E-Book, Deutsch, 149 Seiten
Pundschus Ich springe wieder über Pfützen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-8863-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 149 Seiten
ISBN: 978-3-7487-8863-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mats Hansen, 33 Jahre alt, erfolgreicher Geschäftsführer der MaHa Consulting, Technik-Freak, Fast Food Junkie, Smart Phone abhängig, dem Alkohol und der Zigarettensucht verfallen, erwacht nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus. Dort erhält er die Diagnose, wenn er so weiter macht, lebt er nicht mehr lange. Beim Männerabend mit seinem Freund, einem Arzt, geht er eine Wette ein, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und seine Ansichten zum Leben ändern wird. >Ein Jahr leben in einer Kate am Meer, ohne fließend Wasser, ohne Strom, ohne Telefon, ohne Heizung
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Die Sonnenstrahlen wärmten seine Haut, die im Laufe der Wochen einen Farbwechsel von kalkweiß zu leicht gebräunt hinter sich hatte. Mats nutzte jeden wolkenlosen Tag, um im Garten zu arbeiten oder auf einer alten Holzbank, die er von einem Nachbarn geschenkt bekommen hatte, zu liegen und eines seiner Groschenhefte zu lesen. Jana hatte ihm einen weiteren Stapel zukommen lassen, da er seinen eigenen Bestand durchgelesen hatte. Diesmal handelte es sich um Jerry Cotton Krimis und Sinclair Geisterromane, die Nikitas Vorliebe in Teenagerzeiten waren. Jeden Morgen, wenn die Sonne noch niedrig stand, grub er an seinem Graben für die Wasserleitungen und die Kabelkanäle zur Stromanbindung. Bald würde der Klempner das Abflussrohr verlegen. Er konnte es kaum erwarten, dass erste Mal an der Spülung zu ziehen, aber bis dahin würden noch Wochen vergehen bei seiner Aushubgeschwindigkeit. Nachdem er in einer Ecke des Gartens mit dem Schlauch geduscht hatte, machte er sich meistens auf den Weg zu den Jensens, um einen Blick auf den Fortgang der Bauarbeiten zu werfen. Abends fiel er meist erschöpft ins Bett. Von seinem Ausflug nach Hamburg hatte er sich nur ein Teil mitgebracht, das ihm im Moment am wichtigsten erschien, seine EC-Karte. Mats übertrieb es nie, aber alle zwei Wochen holte er sich selber Geld von der Bank, jedes Mal genau 250,00 Euro. Hannes hatte sich nicht mehr blicken lassen, nachdem er ihm ins Gesicht sagte, dass dies nunmehr eh sein Grundstück wäre. Er wusste, ein weiterer To-do-Punkt auf seiner Liste der Dinge, die er, Mats Hansen, noch ins Reine bringen musste, bevor er sich wieder nach Hamburg wagen würde. Doch diese Liste hatte vorher noch viele andere offene Punkte. Er musste seinen Sauberkeitsfimmel loswerden, lernen, wieder vernünftig zu essen, bescheidener zu leben, Sport treiben, die Liste schien endlos lang. Ich sollte mir heute Abend einmal Zeit nehmen, sie nach Wichtigkeit zu sortieren. Wind wehte auf. Er räumte alles, was nicht nass werden durfte, ins Haus. Die Wellen wurden von Minute zu Minute höher, die Wolken zogen auf, große graue Gebilde, die nichts Gutes zu verheißen hatten. Er ging hinein, setzte einen Tee auf und stellte sich ans Fenster. Von dort beobachtete er den stetig dunkler werdenden Himmel, die ersten Regentropfen schlugen an das Fenster und die Wellen wuchtvoll an Land. Schaumkronen bildeten sich am Ufer. Der Regen hatte sich von einem leichten Klopfen am Fenster, zu einem lauten Prasseln entwickelt. Zu dem eh verhangenen Himmel gesellte sich nun die herannahende Nacht. Es wurde immer dunkler um das Haus herum. Keine Stunde später stand er immer noch am Fenster und blickte gedankenverloren hinaus. Wetter konnte so faszinierend sein. Ein Krachen riss ihn aus seiner Träumerei, dann folgte der hell erleuchtete Himmel, Gewitter, und es kam von Minute zu Minute näher. Er zählte die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Das Unwetter schien noch fünf Kilometer entfernt. Lichter tauchten aus der Dunkelheit auf. Was war das? Es blitzte, der Donnerschlag folgte Sekundenbruchteile später und mit ihm ein zweiter, leiserer Knall. Dunkelheit umhüllte das Haus. Das Gewitter schien schlagartig vorbei. Totenstille, Mats rannte in den Regen hinaus. Seine Augen erfassten die Situation umgehend. Ein Kleinwagen hatte die Buche vor seinem Haus gefällt. Ein Frauenkopf ruhte auf dem Lenkrad. Die Tür war durch den Aufprall leicht aufgesprungen. Er riss sie komplett auf. Die Frau bewegte sich, stöhnte. Blut lief über das Gesicht. Im gleichen Moment hörte er das Weinen eines Kindes von der Rücksitzbank. Er blickte nach hinten. Dort saß ein kleiner Junge, die Hände vors Gesicht geschlagen. Mats löste die Gurte vom Kindersitz, holte ihn aus dem Wagen, brachte ihn ins Haus. Das Wasser triefte aus seinen Klamotten. Egal. Er setzte das Kind neben Heiopei, in der Hoffnung, dass der Kater ihn etwas ablenken würde. Dann griff er zur Standleitung. Im Gut wurde sofort abgenommen. Mats brüllte nur ein Wort hinein. »Krankenwagen!« »Was ist los? Beruhig dich erst mal und erzähl, was du willst.« Er atmete ein paar Mal tief durch und wiederholte seine Bitte, diesmal wohl überlegt und mit der Darstellung des Vorfalls. Er legte wieder auf. »Helfen die Mama?« »Klar machen die das. Der Krankenwagen ist gleich da. Deiner Mama geht es ganz gut. Bleib hier sitzen, ich guck noch einmal nach ihr.« Mats stand vor dem Kleinwagen, wusste nicht, was er tun sollte. Erneut vernahm er ein Stöhnen, dann die Frage: »Wo ist mein Max?« »Den habe ich ins Haus gebracht. Es geht ihm gut. Er spielt mit der Katze.« Kurze verständliche Sätze, flog es durch seinen Kopf. Mats versuchte, beruhigend auf die Frau einzureden. Er zog sie vorsichtig aus dem Wagen, legte sie auf zwei Strohballen ab, die er am Nachmittag dort aufgebahrt und mit einer Plane abgedeckt hatte. Stabile Seitenlage, ein neuer Gedanke in seinem Kopf, wie geht das noch. Ihre Arme lagen verdreht und abgewinkelt neben ihr auf den Ballen. Er hörte, wie sich hinter ihm die Tür öffnete. »Siehst du, Max, mit deiner Mama ist alles in Ordnung.« Er spürte eine Berührung an seinem Arm. »Sie dürfen ihn nicht mitnehmen! Kann er hierbleiben? Er darf nicht weg von hier!« »Auf keinen Fall«, antwortete Mats wütend. »Er muss aber hierbleiben. Sein Vater wird ihn nicht mehr rausgeben. Bitte.« Der Junge kam näher.« Er legte seinen Kopf auf die Brust der Mutter. Sie wollte ihm über sein Haar streicheln, konnte aber nicht. »Alles wird gut, Schatz. Mama geht es gut. Ich muss nur kurz ins Krankenhaus zur Untersuchung. Morgen komme ich wieder. Du bleibst so lange bei Onkel...« Sie blickte ihn flehend an, das Schluchzen des Jungen tat sein Übriges. »Mats.« Sie lächelte. »Hörst du, fast dein Name. Mats, Max was macht das für einen Unterschied.« Der Krankenwagen näherte sich dem Grundstück, gefolgt von einem Polizeifahrzeug. Der Junge drückte sich an Mats, hielt sich an seinem Bein fest. Scheiße, was passiert hier gerade? Habe ich nicht schon genug mit dem ganzen Kram hier zu tun, und nun noch den Jungen. Mats zog die Hände des Kindes von seinem Bein, hob ihn hoch. Er ging auf einen Polizisten zu, da verspürte er eine Berührung an seinem Bein. Er blickte zu der Frau, die mittlerweile auf einer Trage lag. »Hannah Meier, bitte lassen sie den Jungen heute bei sich schlafen. Ich hole ihn morgen wieder ab.« »Ich glaub nicht, dass sie dazu in der Lage sein werden.« »Ich schwöre es.« Max begann, zu schluchzen. »Ich will nicht zur Polizei.« Irgendetwas hielt Mats davon ab, den Jungen zu übergeben. Sein Herz pochte, tat ihm weh. Er verspürte Mitleid, ein Gefühl, das er Ewigkeiten nicht an sich bemerkt hatte. Eine Stunde später war der Spuk vorbei, genauso wie der Regen. Da stand er jetzt mit dem Kind, wusste nichts mit ihm anzufangen. Er nahm die kleine Hand von Max in seine, führte ihn ins Haus. »Hast du Hunger?« Max nickte schüchtern mit dem Kopf. »Du bist mein Onkel? Ich hab dich noch nie bei uns gesehen.« Mats brauchte nicht mal eine Sekunde, um den Jungen freudestrahlend anzublicken und ja zu sagen. Das Kind schien beruhigt zu sein. Zugriff Ein eiskalter Schauer riss Mats aus dem Schlaf. Langsam lichtete sich der Nebel in seinem Kopf. Ihm wurde bewusst, dass kleine Eisklumpen sich zwischen seine Waden schoben. Vorsichtig öffnete er die Augen. »Ich habe Hunger, Onkel Mats.« »Guten Morgen, heißt es erst einmal. Wie lange bist du schon wach?« »Gaaanz lange.« »Man merkte es.« Er musste das Kind loswerden. Sein schönes ruhiges geordnetes Leben ging soeben den Bach runter. Bach war noch zu klein, das wurde ein reißender Fluss. Seine Augen hatten das ganze Ausmaß der Katastrophe erfasst. Er sprang aus dem Bett. Seine Mundwinkel verkrampften sich. Wut kochte in ihm hoch. Das verdammte Kind! Dieses wackelte matschverziert Richtung Küche, graubraune Erdklümpchen verlierend. Ein kühler Windhauch umwehte ihn. Das konnte nicht wahr sein. Mats rannte zur Haustür, vorbei an einer Spur aus kleinen Fuß-abdrücken. Vor dem Haus ein Schlammloch, daneben die zwei Teller vom Abendessen voll mit Matsch, und Heiopei strahlend vor Dreck. Er schlug sich die Hand an die Stirn. Er würde den Jungen der Polizei übergeben, nachdem sie seine Mutter im Krankenhaus besucht hatten. Er war sich sicher, die würde heute garantiert nicht entlassen werden. Mats stürmte in die Küche, riss den Kleinen, der gerade auf einer Zahlenkolonne rumschmierte, von der Bank, zog ihn nach draußen. Er fuchtelte mit den Händen rum, seine Finger zeigten, wieder und wieder, auf die Fußspuren. »Das machst du weg! Ich habe Tage gebraucht, damit es hier ordentlich aussieht; du brauchst nur ein paar Minuten, um alles zu zerstören.« Er fühlte ein Zittern in seiner Hand. Alle Wut verrauchte, so als ob jemand Wasser auf Flammen geschüttet hätte. Er beugte sich hinab, sah die feuchten Augen, die den Blick von ihm abwandten. Warum war er so ausgerastet? Er nahm das Kind in den Arm, hielt es fest. »Ist gut, du musst nicht weinen. Das kriegen wir wieder sauber. Wir machen das gemeinsam.« Mats griff zu einer kleinen Notlüge. »Ich habe nur einen Schreck bekommen, als ich die offene Haustür...




