Radcliffe / Weber | Die Burgen von Athlin und Dunbayne | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 132 Seiten

Radcliffe / Weber Die Burgen von Athlin und Dunbayne


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-2895-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 132 Seiten

ISBN: 978-3-7448-2895-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Band 1 der ersten deutschsprachigen Ann-Radcliffe-Gesamtausgabe, herausgegeben von Maria Weber. Osbert, Earl von Athlin, wird von dem leidenschaftlichen Wunsch getrieben, den Mord an seinem Vater zu rächen, der einst durch die Hand Malcolms, Baron von Dunbayne ermordet wurde. Der junge Alleyn, ein Freund des Earls aus dem Volke, steht diesem in Rat und Tat zur Seite und verliebt sich unglücklich in dessen gesellschaftlich weit über ihm stehende Schwester Mary. Die tugendhafte und zarte Mary erwidert Alleyns Gefühle schon bald, versucht aber, ihren Gefühlen für ihn zu widerstehen. Daß der von bösen Leidenschaften getriebene Malcolm sie ebenfalls zur Frau begehrt und nicht einmal vor Entführung und Mord zurückschreckt, um ihre Hand zu bekommen, macht die Situation nicht einfacher, und schon bald werden die Burgen mit all ihren Geheimnissen zum Schauplatz erbitterter Kämpfe, gefährlicher Verfolgungsjagden und von Szenen leidenschaftlichen Gefühls ... "Die Burgen von Athlin und Dunbayne", erstmals im Jahre 1789 erschienen, war Ann Radcliffes erster Roman. Die Handlung des Romans ist im Mittelalter angesetzt und spielt vor einer Kulisse der melancholischen Schönheit der Berge, alter verwinkelter Burgen und den schroffen Küsten des schottischen Hochlands. Mit der darin enthaltenen Romantik und Spannung, den Mysterien und Beziehungsverflechtungen, und nicht zuletzt mit ihrer herausragenden Wortgewalt schuf Ann Radcliffe einen Bestseller, und ebnete sich den Weg zu dauerhaftem Ruhm. Erstmals ins Deutsche übersetzt von Maria Weber

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2. KAPITEL.


DER folgende Tag wurde für die Feier eines jährlichen Festes bestimmt, das der Earl für sein Volk veranstaltete, und er wollte nicht zulassen, daß Alleyn abreiste. Im Saal waren viele Tische aufgestellt worden, und Tanz und Heiterkeit hallten durch die Burg. Es war an diesem Tage üblich, daß der Clan sich bewaffnet versammelte, und zwar wegen eines Angriffs, der zwei Jahrhunderte zuvor durch einen feindlichen Clan versucht wurde, um sie auf ihrem Fest zu überrumpeln, und an den nun gedacht werden sollte.

Am Morgen wurden die kriegerischen Übungen durchgeführt, in welchen der Ehrgeiz durch die Ehrenprämien, die verliehen wurden, erweckt wurde. Die Gräfin und ihre schöne Tochter beobachteten von den Wällen der Burg die Kunststücke, die auf den Ebenen unten vollführt wurden. Ihre Aufmerksamkeit und Neugierde wurde durch die Erscheinung eines Fremden erregt, der Lanze und Bogen mit so exquisiter Geschicklichkeit handhabte, als wolle er jeden Ritterpreis davontragen. Es war Alleyn. Er empfing die Siegespalme, wie dies üblich war, aus den Händen des Earls; und die bescheidene Würde, mit der er sie entgegennahm, bezauberte die Betrachter.

Der Earl ehrte das Fest mit seiner Gegenwart, bei dessen Abschluß sich alle Gäste erhoben, und, ihre Kelche mit der Linken ergreifend und mit der Rechten ihre Schwerter ziehend, zum Gedenken auf ihren verstorbenen Herrn tranken. Der Saal hallte einstimmig wider. Osbert fühlte, wie der Klang sein Herz zum Krieg rief. Dann reichten die Leute einander die Hände und tranken zu Ehren des Sohnes ihres verstorbenen Herrn. Osbert verstand das Signal, und von Gefühlen übermannt, verblaßte alle Überlegung, bis nur der Gedanke an Rache für seinen Vater bestehen blieb. Er erhob sich und hielt mit dem ganzen Feuer der Jugend und entrüsteten Tugend eine Ansprache vor dem Clan. Als er sprach, flammte das Antlitz seines Volkes vor freudiger Ungeduld. Ein tiefes Murmeln des Beifalls lief durch die Versammlung, und als er schwieg, schwor jeder Mann, indem er sein Schwert mit dem seines Nachbarn kreuzte, den heiligen Treuebund, niemals von der Sache abzugehen, in der sie sich nun verbündeten, bis ihr Feind die Schuld der Gerechtigkeit und der Rache mit seinem Leben bezahlt habe.

Am Abend kamen die Frauen und Töchter der Bauern zur Burg und schlossen sich dem Feste an. Es war üblich für die Gräfin und ihre Damen, von einer Galerie des Saales aus die verschiedenen Aufführungen von Tanz und Gesang zu beobachten; und es war ein Brauch der Alten für die Tochter der Burg, die Gelegenheit zu ehren, indem sie mit dem Sieger des Vormittags einen schottischen Tanz aufführten. Dieser Sieger war diesmal Alleyn, der die reizende Mary erblickte, die vom Earl in den Saal geleitet und ihm als seine Tanzpartnerin vorgestellt wurde. Sie empfing seine Huldigung mit süßer Anmut. Sie war in die Tracht eines Hochlandmädchens gekleidet, und ihre schönen kastanienbraunen Locken, die in ihrem Nacken wippten, waren nur mit einem Kranz aus Rosen verziert. Sie bewegte sich im Tanze mit den leichten Schritten der Grazien. Während der Vorstellung herrschte tiefes Schweigen im Saal, und als sie endete, erhob sich ein leises beifälliges Gemurmel. Die Bewunderung der Zuschauer wurde zwischen Mary und dem siegreichen Fremden aufgeteilt. Sie zog sich auf die Galerie zurück, und die Nacht endete zu aller Zufriedenheit, außer für den Earl und Alleyn; doch die Ursache und der Schluß ihrer Unzufriedenheit waren ganz verschieden. Die Gedanken von Osbert drehten sich um die wichtigsten Vorkommnisse des Tages, und seine Seele brannte vor Ungeduld, die Vorsätze kindlicher Frömmigkeit zu verwirklichen; doch fürchtete er die Wirkung, die die Mitteilung seiner Entwürfe auf das zärtliche Herz von Matilda haben könnte. Am Morgen aber, so beschloß er, wollte er sie mit ihnen bekannt machen und in wenigen Tagen seine Angelegenheit mit Waffen erheben und verfolgen.

Alleyn, dessen Herz bis jetzt nur den Schmerz anderer empfunden hatte, begann sich nun seiner eigenen bewußt zu werden. Sein Geist, beklommen und rastlos, zeigte ihm nur das Bild der edlen Mary; er versuchte, ihre Vorstellung zu verdrängen, aber mit einem so schwachen Erfolge, daß sie sich ihm immer noch aufdrängte! Erfreut und doch traurig, wollte er nicht einmal vor sich selbst anerkennen, daß er liebte; so scharfsinnig sind wir darin, alle Erscheinungen des Bösen vor uns zu verbergen. Er stand mit der Morgendämmerung auf und verließ die Burg von Dankbarkeit und heimlicher Liebe erfüllt, um seine Freunde auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten.

Der Earl erwachte aus unruhigem Schlummer und sammelte all seine Kraft, um der zarten Opposition seiner Mutter zu begegnen. Er betrat ihre Gemächer mit zögernden Schritten, und sein Antlitz verriet die Empfindungen seiner Seele. Matilda wurde bald darüber unterrichtet, was ihr Herz vorausgesagt hatte, und versank, von Schrecken überwältigt, leblos in ihrem Stuhl. Osbert flog zu ihrer Hilfe, und Mary und die Bediensteten erweckten sie bald wieder zu ihrem Bewußtsein und Elend.

Osberts Brust wurde von dem grausamsten Konflikt zerrissen: kindliche Pflicht, Ehre und Rache geboten ihm zu gehen; kindliche Liebe, Bedauern und Mitleid baten ihn zu bleiben. Mary fiel zu seinen Füßen, und umklammerte seine Knie mit all der wilden Energie der Trauer, bat ihn, seinen tödlichen Zweck aufzugeben und seinen letzten überlebenden Elternteil zu verschonen.

Ihre Tränen, ihr Seufzen und die sanfte Schlichtheit ihres Benehmens sprachen eine noch stärkere Sprache als ihre Zunge; doch die stille Trauer der Gräfin war noch rührender, und in seinen Bemühungen, sie zu beruhigen, war er bereits auf dem Punkte, in seiner Entschlossenheit nachzugeben, als die Gestalt seines sterbenden Vaters vor seiner Phantasie entstand und seinen Entschluß unwiderruflich befestigte. Die Angst einer zärtlichen Mutter stellte Matilda das Bild ihres blutenden und geisterhaften Sohnes vor; und der Tod ihres Gemahls wurde in ihrem Gedächtnis mit dem ganzen quälenden Schmerz wiederbelebt, den das traurige Ereignis in ihrem Herzen eingeprägt hatte, und dessen verhärtete Züge die nachsichtige Hand der Zeit fast verwischt hatte. So lieblich ist das Mitleid in seinem ganzen Verhalten, daß die Zuneigung uns dazu veranlaßt, zu glauben, daß es niemals sündigen kann; doch es wandelt sich in ein Laster, wenn es die Absichten der stärkeren Tugend überwältigt. Unnachgiebigere Grundsätze bestärkten Osberts Herz nun gegen seinen Einfluß und trieben ihn dazu, zur Waffe zu greifen. Er rief ein paar der Fähigsten und Vertrauenswürdigsten des Clans herbei und hielt einen Kriegsrat, in dem beschlossen wurde, daß Malcolm mit aller Kraft angegriffen werden sollte, die sie zusammenbringen konnten, und mit aller Geschwindigkeit, die die Dringlichkeit der Vorbereitung erlauben würde. Um zu verhüten, daß der Baron mißtrauisch und beunruhigt werde, war man sich einig, daß diese Vorbereitungen so aussehen sollten, als daß sie für den Clanführer eines fernen Landesteils gedacht wären. So daß sie, wenn sie zum Feldzug aufbrächen, eine Zeitlang eine entgegengesetzte Richtung verfolgen sollten, aber unter der Gunst der Nacht plötzlich ihren Weg ändern und sich zur Burg Dunbayne wenden sollten.

In der Zwischenzeit übte sich Alleyn unermüdlich darin, seine Freunde für die Sache zu gewinnen und war in diesem Unternehmen so erfolgreich, daß sie in wenigen Tagen eine nicht unerhebliche Anzahl gesammelt hatten. Zu der hitzigen Begeisterung der Tugend wurde nun ein neuer Grund der Anstrengung hinzugefügt. Es war nicht länger nur eine Verbundenheit zur gerechten Sache, die ihn zum Handeln weckte; der Stolz, sich in den Augen seiner Angebeteten auszuzeichnen und ihre Wertschätzung durch seine eifrigen Dienste zu verdienen, verlieh dem ersten Impuls des Wohlwollens verstärkte Kraft. Die süße Vorstellung, ihren Dank zu verdienen, wirkte heimlich auf seiner Seele, denn er wußte noch nichts von ihrem dortigen Einfluß. In diesem Zustand erschien er wieder auf der Burg, und sagte dem Earl, daß er selbst und seine Freunde bereit seien, ihm zu folgen, wann immer das Signal gegeben werden sollte. Sein Angebot wurde mit der warmen Güte akzeptiert, die es verdiente, und er wurde gebeten, sich bis dahin in Bereitschaft zu halten.

Nach ein paar Tagen waren die Vorbereitungen abgeschlossen, Alleyn und seine Freunde wurden zusammengerufen und der Clan in Waffen versammelt; dann brachen sie, mit dem jungen Earl an ihrer Spitze, zu ihrem Feldzug auf. Der Abschied zwischen Osbert und seiner Familie kann man sich leicht vorstellen; doch konnte der ganze Stolz der erwarteten Eroberung nicht den Seufzer unterdrücken, der Alleyn entfleuchte, als seine Augen sich Mary zuwandten, die mit der Gräfin auf der Terrasse der Burg stand und mit schmerzlichem Blicke den Zug ihres geliebten Bruders verfolgte, bis die Entfernung ihn vor ihrem Blick verschleierte. Dann wandte sie sich weinend und künftiges Unglück ahnend in die Burg. Sie bemühte sich jedoch, einen Anschein von Ruhe zu wahren, damit sie die Ängste Matildas täuschen und ihre Sorgen besänftigen...



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