E-Book, Deutsch, 166 Seiten
Pundschus Jeden Sommer, diese eine Liebe
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7554-2066-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sommer, Sonne, Strand, Seekamp
E-Book, Deutsch, 166 Seiten
ISBN: 978-3-7554-2066-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Es gibt die Liebe, die Liebe zu Menachen, Orten, Tieren und Dingen z.B.. Es gibt da einen Ort an der Ostsee, der eine magische Anziehungskraft besitzt. Die jedes Jahr im Frühjahr ruft, und die meisten folgen diesem Ruf, weil sie den Ort und die Menschen an diesem Ort lieben. Die liebgewonnenen Nachbarn, die im Laufe der Jahre Freunde wurden oder so gar noch mehr. Menschen die jedes Jahr diese eine Liebe spüren, der Magie des Ortes folgen und deren Familien seit Generationen dort hinfahren. Dieser Ort heißt Seekamp.
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Sommer auf Seekamp
Sommer auf Seekamp Warum tat er sich das an? Er wollte nichts mehr mit seiner Vergangenheit zu tun haben. Und nun fuhr er auf dieser schmalen kleinen alten Straße von Löhrstorf zum Campingplatz seiner Kindheit. Er lenkte seinen Wagen entlang der Kornfelder am Wegesrand, die Grenzen gezeichnet durch Mohn-, Kornblumen, Margeriten und Kamillenblüten. Gleich kam der Bahnübergang. Sein Vater hatte früher immer davor angehalten, egal ob die Warnleuchte blinkte oder nicht. Dann sagte er: »Erst mal eine Schiene aufs Ohr legen.« Finn schmunzelte. Dies war eine gute Kindheitserinnerung. Er überquerte die Schienen, ohne davor zu halten. Es gab kein Warnsignal. Hier fuhr nur noch alle Stunde ein Zug. In Sütel nahm er die linke Abzweigung. Die Kurve am alten Bauernhof nahm er schnittig; dann sah er sie endlich, die Ostsee. Dort unten schimmerte das blaue Wasser im Sonnenlicht. Davor, die Küste entlang, die Campingplätze. Er hielt am Straßenrand, stieg aus, schüttelte seine Beine, streckte sich, dann erst legte er seine Arme auf das Wagendach und darauf seinen Kopf. Ein schönes Leben war es damals. Jeden Sommer fuhren sie zum Campingplatz Seekamp. Seine Eltern und Großeltern hatten nebeneinander einen Dauercampingplatz, mit allem Komfort, den man sich vorstellen konnte, nebst Anschluss für eine Toilette im Wohnwagen. Nicht mehr die Horrorgeschichten seiner Oma und Eltern, die immer von Plumpsklos in dem ehemals kleinen Wäldchen sprachen, ohne Licht, Heizung und Spülung. Im Sommer stank es, die Fliegen umkreisten einen. Eigentlich ein fest installiertes Dixi-Klo. Er blickte nach links, dort lag das Anwesen der Betreiber. Gegenüber davon führte eine feste Straße einen Hügel hinab in eine Senke, ein paar Kurven, dann hatte man sein Ziel erreicht. Die Rezeption, den Platzwart. Seit nunmehr 17 Jahren hatte er sich hier nicht mehr blicken lassen. Seine Eltern waren bereits vor 22 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er verbrachte den Rest seiner Jugend bei seiner Oma. Doch auch mit und bei ihr ging es zu jeder Gelegenheit auf den Platz. Ob noch einer seiner alten Freunde die Wochenenden auf dem Platz verbrachte? In dem Augenblick bremste ein Wagen und hielt hinter ihm. In der Stille, der Umgebung, vernahm er das Herablassen einer Seitenscheibe. Dem Geräusch folgte eine Stimme, die ihm bekannt vorkam. »Bist du das, Finn Hansen?« Er drehte sich um; erkannte sie sofort. Karina Meier, von allen nur K genannt, seine große Jugendliebe vom Campingplatz. »Du siehst richtig, K. Ja, ich bin es.« »Was machst du denn hier?« »Ich muss den Platz meiner Oma auflösen. Einer muss sich ja drum kümmern.« »Und, das willst du sein? Da lach ich doch.« Sie drückte den Knopf des Fensterhebers. Die Scheibe fuhr vor seinen Augen hoch. Dann trat sie das Gaspedal hinunter, rauschte davon. Er blickte ihrem Wagen hinterher. Sie blinkte, bog nach rechts ab, in die Straße, die zum Platz führte. Früher, als die Straße noch nicht asphaltiert war, gab es Staubwolken hinter einem Wagen, wenn dieser, nach einer Trockenperiode, schnell den Hügel hinunterfuhr. Heute war dies nicht mehr möglich. Sie war einmal seine erste feste Freundin, eine Campingplatzliebe halt. »Nun werde mal nicht sentimental, Finn Hansen«, dachte er, »das war einmal und ist lange vorbei.« Er drehte sich wieder dem Wasser zu, beobachtete die weißen Segel, die auf dem Wasser kreuzten. Die Sonne spiegelte sich im himmelblauen Wasser. Eigentlich ganz nett, aber hier den Sommer verbringen, never ever again? Da kam man ja um vor Langeweile. Als Kind mochte es schön und gut gewesen sein, aber jetzt, das ging gar nicht. Sein heutiger Traum bestand aus >All inclusiv<, sich verwöhnen lassen, bis der Arzt kommt, Massagen, einfach nur Nichtstun und abends Party, aber bestimmt nicht aus schlecht Wetter, Rasenmäher vor sich herschieben und Grillen mit Nachbarn. Das Wort Freunde kam ihm dabei nicht in den Sinn. Er stieg in den Wagen, startete den Motor und folgte ihr langsam den Weg hinab. Hier waren nur 20 km/h erlaubt, da fuhr er doch nicht so schnell wie sie. Noch einmal um die Kurve, dann waren es nur noch 250 Meter und er stand vor der Schranke. Er wollte gerade die Keycard vor das Display halten, als bereits der Platzwart vor ihm stand. »Wohin denn, junger Mann? Sie habe ich hier ja noch nie gesehen. Wo haben sie die Karte her?« »Die haben sie mir vor Jahren geschickt. Ich hoffe mal, die ist noch gültig. Finn Hansen, mein Name.« »Hmm, Hansen? Da haben wir mehrere hier, aber sie passen zu keinem. Fahren sie mal an den Seitenrand, andere wollen auch noch durch. Dann kommen sie mal rein, wir prüfen die Angelegenheit.« Finn fuhr rechts ran, stieg aus ,, schlenderte zum Empfangshäuschen. Mit der Hand wühlte er sich durchs streichholzkurze Haar. In dem Moment schmunzelte der Platzwart. »Die Geste kenne ich. Einer der schlimmsten Finger hier auf dem Platz. So ein junger Bengel, große Klappe und nichts dahinter, habe ich immer gesagt. Hat allen Mädels hier den Kopf verdreht, bis zu dem Tag, an dem er verschwand und nie wieder gesehen wurde. Der Enkel von Oma Hansen.« »Getroffen! Ich sollte auch in den Büchern stehen. Meine Oma hat nie aufgegeben daran zu glauben, dass ich eines Tages zurückkehren würde und hier bin ich.« »Wie geht es ihr? Hab sie lange nicht gesehen. War sie überhaupt schon einmal hier in diesem Jahr? Ich muss mal gucken.« Finn winkte ab. »Nein, war sie nicht. Sie wurde krank. Sie ist letzten Monat verstorben.« »Mein Beileid. Und, jetzt wollen sie den Platz übernehmen?« »Bestimmt nicht! Auflösen will ich ihn zum Ende des Jahres. Ich bleibe zwei Wochen hier, räume alles aus, bringe ihre Sachen nach Hamburg und dann verscherbel ich den Rest.« »Na, dann, guten Aufenthalt und gute Erholung.« Er fuhr die Straße hoch in Richtung des Weges Seekam. Jede Straße hatte hier seinen eigenen Namen. Früher lagen auf der linken Seite noch eine Reihe Jahresplätze, doch die wurden vor einigen Jahren auf Grund behördlicher Vorgaben abgeschafft. Nun gab es einen freien Blick auf die kleine Bucht, in der viele der Bewohner ihre Boote liegen hatten. Der schmale Strand war mittlerweile durch Wind und Wetter abgetragen, das Wasser reichte bis zum niedrigen neu aufgeschütteten Deich, was das ganze Bild allerdings auch ein wenig attraktiver machte. Rechts lag die ehemalige Ponywiese, die nur noch den Namen trug, aber bereits seit 30 Jahren für die Kurzzeit-Camper im Sommer herhalten musste. Dann kam rechter Hand das Waschhaus. Das Erste überhaupt auf diesem Platz. Früher lag dahinter der Spielplatz. Dort hatten sie sich als Jugendliche abends getroffen. Sie hatten geraucht und Bier getrunken. Er fuhr weiter. Rechts ab in den Seekamp. Noch 100 Meter weiter, da lag er, der Platz seiner Oma. Heute wehte keine Fahne am Mast. Wie auch, sie war nicht im Hause. Er schmunzelte ein wenig. Seine Oma hatte das Ritual der Königin von England übernommen; war sie im Wohnwagen, wurde die Fahne gehisst. Er fuhr den Wagen rechts ran, stieg aus und entfernte das Band vom Parkplatz neben dem Wohnwagen. Dann parkte er ein. Ihm war bewusst, er wurde beobachtet. Wahrscheinlich wusste bereits der ganze Platz, Finn Hansen ist wieder aufgetaucht. Nachdenklich stand er vor dem Vorzelt. Dann überwand er sich, riss den Verschluss auf. Warme Luft kam ihm entgegen. Er hängte den Türlappen in Omas selbstgebastelte Aufhängung, anschließend öffnete er alle Fenster im Zelt und rollte die Lappen auf. Frische Meeresluft strömte durch das Zelt. Er konnte das Salz in der Luft riechen, obwohl es war, wohl eher Fischgeruch, aber sie hatten es immer Salz genannt. Sie, waren seine Eltern und Großeltern. Seine Oma hatte 60 Jahre ihres Lebens auf diesem Platz verbracht. Kurz vor Ostern begann die Aufregung, es musste gepackt werden, der Zweitwohnsitz gehörte hergerichtet. Vollgepackt bis unters Wagendach, mit allem, was man brauchte, um die kalte und warme Jahreszeit zu überstehen, möglichst noch den Bootshänger hinten drangehängt, ging es Richtung Ostsee. Ziel Seekamp, heute fand er den Weg im Schlaf. Er brauchte kein Navi, obwohl er 15 Jahre nicht hier gewesen war. Sein körpereigenes Seelennavi führte ihn auf direktem Weg dorthin. Er zog den Schlüssel zum Wohnwagen aus seiner Hosentasche, steckte den kleinen Schlüssel in das Schloss, öffnete die Tür. Das Erste, das in sein Blickfeld kam, erschreckte ihn, Eiche rustikal, die Innenausstattung. Muffig roch es. Auch hier öffnete er zuerst alle Fenster. Dann schmiss er die Bettwäsche seiner Oma auf den Boden in das Vorzelt. Das brauchte jetzt keiner mehr. Während er mit dem Ausräumen beschäftigt war, vernahm er ein laut gerufenes, »Tok, Tok, Tok!«. Auch die Stimme kannte er nur zu gut. Johannes Baum, auch kurz Jo genannt. »Jemand zuhause? Begrüßung!« Das Ploppen des Bügeldeckels der Bierflasche ging Finn durch Mark und Bein. Er ahnte, was nun kommen würde. Dem Plopp folgte ein Stoß von hinten. »Treffer! Versenkt!« Dann warf sich Jo neben ihn und reichte das Bier rüber. »Schön, dich wieder unter uns zu sehen. Irgendwie haben wir dich vermisst. Komm nun lächle mal. Was machst du hier überhaupt? Mit dir hat niemand mehr gerechnet.« Er schlug seine Flasche gegen die von Finn. »Prost...




