Pulletz | Ein Cottage in den Highlands | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Pulletz Ein Cottage in den Highlands


20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95818-560-9
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

ISBN: 978-3-95818-560-9
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gefühle und Geheimnisse vor Schottlands atemberaubender Kulisse Maires Leben besteht nur aus Arbeit, denn als Tierärztin auf der schottischen Halbinsel Skye, gibt es immer etwas für sie zu tun. Und dann sind da auch noch ihr Vater und das Farmhaus, die ihre Aufmerksamkeit verlangen. Der amerikanische Hilfsarbeiter Caden, der ihnen zur Hand gehen soll, kommt ihr da gerade recht. Nur, dass sie plötzlich Gefühle spürt, die sie seit Jahren nicht mehr hatte, überrascht Maire. Mit der Zeit kommen die beiden sich immer näher. Doch Caden ist nicht der, für den Maire ihn hält und die Lügen zwischen ihnen, drohen alles zu zerstören. Können sie gemeinsam der Wahrheit ins Auge blicken?

Sandra Pulletz wurde in Österreich geboren und lebt mit ihrer Familie auch heute noch dort. Bereits als Kind entstand der Traum, irgendwann Autorin zu werden. 2016 erschien ihr erstes Buch. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sie nicht an einer neuen Geschichte tüftelt. Inzwischen sind zahlreiche Romane von ihr erschienen, hauptsächlich im Romance-Bereich.
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1. Kapitel


Maire


»Das hast du wunderbar hinbekommen«, sage ich stolz und streichle dem schwarzen Katzenbaby über den Kopf. Ich liebe meinen Job als Tierärztin einfach über alles.

Katzenmama Chipsy miaut und kümmert sich sofort wieder um ihre Jungen, die erst wenige Tage alt sind. Ein besonders kleines Katzenbaby tut sich mit dem Trinken schwer, weshalb mich Tina angerufen hat.

»Danke noch mal, dass du so schnell kommen konntest«, meint die junge Grundschullehrerin und streicht sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht.

»Klar doch, dafür bin ich ja da«, erwidere ich amüsiert.

»Du hast recht, dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass der Tierarzt Hausbesuche macht. Zumindest war das in der Großstadt nicht üblich.« Tina sieht den neugeborenen Katzenbabys vergnügt zu, wie sie ihre Milch trinken. Auch das schwarze Tierbaby saugt nun beharrlich.

»Wir sind auf dem Land, hier gibt es weit und breit keine andere Tierärztin außer mich, was bedeutet, ich bin für sämtliche Tiere verantwortlich.« Ich packe meine Arzttasche zusammen und tätschle Tina sanft die Schulter. »Mach dir keine Sorgen, Chipsy hat alles im Griff. In der nächsten Zeit braucht sie vor allem viel Ruhe, die wird sie sich also nehmen. Und das Sorgenkind hat sich, wie es aussieht, schon neu orientiert.«

Tina nickt. »In Ordnung.«

»Wenn du möchtest, schaue ich morgen noch einmal kurz vorbei«, biete ich ihr an, da ich merke, dass sie sich dennoch sorgt.

»Das wäre wunderbar. Am Vormittag ist nur Cliff zu Hause, er passt auf Chipsy und die Kätzchen auf. Ich komme gegen Mittag von der Schule.«

»So früh schon?« Ich wundere mich, denn normal ist bis halb vier Unterricht und Tina hat eine lange Anfahrt. Schulen auf Skye sind rar gesät.

»Kurzer Tag!« Sie lächelt. »Meine Nachmittagsstunden entfallen morgen.«

»Alles klar, ich rufe an, bevor ich komme.« Schon öffne ich die Tür und verlasse das kleine Backsteingebäude.

Jetzt heißt es Feierabend für mich und ab nach Hause. Nur noch für Notfälle bin ich erreichbar, die sind allerdings bei uns auf dem Land keine Seltenheit.

Ich fahre die Dorfstraße entlang und überlege, ob Dad etwas gekocht haben könnte. Zumindest habe ich einen Mordshunger und freue mich auf eine warme Mahlzeit nach dem langen Tag.

Zwar haben wir eigentlich eine Köchin beschäftigt – Mrs Oliver –, aber sie muss zurzeit ihren Mann pflegen, der kürzlich einen Schlaganfall erlitten hat. Natürlich habe ich dafür vollstes Verständnis, aber ich vermisse ihre Kochkünste, denn mein Vater hat in der Küche zwei linke Hände. Und ich selbst habe kaum Zeit, um mich nach der Arbeit noch an den Herd zu stellen; an der Lust fehlt es mir auch. Dazu kommt, dass ich ebenfalls nicht sonderlich gut kochen kann.

Als ich vor unserem Hof parke, sehe ich schon den Schornstein rauchen, das bedeutet, Dad ist längst zu Hause und hat zumindest die Stube eingeheizt. Wie fein, denn ich muss zugeben, dass ich friere, obwohl es Sommer ist. Aber das heißt in Schottland ja auch nicht unbedingt, dass es kein schlechtes Wetter gibt oder es kühl sein kann.

Ich steige aus, hole meine Sachen vom Beifahrersitz und marschiere auf unser Farmhaus zu. In der Dämmerung sieht es zauberhaft aus mit seiner weißen Fassade und dem dunklen Dach. Die rote Tür ist das Tüpfelchen auf dem i.

Eingebettet in der wilden Naturlandschaft verspricht unser Zuhause Gemütlichkeit. In Wahrheit zieht es aber in allen Räumen und es ist ständig kalt.

Ich öffne die Tür und trete ein. Ein sonderbarer Geruch empfängt mich. Was zum Teufel stinkt hier so?

»Dad?«, rufe ich durch den Flur, aber er rührt sich nicht. Also bewege ich mich schnurstracks in die Küche. Aus dem Backofen steigt Rauch auf, sodass ich hinstürze, ihn ausschalte und ein wenig öffne, dann sofort das Fenster aufreiße und nach meinem Vater suche.

Schließlich finde ich ihn in der Stube. Er sitzt zusammengesunken auf dem Sofa, was mich zum Schmunzeln bringt. So lieb und hilflos sieht er also aus, wenn er schläft. Ich bewege mich auf ihn zu und rüttle sanft seinen Arm.

Er schnellt hoch. »W-was ist? Feuer?« Er rümpft die Nase.

»Nicht ganz«, erwidere ich. »Aber ich fürchte, das Abendessen ist ruiniert.«

»Nicht doch …«, schimpft er. »So ein Mist. Ich schwöre, ich habe mich nur eine Minute ausruhen wollen.«

»Schon gut«, meine ich. »Es ist ja nichts passiert. Warst du am Nachmittag auf der Weide?«

Er nickt. »Aye! Ich wollte die Sträucher kürzen, aber ich habe nur einen winzigen Bruchteil geschafft.«

»Ach Dad, mute dir nicht immer solche Schwerstarbeiten zu!« Mahnend schwinge ich den Zeigefinger vor seiner Nase.

»Ich kann ohnehin kaum mehr etwas tun.« Er tippt auf sein Knie. »Diese dumme Arthrose kostet mich jegliche Kraft und Ausdauer.«

Ich seufze tief. Armer Dad!

»Wo ist Shelly?« Unsere Hündin habe ich bisher nirgendwo entdeckt.

»Ich glaube, sie schläft auf dem Teppich in meinem Zimmer«, sagt mein Vater belustigt.

»Ach!« Die beiden sind wirklich ein gutes Team. Einer schläfriger als der andere. Oder sie streunen beide umher.

»Und was essen wir nun?«, will Dad wissen und steht auf.

»Eine gute Frage. Ich schaue mal in den Kühlschrank. Ruh du dich noch ein wenig aus«, sage ich sanftmütig und reiche ihm eine Zeitschrift.

»Du bist ein Schatz«, erwidert er und lächelt.

In der Küche stelle ich fest, dass der ekelhafte Geruch sich verflüchtigt hat. Ich wage es und blicke in das Backrohr, um herauszufinden, was sich darin befindet. Die verkohlten Reste lassen sich nicht identifizieren und ich stelle die Auflaufform einfach draußen auf die Fensterbank.

Im Kühlschrank finde ich nur wenig Brauchbares. Wann waren wir denn das letzte Mal einkaufen? Ich kann mich nicht erinnern … Zwar haben wir auch Gemüse und Obst am Hof, aber irgendwie ist auch davon nichts in die Küche gewandert.

Schließlich ziehe ich eine Packung Eier heraus und finde noch einige Speckreste. Es gibt schlicht . Dazu schneide ich für jeden eine Scheibe Brot ab und lege diese auf die Teller. Ich seufze. Was gäbe ich für ein Brot von Mrs Oliver … Wenn sie gebacken hat, roch es den ganzen Tag im Haus danach. Einfach herrlich!

Zwar habe ich früher mit meiner Mum oft gemeinsam Brot gebacken, aber dazu fehlt es mir schon lange an Energie. Außerdem hat diese Aufgabe ja dann Mrs Oliver übernommen, was mir sehr gelegen gekommen ist.

Ich serviere das Essen in der Stube, wo Dad zu einem Lied summt, das aus dem Radio dudelt.

»Danke, das sieht köstlich aus«, sagt er, als ich ihm seinen Teller hinstelle.

»Ach, Dad!« Ich setze mich neben ihn. »Das ist doch nur ein schnelles Gericht. Nichts Besonderes.«

»Du verkaufst dich unter Wert«, befindet er bloß und nimmt gleich einen Happen vom Ei.

Nach dem Essen spüle ich das schmutzige Geschirr und springe dann unter die Dusche. Der lange Arbeitstag hat seine Spuren hinterlassen und muss dringend abgewaschen werden.

Eigentlich müsste mal wieder der Boden gewischt werden, denke ich, als ich danach durch den Flur laufe. Momentan habe ich aber null Freizeit und komme ständig spät nach Hause.

Auch an diesem Abend bin ich zu nichts mehr fähig und mir fallen nach wenigen Seiten lesen die Augen zu.

Caden


Ich hämmere in die Tasten des Laptops, nur um eine Minute später den gesamten Absatz wieder zu löschen. Verflucht noch mal!

Der ganze Vormittag ist rum, ich habe kaum etwas getippt und dafür einen Bärenhunger. Bloß, dass niemand etwas gekocht hat. Wer hätte das auch tun sollen? Ich lebe allein, eine Frau habe ich nicht an meiner Seite und die gute Mrs Hobbs, die manchmal meine Wäsche macht, kann ich ja wohl schlecht fragen, ob sie mich auch noch bekocht. Außerdem muss ich zugeben, dass ich eigentlich gar nicht ungern selbst am Herd stehe, aber für mich allein lohnt sich der Aufwand nicht.

Seufzend lehne ich mich in meinem Drehstuhl zurück und lasse meine Gedanken um den gelöschten Text kreisen. Mir will keine bessere Idee einfallen und langsam werde ich wütend auf mich selbst. Hilfe, ich stecke mitten in einer Schreibblockade!

Das eindringliche Klopfen an meiner Apartment-Tür ist mir als Abwechslung herzlich willkommen, auch wenn ich keinen Besuch erwarte.

Dass mein Freund Larry Steinbeck davorsteht, überrascht mich doch ein wenig.

»Larry, altes Haus!« Verwundert begrüße ich ihn, muss aber sogleich grinsen, denn er hat sich überhaupt nicht verändert, seit wir uns zuletzt gesehen haben. Seine Leidenschaft für Texas sieht man ihm schon von Weitem an. Zugegeben, der Cowboyhut steht ihm ausgezeichnet.

Er tippt zum Gruß mit zwei Fingern daran. »Howdy, Kumpel! Darf ich eintreten?«

»Na klar!«, sage ich beinahe schon übermütig, da ich mich über den spontanen Besuch freue.

Seit ich...


Pulletz, Sandra
Sandra Pulletz wurde in Österreich geboren und lebt mit ihrer Familie auch heute noch dort. Bereits als Kind entstand der Traum, irgendwann Autorin zu werden. 2016 erschien ihr erstes Buch. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sie nicht an einer neuen Geschichte tüftelt. Inzwischen sind zahlreiche Romane von ihr erschienen, hauptsächlich im Romance-Bereich.



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