Purcell | Das Leuchten der vergangenen Jahre | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 527 Seiten

Purcell Das Leuchten der vergangenen Jahre

Roman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-672-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 527 Seiten

ISBN: 978-3-98690-672-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wann ist es Zeit, einen geliebten Menschen loszulassen? Der bewegende Roman »Das Leuchten der vergangenen Jahre« von Deidre Purcell als eBook bei dotbooks. Gemeinsam und unbekümmert sind sie zwischen den grünen Hügeln Irlands aufgewachsen: Die überschwängliche Eily und die schüchterne Sophie sind von klein auf unzertrennlich. Als Eily heiratet und ein Kind bekommt, liebt Sophie die kleine Zelda wie ihre eigene Tochter. Doch als das Mädchen eines Tages schwer erkrankt, muss Sophie mitansehen, wie Eily in ihrer Verzweiflung immer absurdere Wege geht, um Zelda zu retten. Darunter leidet auch Brian, Eilys Mann, der vor Sorge um seine Tochter und seine Frau den Halt im Leben zu verlieren droht. Aber wie kann Sophie den drei Menschen, die ihr so viel bedeuten, zur Seite stehen, wenn ihr eigenes Herz jeden Tag ein wenig mehr zu zerbrechen droht? »Eine mitreißende, hochemotionale Geschichte«, schrieb die ?Irish Post? über diesen bewegenden Schicksalsroman der irischen Bestsellerautorin über eine Freundschaft, die schwere Stürme überstehen muss, über Mutterschaft, Angst vor Verlust ... und den Mut, weiterzumachen. Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Das Leuchten der vergangenen Jahre« von Deirdre Purcell wird alle Fans von Jodi Picoult, Judith Lennox und Jojo Moyes begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Deidre Purcell ist in Dublin geboren. Bevor sie ihre Karriere als Autorin begann, arbeitete sie als Schauspielerin am irischen Nationaltheater sowie als TV- und Pressejournalistin. Bisher veröffentlichte die Autorin zwölf Romane, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre berührenden Irland-Romane: »Irischer Traum: Die große Béara-Saga 1« »Irische Sehnsucht: Die große Béara-Saga 2« »Irisches Vermächtnis: Die große Béara-Saga 3« »Ein Sommer in Kilnashone Castle« »Das Geheimnis von Whitecliff« »Die Frau aus Inisheer« »Das Flüstern der grünen Insel« »Das Leuchten eines Augenblicks«
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Kapitel 1


Es ist noch nicht zu spät. Ruf an und sag, es sei eine Bombe an Bord. Du kannst von einer öffentlichen Telefonzelle aus anrufen und verschwinden. In dem Gewühl hier werden sie dich niemals finden.

Oder sag, es handle sich um einen Notfall in der Familie, und sie müßten sofort wieder aussteigen.

Oder sonst was. Nur tu was!

Sophie versucht krampfhaft, die innere Stimme zum Schweigen zu bringen. Sie hat sich den Vormittag freigenommen, um Riba und ihre Tochter zum Flughafen zu fahren, und wird nach der Mittagspause in der Redaktion zurückerwartet. Aber nachdem sie die beiden bis zum Check-in begleitet und es glücklich geschafft hat, bis zum letzten munteren Winken durchzuhalten, muß sie nun feststellen, daß sie nicht einfach so gehen kann.

Sie rutscht auf dem harten, hohen Hocker an einer der Kaffeebars in der Abflughalle hin und her und starrt in den graubleichen Satz in ihrem Pappbecher. Der Flughafen von Dublin befindet sich in einem Zustand ständiger Expansion, aber da die Menschenmengen rascher wachsen als die Erweiterungsbauten, ist er ein ausgesprochen ungemütlicher Ort, besonders für jemanden, der wie sie Lärm und Hektik verabscheut. Trotzdem bleibt sie. Es ist, als wäre sie mit einem Drahtseil an das Flugzeug da draußen gefesselt.

Los, komm schon. Noch ist es nicht zu spät. Gleich da drüben ist eine ganze Reihe öffentlicher Telefone ... Sie sind bestimmt noch nicht gestartet ... Oder geh rüber zum Schalter und erzähl denen irgendwas ... Sag, sie hätten was Lebenswichtiges vergessen ...

Es fällt ihr nicht auf, daß sie Aufmerksamkeit erregt, und zwar nicht wegen ihrer Seelenqualen. Sophie, die so zurückhaltend ist, wie ihre beste Freundin in sich selbst und den großen Auftritt verliebt, besitzt eine angeborene Eleganz und gehört zu den Frauen, die selbst in ein altes Laken gewickelt noch aussehen, als kämen sie gerade aus einer Haute-Couture-Boutique. Sie hat ihren Mantel im Wagen gelassen und trägt ein einfaches marineblaues Kleid mit einer rostfarbenen Jacke von Dunnes Stores darüber, die bei jeder anderen Frau so billig ausgesehen hätte, wie sie tatsächlich war.

Im Gegensatz zu ihrer Freundin, die zu Üppigkeit und Fülle neigt, ist Sophie schmal und gertenschlank. Relativ hochgewachsen, mit einem zart geschnittenen, herzförmigen Gesicht, trägt sie ihr ungefärbtes blondes Haar knabenhaft kurz geschnitten, weil es praktisch ist. Wimperntusche und Augenbrauenstift benutzt sie nur, weil sie mit ihren hellen Wimpern und Brauen ihrer Meinung nach so albinohaft aussieht wie das weiße Kaninchen in Alice im Wunderland.

Obwohl es ihr mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist, die Freundin Riba zu nennen, wenn sie miteinander zu tun haben, wird diese doch in ihren Gedanken immer Eily bleiben. Sie kennen sich seit ihrer frühesten Kindheit; seit ihre Mütter sie Seite an Seite in ihren Kinderwagen spazierenfuhren, als die Dubliner Vorstadt, in die sie aus der Innenstadt hinausgezogen waren, noch von Wiesen und Ackerland umgeben war und in dem frisch angelegten Netz schlammiger, unfertiger Straßen und Plätze mehr Vogelgezwitscher als Autogeknatter zu hören war.

Auch nach dem Tod von Eilys Eltern, in den wechselvollen Zeiten, die folgten, sind die Freundinnen unzertrennlich geblieben; sie haben miteinander gespielt – wenn Eily die Erlaubnis bekam – und gezankt, um gute Noten und Jungs konkurriert, Verletzungen – reale und eingebildete – gemeinsam getragen, tuschelnd prickelnde Geheimnisse ausgetauscht, einander gezeigt, was ein richtiger Kuß ist, kurz, diese Freundschaft ist in beider Leben immer ein fester Anker gewesen. Eine war Trauzeugin der anderen, und Sophie ist Patentante von Eilys Tochter Zelda.

Als Eily fünf Jahre nach Zeldas Geburt auch noch einen kleinen Sohn bekam, kostete es Sophie viel Kraft, sich mit ihr zu freuen, aber sie brachte diese Kraft auf – wenn auch mit knapper Not. Ihre Kinderlosigkeit ist bei weitem das schwerste Kreuz, das sie zu tragen hat, und es vergeht kein Tag, an dem sie nicht im stillen trauert.

Eily und ihr Anhang sind so etwas wie eine Ersatzfamilie für Sophie, deren Eltern nach Neuseeland ausgewandert sind, um in der Nähe ihrer beiden Söhne zu sein, Zwillinge, von denen der eine dort verheiratet ist, während der andere in Sydney ganz offen seine Homosexualität auslebt. Obwohl sie sich bemüht hat, keinen Groll aufkommen zu lassen, erschien ihr die Abwanderung ihrer Eltern zu ihren Enkeln wie ein zusätzlicher Vorwurf wegen ihrer Unfruchtbarkeit.

Genug! Sophie richtet sich auf und strafft die Schultern. Das neue Jahrtausend ist gerade einmal zwei Wochen alt, und schon hat sie ihren Vorsatz, das Trübsalblasen in Zukunft sein zu lassen – ihr Leben von den Spinnweben zu befreien – gebrochen.

»Hallo! Du bist noch da?«

Sie fährt auf ihrem Hocker herum. Hinter ihr steht Brian McMullan.

Eilys Mann hat im Kampf gegen diesen »karibischen Blödsinn«, wie er es nennt, sämtliche Geschütze aufgefahren, einen Angriffskrieg geführt, der in seiner Weigerung kulminierte, Frau und Tochter zum Flughafen zu fahren. Aber nun ist er doch da.

Die Air-Arda-Flugbegleiter, die Frauen in adretten, aber wenig kleidsamen Faltenröcken, die Männer mit Hemden, die so blütenweiß sind wie ihre Zähne, eilen im allgemeinen Stimmengewirr den schmalen Gang hinauf und hinunter und schaffen es, gleichzeitig kompetent und blasiert dreinzuschauen, während sie sich mit schnellen Blicken verständigen.

»Alles in Ordnung, Schatz?« Riba streckt über den Gang hinweg die Hand nach ihrer Tochter aus. »Sitzt du bequem? Keine Schmerzen?«

»Jetzt mach doch nicht so einen Wirbel – bitte!« Zelda, neunzehn Jahre alt und so eigensinnig wie jedes normale junge Mädchen in ihrem Alter, schüttelt die aufdringliche Hand ab und dreht ihrer Mutter den Hinterkopf zu.

Riba zieht sich seufzend zurück. Sie fängt den Blick einer Frau auf, die direkt hinter ihrer Tochter sitzt, und verdreht die Augen gen Himmel. Die andere Frau lächelt verständnisvoll, und im Wohlgefühl mütterlicher Komplizenschaft beugt Riba sich nach vorn und zieht die Tasche an der Rückenlehne des Sitzes vor ihr auf, um noch einmal nach den Einmalspritzen zu sehen, die sie dort verstaut hat. Ja, sie sind alle da. Das Medikament liegt im Kühlschrank der Bordküche. Es war ein Riesentheater, alles durch das Sicherheitssystem am Flughafen zu schleusen, und sie hat immer wieder die Rezepte und Genehmigungen vorzeigen müssen.

Multiples Myelom. So ein melodiöses Wort für eine so entsetzliche Krankheit. Mit einem Schauder des Abscheus läßt sie das Gummiband zurückschnellen und lehnt sich in ihrem Sitz zurück.

Es ist derart ungerecht. Bei akuter Blinddarmentzündung ist die Lage klar: Läßt man sich nicht behandeln, stirbt man. Es ist, als triebe Zeldas Krankheit, ein Krebs des Knochenmarks, ihr grausames Spiel mit der Menschheit. Es gibt keine zwei Menschen, die an den gleichen Symptomen leiden oder in gleicher Weise auf mögliche Behandlungsarten ansprechen, seien es die Knochenmarksverpflanzung oder die stärksten Medikamente, zu denen seit neuestem die sogenannten Thalidomid-Derivate gehören. Um nichts in der Welt wird Riba zulassen, daß so etwas dem zarten Körper ihrer Tochter nahe kommt. Sie hat die Nase voll von der konventionellen Medizin und den Ärzten. Sie hat es satt, ständig zu hören zu bekommen, man müsse die Wahrscheinlichkeiten gegeneinander abwägen, es sei alles eine Sache der praktischen Erprobung verschiedener Möglichkeiten und der Prüfung des akzeptablen Risikos. Keiner wagt es, auch nur die kleinste Garantie zu geben. Und wenn man anfängt zu bohren und nach zeitlichen Größenordnungen fragt oder auch nur, ob auf lange Sicht Hoffnung bestehe, weichen sie einem aus.

Alle Therapien, die man an Zelda ausprobiert, während sie auf ihren Tod wartet, haben grauenvolle Nebenwirkungen, von denen ihr abgemagerter, geschundener Körper zeugt.

Kann man es Riba verübeln, daß sie die Sache selbst in die Hand genommen hat? In Jays Hände gegeben hat?

Sie und ihre Tochter sitzen nun schon seit geraumer Weile in der vorletzten Reihe der Chartermaschine; die Passagiere sind nach Sitznummern von hinten ins Flugzeug geschleust worden. Neben und vor allem vor ihnen sind ihre Mitreisenden immer noch damit beschäftigt, sich häuslich einzurichten. In fröhlich lärmendem Gegensatz zum schmachtenden Gesang Enyas aus dem Lautsprecher rammen sie ihr Handgepäck in die bereits vollgestopften Fächer über den Sitzen, um sich dann in ihre Sessel zu quetschen. Die Fächer über Riba waren schon voll, als sie kam, so daß weder ihre Handtasche noch ihre kleine Reisetasche darin Platz fanden; nun nimmt die letztere den gesamten Raum unter dem Sitz vor ihr ein, und ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Handtasche zwischen sich und ihre Armlehne zu zwängen. Sicherheitshalber trägt sie den Schulterriemen quer über die Brust gelegt. Von dieser kleinen Unbequemlichkeit wird sie sich nicht stören lassen. Heute wird nichts schiefgehen.

Sie hatten Glück, daß sie so kurzfristig überhaupt Plätze für diesen Flug bekommen haben. Die Zeit von Mitte Januar bis Mitte Februar hat sich, dem Reisebüro zufolge, zur Hauptsaison für Transatlantikreisen entwickelt, kein Wunder bei all den Sonderangeboten. Früher war Miami, wohin die erste Etappe ihrer Reise sie führen wird, für die Iren das Eldorado. Heute, denkt Riba wehmütig, während sie die Gruppen ohrringtragender junger Kerle und die ganzen auf Teufel komm raus gebleichten Blondinen betrachtet, die die Flachmänner aus ihren geräumigen Handtaschen kramen und sich verstohlen einen Schluck genehmigen, ist Amerika zu einem erschwinglichen Disneyland verkommen, so daß die...



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