikale Akzeptanz der eigenen Gefühle, und seien sie noch so unangenehm, wirkt befreiend. Indem man anerkennt, was man wirklich fühlt und braucht, bildet sich eine innere Grundlage für das Gespräch mit dem Partner.

Wo die Angst ist, geht’s lang!

Von Adelbert von Chamisso stammt das folgende Bonmot: Liebe ist kein Solo. Liebe ist ein Duett. Nähe-Distanz-Probleme lösen sich selten von alleine auf. Es bedarf der Kommunikation und Anteilnahme beider Partner. Und einer kleinen Portion Mut, sich seinen Wünschen und Befürchtungen zu stellen und diese in den Kontakt zum Partner einzubringen:

  1. Distanz entsteht durch zurückgehaltene Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche. Der Partner spürt das und ist irritiert, verunsichert oder genervt.

    Hat sich zu viel Distanz eingeschlichen, lautet die Devise: Nicht angreifen, schreien oder sich zurückziehen, sondern hingehen und aussprechen, was einen stört und was man sich wünscht. Bedenken Sie:

    Man muss schon ziemlich lange mit offenem Mund dastehen, bis einem eine gebratene Taube in den Mund fliegt!

  2. Distanz entsteht dadurch, dass man Überforderung, emotionalen Nähe-Stress und Rückzugswünsche nicht ernst nimmt. Der Partner ist verletzt und verunsichert.

    Gibt es zu viel Nähe, lautet die Devise: Nicht weglaufen, angreifen oder sich wortlos zurückziehen, sondern bleiben und Befürchtungen und eigene Distanzbedürfnisse aussprechen.

    Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte. Die Zeichnungen Ihrer Bestandsaufnahme können Sie nutzen, um zu verdeutlichen, was Sie erleben und empfinden. Bedenken Sie, dass sich Ihre Vorlieben im Laufe des Lebens oder Ihrer Beziehung durchaus ändern können.

 Reflexion

  1. Kann ich einen bedeutsamen Unterschied zwischen meiner Wunschvorstellung und der Realität erkennen?
  2. Ist meine Beziehung (noch) spannend und lebendig oder ist Langeweile und (zu viel) Routine eingekehrt?
  3. Welche Rolle spielen die Kinder?
  4. Gibt es ausreichend Verbundenheit und Wir-Gefühl oder zu wenig?
  5. Was kann ich tun oder lassen, um meinen Wünschen näher zu kommen? Jeder Millimeter zählt!

Wenn wir gut für unsere Beziehung sorgen, sorgen wir gut für unsere (inneren) Kinder.

1.2 Warum Distanz für eine gute Beziehung wichtig ist


Lagom – nicht zu wenig, nicht zu viel, genau richtig!

Sich innerhalb einer Beziehung distanzieren zu können ist eine wichtige Fähigkeit. Eingebettet in einen guten Kontakt kann Distanz eine positive Spannung aufbauen und die Individualität der Partner stützen und schützen. Sie hat eine wichtige Funktion für den Erhalt einer Beziehung, weil sie ungünstigen Abhängigkeiten vorbeugt und die Eigenständigkeit der Partner sichert. Gute Grenzen sind eine Voraussetzung für befriedigend erlebte Nähe. Im Alltag einer Beziehung werden ihre zahlreichen Facetten sichtbar. Das Thema „Distanz“ wird Ihnen bei allen Paaren, die ich vorstelle, auf die ein oder andere Weise begegnen. Werfen wir zuerst einen grundsätzlichen Blick auf ihre Bedeutung.

Für die menschliche Entwicklung hin zu einem eigenständigen Wesen bedarf es der Distanzierung von den Menschen, die uns in der Kindheit Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge entgegengebracht haben. Dies können Mutter, Vater und andere wichtige Bezugspersonen sein. In der Abgrenzung zu ihnen entwickeln wir unsere Persönlichkeit und werden zu einem Individuum. Das Wort individuum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Unteilbares, Einzelding“. Wir sind keine Klone unserer Eltern, sondern eigenständige Wesen, ein Ganzes. Es gibt durchaus Gemeinsamkeiten, aber wir unterscheiden uns von ihnen und sind einzigartig.

Der Duden klärt über die Herkunft des Wortes Distanz auf. Es kommt aus dem lateinischen distare und bedeutet „auseinanderstehen, entfernt sein“. Es ist die Distanzierung, die uns zu dem werden lässt, der wir sind. Wir grenzen uns ab und sagen Nein! Wir entwickeln eigene Standpunkte. In der Trotzphase der Kindheit und genauso heftig in der Pubertät. Man könnte diese Abgrenzung ein Identitäts-Nein nennen. Indem wir Nein sagen, sagen wir Ja zu uns selbst. Dieses „Nein, ich will nicht, ich bin anders!“ formt unsere Individualität und lässt uns besonders sein.

Betrachten wir näher, was die Distanz in einer Beziehung so wertvoll macht. Hören wir, was Paare dazu sagen und warum für sie Distanz in einer Beziehung von Bedeutung ist.

Autonomie und Selbstbestimmung entwickeln

Wir verfügen über die Fähigkeit, uns zu distanzieren, und benötigen sie, um zu uns selbst zu finden. Sie führt heraus aus der großen Abhängigkeit der Kindheit und fördert den Aufbau von Autonomie und Selbstwerdung. In diesem Prozess werden eigene Talente ausgebaut, Fähigkeiten erworben und angewendet. Wer diese Entwicklung nicht durchläuft, bekommt zu hören, er hänge wohl noch am Rockzipfel der Mutter. Dafür kann es gute Gründe geben, doch erst wer diesen loslässt, eignet sich die Welt an und lernt, die Beziehung zu sich selbst zu vertiefen.

Sara: Ich will nicht nur Zeit mit Tim verbringen. Er ist mir wichtig, aber ich brauche ein Leben außerhalb unserer Beziehung.

Tim: Ich bin da wohl etwas anhänglicher. Ich bin gerne mit dir...


Prünte, Thomas
Thomas Prünte, Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.

Thomas Prünte ist Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.



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