Quindt | Jagd im indischen Dschungel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 285 Seiten

Reihe: Der Tiger Akbar

Quindt Jagd im indischen Dschungel

Der Tiger Akbar 1 - Abenteuerroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7409-4232-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Tiger Akbar 1 - Abenteuerroman

E-Book, Deutsch, Band 1, 285 Seiten

Reihe: Der Tiger Akbar

ISBN: 978-3-7409-4232-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Peter Petersen, einem kleinen Angestellten einer Hamburger Importfirma, liegt die Lust zum Abenteuer im Blut. Als er eines Tages Zirkusluft schnuppert, erhält er den entscheidenden Anstoß, aus seinem bisherigen eintönigen Leben auszubrechen. Er beschließt, Raubtierdompteur zu werden. Als ihm die schöne Frau seines Lehrmeisters beinahe zum Verhängnis wird, verlässt er die bunte Zirkuswelt. Er schließt sich einer Expedition an, die ihn auf Tigerjagd in den indischen Dschungel führt. Dort fängt er den Tiger Akbar, ein besonders schönes und kluges Tier, der eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen wird. In den undurchdringlichen Urwäldern Indiens kommt Peter Petersen seiner Begleiterin, der geheimnisvollen, faszinierenden Artistin Daphne Dennys näher, in die er sich leidenschaftlich verliebt. Dieser farbige, fesselnde Roman führt an internationale Schauplätze. Die Geschichte des Tigers, den die Menschen »Akbar« nannten, hebt an mit dem Duft üppig blühender Syringen. Mit diesem hellen und süßen Duft, der aus dem stillen, in sich verkapselten Knaben Peter Petersen einen Mann machte, der jählings und scheinbar unmotiviert dem Zwinger seiner bürgerlich eingeengten Existenz entsprang, um sich - stark, giervoll und sehnsuchtbesessen - in ein buntes und verwirrend gefährliches Leben der Abenteuer zu stürzen. Ein Abend im Frühling. Das Rot der versunkenen Sonne färbt den westlichen Himmel, spiegelt sich schwach auf den sanften Wellenkämmen des Sees. Peter Petersen sitzt am Rande einer zart geschwungenen Bucht des Alsterufers. Sitzt auf einer leuchtend braun gestrichenen Holzbank und liest in einem groß gezeichneten und vielfach gestempelten Buch der städtischen Leihbücherei. Weiße Segel ziehen langsam und stetig über das glänzende Wasser, dessen bewegtes Dunkel allmählich siegt über den verflackernden Purpur der letzten Sonnenglut. Farbenfrohe Boote tragen in weichen Kissen hell gewandete Mädchen, die lässig und lachend mit den rudernden Liebsten flirten. Auf dem Steg des Brutkastens, den man in der Bucht errichtet hat, kraxeln drollige graue Schwanenküken, aufgeregt umkreist von den schimmernd weißen Eltern. Durch die warme Abendluft wehen leise die Melodien des Bläserorchesters im Uhlenhorster Fährhaus. Rings sind die Bänke besetzt: einige ältere Ehepaare, die korpulent und behaglich den Abendfrieden genießen, ein paar junge Menschen, abwesend und unlustig in Büchern und Magazinen blätternd, zwei Liebespärchen, die mit sichtlicher Ungeduld auf das Dunkel warten, um sich endlich küssen zu können. Hinter den Büschen der Anlagen hupt auf dem Fahrdamm der Prachtstraße mitunter ein schnell dahinflitzendes Auto, mahnt an die Unrast der nahen Stadt. Peter Petersen fügt sich gut in dieses Bild spießerlicher Abendruhe. Einundzwanzig Jahre ist er alt und so recht das, was man einen braven Burschen nennt. Ist niemals sitzen geblieben in der Schule, hat die kaufmännische Lehre mit Auszeichnung bestanden, ist nun schon drei Jahre Gehilfe in der Firma Wilkens & Companie, Häute-Import. Die Mutter ist seit vielen Jahren tot, nun lebt er neben dem Vater her, und die Schwester führt ihnen den Haushalt. Er verträgt sich gut mit beiden, ist pünktlich, stets gefällig und immer freundlich. Liest viel in seinen freien Stunden, geht wöchentlich zweimal ins Kino und einmal im Monat in ein Theater. Mehr als dies begehrten seine Sinne bis heute nicht vom Leben. Heute hat er sich durch den ganzen Tag seltsam bedrückt und verworren gefühlt. Nicht wie sonst ist ihm die Arbeit glatt und leicht von der Hand geflossen, er hat sich dazu zwingen müssen, und sie ist ihm zur Qual geworden. Der Vater hat ihn freilich verlacht, als er zu ihm von seinen Nöten gesprochen, hat lustig mit den Augen gezwinkert und gemeint, ihm stecke wohl der Frühling im Blut ... Aber abends ist es noch schlimmer geworden mit ihm. So müde fühlte er sich, so schwach und merkwürdig weich in allen Gliedern.

William Quindt, der aus einer bäuerlichen Familie stammte, verlor früh seine Eltern und schlug sich ab dem 15. Lebensjahr mit verschiedenen Berufen durchs Leben. Schließlich wurde er Journalist. Doch auch diese Tätigkeit gab er wieder auf, um - seiner 'Tiersehnsucht' folgend - Pressechef bei großen Zirkusunternehmen wie Sarrasani, Busch und anderen zu werden, mit denen er in der Folge ganz Europa bereiste. Weitere Reisen brachten ihn auch nach Afrika und Indien. William Quindt ist ein Autor, dessen besondere Begabung weit entfernt liegt von den Stoffgebieten und den Zielen üblicher Romanschreiber, ein Mann, der zu erzählen weiß von Tieren und Abenteuern, nicht nur, weil er das Leben der Tiere und die Gefahr der Abenteuer erlebt hat, sondern weil er sie liebt und mit seinem ganzen Herzen an ihnen hängt.
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Auf der Reeperbahn fängt er sich wieder ein: dumpfen Wirbel im Hirn, das keinen Gedanken zu halten vermag. Zittern in allen Gliedern, weiche Schwäche in den Kniekehlen und ein schnürendes, leeres Gefühl in der Magengegend. Es dauert lange, bis er sich wieder zurechtgefunden, bis er weiß, dass er sich im abendlichen Sankt Pauli befindet. Dann lässt er sich langsam treiben im Strom der flanierenden Menschen.

Aber er bleibt abwesend und seltsam benommen. Immer noch zuckt sein Körper in der brutalen und gemeinen Geste des Schlages, immer noch fühlt er in der Handfläche die weiche Wärme des schönen Frauengesichts. Immer wieder hört er den Schrei, sieht er die weiße seidene Frau auf dem Pflaster zu seinen Füßen. Und immer wieder rennt – ein erstickend heißer, ein tötend kalter Strom – die Scham durch seinen Leib.

Er rafft sich gewaltsam zusammen, zwingt sich, nicht mehr zu denken an die Szene, die vergessen sein soll, gibt sich gierig den Bildern des Vergnügungsviertels hin.

Bäume rauschen, Autos hupen, Radfahrer flitzen lautlos – polternd, knatternd ein Motorrad. Ein junges Mädchen auf dem Rücksitz, die verschnittenen Haare wehen ihr nach, das Licht der Bogenlampen schmeichelt ihren geöffneten Knien.

Frauen an den Häuserwänden, dick geschminkt, im wiegenden Schlenkerschritt die Handtaschen schwenkend. Ein Trupp Chinesen: kleine, schmächtige Gestalten, Schlitzaugen, junge gelbe Gesichter. Weite blaue Leinenanzüge tragen sie, europäische Hüte, doppelsohlige Schuhe. Ein Farbiger, von Kopf bis zu den Füßen schreiende Konfektionseleganz von vorvorgestern, dreht sein Stöckchen, sieht grinsend einer hochgeschürzten Kokotte nach, summt: »Louisiana – Louisiana – Louisiana – Lou!« Matrosen mit braunen, nach Alkohol und Frauen hungrigen Gesichtern. Spießer, würdig ihre vom Bier aufgeschwemmten Bäuche vor sich hertragend. Verwegen aufgeputzte junge Mädchen, geschniegelte Jünglinge mit drolligen Lebemannsallüren.

Operettenhaus, Panoptikum, unzählbare Kinos, Frühstücksstuben, Singspielhallen, Bierlokale, Kneipen, Kaschemmen. Drüben, die andere Seite, ist vornehmer: Bürgerliche Cafés, Kabaretts, der »Alkazar«. Aber dann auch ein wilder Hexensabbat von Lokalen, hinleitend zum irren Vergnügungstaumel der »Großen Freiheit«.

Peter Petersen bleibt stehen, wendet sich mit hartem Entschluss. Nein, er will das nicht, dieses nicht. Hier ist alles gemein, weil hier alles käuflich ist. Und er weiß: das Abenteuer, das ihm das Tor zum Leben öffnen soll, das ist nicht käuflich, darf, kann nicht käuflich sein.

Fast eilig geht er zurück. Für einen Augenblick lockt ihn ein Film, den ein Kino mit schreienden Plakaten ankündigt. Aber dann geht er mit geducktem Kopf weiter. Nein, auch das nicht! Das ist Altes, längst Bekanntes. So sehr gut kennt er es: durch Stunden auf dem Klappsitz, im Dunkeln, allein im Geflüster, Getuschel, Papierrascheln ringsum. Die flirrenden Bilder fesseln, interessieren – und schläfern langsam ein. Zwei Tage erinnert man sich noch, entsinnt sich des Bruchstücks einer Handlung, der Geste eines Frackherrn, des Augenzwinkerns der Diva. Und dann ist alles tot – und nie wieder denkt man an das Geschehene zurück.

Räderknarren, müder Hufschlag eines Pferdes, klingelnde Glöckchen. Peter Petersen wendet sich: ein Reklamewagen kommt im langsamen Zockeltrott daher. Bemalte Leinenwände, von innen erleuchtet. Fußhohe Buchstaben: »Zirkus Kaiser! Größte Schaustellung Europas! Zwei Manegen, eine Bühne, eine Rennbahn! Dreihundert Artisten! Fünfhundert exotische Tiere! Jeden Abend von acht bis elfeinhalb Uhr!«

Das Pferdchen ist fantastisch aufgeputzt, der Kutscher trägt einen breiten Schlapphut und die Fellhosen der Cowboys. Und das Wort Zirkus hat einen märchentiefen, zauberhaft starken Glanz …

Peter Petersen sieht rasch auf seine Nickeluhr: halb neun, das Spiel hat längst begonnen. Aber das macht ja nichts – es geht doch bis halb zwölf! Das sind noch fast drei volle Stunden …

Schon springt er über den Fahrdamm, eilt am Millerntor vorüber, und dann leuchtet ihm – mystischer Märchenberg, von innen erleuchtet und von tausend Lampen festlich umkränzt, leise bebend im schwachen Abendwind – das zweikuppelige Zirkuszelt entgegen.

Eine lichtüberladene Fassade. Spaziergänger stehen davor und bekritteln die im Halbrelief wiedergegebenen Figuren fremder, wilder Tiere. Musik bricht durch das dünne Zelt, Lärmen, Peitschenknall, Händeklatschen – vor dem Zirkuszaun steht ein großer, schwer gepanzerter Wagen. »Cassa«, leuchtet ein gläsernes Schild von seinem Dach. Ein Schalter ist noch offen und erleuchtet, Peter Petersen bekommt sein Billett, fasst das Papierstückchen, steckt das erhaltene Wechselgeld achtlos in die Hosentasche, treibt durch die Sperre, schlägt den roten Plüschvorhang zurück – und ist in einer zaubervoll fremden Welt.

Es steht in einer tiefen Schlucht. Links und rechts türmen sich die Sitzreihen bis hoch an den Rand der leinenen Wände, laufen spitz zu gegen die Mitte des Riesenraumes. Stangen, Maste, Versteifungen, Seile überall – und das wahnsinnsstarke Licht ungezählter Jupiterlampen. Dazu rast eine wilde Kapelle Synkopen.

Und durch das Wirrsal der gespannten Taue fliegt ein Chinese im leuchtend bunten Gauklerkostüm, rotierende Papierschirme in den Händen, lustig kreischend. Aufgehängt am Zopf, der ein Rädchen hält am Ende – das surrt über das schräg die Arena durchquerende Drahtseil.

Dann aber stürzt von irgendwoher ein Farbiger auf Peter Petersen zu, sehr groß und breitschultrig, im grünen langschößigen, üppig mit Gold verschnürten Paraderock – nimmt ihm die Karte ab, zerreißt sie, drückt ihm den einen Fetzen wieder in die Hand, führt ihn zu seinem Platz.

Peter setzt sich still, nimmt sich keine Zeit, die Umgebung zu mustern, ist bereits gebannt von dem Spiel in den beiden Manegen. In dem einen großen gelben Sandrondell liegt ein Chinese auf dem Rücken, streckt die nackten Fußsohlen nach oben, die halten einen endlos langen, starken Bambusstab. Und an jedem Ende dieser Stange hängt ein Körbchen, und in jedem Körbchen sitzt ein kleines gelbes Chinesenkind. Nun setzt der Mann langsam die Stange in Bewegung, sie dreht sich zuerst träge, rasch und rascher dann, bis sie endlich pfeifend schnell über seinen nackten Fußsohlen rotiert. Und die kleinen gelben Kinder lachen vergnügt aus ihren schräg geneigten Körbchen, werfen zärtlich vergnügte Kusshändchen in das Publikum.

In der anderen Manege ein noch gefährlicheres Spiel. Dort stellt ein Chinese einen starken Holzreifen auf, steckt drei Dutzend scharfe Messer hindurch, lange, starke, geschliffen spitze Messer. Ein Kreis von knapp einem halben Meter Durchmesser bleibt in der Mitte. Der Chinese tritt zurück, wirft den Kimono ab – knochig und sehr hager ist seine Figur im grasgrünen Trikot – schlägt Rad und Purzelbaum auf der Erde, übermütig wie ein spielender Bengel, dreht Flic-Flac und Salto und ist dann mitten aus dem tollen Gliedergewirbel heraus mit einem eleganten Schwung durch den engen Kreis der gefährlich starrenden Messer gesetzt.

Auf der Bühne – rotsamtenes Podium zwischen den beiden Manegen – agiert ein malabarischer Taschenspieler. Lässt aus einem Blumentopf ein Magnolienbäumchen wachsen bis zur Manneshöhe, lockt grüne Blätter hervor und süße, schimmernde Blüten. – Stellt dann eine lange Bambusstange vor sich, klettert daran hinauf, legt sich mit dem Leib auf die sich krümmende Spitze – und dreht sich schnell wie ein Propeller. Dabei schraubt er sich an der Stange auf und ab, jeder in der großen Menge ringsum sieht, dass der Bambus ihm oft halbmeterlang aus dem Rücken ragt, Sonnenschirme streuen seine Hände, bunte Fächer, Blumen und flatternde Tauben …

Dann ist der bunte Spuk mit einem Schlage wie weggewischt. Uniformierte Diener springen, harken den gelben Sand – und schon stampfen Elefantenherden in die beiden von rotem Plüsch gesäumten Ringe. Sie stellen sich auf die Hinterbeine, drehen sich im Walzertakt, langsam, plump – und doch überwältigend grandios. Einer packt den Dompteur mit dem Rüssel, reißt ihn hoch in die Luft, setzt ihn behutsam, zärtlich fast, auf seinen Nacken. Holt ihn wieder herunter, stellt ihn sacht auf den Sand, dankt mit schwänzelndem Rüssel für den Beifall ringsum. Dann bauen sie komplizierte Pyramiden, schreiten vorsichtig über den lang im Sand liegenden Dresseur, kauern sich über ihn, dass er vollkommen verschwindet unter ihren Fleischgebirgen, krümmen ihm kein Härchen dabei. Und verschwinden, wie sie gekommen sind: stampfend, leise schaukelnd, mit hochgerecktem Rüssel.

Wieder die harkenden Diener – und dann prescht mit Geschrei und Pistolenschüssen eine Horde tscherkessischer Reiter herein. Männer und Frauen im gleichen fantastischen Kostüm: Juchten-Stiefel, weite schwarze Kniehosen, die Tscherkesska unter langschößigem Rock, den Kinschal an der Hüfte, die große Pelzmütze, der weiße, flatternde Mantel. – Keinen Augenblick der Ruhe. Geschrei und rasendes Tempo. Sie reiten wild und mit unvergleichlichem Elan: jetzt gestreckt auf dem Sattel stehend, nun unter den Pferdebäuchen hängend, dann im Sand schleifend. Zeigen ihre Künste im Schießen, im Werfen der nadelspitzen Dolche. Lassen Pulvergeruch hinter sich, zerwühlten Sand und den Schrecken eines mörderischen Lärms. Noch denkt Peter Petersen an die volle Brust der einen schönen Reiterin, die schwer wie reife Früchte aus dem knappen Rock drängte – da ist der Sand voll von Clowns.

Lange, grotesk magere Gestalten, kleine von monströser Korpulenz. Keinem passen die Kleider. Die Großen treten sich auf die Schöße ihrer Fräcke, und den Kleinen sitzen die Taillenknöpfe...



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