E-Book, Deutsch, 183 Seiten
Pundschus Babybäuche küsst man nicht
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-9853-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 183 Seiten
ISBN: 978-3-7487-9853-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Marc Hansen, erfolgreicher, gutaussehender alleinerziehender Vater flieht vor seinen Erinnerungen von Berlin nach Hamburg. An seiner neuen Arbeitsstelle begegnet ihm Marie Heesemann, zwölf Jahre älter, ebenfalls alleinerziehend und so gar nicht sein Beuteschema. Ihr gemeinsames Schicksal lässt sie zu Freunden werden. Sie pflegen eine Beziehung, die an Liebe grenzt, aber keiner von beiden will es sich eingestehen, bis sie zum ersten Mal zusammen Weihnachten feiern. Danach ist vieles anders, aber längst nicht perfekt.
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Neubeginn
Neubeginn
Er öffnete die Eingangstür, die in einen Neubau direkt an der Alster führte. Marc stand sogleich vorm Empfangstresen. Dahinter saß eine attraktive Blondine. Er schätzte, dass sie ungefähr sein Alter hatte. Sie sah ihn an, während er sich vorstellte. »Guten Morgen. Ich bin Marc Walter. Ich soll mich heute bei Herrn Rose melden.« »Ach, der Neue! Na, dann komm mal mit. Ich bin übrigens Leonie. Wir duzen uns alle hier. Der Bernd wird dir nachher das gesamte Büro zeigen.« Er folgte Leonie den Gang hinunter an das Ende des Flurs. Bis auf zwei Räume lagen die Büros hinter Glaswänden. Einer davon gehörte Herrn Rose, wem die Zweite gehörte, sollte er noch im Laufe des Tages erfahren. Leonie klopfte kurz an. Sie öffnete die Tür zu einem großen, hell erleuchteten Büro mit direktem Blick über die Außenalster. Hinter einem eher kleinen Schreibtisch saß in lässiger Haltung ein Mann, die Füße auf dem Tisch abgelegt, vertieft in ein Telefongespräch.
Mit einer Handbewegung zeigte er Marc an, dass er auf dem Sofa Platz nehmen sollte. Leonie fragte, ob sie etwas zu trinken, haben möchten und Marc nickte kurz. »Ja und was? Du kannst hier fast alles bekommen.« »Einfach nur Wasser bitte!« Bernd beendete sein Gespräch, begrüßte ihn herzlich, setzte sich neben ihn. »Unsere Empfangschefin hast du ja bereits kennengelernt. Ich erzähle dir jetzt ein bisschen über unsere Firma, wenn es dir recht ist? Den Großteil kennst du ja. Im Anschluss stelle ich dir unser kleines, aber feines, Team vor. Ich warne dich, Vorsicht vor unserer Buchhaltung und Personalabteilung! Mit der Frau ist nicht zu spaßen. Du wirst die Dame nachher kennenlernen.« Nachdem Bernd ihm einiges über die momentane Auftragslage erklärt hatte, zeigte er ihm die Räumlichkeiten, in denen er ab heute arbeiten würde. Er stellte ihm jeden Mitarbeiter vor und nach circa einer Stunde, standen sie vor dem zweiten geschlossenen Raum. »Nicht erschrecken, wenn ich gleich die Tür öffne. Dort sitzt übrigens die gute Seele der Firma. Du musst das Herz der Dame schon erobern, um davon etwas mitzubekommen. Das ist schwer - glaub es mir. Ach, noch etwas, wundere dich nicht und sage lieber nichts über ihre Arbeitsmethoden. Die Frau will ich nicht verärgern. Die ist unbezahlbar, auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint.« Mit diesen Worten öffnete Bernd die Bürotür. Er schrie ihren Namen. Nachdem Marc eingetreten war, sah er auch warum. Marie saß mit Kopfhörern an ihrem Schreibtisch, schwang ihren Oberkörper auf dem Stuhl hin und her, wippte mit den Füßen, vertieft in ihre Arbeit. Als sie aufsah, fiel Marc sofort ihre großen rehbraunen Augen auf, die gut zu ihrem dunklen Haar passten. Viele Lachfältchen umspielten ihren Mund. »Wen hast du mir denn da mitgebracht, Bernd?« »Frischfleisch Marie. Extra nur für dich. Ich werfe ihn dir jetzt zum Fraße vor.« »Komm Bernd, nun verunsichere den jungen Mann doch nicht so!« An Marc gewandt meinte sie, »so schlimm wie er mich darstellt, bin ich gar nicht. 50% davon darfst du mal als wahr ansehen.« Mit einem Lächeln reichte sie ihm ihre Hand und stellte sich vor. »Und, alle Papiere dabei?« Er gab ihr seine Mappe. »Du kannst dich schon mal an die Arbeit machen. Ich bringe sie dir nachher vorbei. Das dauert bei mir noch ein bisschen.« Beim Hinausgehen warf er einen Blick an die Wände, die voller Poster hingen. Es waren Schauspieler, Models, Städte-Abbildungen und unter anderem, direkt vor ihr, ein Poster mit einem Teenagerpärchen drauf, das ihn schon vom ersten Augenblick gefesselt hatte. »Du sollst hier nicht rumstieren, sondern an deinen Arbeitsplatz verschwinden.« Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als sie ihn so hart anpflaumte. Beim Weggehen drehte Marc sich noch einmal zu ihr und fragte, »Sehr schönes Bild, wer ist das?« Barsch antwortete sie ihm, »Das geht dich gar nichts an.« Sein Büro lag genau gegenüber. Er setzte sich. An seinen Kollegen gewandt fragte er, »Was ist denn das für eine?« Hannes griente ihn an. »Na, schon Bekanntschaft gemacht mit unserer Mutti? Auf die lassen wir hier nichts kommen, damit du das gleich weißt. Und ganz wichtige Ansage: Störe sie nie in der ersten Woche eines Monats. Normalerweise ist die Tür von ihrem Büro auch auf, aber im Moment versinkt sie in Arbeit. Ach, und die zweitwichtigste Ansage: Wenn sie um Hilfe ruft, dann wird ihr geholfen. So, und jetzt weise ich dich erst mal in deine Aufgaben hier ein!« Der Vormittag verging wie im Fluge und gegen eins hörte er ein Knurren aus seiner Magengegend kommen. Als wenn sie es auch gehört hätte, stand Marie plötzlich in der Tür. Sie hielt seine Papiere in der Hand und fragte, ob sie etwas aus der Pizzeria mitbringen solle. »Ach, und hier sind deine Unterlagen Marc! Fang!« Ohne die Zeit abzuwarten, warf sie ihm die Mappe mit seinen Papieren rüber, die er nur durch eine sehr schnelle Bewegung über die Stuhllehne auffangen konnte. Nachdem sie die Bestellung aufgegeben hatten, meinte er zu Hannes: »Ich glaube, sie mag mich nicht.« »Keine Panik, so ist sie am Anfang zu jedem. Du musst selber den Weg zu ihrem Herz finden, aber wenn du erst mal drin bist, dann wirst du deinen Spaß mit ihr haben. Und noch etwas kann ich dir verraten: selbst wenn sie dich nicht mögen sollte, bekommst du den gleichen Service, wie jeder andere hier auch. Vielleicht nur nicht ganz so freundlich.«
Um vier verließ Marc die Firma, da sein 12-jähriger Sohn gegen fünf aus der Ganztagsschule kommen würde. Er freute sich, dass er eine gute Unterbringung für ihn gefunden hatte. Schnell kaufte er etwas zum Essen und stand Punkt fünf zu Hause vor der Tür. Von Weitem sah er ihn nach Hause kommen. Ein glückliches Lächeln umspielte seine Augen und den Mund. Ganz anders als in den letzten Jahren mit seiner ungeliebten Stiefmutter. Na, dann scheint ja der erste Tag gut gelaufen zu sein, dachte Marc, als sein Sohn bei ihm ankam. »Und Papa, wie war dein erster Tag?« »Das Gleiche wollte ich dich soeben fragen aber, danke der Nachfrage, recht gut und bei dir?« Aus Kevin sprudelte es nur so heraus. Die neuen Eindrücke und Erlebnisse - er hörte nicht mehr auf, redete auch noch weiter, als Marc schon in der Küche stand und das Abendbrot zubereitete. Dann nahm er Kevin in seine Arme und sagte: »Mann, bin ich froh, dass es dir da gefällt. Da habe ich wenigstens eine Sorge weniger.« »Du hast Sorgen Papa?« Marc erzählte ihm von seinem Arbeitstag und dem Gefühl, dass er gegenüber Marie hatte. »Ach, da mach dir mal keine Sorgen Papa, bisher hast du doch jede Frau um den Finger wickeln können. So viele, wie bei uns bereits ein- und ausgegangen sind, da komm ich gar nicht mehr mit dem Zählen hinterher.« Bei seinen Worten lachte sein Sohn. »Das ist auch etwas, was ich so nicht für dich wollte, Großer. Allerdings wird es mit der Frau nicht so einfach. Die ist um einiges älter als ich. Also nicht meine Gewichtsklasse.« Auf seine Schulter klopfend, meinte Kevin zu ihm: »Das wirst du schon machen Papa.« »Können wir am Wochenende eine Hafenrundfahrt machen?« »Gute Idee, Großer, schließlich müssen wir beide ja mal die Stadt kennenlernen, in der wir jetzt leben.« Am nächsten Morgen erschien er um kurz vor acht im Büro. Als sich die Fahrstuhltüren öffneten, stand dort Marie, die aus der Tiefgarage hochkam. Sie empfing ihn mit einem Lächeln und den Worten: »Die Fahrscheine bitte!« Mit einem gestammelten, »Guten Morgen«, guckte er sie verdutzt an. Marc bemerkte ein Schmunzeln in ihrem Gesicht. Freundlich lächelte er zurück. Als sie sein Lächeln bemerkte, verschwand ihres sofort. Marc packte seine Umhängetasche aus und legte seine mitgebrachten Stifte fein säuberlich vor sich hin. Es fehlte noch DIN-A3-Papier, um mit dem Zeichnen seiner Idee zu beginnen. Heute Nacht hatte er eine Eingebung gehabt, und die musste jetzt schnellstens zu Papier gebracht werden. Sein Auftrag bestand darin, eine Kampagne für eine junge, aufsteigende Modelinie zu entwerfen. Leider musste er in die Höhle des Löwen, da sonst noch kein Kollege angefangen hatte zu arbeiten, den er hätte fragen können, wo er das verdammte Papier finde. Zaghaft klopfte er an die Tür von Marie. Er wartete das »Herein« ab, öffnete vorsichtig die Bürotür. »Na, mal nicht so schüchtern junger Mann, ich beiße nicht. Was gibt es denn so Wichtiges, zu so früher Stunde?« »Ich brauche DIN A3 Papier. Kannst du mir sagen, wo ich es finde?« Sie stand auf, ging zum Schrank, und reichte ihm das gewünschte Papier mit einem Lächeln und den Worten: »Willst du Pommes dazu?« Erst nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, schüttelte er seinen Kopf. Als er Hannes von seiner Begegnung am frühen Morgen erzählte, klopfte der sich lachend auf seine Schenkel und meinte: »Das muss man ihr lassen, die zieht das Ding voll durch.« »Was meinst du jetzt damit? Kannst Du mich mal bitte aufklären?« »Ne, das musst du schon selbst herausfinden! Ich bewundere diese Frau für ihre...




