Purcell | Ein Sommer in Kilnashone Castle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 476 Seiten

Purcell Ein Sommer in Kilnashone Castle

Roman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-448-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 476 Seiten

ISBN: 978-3-98690-448-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das ewige Leuchten einer Liebe: Der bewegende Irland-Roman »Ein Sommer in Kilnashone Castle« von Deirdre Purcell jetzt als eBook bei dotbooks. In den 1960er Jahren wächst die junge Irin Pearl nahe des herrschaftlichen Anwesens Kilnashone Castle auf. Als Tochter des Chauffeurs ist ihr ein bescheidenes Leben im Schatten der Reichen vorherbestimmt - bis sie eines Tages Thomas begegnet, dem zukünftigen Lord von Kilnashone. Trotz aller Standesunterschiede knüpfen die beiden ein zartes Band miteinander ... doch als ein schreckliches Ereignis ihre Familien erschüttert, werden sie plötzlich auseinandergerissen. Erst viele Jahre später wagt Pearl es, sich den immer noch schmerzhaften Erinnerungen zu stellen. Auf der Suche nach Antworten kehrt sie zurück nach Kilnashone - aber kann sie auch einen Weg zurück in Thomas' Herz finden, oder ist die Liebe zwischen ihnen längst erloschen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Familiengeheimnisroman »Ein Sommer in Kilnashone Castle« von Bestsellerautorin Deirdre Purcell. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Deidre Purcell ist in Dublin geboren. Bevor sie ihre Karriere als Autorin begann, arbeitete sie als Schauspielerin am irischen Nationaltheater sowie als TV- und Pressejournalistin. Bisher veröffentlichte die Autorin zwölf Romane, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre berührenden Irland-Romane: »Irischer Traum: Die große Béara-Saga 1« »Irische Sehnsucht: Die große Béara-Saga 2« »Irisches Vermächtnis: Die große Béara-Saga 3« »Ein Sommer in Kilnashone Castle« »Das Geheimnis von Whitecliff« »Die Frau aus Inisheer« »Das Flüstern der grünen Insel« »Das Leuchten eines Augenblicks«
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Prolog


Ich kehrte nur ein einziges Mal in den Wald von Drynan zurück.

Ich tat es aus einem Impuls heraus, dessen Stärke mich erstaunte, aber die Vorstellung von dem, was bald diesen alten Bäumen, Talismanen, wenn nicht sogar Wächtern meiner Kindheit, widerfahren sollte, ließ mich einfach nicht mehr los. Der Gedanke, dass sich Sägen und Äxte in die dicken Stämme fräßen, bis auch noch der letzte fiele, um sie dann in Ketten fortzuzerren, erschütterte mich in einem Maß, das ich nicht wirklich erklären kann, ohne dass es klingt, als wäre ich verrückt.

Während der vier Jahrzehnte, seit ich von Kilnashone nach Dublin gezogen war, hatte man den Wald, der damals 270 Morgen umfasst hatte und einer der letzten unberührten Laubwälder des Landes gewesen war, wegen seiner wertvollen Hölzer bereits stückchenweise dezimiert, der letzte Teil jedoch würde jetzt zur Begleichung der Grundsteuer von unseren früheren englischen Gutsherren verkauft. Diese Information hatte ich in einem Zeitungsartikel entdeckt, in dem es halb humorvoll um einen magischen Baum, einen Weißdorn, gegangen war, der in der Tiefe des Waldes wuchs und seine Äste über den Fluss Drynan hängen ließ. Die Verfasserin dieses Artikels hatte ein paar Leute aus dem Dorf gefragt, was sie davon hielten, wenn der Baum zusammen mit den anderen gefällt würde, und die Antworten bekommen, auf die sie wahrscheinlich aus gewesen war: Die Menschen hatten schreckliche Ereignisse vorausgesagt und ihr von dem Fluch erzählt, der diejenigen treffen würde, die es wagen sollten, den magischen Baum zu attackieren.

Außerdem hatte sie herausgefunden, dass den meisten Einwohnern von Kilnashone sowohl die Burg, die immer noch eine Ruine war, als auch der dazugehörige Grundbesitz vollkommen gleichgültig waren. Ein Mann, der namentlich nicht hatte genannt werden wollen, wurde mit folgenden Sätzen zitiert: »Sie haben uns im Stich gelassen, als sie vor vierzig Jahren einfach abgehauen sind – dafür soll sie der Teufel holen –, und jetzt heißt es, dass sie ihre eigenen Leute aus England mitbringen, damit die die Bäume fällen. Weshalb also sollte uns interessieren, was aus ihren verdammten Bäumen wird?«

Mich interessierte es sehr wohl. Ich besuche diese Bäume beinahe jede Nacht in meiner Fantasie und habe sie in meinem Beruf als Schriftstellerin in verschiedenen Formen in meine Geschichten eingebaut, manchmal als eigenständige Gestalten, manchmal einfach als Schauplätze für einen Teil der Handlung, und gelegentlich – auch wenn das wahrscheinlich etwas fantastisch klingt – als Symbole der Hoffnung und der Beständigkeit. Denn irgendwie habe ich stets geglaubt, solange es den Wald von Drynan gäbe, würden meine eigenen Hoffnungen vielleicht doch noch eines Tages wahr.

Wie hatte ich es angestellt, dass ich, ohne es zu merken, derart alt geworden war? Ich war über fünfzig, was schon halb verwelkt und vor allem unglaublich gediegen klingt.

Für mich selbst jedoch war ich noch immer fünfzehn, weil in jenem Jahr in meinem Leben Stillstand eingetreten war. Ja, ich wache morgens auf, ziehe mir passende Kleider an, nehme aktiv am Leben teil, schreibe, esse, lächle Besucher an, besuche Konzerte, gehe ins Theater und nehme in einem Maß am gesellschaftlichen Leben teil, dass wahrscheinlich niemand findet, ich sei seltsam.

Bei den seltenen Gelegenheiten, wenn man mich zu meinen Büchern interviewt, äußere ich mich nachdenklich, doch positiv über die Welt im Allgemeinen – und werde im Ergebnis durchaus schmeichelhaft von den Autoren der Artikel porträtiert.

Trotzdem bin ich in meinem tiefsten Inneren weiter fünfzehn, und solange diese Bäume standen und in ihrer majestätischen Gestalt Stürme, Dürrezeiten und gar Fluten überlebten, starb auch meine Hoffnung nicht. Die Vernunft geböte, nein, gebietet es, einen derartigen Glauben gegen sämtliche empirischen Beweise als Verrücktheit abzutun, aber schließlich bin ich nicht gerade für meine Vernunft berühmt.

Deshalb nahm ich, aufgeregt, weil ich bald die Stätte meiner Kindheit wiedersähe, und zugleich erfüllt von blanker Furcht vor dem, was ich dort vielleicht fände, den frühmorgendlichen Bus nach Cork, der, wie ich wusste, in Kilnashone und in vielen anderen Dörfern der Midlands hielt.

Das an die Ländereien grenzende Dorf war beinahe zweihundert Jahre vor meiner Geburt um eine große Grünfläche herum entstanden, und nicht nur das Leben unserer Familie hatte sich fast ausschließlich um den Kilnashone’schen Herrensitz gedreht, denn auf die eine oder andere Art hatten damals beinahe alle Menschen im Bezirk auf Kilnashone Castle ihren Lebensunterhalt verdient. Trotz der Bezeichnung Castle war es genau genommen gar keine richtige Burg gewesen, denn der Größe und Bedeutung nach hatte es sich verglichen mit einigen der anderen großen irischen Häuser eher bescheiden ausgenommen; doch dank seiner erhöhten Position, von der aus man in alle Richtungen über die wogende Hügellandschaft blicken konnte, mit seinen zinnenbewehrten Mauern, den ausgedehnten Stallungen und der breiten Einfahrt, durch die man sich dem Haus zwischen zwei Reihen von Kastanienbäumen hügelaufwärts näherte, war es prachtvoll genug gewesen, um Eindruck auf uns zu machen, die wir in dem zweigeschossigen Pförtnerhäuschen neben den massiven Toren daheim gewesen waren.

Als mein Bus das Dorf erreichte, wirkte es auf den ersten Blick, als hätte sich in den Jahrzehnten seit den schrecklichen Ereignissen im April 1923 kaum etwas verändert. Einige der Ladenfronten hatten andere Farben als in meiner Erinnerung, und die Schilder über den Türen wiesen andere Namen auf, aber die Torpfosten und hohen Mauern um die Burg herum waren noch intakt und so beeindruckend wie eh und je. Das riesige Eisentor jedoch, das offen stand, war hoffnungslos verrostet und ließ sich wahrscheinlich auch nicht mehr bewegen, da Efeu, Gräser und Brombeerranken es umschlungen hatten.

Als ich durch das Tor ging, sah ich, dass die Bäume derart groß und dicht geworden waren, dass sie ein Dach über der breiten Einfahrt bildeten, die inzwischen derart ausgefahren war, dass ein paar der Schlaglöcher, obwohl es tagelang nicht mehr geregnet hatte, kleinen Teichen ähnelten. Selbst aus der Nähe schienen die sprossenverzierten Erkerfenster des Pförtnerhäuschens, in dem mein Bruder, meine Schwestern und ich geboren waren, in Ordnung zu sein, doch die Verzierung des Dachs über der mit einem Vorhängeschloss versehenen Eingangstür war schmutzig und wies mehrere Lücken auf. Ich spähte durch das spinnwebverhangene, schmutzige Küchenfenster auf den mit einem Rost versehenen Kamin, der anscheinend unverändert war, doch der einzige andere Gegenstand, den ich im Halbdunkel des Raumes sehen konnte, war ein umgekippter Holzschemel mit einem abgebrochenen Bein.

Statt durch den düsteren Kastanientunnel ging ich seitlich um das Haus herum direkt in Richtung Wald, wobei ich durch unseren damaligen Küchengarten kam, in dem inzwischen hüfthoch ein wildes Durcheinander aus Unkraut, Wildblumen, weiteren Brombeeren und Pflanzen, die ich nicht identifizieren konnte, wucherte. Wenigstens gab es noch Leben in dem Garten, dessen Tiefen die Bienen plünderten, während bunte Schmetterlinge flatternd zwischen dem Wildwuchs und dem Sommerflieder links und rechts des Wegs vom Häuschen wechselten. Mama wäre entsetzt gewesen, hätte sie den Garten in diesem Zustand gesehen, denn sie hatte jedem noch so kleinen Unkraut immer sofort den Garaus gemacht.

Als ich über die Heuwiese hinter dem Häuschen ging, blickte ich nach rechts auf die Rückseite der unbedachten Burg. Die vielen Schornsteine waren zwar ihrer Aufgabe beraubt, ragten aber trotzdem weiter stolz in den blauen Himmel auf. Um einen der Schornsteine herum stand ein halb verfallenes Gerüst, als hätte irgendwann jemand ihn reparieren wollen, es sich dann aber anders überlegt.

Die Wand des Stalles wirkte unberührt, aber ich wusste nur zu gut, in welch grauenhaftem Zustand das Gebäude war, und fröstelte trotz des warmen Tags.

Mein Herz fing an zu klopfen, als ich unter dem überdachten Tor hindurch auf den alten, nicht mehr benutzten Friedhof trat: In jenen Tagen im April 1923 hatte er eine beinahe ebenso bedeutende Rolle wie der Wald gespielt, den man am Ende des Feldes hinter der rückwärtigen Friedhofsmauer sah. Ich hatte damit gerechnet, sofort etwas von der Zerstörung zu erblicken, doch soweit ich sehen konnte, war die Vorhut der Bäume – zumindest auf dieser Seite – noch vollkommen unberührt. Die langgezogene, hohe Silhouette des Drynan’schen Waldes wirkte noch intakt.

Sobald ich den Wald betrat, erkannte ich sofort den Pfad, den meine Schwestern, Willie und ich auf dem Weg zu »unserer« Wiese am Ufer des Flusses oft hinabgetrottet waren. Natürlich hatte sich der Wald in all der Zeit verändert: Er war jetzt so dicht, dass das Sonnenlicht, das in meiner Erinnerung immer durch das Blätterdach gefallen war und helle Sprenkel auf den Waldboden geworfen hatte, es nicht mehr schaffte. Weshalb das Dickicht, Gott sei Dank, nicht so undurchdringlich war, wie ich befürchtet hatte, und ich relativ problemlos vorwärtskam.

Trotzdem blieb ich nach nur fünfzig Metern stehen. Obwohl dies der Ort war, den ich unbedingt hatte besuchen wollen, hatte ich aus irgendeinem Grund Angst davor weiterzugehen. Weil die Stille, die an diesem warmen, schwülen Tag im Juli herrschte, irgendwie gespenstisch war. Obgleich ich in der Nähe leises Rascheln aus dem Unterholz vernahm, wo die Geschöpfe des Waldes ihre Geschäfte verrichteten, schienen die Vögel entweder zu schlafen oder ausgeflogen zu sein, und so stand ich mit wild pochendem Herzen da und versuchte zu entscheiden, ob es besser wäre weiter- oder doch vielleicht zurückzugehen. Ich hatte...



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