E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Rabe Gezähmt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-86608-623-4
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-86608-623-4
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach 'Gefangen' und 'Viola – Tagebuch einer Sklavin' präsentiert uns Sira Raba ihren ersten Band mit heißen Kurzgeschichten!
In ihrem dritten Buch geht es um SM-Göttinnen, menschliche Ponys und um das Feuer, das man zwischen Mann und Frau entfachen kann, wenn man sich seine Fantasien gesteht – und ausprobiert.
Autoren/Hrsg.
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Eros Undercover
Eigentlich liebte Leyla ihren Beruf, und im Grunde genommen kam sie mit ihrem Chef, Hauptkommissar Frank Berndorf, gut aus. Aber seit sie in diesem neuen Mordfall recherchierten, hatte sie zum ersten Mal eine Scheißwut auf ihn.
Alles fing damit an, dass Leylas Telefon zu einem Zeitpunkt klingelte, als sie dachte, endlich mal den Feierabend bei einem Fertiggericht und einem entspannenden Spielfilm genießen zu können. Aber was bedeutete in diesem Job schon das Wort Feierabend? Nichts. Verbrecher machten niemals Feierabend.
Manchmal fragte sich Leyla, ob sie sich für den richtigen Beruf entschieden hatte. Ihr Privatleben bestand aus dem Füttern und Streicheln der ihr zugelaufenen Katze, gelegentlichen E-Mailkontakten und Besuchen bei ihren Eltern. Abgesehen von allein verbrachten Nächten, in denen eine Sammlung bunter Vibratoren ihre besten Freunde waren und ihre sexuellen Bedürfnisse eher notdürftig befriedigten, fühlte sie sich mit ihrem Leben durchaus im Reinen und – ja, sie liebte ihren Job sogar. Zumindest manchmal. Denn er war spannend, erforderte psychologischen Spürsinn und Kombinationsgabe, und es war ein gutes Gefühl, wenn sie einen Fall lösten und den Täter aus dem Verkehr zogen.
Alles war, wie gesagt, in Ordnung, sie arbeitete gerne mit Frank zusammen, weil sie ein eingespieltes Team waren und sich hervorragend ergänzten. Bis das Schicksal an jenem verhängnisvollen Abend seinen Lauf nahm und ihr Leben auf nicht vorhersehbare Weise vollkommen durcheinanderwirbelte …
Leyla war gerade vom Einkaufen knapp vor Ladenschluss nach Hause gekommen, hatte ihre Umhängetasche aus wasserdichter, weiß gefärbter LKW-Plane und die vollen Tüten auf dem Küchentresen abgestellt, als ihr Handy in der Jackentasche läutete. Für einen Augenblick überlegte sie, ob sie so tun sollte, als hätte sie es nicht gehört. Aber als sie Franks Namen auf dem Display las, nahm sie doch ab.
«Hallo Frank. Soll ich dir verraten, was im Abendprogramm läuft, weil deine Frau vergessen hat, die aktuelle Fernsehzeitung zu kaufen?»
Im Gegensatz zu ihr war Frank glücklich verheiratet. Noch, wie er mitunter betonte, wenn sein schlechtes Gewissen zuschlug. Zwei Kinder, Reihenhaus, Golden Retriever. Eine meistens verständnisvolle Ehefrau. Sein Engel in der Welt der Düsternis, wie Frank immer wieder betonte.
«Todesopfer, Beethovenstraße 43, 5. Stock. Markus Erdmann. Kannste kommen?»
Das wars dann also mit dem freien Abend und der verdienten Entspannung in der warmen Badewanne. Leylas Magen knurrte protestierend.
«Ja klar, bin schon unterwegs.»
Die Adresse befand sich in einem altgewachsenen Stadtviertel mit wenigen Parkmöglichkeiten. Schulterzuckend blieb Leyla in zweiter Reihe stehen, hinter Franks Auto und einem Polizeiwagen, die dort ebenfalls standen und die Fahrbahn blockierten, und legte ihren Sonderausweis gut sichtbar vorne in den Wagen. Ihr Blick schweifte über den Wohnblock. Altbau. Hohe schlanke Fenster, alte brüchige Rolläden aus Holz, eine Eingangstür so hoch und breit wie ein Scheunentor. Hinter einem der Fenster ein neugieriger Nachbar, der ins Dunkel des Zimmers zurückwich, als Leyla zu ihm aufsah.
Sie nickte dem Polizeibeamten zu, der vor der Tür stand. «N’Abend. Asam, Mordkommission.»
«Guten Abend. Ihr Kollege wartet schon oben auf Sie.»
Leyla rannte die abgetretene Holztreppe immer zwei Stufen auf einmal nehmend hinauf. Tägliches Joggen, dreimal die Woche Fitness- und Krafttraining hatten ihren Körper in eine leistungsfähige Kraftmaschine verwandelt. Das alles sah man ihr allerdings kaum an. Eine nicht zu eng sitzende Lederhose und eine Lederjacke, beides ihre Lieblingskleidung, kaschierten ihre schlanken Formen ein wenig. Wenn Leyla Zeit zum Essen fand, versuchte sie, sich gesund zu ernähren. Obst, Milchprodukte, Gemüse.
Als sie im 5. Stock ankam, war sie nicht einmal außer Atem. Die Wohnungstür war nur angelehnt und sie trat, ohne anzuklopfen, ein.
Frank sah den beiden Männern der Spurensicherung zu, die bereits ihrer Arbeit nachgingen.
«Hi. Hab ich was verpasst?»
Frank zuckte die Schultern. «Hab mir Zeit gelassen, dich anzurufen. Wollte dir noch ein bisschen Freizeit gönnen. Ich hoffe, du hast sie genutzt und deinen Kühlschrank wieder aufgefüllt?»
Leyla nickte.
«Gut. Kann sein, dass du die nächsten Tage keine Zeit dafür hast.»
Dann informierte er sie über das, was er bereits wusste.
Erdmanns Nachbarin hatte diesen seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen und sich Sorgen gemacht, weil er auf ihr Klingeln hin nicht öffnete. Der Mann war zweiunddreißig Jahre alt, Versicherungskaufmann, unverheiratet. Normalerweise holte er morgens die Tageszeitung herauf, die halb aus dem zu kleinen Briefkasten heraushing, las sie beim Frühstücken und steckte sie in einen Beutel an Frau Niedermeiers Wohnungstür, wenn er zur Arbeit ging. Er gab ihr auch stets Bescheid, wenn er verreiste, damit sie seine Post aus dem Briefkasten nahm. Dafür half er ihr, nach dem Waschen die Gardinen aufzuhängen oder nahm ihren Müll mit nach unten. Frau Niedermeier beschrieb ihn als höflich, gut situiert und unauffällig. Der ideale Nachbar.
Nachdem Erdmann sich bereits zweimal aus seiner Wohnung ausgeschlossen hatte, hinterlegte er schließlich bei seiner Nachbarin einen Ersatzschlüssel. So hatte sie es an diesem Abend gewagt, die Wohnung zu betreten, weil er morgens die Zeitung nicht heraufgeholt und weder auf Klingeln noch Klopfen reagiert hatte. Sie hatte zunächst angenommen, er hätte vielleicht ausnahmsweise verschlafen, und darauf geachtet, ob abends seine Wohnungstür zu hören war. Dann hatte sie es nicht mehr ausgehalten und ihn tot in seiner Wohnung vorgefunden.
«Wo ist sie jetzt?»
«In ihrer Wohnung. Sie ist verständlicherweise ziemlich fertig mit den Nerven.»
Ermordete boten häufig einen erschreckenden Anblick. Obwohl Leyla ganz gut damit umgehen konnte, musste sie an diesem Abend schlucken und hoffte, sich nicht zu übergeben. Denn Vergleichbares war ihr in ihrer noch jungen Laufbahn bisher nicht untergekommen.
Der Tote lag bäuchlings auf seinem Bett ausgestreckt, Arme und Beine gespreizt und mit Ledermanschetten an das Bettgestell gefesselt. Das viele Blut am Körper und auf dem Bett und die schmalen Wunden ließen auf unzählige Messerstiche schließen. Hilfeschreie waren durch ein breites Klebeband über dem Mund erstickt worden. Das zur Seite gedrehte Gesicht drückte blankes Entsetzen, Hilflosigkeit und Schmerz aus, vielleicht auch Überraschung. Die Augen waren noch nicht geschlossen worden und blickten Leyla weit aufgerissen beinahe vorwurfsvoll an.
Um einen Raubmord handelte es sich nach Franks erster Einschätzung vermutlich nicht, denn die Wohnung war aufgeräumt und sauber. Gegenstände und Möbel wirkten unverrückt. Der Tote hatte offensichtlich ein stinknormales, unaufregendes Singleleben geführt. Durchschnittliche Möblierung ohne besonderen Stil oder Geschmack, die Wände weiß gestrichen, ein paar gerahmte Posterdrucke, die Sonnenaufgänge und afrikanische Landschaften zeigten.
«Hier, das dürfte Sie interessieren.»
Der Kollege von der Spurensicherung reichte Frank einen Kalender, in dem der Tote sorgfältig Termine und Verabredungen eingetragen hatte, in einer klaren gut leserlichen Handschrift. Frank nahm den Kalender vorsichtig entgegen und blätterte mit Leyla die letzten Tage und Wochen durch. Es schien alles belanglos. Bis auf einen Eintrag, der sich wöchentlich einmal wiederholte: «Sklavendom». Es wirkte beinahe feierlich, wie das Wort eingetragen war, geschwungen und gut lesbar geschrieben. Als wäre es Erdmann persönlich sehr wichtig gewesen.
«Was könnte das bedeuten?», fragte Leyla, mehr zu sich selbst sprechend.
«Hm, weißt du das wirklich nicht?» Frank grinste.
«Nein, sollte ich?» Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte sie sich gerade als extrem unwissend geoutet. Aber dieses Wort hatte sie wirklich noch nie gehört. Sklavendom. Die beiden Begriffe passten überhaupt nicht zusammen.
«Ich dachte, du hältst deine Augen und Ohren offen? Immer und überall?» Er zwinkerte sie an.
«Klar. Aber bin ich Gott und allwissend? Nun sag schon.»
«Das ist so ’ne Mischung aus Swingerclub und Bordell. Hat vor etwa fünf Jahren aufgemacht und scheint ganz gut zu laufen. Das Kürzel steht für «Slave and Dom». Du weißt schon, Dominus, Herr. Die Leute haben daraus einfach Sklavendom gemacht.»
Leyla zog die Augenbrauen hoch. «Moment mal, das sind doch Begriffe aus der BDSM-Szene? Sind das nicht die Perversen, die sich freiwillig Schmerzen zufügen lassen, weil sie sonst ihren Schwanz nicht hochkriegen?» In ihrer Stimme lag all die Verachtung und das Unverständnis, das sie solchen Leuten entgegenbrachte. Sie hatte davon gehört, sich aber nicht weiter damit beschäftigt.
«Ganz so einfach ist es, glaube ich, nicht. Es sind halt einfach andere Sexpraktiken, als sie der Durchschnittsbürger pflegt. Ich wusste gar nicht, dass du Vorurteile hast.»
Leyla zuckte...




