E-Book, Deutsch, Band 3
Reihe: Lords of Desire-Reihe
Quinn Die Lady und das ungezähmte Land
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98637-986-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3
Reihe: Lords of Desire-Reihe
ISBN: 978-3-98637-986-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Was geschieht, wenn eine Normannin auf einen Waliser trifft?
Der faszinierende dritte Band der Lords of Desire-Reihe von Paula Quinn
Lady Tanon Risande ist eine feine Dame mit Manieren und Anstand. Als sie mit dem wilden walisischen Prinzen Gareth ap Owain verheiratet werden soll, entspricht das so gar nicht ihren Vorstellungen. Doch der gutaussehende Krieger löst mit seinem intensiven Blick ungekannte Gefühle in Lady Tanon aus …
Gareth ist zwar ein Prinz, doch er kommt aus einem ungezähmten Land und kann Tanon nicht den Luxus bieten, den sie gewohnt ist. Dennoch setzt er alles daran, seine neue Frau für sich zu gewinnen. Denn Gareth hat nicht nur eine wilde Seite an sich. Wird er das Herz von Lady Tanon erobern können, oder sind die Unterschiede der beiden zu groß?
Alle Bände der Lords of Desire-Reihe sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.
Erste Leser:innenstimmen
„Ein walisischer Prinz hat es auf das Herz einer feinen britischen Lady abgesehen, aber sie weigert sich, es ihm zu geben.“
„Diese mitreißende mittelalterliche Liebesgeschichte ist meisterhaft geschrieben und recherchiert, und die Charaktere besitzen echte Tiefe.“
„Die Lords of Desire-Reihe von Paula Quinn geht im dritten Band mit einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte und fesselnden Handlung weiter.“
„Die feine Dame und der brutale Krieger – dieser ergreifende historische Liebesroman spricht sämtliche Sinne an!“
Die New York Times-Bestsellerautorin Paula Quinn lebt mit ihren drei wunderbaren Kindern, drei überfürsorglichen Chihuahuas und einem lauten Schirmkakadu in New York. Sie liest am liebsten Liebesromane und Science-Fiction und schreibt, seit sie elf Jahre alt ist. Sie liebt alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat, aber ihre Liebe zu Schottland lässt ihr Herz höher schlagen.
Weitere Infos & Material
Prolog
Winchester, England
1072
Lady Tanon Risande atmete so tief ein, wie sie nur konnte. Sie wollte einen markerschütternden Schrei ausstoßen und damit ihren Vater wissen lassen, dass sie in Gefahr war. Doch dann traf ein Stein ihre Schulter, und es kam ihr nur ein erschrockener Laut über die Lippen. Sekundenlang schwankte sie auf dem dicken Ast, auf dem sie sich niedergelassen hatte, vor und zurück und riss entsetzt ihre grünen Augen auf. Mit rudernden Armen versuchte sie vergeblich, irgendwo Halt zu finden – dann plumpste sie ins Gras.
Wären da nicht diese Lichter gewesen, die vor ihren Augen hin und her tanzten, hätte sich Tanon zweifellos übergeben. Oh, wäre es nicht wunderbar gewesen, wenn sie dabei Roger deCourtenay getroffen hätte? Daran musste sie denken, während sie außer ein paar Grashalmen auch einen kleinen Kieselstein ausspie.
Tanon hörte Roger lachen, noch bevor sie den Kopf heben konnte, um ihn finster anzusehen. Jedenfalls war es das, was sie eigentlich machen wollte. so wie ihr Vater die Köchin angeschaut hatte, als er sich an einem Stein im Brot fast einen Zahn ausgebissen hätte. Sie versuchte, ihre Nasenflügel aufzublähen und die Augen düster und bedrohlich zusammenzukneifen, ganz so, wie William es ihr beigebracht hatte. Aber ihre Unterlippe begann zu zittern, und dann stiegen ihr auch noch Tränen in die Augen.
Roger lachte noch lauter als zuvor, so laut sogar, dass ihm schier die Luft wegblieb. Er krümmte sich vor Lachen, drückte eine Hand auf seinen Bauch und hielt sich die andere vor den Mund. Dabei schien ihm auf einmal der Gedanke zu kommen, jemand, der zufällig des Wegs kam, könnte vielleicht nicht verstehen, worüber er so schallend lachen musste. Also nahm er die Hand vom Mund und zeigte stattdessen mit dem Finger auf Tanon, während er zu erneutem Gelächter ansetzte. Auch ohne Zuschauer wäre das ganze Schauspiel für sie äußerst demütigend gewesen, aber selbst diese Schmach blieb ihr nicht erspart, denn die meisten auf Winchester Castle lebenden Kinder waren anwesend.
Tanon konnte es Hilary und Janie Pendleton nachsehen, dass sie über sie lachten, weil sie noch etwas jünger waren und gar nicht wussten, wie unhöflich ihr Benehmen eigentlich war. Henry und Thomas Drake hatten nervös dreingeschaut, als Roger mit Steinen nach ihr warf. Doch so wie alle anderen schwiegen auch sie beharrlich. Lieber Tanon als ich, sagte sich jedes der Kinder insgeheim. Sie alle hatten Angst vor Roger, und Tanon erging es ganz genauso. Allerdings war das nicht der Grund, warum sie nicht den Stein aufhob und ihn nach Roger warf. Sie verkniff es sich, weil er es dann seinem Vater, dem Earl of Blackburn, und der es wiederum dem König erzählen würde. Und Tanon wollte auf keinen Fall, dass William ihr böse war. Angst hatte sie vor dem König nicht, ganz im Gegenteil, sie liebte den König fast so sehr wie ihren eigenen Vater. Er konnte die besten Grimassen schneiden, noch besser als die finstere Miene, die Mamas Kammerzofe Elsbeth manchmal aufsetzte.
Tanon wusste, Roger konnte sie nicht leiden. Nicht nur, dass sie sich weigerte, bei seinen grausamen Scherzen mitzumachen, wenn er Ameisen in die Ziegenmilch warf oder die Pfoten der Katze Chloe mit Baumharz einrieb. Nein, sie wies ihn auch jedes Mal zurecht, weil er ein solcher Tyrann war. Allerdings hielt ihn das nicht von seinen gehässigen Streichen ab. Als sie zu weinen begann, während sie zusah, wie Chloe vergeblich versuchte, ihre Pfoten vom Boden zu lösen, machten sich Roger und die anderen eine ganze Woche lang über sie lustig.
Im Augenblick war es ihr völlig egal, warum er sie nicht leiden konnte. Von ihm dazu angespornt, lachten die anderen Kinder sie aus und grunzten wie Schweine, wenn sie ihr begegneten, weil ihre beste Freundin Petunia ein Schwein war. Einen kleinen Trost gab es dennoch: Keines der Kinder hatte sie je geschlagen – bis heute. Immerhin war Tanon die Tochter von Lord Brand Risande. Und wenn jemand ihr etwas antat, dann konnte ihr Papa noch gemeiner sein als Roger.
„Tanon ist wie ein mageres Hühnchen aus dem Baum gefallen!“, jubelte Roger schadenfroh. Als er sah, dass Tanon ihre kleinen Fäuste ballte, wurde er sofort ernst und kam mit stampfenden Schritten auf sie zu. Zufrieden darüber, dass seine düstere Ausstrahlung sie vor Angst blass werden ließ, bleckte er die Zähne und fuchtelte mit der Faust vor ihrem Gesicht herum. Seine blonden Haare fielen ihm in die Augen und über die mit Sommersprossen gesprenkelte Stirn. „Wenn du davon ein Wort deinem Vater sagst, werde ich deinem Schwein die Haut abziehen und es zum Abendessen verspeisen.“
Entsetzt riss Tanon den Mund auf, zwei Tränen fanden den Weg über ihre langen schwarzen Wimpern und liefen über ihre Wangen. Roger sah genauer hin, dann krümmte er sich abermals vor Lachen und zeigte dabei auf ihren Mund.
„Die zahnlose Tanon!“, rief er und vollführte ein Tänzchen auf dem Rasen, wobei er sich wieder den Bauch halten musste.
Tanon presste die Lippen zusammen, fuhr aber mit der Zungenspitze über ihre Zähne, bis sie die Lücke bemerkte. Sie ließ ihren Blick über das hohe, sommerlich grüne Gras wandern, bis sie den fehlenden Zahn entdeckte. Bevor Roger etwas von ihrem Schluchzen mitbekommen konnte, machte Tanon auf der Stelle kehrt und lief davon.
Dabei rannte sie dem von ihr so geliebten William geradewegs in die Arme.
„Aber, aber, wohin willst du denn, Kleine?“ William legte seine riesigen Hände auf ihre Schultern und setzte ihrer Flucht ein jähes Ende. Als Tanon sich die Augen wischte und den Blick gesenkt hielt, hockte er sich vor sie hin, um ihr ins Gesicht zu sehen. Als Tanon zu ihm hochspähte, musterte er sie so ernst, dass sie sich wünschte, auch so finster dreinblicken zu können wie er. „Möchtest du mir sagen, wer dich zum Weinen gebracht hat?„, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf, dennoch entging ihr nicht, dass er Roger und die anderen am Fuß des Hügels argwöhnisch musterte. Im nächsten Moment hob William sie sanft hoch. Tanon war davon überzeugt, dass er größer sein musste als der Baum, von dem sie eben gestürzt war, aber er würde sie nie fallen lassen. Deshalb konnte sie sich auch bedenkenlos an seine breite Brust schmiegen. Endlich war sie in Sicherheit, denn er war der König.
sagte er erfreut, als sie ihm ihr dankbarstes, von Grübchen eingerahmtes Lächeln schenkte. „Wusstest du, dass dir ein Zahn fehlt?“ Daraufhin vergrub sie das Gesicht an seinem Hals und begann herzzerreißend zu weinen, während er über ihre schwarzen Locken strich.
Ihr Papa war von ihrem Anblick noch weniger erfreut als sie selbst, nachdem sie sich in Mamas winzigem Spiegel betrachtet hatte. Es gefiel ihr überhaupt nicht, doch sie würde ihren Papa anlügen müssen – ihr blieb einfach keine andere Wahl. Bestimmt würde Gott ihr vergeben, denn immerhin stand Petunias Leben auf dem Spiel.
„Ich sage dir doch, ich bin vom Baum gefallen, Papa“, beharrte sie, nachdem er sie in Williams Privatgemächern lange Zeit befragt hatte.
„Und niemanden trifft die Schuld an deinem Sturz, Tanon?“ Lord Brand Risande ging vor seiner Tochter auf und ab und hielt die Hände auf dem Rücken verschränkt.
Obwohl er sie mit einem wunderbar warmen Ausdruck in den Augen betrachtete, musste Tanon schlucken und beten, dass er ihr ihre Lüge nicht ansah. Sie schüttelte den Kopf, da sie Angst hatte, ein Wort zu sprechen. Vielleicht besaß ihr Vater eine geheime Fähigkeit, mit der er am Tonfall in ihrer Stimme erkennen konnte, dass sie nicht die Wahrheit sprach.
„William sagte mir, er habe Roger deCourtenay und die Drake-Jungs gesehen. Und die haben ganz sicher nichts damit zu tun, dass du vom Baum gefallen bist und dir einen Zahn ausgeschlagen hast?“
Tanon dachte die ganze Zeit nur an Petunias große braune Augen und an den rundlichen kleinen Körper des Tiers, um bei ihrer Darstellung der Geschehnisse zu bleiben. Niemals würde sie irgendjemanden in Gefahr bringen, den sie liebte, selbst wenn dieser Jemand ein Tier war. Dennoch konnte sie ihren Papa nicht ansehen, als sie antwortete, sondern spielte mit den farbenfrohen Stickereien auf ihrem Kleid. „ Papa. Die hatten damit nichts zu tun.“
Brand sah zu William, der es sich in einem großen Sessel neben dem Kamin bequem gemacht hatte. Er wusste, seine Tochter stolperte oft über ihre eigenen Füße, und sie konnte ohne Weiteres vom Baum gefallen sein, doch die Art, wie sie auf dem Stuhl hin und her rutschte, verriet ihm nur zu deutlich, dass sie ihn anlog. Wen wollte sie bloß beschützen? Als Antwort auf die unausgesprochene Frage zuckte William nur mit den Schultern.
„Tanon.“ Papas Stimme war so sanft und beschwichtigend, dass sie wie durch Zauberei den Kopf hob und ihm in die Augen sah. „Du bist meine älteste Tochter. Du darfst nie vergessen, dass du für deine Brüder stets ein gutes Vorbild sein musst und die Wahrheit sprechen sollst. Ich möchte es gern wissen, wenn es jemanden gibt, der dich unglücklich macht. König William hat uns für den Sommer in sein Heim eingeladen, weil er gehofft hatte, dass es dir Spaß macht und dass du vielleicht die eine oder andere Freundschaft schließt.“
„Oh, aber das habe ich doch gemacht, Papa.“ Sie grinste ihn an und präsentierte damit die Zahnlücke an jener Stelle, an der sich kurz zuvor noch ein Schneidezahn befunden hatte. „Petunia ist meine Freundin.“
„Petunia ist ein Schwein“, erwiderte ihr Vater freundlich und brachte William dazu, Tanon belustigt anzulächeln.
Tanon nahm keine Notiz von der geringen Meinung, die er von ihrer besten Freundin hatte. Sie liebte Petunia, und sie war sich sicher,...




