Prünte | Du bist mein Heimathafen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Prünte Du bist mein Heimathafen

Kurs halten für Paare
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7495-0263-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kurs halten für Paare

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-7495-0263-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Buch aus der Praxis für die Praxis - und den Beziehungsalltag! Eine Beziehung ist wie ein Garten. Sie bedarf der Pflege, damit etwas wachsen kann. Und in eine Beziehungskiste muss man etwas Gutes hineintun, wenn man etwas Gutes entnehmen möchte. Nur so kann eine Partnerschaft auf Dauer gedeihen und die Beziehung zum sicheren Hafen werden, der Schutz und Geborgenheit bietet. Das Buch bietet zahlreiche Anregungen und ermutigende Leitsätze, die Sie bei der Suche nach mehr Zufriedenheit in Ihrer Beziehung unterstützen. Sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten, sich als Paar in kritischen Phasen zu regulieren. Die Fähigkeit, unterschiedliche emotionale Strömungen auszubalancieren, hilft, das innere Gleichgewicht zu halten. Eine Partnerschaft besteht im permanenten Moderieren von Irritationen, heißt es, und um dieses Moderieren, Abgleichen und Regulieren geht es in diesem Buch - vor allem im Hinblick auf fünf Bereiche: - Nähe und Distanz regulieren - Störende Eigenschaften und Verhaltensweisen managen - Beziehungsvorstellungen abgleichen - Gefühle ordnen und konstruktiv kanalisieren - Intimität und Sexualität ausbalancieren Füreinander ein sicherer Hafen zu sein, erfordert gegenseitiges Bemühen. Das Buch möchte Sie bei dieser lohnenden Aufgabe unterstützen und Ihnen ein Wegbegleiter sein. Sie schaffen das!

Thomas Prünte, Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. Nähe und Distanz ausbalancieren


Du klammerst immer so! – Und du bist immer so weit weg!

Die Abstimmung des Wunsches nach Nähe ist eine Aufgabe, die fast täglich erforderlich ist. Der Nähe-Wunsch des einen kann auf den Distanzwunsch des anderen treffen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich jedes Paar. Das Verlangen nach Nähe bleibt beim Menschen lebenslang bestehen. Es gehört neben dem Wunsch nach Eigenständigkeit und Autonomie zu den Grundbedürfnissen. Für das Bedürfnis nach Rückzug gibt es genauso gute Gründe wie für die Suche nach Nähe.

In der Begleitung von Paaren habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Nähe-Bedürfnis eine höhere Wertigkeit besitzt. Der Wunsch nach Distanz gilt tendenziell als bedenklich und beziehungsgefährdend. Dabei wird übersehen, wie wichtig der Zwischenraum für eine Beziehung ist. Sich loslassen zu können, um sich wieder zu begegnen, eröffnet Spielraum für tiefere Gefühle.

1.1 Ich möchte dich vermissen können!


Wir hängen zu sehr aneinander. Ich wünschte, du wärst manchmal weiter weg, damit ich dich vermissen kann! Wenn du immer da bist, wird es so selbstverständlich und gewöhnlich. Mir fehlt die Spannung. Ja, ich möchte dich vermissen können!!

Das sind die Worte von Sabine, die ihren Mann sehr anhänglich erlebt.

Das ist einerseits schön und vertraut, doch manchmal erstickt es unsere Lebendigkeit.

Durch ihre Worte wird deutlich, wie wertvoll Distanz für eine Beziehung ist. Sabine möchte ihre Sehnsucht spüren. Ihren Mann zu vermissen zeigt, wie viel er ihr bedeutet.

Anderseits kann eine Beziehung ohne ein gutes Maß an Nähe nicht leben. Menschen sind Säugetiere und Bindungswesen, sie benötigen zuverlässigen Kontakt, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Die Erreichbarkeit einer zugewandten Person ist die Quelle unserer emotionalen Sicherheit. Dazu bedarf es einer guten Portion Nähe und Zuverlässigkeit. Sind diese gewährleistet, fällt es leichter, die stabile Basis des Heimathafens zu kurzen oder langen Ausflügen zu verlassen. Dann lässt es sich mit Phasen der Distanz besser leben.

Wie viel Nähe jemand benötigt, hängt mit frühen Bindungserfahrungen zusammen. Jemand, der keinen sicheren Halt erfahren hat, wird tendenziell klammern oder die Nähe meiden. War man hingegen sicher gebunden und hat emotionale Geborgenheit erfahren, fällt es leichter, allein zu sein und den Partner loszulassen.

Allgemein formuliert: Für den Nähe-Typ ist Nähe ein Heimspiel. Er kann sich im Nah-Sein einrichten und wohlfühlen. Bei zunehmender Distanz wird er unruhig und fühlt sich verloren. Der Distanz-Typ kann sich gut in seine Welt zurückziehen. Er benötigt seinen eigenen Raum, um zu sich zu finden und zur Ruhe zu kommen. Dennoch ist er froh, im Partner einen Hafen zu haben, den er immer wieder ansteuern kann.

Ich möchte Sie zu einer Übung einladen. So können Sie schnell erfassen, wie es um das Verhältnis von Nähe und Distanz in Ihrer Beziehung steht.

 ÜBUNG: Die Weisheit meiner Hände

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und vertrauen Sie der Weisheit Ihrer Hände. Eine Hand symbolisiert Sie selbst, die andere Ihren Partner. Legen Sie Ihre Hände zunächst in den Schoß. Dann schließen Sie die Augen und lehnen Sie sich innerlich zurück. Jetzt denken Sie an den aktuellen Zustand Ihrer Beziehung. Lassen Sie Ihre Hände spontan zum Ausdruck bringen, wie nah oder fern Sie und Ihr Partner sich im Moment sind. Die Hände dürfen sich vor Ihrem Körper bewegen. Möglicherweise stellt sich sofort eine stimmige Position ein. Vielleicht müssen Sie einen Moment überlegen, bis es sich richtig anfühlt. Dadurch haben Sie Ihren subjektiven Ist-Zustand vor Augen.

Welches Gefühl stellt sich ein?

Ist es das, was ich mir wünsche und brauche?

Wenn Sie damit zufrieden sind, freuen Sie sich. Sind Sie es nicht, scheint Ihnen etwas zu fehlen.

Benötige ich mehr Nähe oder mehr Abstand?

Wodurch ist das Verhältnis von Nähe und Distanz aus der Balance geraten?

Machen Sie die Übung ein zweites Mal. Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Wunsch und Ihrer Sehnsucht auf. Lassen Sie jetzt die Hände verdeutlichen, wie viel Nähe oder Abstand Sie gerne hätten. Probieren Sie verschiedene Varianten aus, bis es Ihren Vorstellungen entspricht.

Was genau ist jetzt anders?

Welches Gefühl stellt sich ein?

Bringen meine Hände eine Konstellation zum Ausdruck, die ich in meiner aktuellen (oder einer früheren) Beziehung bereits gemacht habe?

Sehne ich mich nach etwas, dass wir bisher noch nicht (miteinander) erlebt haben?

Diese Übung können Sie gut gemeinsam mit Ihrem Partner machen. Denken Sie daran, es sind Moment-Aufnahmen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann es wieder anders aussehen.

Schließen Sie beide die Augen. Wenn jeder eine stimmige Handposition gefunden hat, frieren Sie diese einen Moment lang ein, damit Ihr Partner sie in wenigen Sekunden sehen kann. Zählen Sie bis drei und öffnen Sie zeitgleich die Augen. Ein spannender Moment!

Der Kontakt ist wichtig

Für die Paardynamik ist meist nicht entscheidend, dass es unterschiedliche Bedürfnisse gibt, sondern wie sie kommuniziert werden. Wird der Wunsch transparent gemacht und erläutert, fällt es leichter, damit umzugehen. Bleibt ein Paar darüber im Kontakt, hält sich die emotionale Beunruhigung in Grenzen, weil man orientiert ist. Kalte und schroffe Distanzierung wird als verletzend und Zurückweisung erlebt. Wird sie mit Wärme kommuniziert, bringt sie Wertschätzung und Vertrauen zum Ausdruck.

Das gilt auch für den Wunsch nach Nähe. Ist er gut in den Kontakt eingebettet und wird er zugewandt vorgebracht, fällt es leichter, ihn zu erfüllen. Wird er fordernd vorgetragen, ohne die Befindlichkeit des Partners zu berücksichtigen, trifft er auf Ablehnung. Doch manchmal muss man deutlich werden. Beeindruckt hat mich Helen, die ihr Bedürfnis auf unkonventionelle Weise zum Ausdruck brachte: Sie malte ein Schild für ihren vielbeschäftigten Mann. Darauf stand:

Ich-brauche-deine-Nähe!

Ich brauche dich! Gute Nähe-Rituale


Wie wichtig Signale von Nähe und Verbundenheit sind, merkt man oft erst dann, wenn diese scheinbaren Kleinigkeiten fehlen:

Du hast mir schon lange keinen Klaps mehr auf den Po gegeben.

Früher habe ich morgens, bevor ich das Haus verlasse habe, zum Abschied einen zärtlichen Kuss bekommen.

Du schaust mich gar nicht mehr an, wenn wir miteinander reden.

Du streichelst mich mechanisch (Herbert Grönemeyer in seinem Song: Was soll das?).

In der folgenden Liste finden sich Nähe-Rituale, von denen mir Paare berichtet haben. Diese haben dabei geholfen, ihre Beziehung zu pflegen und Nähe herzustellen.

  • Morgendliches Kuscheln
  • Sich in den Arm nehmen
  • Ein Gute-Nacht- und Guten-Morgen-Kuss
  • Füße oder Nacken massieren, über den Kopf streichen
  • Händchenhaltend einschlafen
  • Hand in Hand spazieren gehen
  • Liebevoller Sex
  • Knutschen
  • Zusammen kochen
  • Ein kleines Zwischendurch-Geschenk
  • Kosenamen, die dem andern gefallen
  • Smartphone weglegen, wenn man sich unterhält
  • Einander zuhören, ausreden lassen und Interesse spüren
  • Sich etwas vorlesen (lassen)
  • Serien anschauen, ins Kino, Theater, Museum und auf Konzerte gehen
  • Einem Kaminfeuer lauschen
  • Zusammen lachen, sich witzige Dinge berichten
  • Miteinander schweigen
  • Gemeinsam ein Buch lesen und darüber sprechen

Hermine und Johann lieben es, kleine Auszeiten von der Familie zu organisieren.

Wir haben vier Kinder, die zum Glück jetzt schon selbstständiger sind. Wir versuchen, einen Abend in der Woche für uns als Paar Zeit zu organisieren. Dann übernehmen unsere Eltern die Betreuung und wir kommen mal raus. Wir lieben es, ins Kino oder Theater zu gehen, nachher ein Glas Wein zu trinken und zu diskutieren.

 REFLEXION

Meine guten Nähe-Momente

1. Wann fühle ich mich meinem Partner besonders nah?

2. Was sind unsere zärtlichen Momente?

3. Wie stellen mein Partner und ich diese Momente her?

4. Bin ich damit zufrieden?

Kurs halten

Ich bringe meine Wünsche nach Nähe und Distanz freundlich und mit Augenmaß zum Ausdruck!

Nur aus der Ferne sieht man klar

Würdest du für mich bis zum Mond gehen? – Natürlich, Schatz! – Würdest du für mich auch dort bleiben?

Lassen sich Nähe und Distanz anders regulieren? Muss der andere wirklich auf den Mond gebeamt werden?

Der paradiesische Zustand guter Nähe lässt sich im Beziehungsalltag nicht festhalten. Nach einer Zeit der Nähe melden sich Distanzbedürfnisse. Und nach einer Zeit des Abstands der Wunsch, sich nah zu sein. Das ist normal. Zwischen den Polen von Nähe und Distanz das rechte Maß zu finden ist ein wiederkehrender Prozess. Dabei lohnt sich ein Blick auf den Wert des Wunsches nach Abstand und Distanz.

Nur aus der Ferne sieht man klar, sagt Dieter, dem die Nähe manchmal zu viel wird. Ich brauche dann Zeit, um wieder zu mir zu finden.

Charlotte betont einen anderen Aspekt: Wenn...


Prünte, Thomas
Thomas Prünte, Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.

Thomas Prünte, Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.



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